Christus als Offenbarung Gottes an die Menschen
B. H. Roberts
Christus als Offenbarung Gottes an die Menschen — Vorherexistenz und Unsterblichkeit des Menschen
Sehr zu meiner Überraschung bin ich aufgefordert worden, zu dieser herrlichen Versammlung zu sprechen. In meinem eigenen Herzen wünschte ich, die Aufgabe wäre einem anderen übertragen worden, denn ich glaube nicht, dass irgendein Mensch vor einer Versammlung dieser Art stehen kann, ohne seine eigene Unwürdigkeit und seine eigenen Grenzen zu spüren, die ihn die Wahrheit erkennen lassen, dass er der Aufgabe nicht gewachsen ist. So fühle ich bei dieser Gelegenheit, dass, wenn ich mein eigenes Herz und meine Seele in Einklang mit dem Unendlichen bringen und die Hilfe empfangen kann, die aus dem Besitz des Geistes des Herrn kommt, dann, meine Brüder und Schwestern, etwas Nützliches, etwas seiner Natur nach Erhebendes, etwas, das dazu neigt, den Glauben zu stärken und die Erkenntnis zu mehren, hervorgebracht werden kann. ¶
Wie die Brüder, die mir an diesem Tag vorausgegangen sind, so will auch ich den Herrn in eurer Gegenwart erhöhen. Wenn ich an den Menschen denke, an seine Schwächen und Grenzen, fühle ich wahrhaftig die Notwendigkeit, mich unserem Vater zuzuwenden und ihn, zusammen mit dem Herrn Jesus Christus und dem Heiligen Geist, als den Mittelpunkt unseres Glaubens und den Umkreis unserer Hoffnung hervorzubringen. Heute Morgen brachten der Präsident und Bruder Lund ein schönes Thema hervor, das von diesem Tag nahegelegt wird, der allgemein als der Jahrestag der Auferstehung des Herrn angenommen wird. Während es üblich ist, in diesen Generalkonferenzen eine große Vielfalt von Themen zu behandeln – und in der Tat erfordern die Bedürfnisse des Volkes die Betrachtung einer Vielfalt von Themen –, denke ich, es ist gut und im Einklang mit der ganzen Atmosphäre unseres Werkes und dieses Tages, den Gedanken dem Herrn Jesus Christus zu widmen; von ihm zu sprechen und ihn in unseren Herzen zu ehren und uns an ihn und das große Sühnopfer zu erinnern, das er für die Menschenkinder vollbracht hat. Da ich glaube, dass dieses Thema unserer Betrachtung würdig ist, ist mir der Gedanke gekommen, dass ich nichts Besseres tun könnte, als euch einige Abschnitte aus seiner Geschichte vorzulesen, so wie sie in jener schönen, schlichten Weise erzählt wird, in der sie in den Schriften enthalten ist. Ich lese euch aus dem Evangelium des Matthäus vor: ¶
„Nach Ablauf des Sabbats aber, als der erste Tag nach dem Sabbat anbrechen wollte, gingen Maria aus Magdala und die andere Maria hin, um nach dem Grab zu sehen. ¶
Da entstand plötzlich ein starkes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn war vom Himmel herabgekommen und herangetreten, wälzte den Stein weg und setzte sich oben darauf. ¶
Sein Aussehen war leuchtend wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. ¶
Aus Furcht vor ihm zitterten die Wächter und wurden wie tot." ¶
An diese Wächter werdet ihr euch vielleicht erinnern; sie waren auf Anregung der jüdischen Priester dazu bestimmt worden, das Grab zu bewachen, damit nicht die Jünger Jesu bei Nacht kämen und den Leib des Herrn stählen und dann berichteten, er sei von den Toten auferstanden; denn sie erinnerten sich, dass es Teil einer seiner Reden gewesen war, dass er, obgleich er gekreuzigt würde, am dritten Tag von den Toten auferstehen werde. Sich daran erinnernd, veranlasste der Sanhedrin die Bestimmung gewisser Männer, das Grab zu bewachen, damit nicht sein Leib gestohlen würde. ¶
„Der Engel aber wandte sich an die Frauen mit den Worten: ‚Fürchtet euch nicht! Denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. ¶
Er ist nicht mehr hier, denn er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her, seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. ¶
Geht nun eilends hin und sagt seinen Jüngern: „Er ist von den Toten auferstanden und geht euch voran nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen." Beachtet wohl, was ich euch gesagt habe!' ¶
Da gingen sie eilends vom Grab weg voller Furcht und zugleich voll großer Freude und eilten davon, um seinen Jüngern die Botschaft zu bringen. ¶
Und siehe! Jesus kam ihnen entgegen mit den Worten: ‚Seid gegrüßt!' Da gingen sie auf ihn zu, umfassten seine Füße und warfen sich anbetend vor ihm nieder. ¶
Hierauf sagte Jesus zu ihnen: ‚Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen sollen: Dort werden sie mich sehen.' ¶
Während sie nun hingingen, begaben sich einige von der Wachmannschaft des Grabes in die Stadt und meldeten den Hohepriestern alles, was sich zugetragen hatte." ¶
„Nachdem diese sich mit den Ältesten versammelt und sich beraten hatten, gaben sie den Soldaten reichlich Geld und sagten: ‚Macht folgende Aussage: „Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen."'" ¶
Es muss in der Tat eine sehr große Belohnung gewesen sein, die diese Heuchler und Lügner den Soldaten gaben, denn für einen römischen Soldaten war es ein todeswürdiges Vergehen, auf seinem Posten im Dienst einzuschlafen. Aber merkt euch dies: ¶
„Und wenn dies dem Statthalter zu Ohren kommen sollte, wollen wir ihn schon beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr keine Angst zu haben braucht. ¶
Da nahmen sie das Geld und verfuhren nach der empfangenen Weisung; und so ist dieses Gerede bei den Juden in Umlauf gekommen und hält sich bis zum heutigen Tag. ¶
Die elf Jünger aber begaben sich nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte; ¶
und als sie ihn erblickten, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber hegten Zweifel. ¶
Da trat Jesus näher heran und redete sie mit den Worten an: ‚Mir ist alle Macht im Himmel und auf Erden verliehen. ¶
Darum geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ¶
und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!' Amen." ¶
Ich denke, das ist ein schönes Kapitel, das aller Annahme würdig ist. Jedes Streben nach Wirkung, alle Tricks und Kunstgriffe des sogenannten kunstvollen Schreibens fehlen, und die Wahrheit wird in jener Form dargelegt, die ihr am besten ansteht – in Schlichtheit und Bescheidenheit. Ich habe dieses Kapitel gelesen, damit wir in seinen Geist eintreten und uns dadurch die großen Wahrheiten in Erinnerung rufen lassen, die sich auf diesen Teil des Lebens unseres Erretters und Erlösers beziehen. ¶
Ich habe mich heute Nachmittag über die Lesung von Präsident Lyman aus den Worten des Dritten Nephi gefreut, worin die Ankunft des Erretters in dieser westlichen Welt verkündet wird und wo die großen Wahrheiten und heiligen Handlungen der Errettung so ausdrücklich und deutlich dargelegt werden. Und als er las, erinnerte ich mich an die Tatsache, dass Versammlungen in dieser Stadt kürzlich Kritiken an dem Buch im Buch Mormon zugehört haben, das als „Dritter Nephi" bekannt ist, und die Frage ist erörtert worden, ob es verdient, als ein „fünftes Evangelium" betrachtet zu werden. Ihr wisst, dass wir die Geschichte von Geburt, Leben und Wirken des Messias in vier Büchern der jüdischen Schriften haben, und dieses III. Nephi gibt einen Bericht über sein Wirken auf dieser Hemisphäre; und wie ich sage, ist die Frage erörtert worden, ob es als ein „fünftes Evangelium" zu betrachten sei. Übrigens ist, teilweise als Einwand, gesagt worden, es enthalte keine neue Wahrheit; es sei den Evangelien in den jüdischen Schriften darin unähnlich, dass, während Markus etwas zu dem hinzufügt, was Matthäus gesagt hat, und Lukas etwas zu dem hinzufügt, was Markus gesagt hat, und das Evangelium nach St. Johannes im Allgemeinen als das ergänzende Evangelium in besonderem Maße betrachtet wird, weil es so viel hinzufügt, was die anderen weggelassen haben; aber es wird behauptet, dass das Dritte Buch Nephi oder das „fünfte Evangelium" der christlichen Erkenntnis hinsichtlich der Errettung nichts hinzufüge. Sie irren sich sehr. Der Abschnitt, den Ältester Lyman hier heute Nachmittag gelesen hat, würde mehrere sehr große Kontroversen in der ganzen Christenheit zum Schweigen bringen, wenn die Menschen nur jenes „fünfte Evangelium" annehmen würden. Diese Bemerkung geschieht jedoch nur nebenbei. ¶
Ich komme zurück zu dem Jahrestag, den wir an diesem Tag feiern – die Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Ich bin froh, dass so viele Millionen sich an diesem Tag über diese eine große Wahrheit der christlichen Religion freuen – die Tatsache der Auferstehung der Toten; die Hoffnung der Unsterblichkeit, die sie der Menschheit lehrt. Die verschiedenen Sekten der Christenheit mögen in Bezug auf viele Dinge im Irrtum sein, und im Irrtum hinsichtlich mancher Angelegenheiten, die diese Tatsache der Auferstehung betreffen; aber ich freue mich, dass durch den ganzen Abfall von der wahren Religion Jesu Christi hindurch dieser eine Teil des Evangeliums in den Gedanken und Herzen so vieler Menschen verbleibt und für sie eine Hoffnung und eine Anregung zu höherem und besserem Leben ist. Als die Kirche als Organisation aufhörte zu bestehen; als, wie wir sagen mögen, jene herrliche Sonne hinter dem Horizont der menschlichen Sicht unterging, hinterließ sie doch wenigstens einige Lichter am Himmel, die einige Teile der Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi widerspiegelten. Die Ausschüttung des Evangeliums, die wir die Ausschüttung des Mittags der Zeiten nennen, weil jene Ausschüttung ungefähr auf halbem Weg zwischen dem Beginn des Werkes des Herrn in dieser Welt durch die Erschaffung Adams und der abschließenden Szene gegeben wurde, welche die Errettung der Menschen und die Erlösung der Welt vollenden wird – ich sage, jene Ausschüttung des Evangeliums, die auf halbem Weg zwischen diesen beiden großen Ereignissen erfolgte, war in vielerlei Hinsicht herrlich. Sie war unter anderem darin herrlich, dass sie eine volle und vollständige Offenbarung Gottes durch die Person und den Charakter des Herrn Jesus Christus hervorbrachte. Denn zusätzlich zu dem Werk der Erlösung, das er für die Menschheit vollbrachte, trat Jesus Christus als die offenbarte Gottheit hervor, als Gott, im Fleisch offenbart, als die Offenbarung Gottes an den Menschen; sodass fortan alle Nebel, die die Philosophie umwölken, alle Irrtümer der fälschlich so genannten Wissenschaft, all das Geheimnisvolle, das das Heidentum mit diesem Thema verwoben hatte, aus dem Blickfeld des Menschen entfernt werden konnten, und Gott fortan nicht nur hinsichtlich der Tatsache seines Seins, sondern auch hinsichtlich der Art des Wesens, das er ist, erkannt werden sollte. Es war die Absicht des Herrn, dass der Mensch fortan die Göttlichkeit sehen sollte – Gott, offenbart durch die Person und den Charakter Jesu Christi. Und jene Wahrheit bleibt auf der Erde bestehen; sie ist ein Maßstab, an dem wir die Lehren eines jeden messen können, der auftreten und die Gottheit verkünden wird. Entspricht er diesem Maßstab, und ist er mit Jesus von Nazareth identisch, der Offenbarung Gottes an den Menschen? Wenn nicht, dann wissen wir, dass jener Lehrer, der so versagt, im Irrtum ist; denn wie Jesus Christus in seinem auferstandenen, unsterblichen Leib aus Fleisch und Gebein ist – wie Jesus Christus in seinem geistigen, sittlichen und seelischen Wesen ist, so ist Gott. ¶
Nun, jene Wahrheit trat in ihrer Fülle in der Ausschüttung des Mittags der Zeiten hervor, und ebenso jene herrliche Wahrheit, die einen so großen Einfluss auf die Herzen der Menschen hat – die Auferstehung der Toten. Die große Wahrheit, dass der Mensch leben muss, und ewig leben muss; dass er in seiner auferstandenen Person ein unzerstörbares Wesen ist und sein wird. Parallel zu jener großen Wahrheit verläuft diese andere Wahrheit, dass er sich schulen muss, in Übereinstimmung mit der Wahrheit zu leben, wie Gott sie offenbart. Je eher er diese Lehre lernt, desto eher wird er auf dem Weg zu immerwährendem und ewigem Glück sein. Er muss sich dem Gesetz fügen, denn es ist allumfassend und unendlich. Es wirkt überall. Der Mensch kann ihm nicht entrinnen. Die Beachtung des Gesetzes wird ihm Glück und Frieden bringen, und er wird sich durch Gehorsam gegenüber dem Gesetz im Einklang mit allen Unendlichkeiten befinden. ¶
Dies sind einige der herrlichen Wahrheiten unseres gemeinsamen christlichen Erbes, und ich bin sehr froh, dass so viele Millionen mit uns, zumindest teilweise, an einer Erkenntnis dieser großen Dinge teilhaben. ¶
Während der Bemerkungen unseres Präsidenten heute Morgen dachte ich über das Thema der Auferstehung des Erretters nach und über die vielen Versammlungen, die sich an diesem Tag zusammenfinden würden, um ihn zu ehren, und ich dachte: Was haben wir der Welt anzubieten, was sie jetzt nicht besitzt? Denn in ihrem Missverständnis dieses Werkes der Letzten Tage haben die Menschen es so eingeengt, dass sie die wirklich grundlegenden Wahrheiten übersehen, auf denen die Kirche Christi in diesen letzten Tagen beruht, und es versäumen, das Wesen dieses großen Werkes zu erfassen, so wie es uns von Ältester Lyman erklärt worden ist, dass sie das Band missverstehen, das uns vereint, die Kraft, die uns zu gemeinsamem Handeln antreibt und uns in besonderem Maße zum vereinten Volk macht. Und dieser Gedanke kam mir im Zusammenhang mit der Auferstehung, nämlich, dass wir eine solche Fülle der Wahrheit besitzen, dass wir nicht nur an die Unsterblichkeit des Menschen nach seiner Auferstehung glauben, sondern an die absolute Unsterblichkeit der Intelligenz, die in ihm ist. Das heißt, wir glauben an eine Unsterblichkeit, die keinen Anfang hat, ebenso wie wir an eine Unsterblichkeit glauben, die kein Ende hat. Alles, was dahinter zurückbleibt, ist keine Unsterblichkeit. Johannes beginnt sein Evangelium mit einem sehr schönen Vorwort, das ich euch vorlesen will. Ich denke übrigens, dass er es schrieb, weil, als er sein Evangelium verfasste, heidnische Vorstellungen begonnen hatten, in die Kirche einzudringen. Die Philosophie Platons, die in jener Zeit in Mode war, hatte von den Gedanken der Menschen Besitz ergriffen. Platon hatte übrigens einige große Wahrheiten erfasst, und unter anderem hatte er, zumindest teilweise, die Bedeutung der Unsterblichkeit des Menschen begriffen, die Vorherexistenz und die Unzerstörbarkeit des menschlichen Geistes. So denke ich, dass Johannes mit diesem Gedanken im Sinn, und um den Nachfolgern Jesu die Wahrheit genau darzulegen, dieses schöne Vorwort seines Evangeliums mit den Worten begann: ¶
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. ¶
Dieses war im Anfang bei Gott. ¶
Alle Dinge sind durch dieses Wort geworden, und ohne dieses ist nichts geworden von allem, was geworden ist. ¶
In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen." ¶
Später sagte er: ¶
„Und das Wort wurde Fleisch und verweilte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, eine Herrlichkeit wie die des einziggezeugten Sohnes des Vaters, voller Gnade und Wahrheit." ¶
Dieser letzte Vers identifiziert Jesus Christus mit „dem Wort." „Das Wort," das bei Gott war, das Gott war, und das Fleisch wurde, war der Herr Jesus Christus. Diese Aussage des Johannes im Vorwort seines Evangeliums bezieht sich natürlich auf den vorherexistenten Geist Jesu und auf den Zustand, in dem er lebte, sich bewegte und ein greifbares Sein beim Vater hatte; und so sehr dem Geist des Vaters gleich, dass wir sagen können, er sei von derselben Substanz wie der Vater gewesen. In der christlichen Welt ist der Glaube an die Ewigkeit des Herrn Jesus Christus eine ziemlich allgemein angenommene Lehre. Aber das „Mormonentum" hat in diesem Zusammenhang ein Wort für alle Menschenkinder zu sagen. Denn während die Vorherexistenz des Geistes des Herrn Jesus Christus eine große Wahrheit ist, gibt es eine noch größere Wahrheit zu verkünden, und jene größere Wahrheit ist Teil der Botschaft, die das „Mormonentum" der Welt zu übermitteln hat. ¶
In einer Offenbarung, die 1833 dem Propheten Joseph Smith gegeben wurde, sagt der Herr Jesus: ¶
„Und nun, wahrlich, ich sage euch: Ich war im Anfang beim Vater und bin der Erstgeborene;" ¶
Nun merkt euch dies: ¶
„Ihr wart auch am Anfang beim Vater; das, was Geist ist, nämlich der Geist der Wahrheit;" ... ¶
„Der Mensch war auch im Anfang bei Gott. Intelligenz oder das Licht der Wahrheit wurde nicht erschaffen oder gemacht und kann es auch gar nicht. ¶
Alle Wahrheit ist unabhängig in dem Bereich, worein Gott sie gestellt hat, und kann für sich selbst handeln, wie auch alle Intelligenz; anders gibt es kein Dasein. ¶
Siehe, hierin liegt die Entscheidungsfreiheit des Menschen, und hierin liegt die Schuldigsprechung des Menschen; weil das, was von Anfang an war, ihnen deutlich kundgetan ist und sie das Licht nicht annehmen. ¶
Und jeder Mensch, dessen Geist das Licht nicht annimmt, steht unter Schuldspruch. ¶
Denn der Mensch ist Geist." ¶
Der Mensch ist nicht so sehr Kalk, Phosphat und andere grobe Stoffe, sondern der Mensch ist Geist; und war, wie Jesus, im Anfang beim Vater. Intelligenzen sind gezeugte Geister, und sie haben teil an der Natur dessen, der sie zeugt. Paulus sagt: „Wir haben doch unter der Zucht unserer leiblichen Väter gestanden und ihnen Ehrerbietung erwiesen; wollten wir uns da nicht viel eher dem Vater der Geister unterwerfen und dadurch zum Leben gelangen?" Es besteht, wie ich meine, dieser Unterschied zwischen einem geschaffenen Ding und einer gezeugten Person: Ein geschaffenes Ding mag nicht an der Natur dessen teilhaben, der es schafft; wie zum Beispiel das Schiff, das unter den kunstfertigen Händen des Schiffbauers gebaut und ins Meer hinausgesetzt wird, nicht an der Natur seines Schöpfers teilhat; wenn aber der Schiffbauer einen Sohn zeugt, teilt er ihm von seiner eigenen Natur mit, und die Nachkommenschaft ist im Allgemeinen dem gleich, der sie zeugt. Wenn wir also davon sprechen, dass Gott den Menschen erschafft, sollten wir diese Unterscheidung treffen. Gott zeugt Intelligenzen, Geister, und diese Geister, männlich und weiblich, haben teil an der Natur Gottes. Die Intelligenz selbst ist ungeschaffen, aus sich selbst bestehend; und diese Geister, die in der Welt gezeugt wurden, in der Gott wohnt, werden später hier im Fleisch zu Männern und Frauen gezeugt, um noch weiter in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. ¶
Dies ist die große Wahrheit, auf die ich vor einem Augenblick hingewiesen habe, die das Mormonentum der Welt anzubieten hat. Es ist ein Grundsatz, der den Menschen unserer Generation unbekannt war, bis er durch Gottes auserwählten Diener in diesen letzten Tagen, den Propheten Joseph Smith, offenbart wurde. Wir tragen diese Botschaft in unserer rechten Hand zur Welt. Wir sagen den Menschen nicht nur von der Unsterblichkeit, die nach der Auferstehung sein wird, sondern wir sagen ihnen von der Unsterblichkeit, die bestand, bevor ihr Erdenleben begann. Die Nebel, die den Ursprung des Menschen umhüllen und die Philosophen verwirren, werden weggeschoben, und siehe da! Wir blicken in eine anfanglose Vergangenheit, so wie wir vorwärts in eine endlose Zukunft blicken. Anfänge können nur örtlicher Natur sein, und dieser Anfang, von dem hier die Rede ist, als Jesus „im Anfang beim Vater" war, und als eure und meine Geister „im Anfang beim Vater" waren, bezieht sich nur auf Dinge, die dieses unser sterbliches Leben und diese Erde, auf der wir leben, betreffen, und bezieht sich nicht auf Dauer abgesehen von diesen örtlichen Ereignissen, von denen wir sprechen; und über die wir, um verstanden zu werden, in Begriffen sprechen müssen, die in sich selbst manchmal paradox sind. Wie Bruder Lyman uns heute Nachmittag lehrte, ist die Dauer selbst anfanglos und endlos, ebenso wie die Materie unerschöpflich ist und weder geschaffen noch vernichtet werden kann. Sie kann nur in ihrer Form verändert werden, um den Absichten Gottes zu entsprechen, so wie er die Entwicklung und das Wachstum seines Universums plant. ¶
Wir tragen also diese Wahrheit zur Welt, die Wahrheit von der ewigen Existenz der Intelligenz des Menschen. Und was wird die sittliche Wirkung der Verkündigung einer solchen Lehre sein? Ein geistiges Erwachen. Wir hatten nicht gewusst, noch hatten unsere Väter gewusst, bis es Gott gefiel, es zu offenbaren, woher der Ursprung des Menschen kommt; aber jetzt beginnen wir, die Bedeutung des Menschen in der Welt zu erkennen. Wir beginnen zu erkennen, dass seine Intelligenz, der Geist, nach demselben Grundsatz besteht, nach dem Gott besteht. Wir sprechen von Gott als einem aus sich selbst bestehenden Wesen, und diese Lehre ist wahr. Der Prophet Joseph Smith lehrte, dass auch der Mensch ein aus sich selbst bestehendes Wesen sei, von derselben Natur wie sein Vater. Ich sage, die sittliche Wirkung jener Wahrheit in der Welt wird noch eine geistige Erhebung hervorbringen, wie sie in den vergangenen Zeitaltern nicht gekannt worden ist. ¶
Ich freute mich, die hoffnungsvollen Töne in den Worten unseres Bruders Lyman zu hören, den wir ebenso froh sind, unter uns zu sehen, wie er froh ist, uns zu sehen, und es ist mit warmen Herzen und willkommen heißenden Händen, dass wir seine Rückkehr begrüßen. Nachdem er treu, standhaft und wahrhaftig gewesen ist, wie er es im Ausland gewesen ist, kehrt er nun zu uns zurück, und wir heißen ihn herzlich willkommen in dieser Generalkonferenz. Lasst mich euer Sprachrohr sein, wenn ich zu ihm sage: Willkommen, Bruder Lyman! Ich sage, ich freue mich, den hoffnungsvollen Ton in seinen Worten hinsichtlich der Annahme dieses Volkes und seiner Lehren durch die Welt zu hören. Viele Zehntausende werden noch diese Wahrheiten annehmen, vielleicht nicht unmittelbar aus deinen Händen noch aus meinen; aber schon jetzt wirken diese Grundsätze wie Sauerteig in Maßen von Mehl, und Licht bricht über die Intelligenz der Menschenkinder herein, und sie werden noch diese großen grundlegenden Wahrheiten von uns ergreifen, entweder unmittelbar oder mittelbar, und so wird dieses Werk sich seinen Weg unter den Nationen der Erde bahnen, bis die Kinder unseres Vaters (denn alle Bewohner der Erde sind seine Kinder ebenso wie wir es sind) diese Wahrheiten ergreifen und schließlich zur Annahme einer Fülle des Evangeliums Jesu Christi gebracht werden. ¶
Ich liebe das Mormonentum. Ich liebe es, weil es wahr ist – weil es die Fülle der Wahrheit ist. Und dann freue ich mich über seine Größe, über seine Erhabenheit. Ich liebe seinen Geist der Großzügigkeit, wie er sich hier in den Worten der Brüder bei dieser Konferenz zeigt. Ich liebe es, weil seine Wurzeln tief in die großen Dinge Gottes hinabreichen, und es ist wie ein wohlgepflanzter Baum, dass die Winde, die auf ihn einschlagen, nur dazu beitragen werden, seine Wurzeln tiefer in den Boden zu treiben und sich weiter nach rechts und links auszubreiten, sich als ein Baum von Gottes Pflanzung zu festigen, unter dessen freundlichen Zweigen Platz für alle ist, die zu ihm kommen wollen, und dessen Blätter selbst zur Heilung der Nationen genügen. ¶
Das Mormonentum hat ein Wort der Hoffnung für das zerstreute Israel; es hat ein Wort der Hoffnung für den armen, umherirrenden Lamaniten, den gefallenen Sohn edler Vorfahren, den entarteten Überrest eines einst prächtigen Volkes. Die Andern blicken in ihrem Stolz auf ihn herab und verachten ihn. Sie sehen seine Schritte dem eilen, was sie als völlige Ausrottung betrachten. Aber wir halten ihrem Spott entgegen, indem wir das Wort Gottes verkünden, dass es selbst für dieses scheinbar hilflose Volk Hoffnung gibt, und Laman wird noch vom Herrn erinnert werden; er steht unter dem Bund, dies zu tun. Die Väter der Vorzeit beteten für ihre Nachkommenschaft, und Gott hörte und verhieß, und die Kinder werden noch gesegnet werden. ¶
Wir haben auch ein Wort der Hoffnung für Juda, den Verstoßenen, jenes Volk, gegen das sich jedermanns Hand erhoben hat, und das in vergangenen Zeitaltern und jetzt von denen verfolgt worden ist, die vorgeben, Nachfolger Jesu Christi zu sein, der selbst von eben diesem jüdischen Volk war. Erscheint es nicht seltsam, dass diejenigen, die den Namen Christi auf sich genommen haben, die erbittertsten Verfolger seines Volkes sein sollten! Aber wir haben ein Wort der Hoffnung für Juda. Wir sind von Gott bevollmächtigt, unseren jüdischen Brüdern zu sagen, dass Jerusalem erlöst werden wird; dass euer Volk noch seine Füße in das verheißene Land setzen wird; dass Gott euren Staat behüten wird und euch am Ende, in einer herrlichen Zurschaustellung von Macht und Herrlichkeit, von den Nationen erlösen wird, die euch jetzt unterdrücken. ¶
Wir haben ein Wort der Warnung für die andersgläubigen Völker auf diesem verheißenen Land der westlichen Welt. Ehrt den Gott dieses Landes, sagt unser Buch Mormon. Wenn ihr ihn nicht ehrt, sondern eure Herzen gegen ihn verhärtet, so lautet, wie groß auch unsere Liebe zu euch sein mag, das warnende Wort Gottes, dass ihr, wenn ihr den Gott dieses Landes nicht ehrt, der Jesus Christus ist, euer Schicksal in den Katastrophen ablesen könnt, die jene früheren Völker ereilt haben, die einst in Stolz und weltlicher Herrlichkeit dieses Land von Norden nach Süden bewohnten, wie ihr es tut. Aber wir wollen nicht an euch zweifeln, sondern hoffnungsvoll sein, dass ihr den Gott des Landes ehren werdet – Jesus Christus. Wir werden Frieden verkünden und die friedlichen Dinge des Reiches Gottes. Wir laden alle Menschen ein und ermahnen sie, diese Grundsätze göttlicher Wahrheit anzunehmen, die so reich an Erkenntnis und an hoffnungsspendendem Leben sind und die so kostbar sind, um der Ehre und Herrlichkeit des Menschen zu dienen. Der Herr segne euch im Namen Jesu. Amen. ¶