Eine offene Predigt über das Predigen und den Heiligen Geist
J. Golden Kimball
Indem ich heute Nachmittag vor den Heiligen der Letzten Tage stehe, möchte ich jene Dinge sagen, die zeitgemäß sind, und unter dem Einfluss des Heiligen Geistes sprechen. Trotz des Ernstes des Anlasses, da wir uns als Teil der großen Jahreskonferenz versammelt haben, müssen wir keine langen Gesichter machen und eine Miene der Selbstgerechtigkeit annehmen, in der Meinung, dies zeige Glauben und sei dem Herrn wohlgefälliger. Der Herr hat gesagt: „Lasst ab von euren leichten Reden und dem übermäßigen Gelächter", aber Er ist sicherlich erfreut über freundliche Mienen und ein frohes Volk, obwohl Witz und Humor in Gotteshäusern fehl am Platz sein mögen. Ich las irgendwo Folgendes: „Viele Personen, die nie einen hellen Gedanken im Kopf oder eine großzügige Regung im Herzen hatten, nehmen eine Miene eulenhafter Weisheit an und geben vor, Witz und Humor zu verachten, da sie nie von der großen Wahrheit gehört haben, die Charles Lamb verkündete: ‚Ein Lachen ist auf jedem Markt hundert Seufzer wert.' Die Vorstellung wird verbreitet, dass gegenseitige Trockenheit ein Zeichen von Weisheit sei." Mir ist bewusst, dass mein Ruf für Weisheit durch das Wiederholen von Witzen in meinen öffentlichen Reden großen Schaden genommen hat, und dass ich, wegen meiner Berufung im Dienst, nach Ansicht mancher Leute so feierlich wie eine Eule sein sollte. ¶
Es scheint das Los der Menschenkinder zu sein, Krankheit, Kummer, Schmerz und Armut zu erleiden und zu sterben. Bei unserer vollkommensten Organisation, dem Priestertum und der Vollmacht, haben wir dennoch Schwierigkeiten und Leichen im Keller. Es gilt als gute Sache, weise auszusehen, besonders wenn man nicht mit allzu viel Information belastet ist. ¶
Ich habe das Glück, mit manchen der unangenehmen Seiten Arizonas vertraut zu sein. Mein Bruder Andrew, der mir gerade als einer der Redner vorausgegangen ist, hat sich über den Sonnenschein und die Pracht Arizonas in einem solchen Maße ausgelassen, dass ich befürchte, das gute Volk von Utah werde in wilder Flucht seinen Weg nach Süden in jenes glückliche Land nehmen. Mein Bruder kommt aus einem sonnigen Klima, und für einen Arizonier gibt es keine Wolken; die Wahrheit ist, sie wissen nicht, wann sie in Schwierigkeiten stecken. Er hat all die guten Dinge aufgezählt; er ist ein Optimist. ¶
Erlaubt mir, ein Erlebnis in jenem fernen Land zu berichten. Bei einer Bezirkskonferenz, die in Thatcher abgehalten wurde, wurden wir von einem Sandsturm überrascht, während die Sonne schien. Meine Ohren, mein Mund, meine Augen und meine Kleidung waren voller Sand, und dennoch sagte mein Bruder: „So etwas habe ich noch nie gesehen." Ich möchte hier eine Erklärung zu etwas abgeben, das ich in der Konferenzversammlung am Freitag gesagt habe. ¶
Ich habe gelernt, dass einige der größten Wunder und wunderbarsten Ereignisse den Dienern Gottes widerfahren sind, wenn sie um der Gerechtigkeit willen ins Gefängnis geworfen wurden. Einige der größten Offenbarungen, die Gott in diesem Zeitalter und dieser Ausschüttung je gegeben hat, wurden dem Propheten Gottes gegeben, als er im Gefängnis war, in Schwierigkeiten und Bedrängnis. Während seiner Zeit der Trauer und Einsamkeit kam Gott, der Vater, durch Seinen Geist zu ihm, und er empfing wunderbare Offenbarungen. Ich lese in der Bibel von Petrus, der eingekerkert wurde, und einem Engel Gottes, der ihm zu Hilfe kam. Er wurde durch die großen eisernen Tore geführt und entkam, als seine Feinde ihm nach dem Leben trachteten. Ich lese auch von den Propheten Gottes in den Tagen der Geschichte des Buches Mormon. Gefängnisse wurden niedergerissen, und Kundgebungen Gottes wurden den Dienern des Allerhöchsten offenbar. Ein Vorfall ereignete sich in der Mission der Südstaaten, den ich berichten möchte. Er trug sich in den Tagen von Präsident John Morgan zu, zu einer Zeit, als der Staat Tennessee ein Gesetz erließ, wonach jeder Mann, der die Vielehe befürwortete oder predigte, verhaftet und bestraft werden sollte. Feinde der Ältesten verwickelten die Brüder in eine Erörterung dieses höchst unbeliebten Themas, und die Ältesten verteidigten den Grundsatz von einem biblischen Standpunkt aus. Eine Klage wurde eingereicht, und die Ältesten wurden verhaftet. Im Gefängnis fehlte es an Platz, sodass die beiden Brüder in zwei stählernen Käfigen im Freien nahe beieinander eingesperrt wurden. Die eingekerkerten Diener des Herrn waren keine Redner oder Sänger. Die Leute nah und fern, die von der Verhaftung von Mormonenältesten hörten, versammelten sich, um diese eigenartigen Personen zu sehen. Die Brüder sangen Hymnen und bezeugten die Wahrheit des Evangeliums usw. Es wird behauptet, sie hätten Versammlungen von 300 Personen gehabt, und mir wurde gesagt, die Leute hätten noch nie eine so wunderbare Predigt und einen solchen Gesang gehört. Die Ältesten bedauerten es beinahe, ihre Freiheit zu erhalten. So bin ich fast geneigt, dafür zu plädieren, unsere Ältesten von Zeit zu Zeit ins Gefängnis zu stecken, wenn sie auf keine andere Weise Gehör finden können. ¶
Ich erinnere mich, dass wir zu der Zeit, als ich von der Mission der Südstaaten entlassen wurde, gerade begonnen hatten, in den Städten des Südens zu predigen. Zwei unserer Ältesten wurden in Birmingham verhaftet, weil sie das Evangelium ohne Geldbeutel und Reisetasche predigten. Sie wurden verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, weil sie angeblich eine städtische Verordnung verletzt hatten. Freunde kamen ihnen zu Hilfe, und sie wurden freigelassen. Wären sie noch eine kurze Zeit geblieben, hätte dies meiner Meinung nach viel Gutes bewirkt, obwohl es für die Ältesten sehr unangenehm und hart gewesen wäre. ¶
Ich möchte in allem Ernst fragen, ob ihr glaubt, dass dieses Evangelium, das der Herr durch den Propheten Joseph Smith offenbart hat, unter den Menschenkindern befürwortet und gepredigt werden kann, ohne ernste Folgen nach sich zu ziehen? Ich sage euch, wenn unsere Ältesten hinausgehen und die Wahrheit dieses Werkes vertreten, wird es Verfolgung und Auspeitschungen über sie bringen. Es mag nicht das bessere Element sein, das dies tut; sie haben unsere Ältesten nie ausgepeitscht; es war im Allgemeinen dieselbe Sorte Menschen, die im Süden die Neger töten; aber die Leute drückten ein Auge zu. Ich wäre in Tennessee, am Cane Creek, beinahe Zeuge der Tötung unserer Ältesten gewesen, und ich weiß etwas über den Geist des Pöbelunwesens. ¶
Nun werde ich euch etwas vorlesen, um zu zeigen, dass Kummer, Prüfungen und Erprobungen über die Heiligen der Letzten Tage kommen werden. Jeder Mann in dieser Kirche wird bis ins Innerste geprüft werden; sie werden erprobt werden, wie Abraham erprobt wurde, und wenn der Herr zufrieden ist, dass ihr Ihn liebt und Seine Gebote halten werdet, dann wird Er euch zu Hilfe kommen. Jemand hat gesagt, Heber C. Kimball sei ein Prophet gewesen, und ich werde es beweisen. Er ist mein Vater, und ich sage euch, ich bin froh, sein Sohn zu sein. Ich habe die Abschrift einer Ansprache, die er 1867, ein Jahr vor seinem Tod, hielt. Es gab damals noch keine solchen Gebäude wie dieses hier; es war im alten Tabernakel. ¶
„Präsident Kimball eröffnete, indem er feststellte, dass es viele unter den Zuhörern gebe, die oft gewünscht hätten, mit dem Propheten Joseph zusammen gewesen zu sein. ‚Ihr bildet euch ein', sagte er, ‚dass ihr zu ihm gestanden hättet, als die Verfolgung tobte und er von Feinden von innen und außen angegriffen wurde. Ihr hättet ihn verteidigt und wäret ihm treu geblieben inmitten jeder Prüfung. Ihr denkt, ihr wäret entzückt gewesen, eure Rechtschaffenheit in den Tagen der Pöbelhaufen und Verräter zu zeigen. Lasst mich euch sagen, dass viele von euch die Zeit erleben werden, in der ihr all die Not, Prüfung und Verfolgung haben werdet, die ihr ertragen könnt, und reichlich Gelegenheit, zu zeigen, dass ihr Gott und Seinem Werk treu seid. Diese Kirche hat viele enge Stellen vor sich, durch die sie hindurchgehen muss, bevor das Werk Gottes mit dem Sieg gekrönt wird. Um den kommenden Schwierigkeiten zu begegnen [seht, sie sollen kommen, sie liegen nicht hinter euch, sondern sie kommen], wird es für euch notwendig sein, für euch selbst eine Kenntnis der Wahrheit dieses Werkes zu haben: Die Schwierigkeiten werden von solcher Art sein, dass der Mann oder die Frau, die dieses persönliche Wissen oder Zeugnis nicht besitzt, fallen wird. Wenn ihr das Zeugnis nicht habt, lebt recht und ruft den Herrn an, und hört nicht auf, bis ihr es erlangt. Wenn ihr es nicht tut, werdet ihr nicht bestehen. Das ist das Wort Gottes an euch, mein Volk. Erinnert euch an diese Worte, denn viele von euch werden erleben, wie sie sich erfüllen. Die Zeit wird kommen, in der kein Mann und keine Frau imstande sein wird, mit geliehenem Licht zu bestehen. Jeder wird sich von dem Licht in ihm selbst leiten lassen müssen. Wenn ihr es nicht habt, wie könnt ihr dann bestehen? Glaubt ihr das? Wie ist es jetzt? Ihr habt die Erste Präsidentschaft, von der ihr Rat erhalten könnt, der euch leitet, und ihr verlasst euch auf sie. Die Zeit wird kommen, in der sie nicht mehr bei euch sein wird. Warum? Weil sie fliehen und sich verbergen müssen, um den Händen ihrer Feinde zu entgehen. Ihr habt jetzt die Zwölf. Ihr werdet sie nicht immer haben, denn auch sie werden gejagt werden und sich vor ihren Feinden verbergen müssen. Ihr habt andere Männer, zu denen ihr für Rat und Ratschlag aufschaut. Viele von ihnen werden aus demselben Grund nicht mehr unter euch sein. Ihr werdet auf das Licht in euch selbst angewiesen sein. Wenn ihr es nicht habt, werdet ihr nicht bestehen. Darum sucht das Zeugnis von Jesus und haltet daran fest, damit ihr in der Stunde der Prüfung nicht strauchelt und fallt.'" ¶
Ich frage euch, Heilige der Letzten Tage, die ihr hier seid: Habt ihr lange genug gelebt, um zu sehen, dass sich diese Prophezeiung erfüllt hat? Es gibt keinen Mann, keine Frau und kein Kind mit dem geringsten Fünkchen Verstand, das nicht weiß, dass sie sich buchstäblich erfüllt hat. Die Zeit kam, da wir weder die Erste Präsidentschaft noch die Zwölf hatten; sie mussten alle zu ihrer Sicherheit fliehen, jeder Einzelne von ihnen, und das Volk war sich selbst überlassen. Im Verlauf seiner Bemerkungen bei jener Gelegenheit sagte er mehrmals: „Ihr werdet all die Verfolgung bekommen, die ihr wollt, und noch mehr dazu, und all die Gelegenheiten, um eure Rechtschaffenheit gegenüber Gott und der Wahrheit zu zeigen, die ihr euch nur wünschen könntet." ¶
Ich möchte euch noch eine weitere Prophezeiung zitieren. Im Jahr 1856 kam eine kleine Gruppe von Freunden im Endowment House zusammen und unterhielt sich über die isolierte Lage der Heiligen der Letzten Tage. ¶
„Ja", sagte Bruder Heber, wie er vertraulich genannt wurde, „wir glauben, dass wir hier in den Gemächern der ewigen Hügel sicher sind, wo wir jene wenigen Zugänge der Schluchten gegen Pöbelhaufen und Verfolger verschließen können, gegen die Bösen und Niederträchtigen, die uns stets mit Gewalt und Raub bedrängt haben; aber ich möchte euch sagen, meine Brüder, die Zeit kommt, da wir uns in diesen jetzt friedlichen Tälern in einem solchen Maße vermischen werden, dass es schwer sein wird, das Angesicht eines Heiligen von dem Angesicht eines Feindes des Volkes Gottes zu unterscheiden. Dann, Brüder, gebt Acht auf das große Sieb, denn es wird eine große Zeit der Siebung geben, und viele werden fallen, denn ich sage euch, es kommt eine Prüfung, eine PRÜFUNG, eine PRÜFUNG, und wer wird bestehen können?" ¶
Meine Mutter hat mir erzählt, dass Vater, als er das letzte Mal, nachdem er vom Schlaganfall getroffen worden war, die Main Street entlangging, mit Mühe zu seinem Haus zurückkehrte, dem Wohnhaus, das noch heute auf dem Hügel steht, und zu ihr sagte: „OH, DIE PRÜFUNG, DIE PRÜFUNG, DIE PRÜFUNG, wer wird bestehen können?" Mutter fragte: „Was ist die Prüfung?" Er antwortete: „Ich weiß es nicht, aber nur jene, die wissen, dass Jesus der Christus ist, können bestehen." ¶
Nun, Brüder und Schwestern, es ist Zeit für gründliches Nachdenken. Dies ist nicht Joseph Smiths Kirche noch Brigham Youngs Kirche; sie haben nie einen solchen Anspruch erhoben. Joseph Smith war ein Prophet Gottes, und das Volk machte ihn zum Präsidenten der Kirche. Dies ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Es ist nicht Präsident Joseph F. Smiths Kirche noch die Kirche der Zwölf Apostel. Sie sind die Diener des Volkes; sie sind Männer, die von Gott berufen sind, so wie unsere Ältesten berufen werden, um Missionen zu erfüllen. Sie sind durch göttliche Vollmacht ordiniert und haben diese großen Berufungen im Apostelamt und in der Präsidentschaft der Kirche empfangen; aber es ist nicht ihre Kirche. Wie ich gesagt habe, es ist die Kirche Jesu Christi; jeder von uns hat seine eigene Arbeit darin. Wenn die Heiligen der Letzten Tage nicht wissen, dass Jesus der Christus ist und dass dies Seine Kirche ist, sage ich euch im Namen des Herrn, dass ihr nicht bestehen werdet; ihr werdet zu jenen gehören, die fallen werden. Ich erinnere mich, von einem Ausspruch Präsident Youngs gegenüber einem Bruder gehört zu haben, der schwer geprüft wurde. Der Fall kam vor den Hohen Rat, und der Rat hatte gegen den Mann entschieden. Ihr wisst, es kommt manchmal vor, wenn die Entscheidung nicht zu euren Gunsten ausfällt, dass ihr euch verärgert fühlt; und manche verlassen die Kirche wegen der Handlungen von Menschen; sie fühlen, dass ihnen Unrecht getan wurde. Bruder Brigham sagte bei jener Gelegenheit spöttisch zu dem Bruder: „Nun apostatiere und fahre zur Hölle." Und der Bruder rief aus: „Das werde ich nicht tun; das ist ebenso sehr meine Kirche wie eure, und ich werde bei ihr bleiben." Nun, das ist Mormonentum; es ist unsere Kirche, solange wir die Gebote Gottes halten; und wir können nur durch Abtrünnigkeit, Auflehnung oder verbrecherische Handlungen aus ihr ausgeschlossen werden. Lasst uns nun bei ihr bleiben und, wie mein Bruder Andrew, immer Gutes über Zion erzählen und die anderen Dinge auf sich beruhen lassen. Der Herr segne euch. Amen. ¶