Tempelarbeit
Anthon H. Lund
Unsere Versammlungen wurden gestern sehr genossen, und für mich waren sie geistliche Festmahle – Ich hoffe, daß unsere Versammlungen heute und morgen ihnen ähnlich sein mögen, damit wir einen reichen Anteil am Heiligen Geist genießen dürfen ¶
Ich war gestern sehr bewegt von Bruder Clawsons Worten über die Tempelarbeit – Ich dachte bei mir: Was für ein herrlicher Grundsatz dies ist! Wie dankbar sind wir, daß der Herr dies durch Seinen Diener Joseph hervorbrachte! Es war in den späteren Jahren seines Lebens, daß er tiefer bewegt wurde, diese Angelegenheit der Errettung für die Toten den Heiligen vorzulegen; aber es war kein neuer Grundsatz – Obwohl er nur ein oder zwei Jahre vor seinem Tod über dieses Thema predigte und schrieb, finden wir diesen Grundsatz dennoch in den Offenbarungen erwähnt, die ihm in den frühen Jahren der Kirche gegeben wurden – In jener herrlichen Vision, die dem Propheten Joseph und Sidney Rigdon über die verschiedenen Herrlichkeiten gegeben wurde, wird uns von einer gewissen Klasse berichtet, die das Evangelium nicht empfangen hatte, während sie lebte, es aber im Gefängnis nach dem Tod empfing – Dies zeigt, daß der Herr Seine Heiligen schon zu jener frühen Zeit verstehen ließ, daß es eine Gelegenheit zur Errettung nach dem Tod gibt – Es offenbart die große Barmherzigkeit Gottes und stellt die Errettung über die engen Grenzen hinaus, innerhalb derer sie von anderen Glaubensgemeinschaften angesiedelt wird – Der Prophet Joseph konnte dies nicht von einem Menschen empfangen haben, denn kein Mensch lehrte diese Lehre – Sie wurde ihm geoffenbart, und er gab sie dem Volk – Wenn wir diesen Grundsatz betrachten und untersuchen, können wir nicht umhin, von der Weisheit und Barmherzigkeit Gottes ergriffen zu sein, der die Errettung für die vielen, vielen Millionen bereitet hat, die ohne Kenntnis der Wahrheit gestorben sind – Schon ehe diese Anspielung auf den Grundsatz der Errettung für die Toten gemacht wurde, war sie dem Propheten Joseph gegeben worden – In jener ersten Nacht, als er den Besuch des Engels Moroni empfing, erklärte ihm der Engel mehrere Grundsätze, die der Welt nicht bekannt waren, und er erklärte ihm auch mehrere Kapitel der Propheten – Unter anderem spielte er auf die Prophezeiung Maleachis an, wonach Elija gesandt werden solle, um das Herz der Kinder den Vätern zuzuwenden und das Herz der Väter den Kindern – Wer hatte die tiefe Bedeutung in diesen Worten verstanden? Als der Herr Joseph mehr offenbarte, begannen wir es zu verstehen, und nun wissen wir, daß jene Prophezeiung die Errettung für die Toten betrifft – Ich nehme an, der Knabe Joseph verstand zu jener Zeit die Bedeutung der Prophezeiung nicht, aber der Herr wollte, daß diese Dinge hervorgebracht würden – Sie entwickelten sich nicht, wie die Kirche wuchs, sondern es waren Grundsätze, die gegeben wurden, ehe die Welt war – Daher werden sie in diesen ersten Offenbarungen an den Propheten angedeutet und angezeigt, und allmählich, wie das Volk dafür bereit war, wurden sie erklärt ¶
Diese Grundsätze sind nicht neu – Sie wurden von den Propheten der Vorzeit und von den Schreibern des Neuen Testaments verstanden – Paulus spielt auf die heilige Handlung der Taufe für die Toten an – Ich habe mehreren Beerdigungen in England beigewohnt, und ich war überrascht zu hören, wie sie den 29. Vers des 15. Kapitels des ersten Korintherbriefs wiederholten: ¶
„Wie kämen sonst manche dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote überhaupt nicht auferweckt werden, wozu läßt man sich da noch für sie taufen?“ ¶
Wie wenige haben die Bedeutung der Worte in diesem Vers verstanden! Paulus verstand sie, und ich glaube, die Heiligen der ersten Tage verstanden diesen Grundsatz klar, denn Paulus gebraucht dies als Argument für die Auferstehung – Was würde es nützen, sich für die Toten taufen zu lassen, wenn die Toten nicht auferständen? Das war sein Argument – Die Heiligen übten den Grundsatz zweifellos in jenen Tagen aus, denn wir finden später in der Kirche, daß Beschlüsse gegen den Brauch gefaßt wurden, sich für die Toten taufen zu lassen – Etwa tausend Jahre später, oben in Rußland, als einige ihrer Fürsten zum Christentum bekehrt wurden, fühlten sie sich bewegt, um jene heilige Handlung für ihre Vorväter zu bitten – Ob sie irgendeine Kenntnis aus der Geschichte der Heiligen der ersten Tage hatten oder nicht, weiß ich nicht; aber eine solche heilige Handlung wurde tatsächlich in Rußland vollzogen – Der Apostel Petrus verstand den Grundsatz der Errettung für die Toten, und unser Erretter verstand ihn und legte ihn, wie ich glaube, der Versammlung in Nazareth vor – Nachdem Er umhergezogen war und gelehrt hatte und zu Seinem Heim in Nazareth zurückgekehrt war, wurde Er aufgefordert, von der Rolle zu lesen, wie es in ihren Synagogen Brauch war, und als sie Ihm gereicht wurde, las Er aus dem 61. Kapitel Jesajas – Als ich in Nazareth war, besuchte ich jene Synagoge (zumindest sagt man uns, es sei dieselbe), und als ich in jenem alten Gebäude stand, fragte ich mich, wo Er wohl gestanden hatte, als Er bei jener Gelegenheit sprach, und ich dachte an die herrliche Lehre, auf die Er anspielte – die Errettung für die Toten – Ich möchte einige Verse aus diesem Kapitel vorlesen: ¶
„Der Geist Gottes des Herrn ruht auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, um den Elenden frohe Botschaft zu bringen; er hat mich ja gesandt, um die, welche gebrochenen Herzens sind, zu verbinden, den Gefangenen die Freilassung anzukündigen und den Gebundenen die Entfesselung, ¶
ein Gnadenjahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes auszurufen, um allen Trauernden Trost zu bringen.“ ¶
Er las diese Verse, die Seine eigene Sendung beschreiben – Unter anderem, so sagt Er uns, war es Seine Sendung, die Gefangenen zu befreien und ihre Gefängnistüren zu öffnen – Diesen Teil Seiner Sendung erfüllte Er nicht, während Er im Fleisch lebte, soweit uns bekannt ist, aber wir haben einen Bericht, daß Er sie danach erfüllte – Petrus sagt uns, Er habe den Geistern im Gefängnis gepredigt – jenen, von denen Hiob spricht, wenn er sagt, sie sollten aus der Grube und aus ihrem Gefängnis hervorgebracht werden – Jesus ging hin und öffnete ihre Gefängnistüren; Er führte die Gefangenschaft gefangen; Er brachte den vielen Millionen Freude, die im Gefängnis auf Sein Kommen warteten, weil sie einst das Evangelium abgelehnt hatten – Sie gehörten zu den vorsintflutlichen Geschlechtern, und als Noah ihnen das Evangelium predigte, lehnten sie ihn ab; daher hatten sie lange zu warten, aber schließlich kam die frohe Botschaft zu ihrem Gefängnishaus – Jesus ging hin und predigte ihnen das Evangelium, und die Errettung wurde ihnen noch einmal angeboten – Sie hatten durch traurige Erfahrung gelernt, was es bedeutet, das Evangelium abzulehnen ¶
Diese Lehre von der Errettung für die Toten hat nicht die Wirkung, wie manche sagen, die Menschen die gegenwärtige Gelegenheit vernachlässigen zu lassen, im Gedanken, es werde immer eine Chance für sie geben – Denn es wird jenen, die das Evangelium ablehnen, Strafe zugemessen – Es war eine lange Zeit für die vorsintflutlichen Geschlechter zu warten, ehe ihnen die Tür der Gnade geöffnet wurde – Wir bemühen uns, den Herzen der Menschen die Notwendigkeit einzuprägen, umzukehren und in diesem Leben nach den Geboten Gottes zu leben – Wir wollen, daß alle Menschen verstehen, es gebe ein Gesetz, dem ein jeder gehorchen muß, der in das Reich Gottes eingehen soll – Jesus legte es Nikodemus dar, als Er sagte, kein Mensch könne in das Himmelreich eingehen, außer er sei aus Wasser und Geist geboren – Die vielen Millionen, die dahingegangen sind, ohne dieser heiligen Handlung gehorcht zu haben, müssen, wenn sie in das Himmelreich eingehen sollen, aus Wasser und Geist geboren werden, und da dies in der Geisterwelt nicht geschehen kann, hat Gott vorgesehen, daß jene heilige Handlung hier auf Erden für sie vollzogen werden kann – Wir können dem Gehorsam gegen dieses Gesetz nicht ausweichen und dennoch in das Reich Gottes eingelassen werden – Hier offenbart sich die Barmherzigkeit und Gnade Gottes gegenüber Seinen Kindern, indem Er Mittel ersonnen hat, wodurch sie die Segnungen selbst nach ihrem Hinscheiden aus diesem Leben empfangen können – Ihr, die ihr die Tempel Gottes betreten und heilige Handlungen für eure Toten vollzogen habt, wißt, was für ein herrliches Werk dies ist – Ihr habt selbstlos für eure Verwandten gearbeitet, und ihr seid dabei gesegnet worden, denn eure Zeugnisse sind gestärkt worden, und ihr habt gefühlt, daß ihr in der Gegenwart dahingeschiedener Wesen wart und ihnen Segnungen brachtet ¶
Der Grund, warum ich heute morgen bei diesem Thema verweile, ist, daß viele der Heiligen, die von Liebe zu ihren Verwandten erfüllt sind und die gerne die Tempel betreten und für sie arbeiten würden, dies nicht können, weil sie ihre Genealogie nicht haben – Nun, meine Brüder und Schwestern, wir möchten, daß ihr fleißig in eurer Suche nach Genealogien seid – Denn dies ist ein Tag, in dem die Herzen der Kinder den Vätern zugewandt werden – Sobald der Prophet Joseph diese Lehre der Welt vorlegte und die Notwendigkeit entstand, nach den Vätern zu suchen, wandten sich die Herzen des Volkes in jene Richtung – Der Herr wirkte auf die Herzen der Menschen, überall entstanden genealogische Gesellschaften; Menschen begannen, nach den Namen ihrer Vorväter zu suchen, und viele Werke sind zu diesem Thema veröffentlicht worden – Jene, die sich diese Mühe machten, hatten keine Vorstellung von der Errettung für die Toten, aber das Werk dieser hingebungsvollen Männer ist den Heiligen als sehr großer Segen zugute gekommen – Wir möchten in dieser Hinsicht so viel sammeln, wie wir können – Viele der Heiligen sind sich vielleicht nicht der Tatsache bewußt, daß wir eine genealogische Gesellschaft in unserer Mitte haben – Wir haben etwa vierhundert Bände über Genealogien, und wir möchten mehr bekommen – Wir würden gerne alles bekommen, was sowohl in England als auch in diesem Land veröffentlicht wird und den Heiligen von Nutzen sein kann; und da derselbe Geist auf die Herzen der Menschen in Deutschland, Dänemark und anderen Ländern wirkt, möchten wir die dort gesammelten Informationen zusammentragen – Man arbeitet jetzt in jenen Ländern in dieser Richtung – In Dänemark, Schweden und Norwegen wird es eine schwierige Aufgabe sein, Genealogien zu sammeln, wegen des Wandels, der früher bei den Namen stattfand, indem die Kinder nach dem Vornamen des Vaters benannt wurden – Dies ändert den Familiennamen von einer Generation zur nächsten, wie es in alten Zeiten war – In der Bibel lesen wir von Simon Bar-Jona – „Bar“ bedeutet Sohn – Simon, Sohn des Jona – Daher ist es schwer, die Namen der Familien in jenen Ländern zurückzuverfolgen – Dennoch gibt es mehrere Archive in Dänemark, wo wir Genealogie erlangen können, und sobald sich die Gelegenheit in Schweden und Norwegen bietet, möchten wir dort Brüder haben, die in dieser Richtung arbeiten – Wir haben Vertreter in Deutschland und in der Schweiz, so daß unseren deutschen und Schweizer Brüdern geholfen werden kann, die Namen ihrer Verwandten zu erlangen – Dasselbe kann von Neuengland gesagt werden – Die Gesellschaft versucht, Verbindung mit allen Ländern aufzunehmen, aus denen die Heiligen gekommen sind – Nun kostet es etwas, eine solche Arbeit erledigen zu lassen, und wir würden uns freuen, wenn unsere Brüder, die daran interessiert sind, Genealogie zu erlangen, Mitglieder der Gesellschaft würden – Es erfordert nur eine kleine Aufnahmegebühr, und ihr werdet ¶
sie zurückerhalten, indem ihr weniger für eure Namen bezahlt und die Möglichkeit habt, die Bibliothek zu besuchen und die bereits vorhandenen Bücher zu durchsuchen – Alles, was eingezahlt wird, wird dazu dienen, unsere Bibliothek genealogischer Werke zu vergrößern – Ich hoffe, diese Angelegenheit wird von den Heiligen im Gedächtnis behalten – Wenn ihr an die Genealogische Gesellschaft im Büro des Historikers schreibt, könnt ihr alle Informationen erhalten, die wir euch geben können, und wir werden euch helfen, mehr zu bekommen ¶
Ich möchte einige Worte über Aufzeichnungen sagen – Wir raten unseren Missionaren, während ihrer Missionen Tagebücher zu führen und die Ereignisse ihres Lebens niederzuschreiben – Diese werden mit der Zeit sehr kostbar sein – Viele unserer Brüder aus den frühen Jahrzehnten der Kirche haben Aufzeichnungen geführt – Wir würden diese Tagebücher gerne im Büro des Historikers erhalten, damit wir, falls es neues Material gibt oder etwas, das ein Seitenlicht auf bereits bekannte Ereignisse werfen könnte, diese Information erlangen können – Wir haben Männer im Büro, wie Andrew Jenson und andere, die mit den Ereignissen unserer Kirchengeschichte gut vertraut sind und die bald aus solchen Tagebüchern Dinge herausziehen können, die nicht bekannt sind und die uns eine Hilfe sein werden – Wir würden Kinder, die die Aufzeichnungen ihres Vaters besitzen, nicht bitten, sie dem Büro zu übergeben; aber wenn sie sie uns leihen würden, würden wir aus ihnen das sammeln, was für unsere Kirchengeschichte von Nutzen wäre – Es mag manche geben, die sie gerne im Büro des Historikers hinterlegt sähen, und wir würden uns freuen, sie zu nehmen, sie zu kennzeichnen und sicher aufzubewahren – Wir sind ein Volk, das jeden Tag Geschichte macht; aber wir möchten, daß diese Geschichte von uns selbst geschrieben wird – Wenn man Geschichte liest, findet man manchen Charakter, der einem ganz anders beschrieben wird als die Wirklichkeit, weil seine Geschichte von einem Feind geschrieben wurde – Viele der Sekten, die seit den Tagen der Apostel entstanden sind, sind uns in einem sehr ungünstigen Licht dargestellt worden, weil ihre Geschichten von ihren Feinden geschrieben wurden – Wir wollen nicht, daß kommende Generationen unsere Geschichte in einem anderen Licht lesen als der wirklichen Wahrheit ¶
Ehe ich mich setze, gibt es noch eine andere Angelegenheit, die ich unseren Brüdern vorlegen möchte – Es ist jetzt Schulzeit – Während der Sommermonate wurden unsere ¶
Religionsklassen nicht aufrechterhalten, außer an wenigen Orten – Nun, da das Schuljahr begonnen hat, hoffen wir, daß die Superintendenten und Lehrer der Religionsklassen dafür sorgen werden, daß die Klassen wieder aufgenommen werden und daß erneutes Interesse an diesem guten Werk gezeigt wird – Wir haben gerade eine neue Ausgabe von Übersichten herausgegeben, die die Bewegung der Religionsklassen und das Verfahren erklären, und jeder unserer Superintendenten oder Lehrer kann diese erhalten, indem er an Superintendent Maeser schreibt – Wir hoffen, daß dieses Werk nicht nachlassen wird, sondern daß wir alle die Notwendigkeit erkennen werden, unseren Kindern jene Art von Bildung zu geben, die sie in unseren Bezirksschulen nicht erlangen können und die wir ihnen zu Hause nicht geben können, weil uns die Zeit fehlt – Diese Bewegung der Religionsklassen wurde errichtet, damit unsere Kinder ebenso religiös wie geistig und körperlich erzogen werden, und ich vertraue darauf, daß wir sie nicht vernachlässigen werden – Gott segne euch, Brüder und Schwestern; möge unsere Konferenz für alle Anwesenden wahrhaftig ein Festmahl sein, ist mein Gebet, im Namen Jesu – Amen ¶