Einheit unter den präsidierenden Kollegien und erfüllte Prophezeiungen
George F. Richards
Ich habe versucht, seit ich heute Nachmittag in diese Versammlung gekommen bin, für mich selbst und meinen Glauben Bilanz zu ziehen; und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Übereinstimmung, die zwischen den Zeugnissen meiner Brüder besteht, die während der Versammlungen dieser Konferenz abgelegt worden sind, und meinen eigenen Gedanken und Gefühlen, für mich ein Beweis dafür ist, dass mein Glaube etwa richtig ist. Ich befürworte von ganzem Herzen die Zeugnisse, die abgelegt worden sind, die Unterweisungen, die uns während der Konferenz gegeben worden sind. Ich stütze und unterstütze von ganzem Herzen den Präsidenten der Kirche als solchen und als Propheten, Seher und Offenbarer und Mundstück Gottes für dieses Volk; und ich danke dem Herrn für ihn, für seine Rechtschaffenheit, für seine Liebe zur Wahrheit, für seine Verwaltung der Angelegenheiten der Kirche unseres Meisters. Ich stütze und unterstütze mit ihm seine Ratgeber. Diese als Männer Gottes, von Ihm gebilligt, mit willigem Herzen unterstützt von dem Volk, das sie kennt und weiß, dass ihr tiefstes Interesse dem Wohl und Triumph des Werkes des Herrn gilt. Ich unterstütze von ganzem Herzen die Mitglieder des Rates der Zwölf. Ich kenne diese Männer aus dem täglichen Umgang mit ihnen, im Rat und in unseren Verrichtungen unter dem Volk, und ich weiß, dass sie die Liebe zum Werk im Herzen tragen. Ich kenne ihre Einigkeit — denn sie sind bis auf den letzten Mann einig, in jeder Frage, die uns hinsichtlich des Wohls dieses Werkes und des Volkes vorgelegt worden ist. Ich unterstütze sie, bete für sie, und ich weiß, dass der Herr mit ihnen ist und ihre Verwaltungen segnet. Ich stütze und unterstütze den Rat der Siebziger, und ich weiß, dass dieser Rat mit dem Rat der Zwölf und der Ersten Präsidentschaft in Einklang steht. Die Präsidierende Bischofschaft und der Patriarch sind eins mit diesen Räten. Ich glaube, ich kann in Wahrheit sagen, dass alle Räte des heiligen Priestertums, in der ganzen Länge und Breite dieser Kirche, die Generalautoritäten stützen und unterstützen und mit ihnen eins sind in Interesse und Arbeit für den Fortschritt des Werkes des Herrn. ¶
Als ich gestern die große Menschenmenge in diesem Gebäude sah, und auf dem Gelände rings um dieses Gebäude — wissend, dass zur gleichen Zeit eine Überlaufversammlung in der Versammlungshalle abgehalten wurde — wurden meine Gedanken zu einer Offenbarung geleitet, die im elften Abschnitt des Buches der Bündnisse zu finden ist, wo der Herr, im Jahr 1829, vor der Organisation der Kirche, zu dem Propheten sprach und sagte: „Ein großes und wunderbares Werk ist im Begriff, unter den Menschenkindern hervorzukommen." Wenn ich an die damaligen Verhältnisse denke — (es gab damals noch keine Organisation der Kirche, aber der Herr sagte dem Propheten klar, was Er zu vollbringen beabsichtigte; Joseph sollte das Werkzeug in Seinen Händen sein, das erste aller Werkzeuge, um dies zu bewirken) — und wenn ich dann sehe, was vollbracht worden ist, wissend, dass all diese Menschen nur eine kleine Vertretung der Heiligen der Letzten Tage sind, so sah ich die Erfüllung jener Verheißung an Joseph und war davon beeindruckt. Ich freue mich darüber, und es macht mich zufriedener, gewisser, dass sich all jene anderen Verheißungen, die der Herr durch Seine Propheten hinsichtlich des endgültigen Triumphs Seines Werkes in den letzten Tagen gemacht hat, erfüllen werden. ¶
In Verbindung mit diesen Gedanken dachte ich an die wunderbare Verantwortung, die auf uns ruht. So zahlreich wir auch sind, in dem Sinne, den ich erwähnt habe, so sind wir doch nur eine Handvoll der Kinder unseres Vaters. Der Herr bezog sich durch Seinen Propheten Johannes auf der Insel Patmos auf eine Zeit, in der das immerwährende Evangelium durch einen Engel vom Himmel wiederhergestellt werden würde. Es sollte jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk gepredigt werden. Wir nehmen den Besuch des Engels Moroni, die Botschaft, die er brachte, das Buch Mormon, das das immerwährende Evangelium enthält, und die Offenbarungen des Herrn an uns seither als Erfüllung jener Voraussage an, und wir haben die große Verantwortung angenommen, dieses Evangelium jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk auf der ganzen Welt zu predigen. Wir haben uns zu diesem Zweck bemüht. Ich hoffe, dass unsere Bemühungen vom Herrn angenommen werden. Ich frage mich manchmal, ob wir in dieser Hinsicht alles tun, was Er von uns verlangt. Wir bemühen uns, gegenwärtig im Missionsfeld, aus den Pfählen Zions, etwa zweitausend Missionare zu unterhalten. Sie werden auf Kosten von Zeit und Geld der Ältesten und der Kirche unterhalten, zusammen mit anderen mit den Missionsfeldern verbundenen Ausgaben, in der Größenordnung von zwei Millionen Dollar pro Jahr, oder genauer gerechnet, 150.000 Dollar pro Monat. Wenn wir es auf diese Weise betrachten, so ist es in der Tat ein wunderbares Werk, das wir bei der Predigt des Evangeliums im Ausland vollbringen. Nun gibt es noch einen weiteren Punkt in Verbindung mit dieser Verantwortung, über den ich für ein paar Augenblicke sprechen möchte; und damit wir von der Größe dieser Verantwortung beeindruckt sein mögen, möchte ich einige Abschnitte aus dem dritten Kapitel des Buches Ezechiel vorlesen. Der Herr sprach zu Ezechiel: ¶
„Menschensohn, ich habe dich zum Wächter für das Haus Israel bestellt: wenn du ein Wort aus meinem Munde vernommen hast, sollst du sie in meinem Namen verwarnen! Wenn ich also zum Gottlosen sage: ‚Du musst des Todes sterben!' und du verwarnst ihn nicht und sagst kein Wort, um den Gottlosen vor seinem bösen Wandel zu warnen, um ihn am Leben zu erhalten, so wird er als Gottloser um seiner Verschuldung willen sterben, aber für den Verlust seines Lebens werde ich dich verantwortlich machen. Hast du aber den Gottlosen gewarnt und hat er sich trotzdem von seiner Gottlosigkeit und seinem bösen Wandel nicht abgewandt, so wird er zwar um seiner Verschuldung willen sterben, du aber hast deine Seele gerettet. ¶
Und wenn ein Gerechter sich von seiner Gerechtigkeit abkehrt und Böses tut und ich ihm dann entgegentrete, so dass er stirbt — wenn du ihn dann nicht gewarnt hast, so wird er zwar infolge seiner Sünde sterben, und der gerechten Werke, die er vollbracht hat, wird nicht mehr gedacht werden; aber für den Verlust seines Lebens werde ich dich verantwortlich machen." ¶
Dies ist eine Verantwortung — der Herr legte sie Ezechiel auf, als einen Wächter auf den Türmen Israels; und uns ist eine gleiche Vollmacht und eine gleiche Verantwortung anvertraut worden. Sie erstreckt sich auf die Predigt des Evangeliums in den Nationen der Erde; und dieselbe Verantwortung, wenn ich es recht verstehe, ruht auf denen von uns, die daheim bleiben. ¶
Nur ein paar Verse aus dem elften Abschnitt des Buches der Bündnisse. Der Herr sagt in einer im Mai 1829 gegebenen Offenbarung: ¶
„Ein großes und wunderbares Werk ist im Begriff, unter den Menschenkindern hervorzukommen. Siehe, ich bin Gott; schenke meinem Wort Beachtung, das lebendig und machtvoll ist, schärfer als ein zweischneidiges Schwert, sodass es sowohl Gelenke als auch Mark zerteilt; darum schenke meinem Wort Beachtung. Siehe, das Feld ist schon weiß, zur Ernte bereit; darum, wer zu ernten wünscht, der soll seine Sichel mit aller Macht einschlagen und ernten, solange es noch Tag ist, damit er im Reich Gottes immerwährende Errettung für seine Seele aufhäufe wie einen Schatz. Ja, wer auch immer seine Sichel einschlägt und erntet, der ist von Gott berufen." ¶
Und aus dem 15. Abschnitt lesend: ¶
„Siehe, ich gebiete dir, nicht etwa zu meinen, du seiest berufen zu predigen, ehe du berufen bist." ¶
Wir lesen in den Schriften, in Bezug auf die Vollmacht, dass sich niemand selbst die Ehre nimmt, sondern derjenige, der von Gott berufen wird, wie es auch bei Aaron der Fall war. Aaron wurde durch die Stimme des Herrn berufen, durch Seinen Propheten Moses. Dies ist ein in dieser Kirche beachteter Grundsatz. Einer der Glaubensartikel lautet: „Wir glauben, dass ein Mensch von Gott durch ‚Prophezeiung und Handauflegen' berufen sein muss, durch diejenigen, die Vollmacht haben, das Evangelium zu predigen und dessen heilige Handlungen zu verwalten." ¶
Es gibt viele Männer in Zion, die auf diese Weise durch die Stimme des Herrn berufen worden sind, durch Seine Diener — auf die Weise, die der Herr bestimmt hat, und ihnen sind die Hände der Diener des Herrn aufgelegt worden. Sie sind gesegnet und für ihren besonderen Dienst abgesondert worden. Nehmt zum Beispiel die Präsidentschaften der verschiedenen Pfähle Zions, die Bischöfe und ihre Ratgeber in den verschiedenen Gemeinden der ganzen Kirche, und die besuchenden Gemeindelehrer bei der Arbeit, zu deren Verrichtung sie berufen sind: sie alle sind für ihre besonderen Aufgaben berufen, ernannt, ordiniert, gesegnet und abgesondert worden; und diese Verantwortung ruht schwer auf ihnen, sowie viele andere Verantwortlichkeiten, die nicht erwähnt worden sind. ¶
Es gibt heute viele aus Israel, die versammelt werden, die aus eigenem Antrieb nach Zion heraufkommen. Wir finden sie beim Kauf von Häusern, Höfen und Geschäften unseres Volkes, von einem Ende, möchte ich sagen, dieses Staates zum anderen; ja, und auch in anderen Staaten, wo unser Volk lebt. Wir verkaufen ihnen in vielen Fällen unsere Erbteile; und manche dieser Menschen haben sich als vom Blute Israels erwiesen. Wir haben viele von ihnen bekehrt, aber ich fürchte, dass wir in dieser Hinsicht nicht unsere volle Pflicht erfüllen. Und es ist eben dieser Punkt, den ich allen hier heute Nachmittag Versammelten einprägen möchte — nicht nur denen, die ich erwähnt habe, diesen Amtsträgern, sondern allen Männern und Frauen in der Kirche, denn der Herr nimmt niemanden aus, wie ich die Offenbarung verstehe. Er erwartet von uns, dass wir etwas zu tun finden, wenn wir nicht besonders berufen worden sind. Ich möchte nun einige Verse aus dem 58. Abschnitt des Buches der Bündnisse vorlesen: ¶
„Denn siehe, es ist nicht recht, dass ich in allem gebieten muss; denn wer in allem genötigt werden muss, der ist ein träger und nicht ein weiser Diener, darum empfängt er keinen Lohn. ¶
Wahrlich, ich sage: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen; denn die Macht ist in ihnen, wodurch sie für sich selbst handeln können. Und insoweit die Menschen Gutes tun, werden sie keineswegs ihres Lohnes verlustig gehen. ¶
Wer aber gar nichts tut, bis es ihm geboten wird, und ein Gebot mit zweifelndem Herzen empfängt und es auf träge Weise hält, der ist verdammt." ¶
Der Herr erwartet von uns, dass wir uns umsehen und feststellen, was aus eigenem Antrieb getan werden kann, und uns solcher Arbeit widmen, wie wir sie zur Errettung der Menschenkinder zu leisten fähig sind und Gelegenheit dazu haben. Nun noch eine Textstelle, aus dem 38. Abschnitt: ¶
„Und weiter, ich sage euch: Ich gebe euch das Gebot, dass ein jeder Mann, ob Ältester, Priester, Lehrer oder auch Mitglied, mit aller Macht darangehe, durch seiner Hände Arbeit all das vorzubereiten und auszuführen, was ich geboten habe. ¶
Und lasst euer Predigen die warnende Stimme sein, jedermann für seinen Nächsten, voll Milde und voll Sanftmut." ¶
Selbstverständlich „kann und soll kraft des Priestertums keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe, mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert, ohne Heuchelei und ohne Falschheit." Das ist der Geist, in dem wir unser Priestertum und unsere Vollmacht ausüben und diese Verpflichtung erfüllen sollen, ob nun im Ausland oder daheim. Mir scheint tatsächlich, dass wir hier die Stimme des Herrn haben, alles, was in Bezug auf die Vollmacht nötig ist, um es zu rechtfertigen und jedem Mann, sei er Ältester, Priester, Lehrer, Diakon oder Mitglied, die Verantwortung aufzuerlegen, seine Stimme zur Verteidigung der Wahrheit und der Rechtschaffenheit zu erheben, Gelegenheit zu suchen, wo er Gutes tun kann, Vorurteile zu zerstreuen und denen, die nicht unterrichtet sind, das offenbarte Wort und den Willen des Herrn zur Kenntnis zu bringen. Es gibt viele unseres Volkes, die eifrig mit diesem Werk beschäftigt sind. Wenn wir unter ihnen reisen, entdecken wir diese Tatsache. Ich möchte auf mehrere Vorfälle aufmerksam machen, die mir und meinen Brüdern auf ihren Reisen zu Kenntnis gekommen und uns berichtet worden sind. Vor einigen Monaten, während ich im Fremont-Pfahl Zions eine der Gemeinden besuchte, berichtete der Bischof, dass während der drei Jahre seiner Verwaltung, zusammen mit seinen Ratgebern, den Gemeindelehrern und der Hilfe, die er in jener Gemeinde hatte, sie das Mittel gewesen seien, zwanzig erwachsene Mitglieder in die Kirche zu bringen. In einer der Gemeinden im Davis-Pfahl wird berichtet, dass innerhalb von neun Monaten durch organisierte, systematische, eifrige Bemühung die dortigen Brüder das Mittel gewesen seien, dreizehn von den zweiundzwanzig Nicht-Mormonen jener Gemeinde in die Kirche zu bringen, und andere untersuchen den Glauben. Und sie beabsichtigen, ihre Bemühungen fortzusetzen. Präsident Lyman besuchte kürzlich den Bingham-Pfahl, und einer der Bischöfe einer kleinen Gemeinde in jenem Pfahl berichtete, dass in den vergangenen drei Monaten sechs Erwachsene in die Kirche getauft worden seien. Bei einem Besuch im Morgan-Pfahl vor wenigen Wochen berichtete ein Mitglied der Bischofschaft einer der Gemeinden, dass in den vergangenen drei Monaten einundzwanzig Personen über zehn Jahren, im Alter von fünfzehn bis dreißig, mehrere von ihnen verheiratet — Familienoberhäupter — in die Kirche gebracht worden seien. So ließen sich diese Beispiele vervielfachen. ¶
Der Gedanke kommt mir, Brüder und Schwestern, Bischöfe und Gemeindelehrer: Wenn in diesen Gemeinden durch systematische, treue, hingebungsvolle Bemühung diese Menschen bekehrt und in die Kirche gebracht worden sind, ist es dann nicht möglich, dass es innerhalb der Grenzen eurer Gemeinden, eurer Bezirke, auch einige vom Blute Israels gibt, die ebenfalls dazu gebracht werden könnten, die Wahrheit zu sehen, würdet ihr eure volle Pflicht ihnen gegenüber erfüllen? Die Kollegien des Priestertums haben alle nötige Vollmacht. Jede Präsidentschaft eines Kollegiums ist berufen, ernannt, ordiniert und für ihre Arbeit abgesondert worden — nicht allein, um das Evangelium in der Welt zu predigen, sondern um daheim und in ihren Kollegien zu dienen. Brauchen die Präsidentschaften der Hohepriester-Kollegien, oder die Präsidentschaften der Siebziger-Kollegien, oder die Ältesten-Kollegien mehr Vollmacht, als ihnen gegeben worden ist, um die Arbeit in ihren eigenen Kollegien aufzunehmen? Ich glaube nicht; sie haben alle Vollmacht, die nötig ist; und die Verantwortung begleitet die Vollmacht. Dennoch finden wir nirgendwo ein Feld, das durch die eifrige Arbeit treuer Männer fruchtbarer sein könnte als diese Kollegien des Priestertums. Darin gibt es Männer, die von ihren Sünden umgekehrt sind, die vorgetreten sind und das Evangelium angenommen haben; aber manche haben in ihren Bemühungen nachgelassen; haben die Arbeit vernachlässigt, der Geist des Evangeliums scheint sich von ihnen zurückgezogen zu haben, sie sind ohne den Geist des Herrn und befinden sich in Finsternis. Wir sollten mit diesen Männern wirken. Sie haben sich vielleicht Gewohnheiten hingegeben, die verboten sind, und haben diese Gewohnheiten geradezu unter den Nasen, sozusagen, und in der Gegenwart der Präsidentschaften dieser Kollegien erworben. Ich denke, gerade diese Männer sollten vor allen anderen Wächter auf den Türmen Zions sein, besonders für die Priestertumskollegien, denen sie vorstehen. Sie sollten mit jedem Mitglied des Kollegiums durch häufigen Kontakt so vertraut sein, im Gespräch, indem sie sie über ihren Glauben und ihre Treue in der Erfüllung ihrer Pflichten als Kollegiumsmitglieder befragen, dass diese Mitglieder nicht weit vom schmalen Weg, dem Pfad der Pflicht, abweichen könnten, ohne entdeckt zu werden. Und wenn diese Entdeckung gemacht wird, gleich zu Beginn dieser Gewohnheiten, sollte diese Arbeit von denjenigen aufgenommen werden, die die Präsidentschaft über sie innehaben, denn auf ihnen ruht die Verantwortung für das Leben, für die Treue ihrer Mitglieder. ¶
Da die Siebziger und Ältesten zu einem sehr großen Teil den auswärtigen Dienst bilden, sollten sie ihr Handwerk auch üben, während sie daheim sind, denn sie haben ein reichliches Betätigungsfeld in den Kollegien des Priestertums. Aber uns wird in dem, was ich eben gelesen habe, gesagt, dass auch die Mitglieder diese Verantwortung tragen. Auch sie sollten predigen, und ihr Predigen sollte die warnende Stimme sein, jedermann für seinen Nächsten. Die Forderung dieses Evangeliums, in Bezug auf das Predigen des Wortes, lautet: „Siehe, ich habe euch ausgesandt, Zeugnis zu geben und die Menschen zu warnen; und einem jeden, der gewarnt worden ist, kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen." Es sollte keine Feiglinge unter uns geben. Ich denke manchmal, dass wir unsere Pflicht als Lehrer gegenüber unseren Mitmenschen daheim aus Feigheit vernachlässigen. Wir sind nicht so kühn und mutig, wie wir sein könnten. Dafür mag es einen Grund geben. Vielleicht ist bei manchen von uns das Zeugnis der Wahrheit nicht ausreichend in unserer Seele verwurzelt, und vielleicht ist unsere Lebensführung nicht so, wie sie sein sollte, und dieser Zustand verschließt uns den Mund; er demütigt und beschämt uns, wenn wir uns an die Erfüllung unserer Pflichten machen. Darum sollten wir wenigstens so treu bleiben, wie wir es waren, als wir in die Kirche eintraten. Unser Leben sollte der Nachahmung durch alle Menschen würdig sein und so dem Namen des Herrn und Seinem Werk zur Ehre gereichen. Würden wir so leben, so würde der Geist des Herrn auf uns ruhen, der Geist unserer Berufung würde uns begleiten, und wir würden furchtlos bei der Erfüllung unserer Pflichten sein, wir würden Liebe in unseren Herzen für unsere Mitmenschen tragen, und selbst wenn das Gefühl der Verantwortung uns nicht zur Pflichterfüllung zwänge, würde die Liebe, die in unseren Seelen für unsere Brüder und Schwestern und für die, die zu uns kommen, brennen würde, uns dazu bringen, eine helfende Hand auszustrecken und sie auf den schmalen Weg zu führen, der zur Sicherheit, zur Errettung und zum ewigen Leben führt. ¶
Aber trotz all dieser Gründe, warum wir tätig sein sollten, ist der Anteil der Heiligen der Letzten Tage, die den wahren, echten Missionsgeist haben, meiner Meinung nach zu gering, sogar unter jenen, die in der Welt gewesen sind und zwei oder drei Jahre, und später vielleicht noch einmal so viel, im Missionsfeld verbracht haben. Sie kommen nach Hause, und manche vergessen sogar, welcher Art von Männern sie als Verkünder der Rechtschaffenheit sein sollten, und verlieren den Geist der Missionsarbeit, was zu bedauern ist. Nun, ihre Talente, ihre Fähigkeit, ihr Gedächtnis, alles, was durch jene Missionsarbeit geschärft wurde, qualifiziert und befähigt sie, dieses höchst notwendige Werk der individuellen Missionsarbeit zu tun. Es gibt ein Feld, das breit genug ist, niemand ist ohne Entschuldigung, und kein Mann und keine Frau muss auf die Gelegenheiten seines oder ihres Nächsten eifersüchtig sein, denn er hat alle Gelegenheit, Gutes zu tun, die nötig ist. ¶
Nun möchte ich meinen Brüdern und Schwestern, die in den Pfählen und in den Gemeinden, in den Kollegien und in den Hilfsvereinigungen präsidieren, einen Gedanken einprägen: dass wir Beschützer seien, dass wir Hüter des Volkes seien, dass wir in der Tat Väter für das Volk seien und ihnen das geben, was sie am meisten benötigen. Lasst uns in uns selbst diesen Geist pflegen, den Wunsch zu lehren, zu ermutigen, zu beraten und Rat zu geben, wo immer wir Gelegenheit dazu haben, wo immer wir sehen, dass es nötig ist. Ich verspreche euch, wenn ihr euch in diesem Werk betätigt, wird es euren eigenen Glauben mehren; es wird ein Anker für eure Seelen sein; es wird euch Freude und Genugtuung bringen, und eure Hoffnung auf ewiges Leben wird stark zunehmen. Auf diese Weise beschäftigt, wird unser Vertrauen auf den Herrn zunehmen, und ebenso unsere Gewissheit, dass unser Leben nicht vergeblich verbracht sein wird, sondern dass wir am Ende den verheißenen Segen des ewigen Lebens erlangen werden. Gott segne uns zu diesem Ziel, so bete ich, im Namen Jesu. Amen. ¶