Pulpit

Eröffnungsansprache: Einheit und der Fortschritt der Kirche

Joseph F. Smith

1907 October General Conference·First Day Morning Session·1907-10-04

Die Achtundsiebzigste Halbjahreskonferenz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage trat im Tabernakel, Salt Lake City, um 10 Uhr am Freitag, dem 4. Oktober 1907, zusammen, Präsident Joseph F. Smith präsidierend.

Von der Ersten Präsidentschaft waren anwesend: Joseph F. Smith, John R. Winder und Anthon H. Lund; vom Rat der Zwölf Apostel: Francis M. Lyman, John Henry Smith, Heber J. Grant, Rudger Clawson, Hyrum M. Smith, George Albert Smith, George F. Richards, Orson F. Whitney und David O. McKay; der Präsidierende Patriarch, John Smith; vom Ersten Rat der Siebziger: Seymour B. Young, Brigham H. Roberts, George Reynolds, J. Golden Kimball, Rulon S. Wells, Joseph W. McMurrin und Charles H. Hart; von der Präsidierenden Bischofschaft: William B. Preston und Orrin P. Miller; Assistierender Historiker Andrew Jenson. Es waren auch eine große Anzahl von Pfahl- und Missionspräsidenten mit ihren Ratgebern, Bischöfen von Gemeinden, Patriarchen und zahlreiche andere angesehene Männer und Frauen zugegen, die verschiedene Organisationen der Kirche vertraten.

Präsident Joseph F. Smith eröffnete die Versammlung, und der Gottesdienst begann damit, dass der Chor und die Versammlung eine Hymne über den Erlöser Israels sangen.

Das Eröffnungsgebet wurde von Ältester Wm. T. Jack gesprochen.

Der Chor sang eine Hymne über die nahende tausendjährige Morgendämmerung.

Ich fühle mich sehr dankbar, so viele der Heiligen der Letzten Tage versammelt zu sehen, wie sie heute Morgen bei der Eröffnungssitzung unserer Achtundsiebzigsten Halbjahreskonferenz hier sind. Ich möchte die Gefühle des Willkommens ausdrücken, die wir für euch alle haben, die ihr zusammengekommen seid, um an den Geschäften teilzunehmen, die bei dieser Konferenz abgewickelt werden mögen, und um solchen Unterweisungen zuzuhören, die uns durch die Diener des Herrn gegeben werden mögen. Es ist mir eine Quelle großer Genugtuung, das Interesse zu sehen, das unser Volk an dieser Konferenz zeigt. Wir heißen euch heute Morgen hier willkommen und fühlen uns veranlasst, den Segen des Herrn über euch anzurufen; dass Sein Heiliger Geist auf allen ruhen möge, die sich hier versammelt haben, um den Herrn im Geist und in der Wahrheit anzubeten, und die mit dem Wunsch und der Absicht in ihren Herzen gekommen sind, ihre Pflicht gegenüber der Kirche und dem Herrn zu erfüllen, der es durch Sein Wort notwendig gemacht hat, dass wir uns von Zeit zu Zeit versammeln, um über Sein Werk und die Geschäfte zu sprechen und nachzudenken, die den Aufbau Zions und die Verbreitung des Evangeliums zu den Nationen der Welt betreffen.

Ich bin dankbar, dass die Präsidentschaft sich gewohnter Gesundheit und Kraft erfreut, und dass wir in unserer Arbeit geeint sind. Ich bin auch sehr dankbar, euch sagen zu können, dass die Apostel ebenfalls geeint sind, nicht nur untereinander, sondern mit der Präsidentschaft; und unser Interesse am Werk des Herrn nimmt, wie ich glaube, Tag für Tag zu. Ich kann mit voller Wahrheit sagen, dass der Erste Rat der Siebziger mit uns geeint ist und auch untereinander geeint ist; und soweit ich weiß (und ich denke, wir haben sehr gute Gelegenheit zu urteilen), gibt es einen Geist der Einheit und Liebe, der durch die ganze Kirche besteht und alles Volk Gottes durchdringt. Und dies ist zweifellos eine Quelle des Vergnügens und der Stärke, eine Quelle der Freude und Genugtuung für jede Seele, die ein Interesse am Werk des Herrn hat.

Unsere Pflichten in der Kirche sollten, wie ich denke, jedem anderen Interesse in der Welt übergeordnet sein. Es ist wahr, dass wir gezwungen sind, uns um unsere weltlichen Interessen zu kümmern. Es ist selbstverständlich für uns notwendig, mit unseren Händen und unserem Verstand in unseren verschiedenen Beschäftigungen zu arbeiten, um die Notwendigkeiten des Lebens zu erlangen. Es ist wesentlich, dass die Heiligen der Letzten Tage fleißig und beharrlich in allen Arbeiten sind, die ihnen obliegen, denn es steht geschrieben, dass „die Einwohner Zions auch voller Glaubenstreue an ihre Arbeit denken sollen, in dem Maße, wie es ihnen bestimmt ist zu arbeiten; denn der Müßiggänger wird vor dem Herrn in Erinnerung gebracht werden". Es steht ferner geschrieben: „Ein jeder soll in allem eifrig sein. Und der Müßiggänger soll keinen Platz in der Kirche haben, außer er kehre um und bessere seine Wege." Wiederum: „Du sollst nicht müßig sein, denn wer müßig ist, soll weder das Brot des Arbeiters essen noch dessen Gewand tragen." Aber in all unseren Arbeiten im Leben, in all den Sorgen, die uns bedrängen, und den zeitlichen Verantwortlichkeiten, die auf uns ruhen, sollten wir die Sache Zions, die in der Tat die Sache der Wahrheit und Rechtschaffenheit ist, an oberster Stelle in unseren Gedanken und höchster Stelle in unserer Wertschätzung und Liebe halten. Es ist der Plan des Lebens, den der Allmächtige dem Menschen in den letzten Tagen zur Errettung der Seelen der Menschen wiederhergestellt hat, nicht nur für die künftige Welt, sondern für unser gegenwärtiges Leben, denn der Herr hat Sein Werk eingesetzt, damit Sein Volk die Segnungen dieses Lebens im höchsten Maße genießen möge; dass sie in diesem gegenwärtigen Leben ebenso wie im künftigen Leben errettet werden sollten, dass sie hier das Fundament für die Freiheit von der Sünde und all ihren Auswirkungen und Folgen legen sollten, damit sie ein Erbe im Reich Gottes jenseits dieses Tränentals erlangen mögen. Das Evangelium Jesu Christi ist die Kraft Gottes zur Errettung, und es ist für jeden Mann und jede Frau in der Kirche Christi unbedingt notwendig, Rechtschaffenheit zu üben, die Gesetze Gottes zu beachten und die Gebote zu halten, die Er gegeben hat, damit sie sich der Kraft Gottes zur Errettung in diesem Leben bedienen können.

Ich glaube nicht an die Vorstellungen, die man manchmal in der Welt vorgebracht hört, dass es wenig ausmacht, was Menschen zu dieser Zeit tun, wenn sie nur am Ende ihrer Lebensreise Christus bekennen, dass dies völlig genüge, und dass sie dadurch ihren Passierschein in den Himmel erhalten würden. Ich verurteile diese Lehre. Sie ist unschriftgemäß, sie ist unvernünftig, sie ist unwahr, und sie wird keinem Menschen nützen, ganz gleich, von wem diese Vorstellung vertreten werden mag; sie wird sich für die Menschen als völliger Fehlschlag erweisen. Als vernünftige Wesen, als Männer und Frauen von Intelligenz können wir nicht umhin, die Lehre Jesu Christi zu bewundern und zu ehren, die die Lehre Gottes ist und die von jedem Mann und jeder Frau Rechtschaffenheit in ihrem Leben, Reinheit in ihren Gedanken, Aufrichtigkeit in ihrem täglichen Wandel und Gespräch, Hingabe an den Herrn, Liebe zur Wahrheit, Liebe zu ihren Mitmenschen und über alle Dinge in der Welt die Liebe zu Gott verlangt. Dies waren die Vorschriften, die der Sohn Gottes einprägte, als Er im Mittelpunkt der Zeit unter Seinen Brüdern wandelte. Er lehrte diese Vorschriften; Er veranschaulichte sie in Seinem Leben und befürwortete fortwährend das Tun des Willens dessen, der Ihn gesandt hatte.

Er, der Seinen einziggezeugten Sohn in die Welt sandte, um die Sendung zu vollbringen, die Er vollbrachte, sandte auch jede Seele, die den Klang meiner Stimme hört, und in der Tat jeden Mann und jede Frau in der Welt, um eine Sendung zu vollbringen, und jene Sendung kann nicht durch Vernachlässigung vollbracht werden; noch durch Gleichgültigkeit; noch kann sie in Unwissenheit vollbracht werden. Wir müssen unsere Pflicht lernen; die Anforderungen lernen, die der Herr an uns gestellt hat, und die Verantwortlichkeiten verstehen, die Er uns auferlegt hat. Wir sollten die Verpflichtung lernen, die wir Gott und einander gegenüber haben, und auch die, die wir gegenüber der Sache Zions haben, die in den letzten Tagen auf Erden wiederhergestellt worden ist. Diese Dinge sind wesentlich, und wir können nicht in geistigen Dingen gedeihen, wir können nicht an Kenntnis und Verständnis wachsen; unser Sinn kann sich nicht in der Kenntnis Gottes noch in Weisheit noch in den Gaben des Heiligen Geistes erweitern, wenn wir nicht unsere Gedanken und Bemühungen auf unsere eigene Besserung richten, auf die Mehrung unserer eigenen Weisheit und Kenntnis in den Dingen Gottes.

Wir arbeiten Tag für Tag für das Brot, das vergeht, und wir widmen verhältnismäßig nur wenige Stunden dem Bemühen, das Brot des Lebens zu erlangen. Unsere Gedanken sind in großem Maße auf weltliche Dinge gerichtet, die Dinge, die vergehen, und daher neigen wir dazu, die höheren Pflichten zu vernachlässigen, die uns als Kinder unseres Vaters obliegen, und in gewissem Maße die größeren Verpflichtungen zu vergessen, die auf uns ruhen. Es ist daher angebracht, ja, es wird zur Pflicht derer, die auf die Türme als Wächter in Zion gestellt sind, das Volk zu Fleiß, zu Gebetsgesinnung, zu Demut, zu einer Liebe zu der ihnen geoffenbarten Wahrheit und zu ernster Hingabe an das Werk des Herrn zu ermahnen, das für ihre einzelne Errettung bestimmt ist, und, soweit sie Einfluss auf andere haben, für die Errettung derer, auf die sie Einfluss ausüben können, sich in die rechte Richtung zu bewegen; nicht dass ich irgendeinen Menschen erretten könnte, noch dass irgendein Mensch irgendeinen anderen Menschen erretten oder ihn für die Erhöhung im Reich Gottes bereitmachen könnte. Dies ist mir nicht gegeben, für andere zu tun, noch ist es irgendeinem Menschen gegeben, in diesem Sinn oder auf diese Weise ein Erretter für seinen Mitmenschen zu sein; aber der Mensch kann ein Beispiel geben; der Mensch kann die Vorschriften des Evangeliums nachdrücklich vertreten. Der Mensch kann anderen die Wahrheit verkünden und ihnen den Weg zeigen, auf dem sie wandeln sollen, und wenn sie auf ihren Rat hören, ihren Ermahnungen zuhören und sich von ihnen leiten lassen, werden sie selbst den Pfad des Lebens suchen und auf ihm wandeln und ihre Erhöhung für sich selbst erlangen. Und so ist das von uns durch den Herrn verlangte Werk ein individuelles Werk, es obliegt jedem Einzelnen gleichermaßen. Kein Mensch kann in Sünde im Reich Gottes errettet werden. Keinem Menschen werden je seine Sünden von dem gerechten Richter vergeben, es sei denn, er kehrt von seinen Sünden um. Kein Mensch wird je von der Macht des Todes befreit werden, es sei denn, er wird von neuem geboren, wie der allmächtige Herr es bestimmt und der Welt durch den Mund Seines Sohnes im Mittelpunkt der Zeit erklärt hat, und wie Er es in dieser Evangeliumszeit durch den Propheten Joseph Smith wiederum erklärt hat. Menschen können nur in Rechtschaffenheit im Reich Gottes errettet und erhöht werden, daher müssen wir von unseren Sünden umkehren und im Licht wandeln, wie Christus im Licht ist, damit Sein Blut uns von aller Sünde reinigen möge, und damit wir Gemeinschaft mit Gott haben und von Seiner Herrlichkeit und Erhöhung empfangen mögen.

Nun, es ist nicht meine Absicht, heute Morgen sehr viel Zeit in Anspruch zu nehmen, aber ich möchte, wenn der Herr mir Seinen Geist gibt, meinen Glauben an die göttliche Sendung des Sohnes Gottes erklären, der sprach, wie nie ein Mensch gesprochen hat; der Grundsätze und Lehren verkündete, die nie ein Mensch ausgesprochen hat, und der in den klarstmöglichen Worten den Plan von Leben und Errettung verkündete; und der Welt Sein eigenes Leben und Seinen Namen als das einzige Mittel und den einzigen Namen unter dem Himmel gab, durch den der Mensch im Reich Gottes errettet und erhöht werden kann.

Ich erkläre euch in aller Offenheit und mit allem Ernst der Seele, dass ich mit meinem ganzen Herzen an die göttliche Sendung des Propheten Joseph Smith glaube, dass ich in jeder Faser meines Wesens überzeugt bin, dass Gott ihn erweckte, um das Evangelium Christi auf Erden wiederherzustellen, das in der Tat die Kraft Gottes zur Errettung ist. Ich bezeuge euch, dass Joseph Smith ein Werkzeug in der Hand des Herrn war, um Gottes Wahrheit der Welt wiederherzustellen, sowie auch das heilige Priestertum, das Seine dem Menschen übertragene Vollmacht ist. Ich weiß, dass dies wahr ist, und ich bezeuge es euch. Für mich ist es alles in allem; es ist mein Leben, es ist mein Licht; es ist meine Hoffnung und meine Freude; es gibt mir die einzige Gewissheit, die ich für die Erhöhung habe, für meine Auferstehung vom Tod, mit denen, die ich in diesem Leben geliebt und geschätzt habe, und mit denen, mit welchen mein Los in dieser Welt verbunden gewesen ist — ehrenhafte Männer, reine, demütige Männer, die Gott und Seinen Geboten gehorsam waren, die sich des Evangeliums Christi nicht schämten, noch ihrer Überzeugungen oder ihrer Kenntnis von der Wahrheit des Evangeliums; Männer, die aus dem Stoff gemacht waren, aus dem Märtyrer gemacht sind, und die bereit waren, jederzeit ihr Leben für Christi willen und für das Evangelium hinzugeben, wenn nötig, das sie mit dem Zeugnis des Heiligen Geistes in ihren Herzen empfangen hatten. Ich möchte mit diesen Männern wiedervereint werden, wenn ich meinen Lauf hier beendet habe. Wenn meine Sendung hier vollbracht ist, hoffe ich, hinüberzugehen in die Geisterwelt, wo sie wohnen, und mit ihnen wiedervereint zu werden. Es ist dieses Evangelium des Sohnes Gottes, das mir die Hoffnung gibt, die ich auf diese Vollendung habe, und auf die Verwirklichung meines Wunsches in dieser Hinsicht. Ich habe alles auf dieses Evangelium gesetzt, und ich habe es nicht vergeblich getan. Ich weiß, wem ich vertraue. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und dass Er in den letzten Tagen auf Erden stehen wird, und, wie Hiob es ausgedrückt hat: „Und danach werde ich, mag jetzt auch meine Haut so ganz zerfetzt und ich meines Fleisches ledig sein, Gott schauen."

Es sind diese Dinge, die ich den Gedanken der Heiligen der Letzten Tage einzuprägen wünsche. Ihr habt die Wahrheit empfangen. Kein Mensch kann das Gegenteil beweisen. Kein Mensch unter dem Himmel weiß das Gegenteil. Aber ihr wisst, dass ihr die Wahrheit empfangen habt, denn Gott hat euch Seinen Geist gegeben, den Heiligen Geist, durch den die Dinge des Vaters dem Verständnis der Kinder des Lichts geoffenbart werden, und sie wissen, wem sie vertrauen. Ihr habt das Evangelium Christi empfangen. Lebt es. Seid ihm treu. Ehrt die Bündnisse, die ihr mit dem Herrn in den Wassern der Taufe geschlossen habt.

Ehrt jede Verpflichtung, die ihr Gott und euren Mitmenschen schuldet. Lebt so, dass ihr in der Tat Erretter auf dem Berg Zion sein könnt, in dem Sinn, dass euer Leben über allem Tadel steht, in dem Sinn, dass niemand euch mit Recht als Übertreter des Gesetzes Gottes bezeichnen kann, obwohl sie euch verleumden mögen; obwohl sie fälschlich alles Böse über euch sagen mögen. Lebt so, dass sie euch nicht mit Recht und Wahrheit Verderbtheit, Schlechtigkeit oder Fehlverhalten vorwerfen können. Lasst euer Licht so leuchten, dass ehrliche Menschen eure guten Werke sehen und dazu geführt werden, euren Vater im Himmel zu verherrlichen. Bleibt fern von den Stätten der Sünde. Während ihr in euren Herzen ein Gefühl der Liebe, der Nächstenliebe, ein barmherziges Gefühl gegenüber Sündern, jenen, die die Gesetze Gottes übertreten, hegen mögt, müsst ihr sie nicht an eure Brust nehmen noch euch zu ihrem Verhalten und ihren Gewohnheiten herablassen.

Ich fühle in meinem Herzen, allen Menschen in dem umfassenden Sinn zu vergeben, dass Gott von mir verlangt, allen Menschen zu vergeben, und ich möchte meinen Nächsten lieben wie mich selbst; und in diesem Ausmaß hege ich keinen Groll gegen irgendeines der Kinder meines Vaters. Aber es gibt Feinde des Werkes des Herrn, wie es Feinde des Sohnes Gottes gab. Es gibt jene, die nur Böses über die Heiligen der Letzten Tage sprechen. Es gibt jene — und sie sind in großer Zahl in unserer Mitte —, die ihre Augen vor jeder Tugend und jeder guten Sache verschließen werden, die mit diesem Werk der letzten Tage verbunden ist, und die Fluten von Lüge und Falschdarstellung gegen das Volk Gottes ausgießen werden. Ich vergebe ihnen dafür. Ich überlasse sie der Hand des gerechten Richters. Möge Er mit ihnen verfahren, wie es Ihm gut scheint, aber sie sind nicht und können nicht meine Busenfreunde werden. Ich kann mich nicht dazu herablassen. Während ich kein Haar auf ihrem Kopf verletzen würde, während ich keinen Strohhalm in ihren Weg werfen würde, um sie daran zu hindern, sich vom Irrtum ihres Weges dem Licht der Wahrheit zuzuwenden, würde ich ebenso wenig daran denken, ein Gefährte oder Genosse eines solchen Mannes zu werden, wie ich daran denken würde, einen Tausendfüßler oder einen Skorpion oder ein giftiges Reptil zu nehmen und es an meine Brust zu legen.

Dies sind meine Empfindungen, und ich glaube, dass sie richtig sind. Wenn ihr euch dem Sünder in den Weg stellen könnt, um ihn auf seinem abwärts führenden Kurs aufzuhalten, und ein Werkzeug in der Hand des Herrn werden könnt, um ihn vom Weg des Lasters, der Ungerechtigkeit oder des Verbrechens auf den Weg der Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit zu wenden, so seid ihr gerechtfertigt, und das wird von euch verlangt. Ihr solltet dies tun. Wenn ihr einen Sünder vor seiner Schlechtigkeit retten, den Schlechten von dem Weg des Todes, den er verfolgt, auf den Weg des Lebens und der Errettung wenden könnt, so werdet ihr eine Seele vom Tod retten, und ihr werdet ein Werkzeug in der Hand des Herrn gewesen sein, um den Sünder zur Rechtschaffenheit zu wenden, wofür ihr euren Lohn empfangen werdet. Manche unserer guten Heiligen der Letzten Tage sind so überaus gut(?) geworden, dass sie den Unterschied zwischen einem Heiligen Gottes, einem ehrlichen Mann, und einem Sohn Beelzebubs, der sich der Sünde und Schlechtigkeit gänzlich ausgeliefert hat, nicht erkennen können. Und sie nennen das Liberalität, Weitherzigkeit, überaus große Liebe. Ich möchte nicht so von der Liebe zu meinen Feinden geblendet werden, dass ich nicht zwischen Licht und Finsternis, zwischen Wahrheit und Irrtum, zwischen Gut und Böse unterscheiden kann; aber ich hoffe, so zu leben, dass ich genug Licht in mir habe, um zwischen Irrtum und Wahrheit zu unterscheiden und mein Los auf die Seite der Wahrheit zu werfen und nicht auf die Seite des Irrtums und der Finsternis. Der Herr segne die Heiligen der Letzten Tage. Wenn ich in Bezug auf diese Angelegenheiten zu eng bin, hoffe ich, dass die Weisheit meiner Brüder und der Geist des Lichts vom Herrn meine Seele erweitern mögen.

Wir haben unter uns einige wenige Menschen, die so in manche ihrer Verwandten vertieft und ihnen so hingegeben sind, die sich jeder Art von Abscheulichkeit und Schlechtigkeit in der Welt schuldig gemacht haben, dass sie in dem Augenblick, da diese sterben, kommen und um Erlaubnis bitten werden, in das Haus Gottes zu gehen, um die heiligen Handlungen des Evangeliums für ihre Erlösung zu vollziehen. Ich tadle sie nicht für ihre Zuneigung zu ihren Toten, noch tadle ich sie für den Wunsch in ihrem Herzen, etwas für deren Errettung zu tun, aber ich bewundere nicht ihre Weisheit, noch kann ich mit ihrer Auffassung von Recht und Gerechtigkeit übereinstimmen. Man kann keinen Mörder, keinen Selbstmörder, keinen Ehebrecher, keinen Lügner oder jemanden, der in seinem Leben hier durch und durch abscheulich war oder ist, nehmen und ihn bloß durch die Vollziehung einer heiligen Handlung des Evangeliums von der Sünde reinigen und in die Gegenwart Gottes geleiten. Gott hat keinen Plan dieser Art eingesetzt, und es kann nicht getan werden. Er hat gesagt, ihr sollt von euren Sünden umkehren. Die Schlechten werden von ihrer Schlechtigkeit umkehren müssen. Jene, die ohne Kenntnis des Evangeliums sterben, werden zu dessen Kenntnis kommen müssen, und jene, die gegen das Licht sündigen, werden bis zum letzten Heller für ihre Übertretung und ihre Abkehr vom Evangelium büßen müssen, bevor sie je wieder dazu zurückkehren können. Vergesst das nicht. Vergesst es nicht, ihr Ältesten in Israel, noch ihr, Mütter in Israel; und wenn ihr versucht, entweder die Lebenden oder die Toten zu erretten, bedenkt, dass ihr es nur nach dem Grundsatz ihrer Umkehr und Annahme des Plans des Lebens tun könnt. Das ist die einzige Weise, wie ihr Erfolg haben könnt.

Der Herr segne euch. Friede sei mit dem Haus Israel. Kümmert euch nicht darum, was die Welt sagt, noch was die Welt gegen euch tut. Lasst uns Gott dienen, unsere Pflicht tun, unsere Religion leben, die Gebote des Herrn halten und unsere Errettung in der Zeit und durch alle Ewigkeit hindurch erarbeiten. Dies ist meine Ermahnung an die Heiligen der Letzten Tage, und ich bete zu Gott, dass wir alle imstande sein mögen, es zu tun, im Namen Jesu. Amen.

Diese Ansprache zitierenJoseph F. Smith, „Eröffnungsansprache: Einheit und der Fortschritt der Kirche“, 1907 October General Conference, First Day Morning Session (1907-10-04). Pulpit Vault, 1907-10-smith-opening-address. Übersetzung dieser Edition, nach Glossarmethode, archive.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).