Meine Brüder Und Schwestern, Charles Dickens Schrieb
Seymour B. Young
Meine Brüder und Schwestern, Charles Dickens schrieb: „Wollt ihr die Gefühle eures Mitmenschen verstehen, versucht euch an seine Stelle zu versetzen." Ich erkenne die Verantwortung, die auf den Brüdern ruht, die sich erheben, um zu dieser gewaltigen Versammlung zu sprechen, und ich kann heute in Wahrheit sagen, dass ich durch die Bemerkungen meiner Brüder während der Sitzungen dieser großen Konferenz sehr erbaut und unterwiesen worden bin. Nichts von größerem Interesse hat sich während unserer Versammlungen ereignet als die wesentlichen Punkte, die jeder Sprecher zu den von ihm behandelten Themen zum Ausdruck brachte. Die Ansprache über das Leben des Pioniers Orson Pratt erinnerte das Volk an die Arbeiten jenes großen Mannes, besonders jene, die mit seinem Leben und seiner Geschichte und seinem hingebungsvollen und unermüdlichen Mühen für seine Mitmenschen etwas vertraut gewesen sind. Wir wurden an seine bezaubernde Persönlichkeit erinnert, und an seine hingebungsvolle Freundschaft zu allen, die das Vergnügen seiner Bekanntschaft und Freundschaft hatten. Heute Nachmittag hat uns das Thema der Tempel unseres Gottes sehr interessiert, und das Werk, das in diesen großen Gebäuden zum Nutzen der Lebenden ebenso wie der Toten getan worden ist. Bei der Weihung des Kirtland-Tempels sprach der Prophet Joseph dieses schöne Gebet, von dem ich einen Teil vorlesen werde, zu finden im 109. Abschnitt des Buches der Bündnisse: ¶
Dank sei deinem Namen, o Herr, Gott Israels, der du den Bund hältst und deinen Dienern Barmherzigkeit erzeigst, die mit ganzem Herzen untadelig vor dir wandeln; ¶
der du deinen Dienern geboten hast, deinem Namen an diesem Ort [Kirtland] ein Haus zu bauen. ¶
Und nun siehst du, o Herr, dass deine Diener gemäß deinem Gebot gehandelt haben. * * * ¶
Denn du weißt, dass wir dieses Werk inmitten großer Drangsal vollbracht haben; und in unserer Armut haben wir von unserer Habe gegeben, um deinem Namen ein Haus zu bauen, damit des Menschen Sohn eine Stätte habe, wo er sich seinem Volk kundtun kann. ¶
Am folgenden Nachmittag wurde Sidney Rigdon aufgerufen zu sprechen und erhielt einen Teil der Zeit der Weihungsfeier. In seiner großen Predigt — denn ich glaube, er stand unter der Eingebung des Geistes des Herrn, denn dies war in der Zeit seiner Gemeinschaft mit der Kirche und mit dem Propheten Joseph — sagte er: ¶
In vergangenen Zeiten und bis zum heutigen Tag haben die christlichen Kirchen der ganzen zivilisierten Welt Anbetungsstätten errichtet, Häuser, in denen sie sich versammelt haben, und Kirchen, um dem Volk in seinen religiösen Gottesdiensten Raum zu geben, und eine Kirche ist dem Namen des Paulus geweiht worden. Eine andere Kirche ist dem Namen des Petrus geweiht worden, und eine andere dem Namen des Jakobus und des Johannes, und so fort durch das Verzeichnis der Namen heiliger Männer, von Propheten und Aposteln, die unter dem Einfluss des Geistes des Herrn gesprochen haben, und so haben sie ihre Namen und deren Andenken für künftige Generationen geheiligt, und ihre Namen sind gebraucht worden, und die Gebäude der Kirchen sind diesen Propheten und Aposteln geweiht worden, und ihre Namen sind auf den Türsturz eingeschrieben worden. Es ist einem Volk zuteilgeworden, das heute Offenbarung durch seinen Propheten empfangen hat, und das durch die Macht des Herrn zu Kollegien des Priestertums organisiert worden ist, dem verachteten Volk, das Heilige der Letzten Tage genannt wird, das erste zu sein, ein Haus der Anbetung zu bauen und darauf den Namen Jesu Christi zu setzen und es Ihm zu weihen und zu widmen, und durch die Macht und das Zeugnis, das auf den Versammlungen dieses Volkes bei diesen Zusammenkünften geruht hat, wissen wir, dass es von Ihm angenommen worden ist. ¶
Der Herr erwählte einen Knaben, wenn ihr so wollt, wie uns gestern gesagt wurde. Joseph Smith war nur ein Knabe, als der Herr ihn berief, als der Vater und der Sohn ihm erschienen. Sie sandten vor sich ihren Boten, den Heiligen Geist, um auf dem Knaben zu ruhen, um die bösen Einflüsse, die sich mühten, ihn zu überwältigen, von ihm zu vertreiben, und ihn durch die Ausstattung mit dieser heiligen Macht auf den Besuch des Vaters und des Sohnes vorzubereiten. Dies war nicht die erste Aufzeichnung, die wir von einem ähnlichen Besuch haben, der von einer ähnlichen Gegenwart eingeleitet wurde. Ihr erinnert euch, was Lukas hinsichtlich der Geburt des Erlösers der Welt sagt, in der erhabensten Sprache, die je gebraucht wurde. Keiner der Evangelisten kommt ihm nahe im Ausdruck der Wahrheit jenes Ereignisses, wie es sich zutrug. Der Engel Gabriel kam zu Maria und sagte zu ihr: „Sei gegrüßt, du Begnadete: Der Herr ist mit dir!" Und sie wusste nicht, was sie von diesem Gruß halten sollte, und dann fuhr der Engel fort und sagte: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten" — wer ist der Höchste? Gott, der Ewige Vater — „die Kraft des Höchsten dich überschatten; daher wird auch das Kind, das von dir geboren werden soll, heilig sein und Gottes Sohn genannt werden." ¶
So wissen wir, dass der Herr den Geringsten unter Seinen Dienern oder Dienerinnen für die Arbeiten und für den Dienst vorbereiten kann, den Er ihnen auferlegt. Wir haben ein weiteres sehr herrliches Beispiel dafür, dass der Herr einen kleinen Knaben beruft, viel jünger als der Prophet Joseph, als er den Besuch des Vaters und des Sohnes empfing. Ich beziehe mich nun auf den Propheten Samuel. Samuel wurde seiner Mutter Hanna gegeben. Sie war die Frau Elkanas, eines Hohenpriesters, und sie war kinderlos, und ihr Kummer kannte keine Grenzen. Sie suchte den Herrn daheim in ihrer Kammer, und sie ging auch zum Tempel und betete auf den Stufen des Tempels, außerhalb der Tempeltür, und eines Tages, als sie um Erleichterung von ihrer Schmach in Israel betete, weil sie unfruchtbar war, sagte Eli in herzloser Weise zu ihr — Eli war übrigens der Hohepriester des Tempels — er sagte zu ihr: „Wie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene benehmen? Werde endlich wieder nüchtern!" Und sie sagte zu ihm: „Ich habe weder Wein noch starkes Getränk getrunken, sondern meine Seele vor dem Herrn ausgeschüttet." Als Eli dies hörte, erweichte sich sein Herz, und er sagte zu Hanna: „Gehe hin in Frieden! Der Gott Israels möge dir die Bitte gewähren, die du an ihn gerichtet hast." Uns wird gesagt, dass sie an jenem Tag in ihrem Herzen gelobte und vor dem Herrn den Bund schloss, dass, gäbe Er ihr einen Sohn, sie ihn all seine Tage dem Werk im Tempel des Herrn widmen würde. Gewiss erhörte der Herr ihr Gebet und gab ihr einen Sohn, und als er noch sehr jung war, brachte sie ihn zum Tempel, und er nahm dort seinen Wohnsitz beim Hohenpriester Eli und schlief nahe bei ihm im Tempel. Und eines Nachts sagte eine Stimme: „Samuel!" Und der Knabe erhob sich rasch und ging zu Eli und sagte zu ihm: „Hier bin ich; denn du hast mich gerufen." „Ich habe nicht gerufen", sagte Eli. Samuel kehrte wieder zu seinem Lager zurück, und die Stimme kam abermals zu ihm: „Samuel!" Und er erhob sich abermals und ging zu Eli, aber Eli sagte: „Ich habe nicht gerufen, mein Sohn." Aber nach dem dritten Mal sagte Eli zu ihm: „Gehe hin, lege dich schlafen! Doch wenn du wieder gerufen wirst, so antworte: ‚Rede, Herr, denn dein Knecht hört!'" Als also die Stimme wieder kam und Samuel rief, antwortete der Knabe dementsprechend, und der Herr gab ihm einen Auftrag, ein Gebot, Eli für die Bosheit seiner Söhne zur Rechenschaft zu ziehen. Es gibt sehr viele Beispiele, sehr viele Aufzeichnungen, aber dies sind die wesentlichen Punkte, an die ich jetzt denke, die uns in dem Zeugnis bestärken werden, das wir von der göttlichen Sendung des Propheten Joseph Smith geben. Obgleich er zum Dienst berufen wurde, als er noch ein bloßer Knabe war, wie wohl erfüllte er jenen Dienst und jene Sendung, die ihm vom Sohn Gottes gegeben worden war. Wie eifrig gab er die Kraft seiner jungen Mannheit her, während er an Jahren heranreifte und an Erkenntnis wuchs, und wie der Herr ihm Gebot auf Gebot, Vorschrift auf Vorschrift offenbarte, wie und wann und auf welche Weise er in den Verordnungen des Evangeliums dienen sollte; und bei der Vollendung des Tempels sprach er jenes wunderbare Gebet, von dem ich einen Teil vorgelesen habe. Etwa sechs Tage danach wurde die folgende Offenbarung Joseph, dem Seher, und Oliver Cowdery gegeben: ¶
Der Schleier wurde von unserem Sinn weggenommen, und uns gingen die Augen unseres Verständnisses auf. ¶
Wir sahen den Herrn auf der Brüstung der Kanzel vor uns stehen, und unter seinen Füßen war eine Pflasterarbeit aus reinem Gold, in der Farbe wie Bernstein. ¶
Seine Augen waren wie eine Feuerflamme, sein Haupthaar war weiß wie reiner Schnee, sein Antlitz leuchtete heller als das Licht der Sonne, und seine Stimme tönte wie das Rauschen großer Gewässer, ja, die Stimme Jehovas, die sprach: ¶
Ich bin der Erste und der Letzte; ich bin der, der lebt, ich bin der, der getötet worden ist; ich bin euer Fürsprecher beim Vater. ¶
Siehe, eure Sünden sind euch vergeben; ihr seid rein vor mir; darum hebt euer Haupt empor und freut euch. ¶
Lasst das Herz eurer Brüder sich freuen, und lasst das Herz all meines Volkes sich freuen, das mit all seiner Macht meinem Namen dieses Haus gebaut hat. ¶
Und der Ruhm dieses Hauses wird sich in fremde Länder ausbreiten, und das ist der Anfang der Segnung, die meinem Volk auf das Haupt ausgegossen werden wird. So ist es. Amen. ¶
Nachdem diese Vision zu Ende war, öffneten sich uns die Himmel abermals, und Mose erschien vor uns und übertrug uns die Schlüssel zur Sammlung Israels von den vier Teilen der Erde und zur Rückführung der Zehn Stämme aus dem Land des Nordens. ¶
Danach erschien Elias und übertrug die Evangeliumszeit Abrahams und sagte, in uns und unseren Nachkommen würden alle Generationen nach uns gesegnet sein. ¶
Nachdem diese Vision zu Ende war, brach eine weitere große und herrliche Vision über uns herein, denn Elija, der Prophet, der ohne den Tod zu schmecken in den Himmel aufgenommen wurde, stand vor uns und sprach: ¶
Siehe, die Zeit ist völlig da, von der Maleachis Mund gesprochen hat — der bezeugte, dass er (Elija) gesandt werden würde, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn käme — ¶
um das Herz der Väter den Kindern und das der Kinder den Vätern zuzuwenden, damit nicht die ganze Erde mit einem Fluch geschlagen werde. ¶
Ihr habt heute Nachmittag von Ältestem Joseph F. Smith, Jr., über den Grundsatz der Taufe für die Toten gehört. Dies war der Bund, der durch den Besuch Elijas errichtet wurde, in Erfüllung der Verheißung, die dem Propheten Joseph gegeben wurde, als der Engel Moroni ihn zum ersten Mal besuchte und ihn über die Platten unterrichtete, den Bericht, aus dem das Buch Mormon übersetzt wurde. Dieses Werk hat seit jenem Tag fortgedauert, manchmal unterbrochen durch die Macht der Umstände, in den Zeiten, als das Volk sich von seinen Heimen im Osten in dieses Land in der großen westlichen Wüste sammelte. Sobald die Arbeiten wieder vervollkommnet werden konnten und ein Tempel gebaut werden konnte, ist die Arbeit und das Werk treulich vorangeschritten, und viele Hunderttausende unserer verstorbenen Verwandten haben den Nutzen der für sie in diesen heiligen Häusern vollzogenen Verordnungen empfangen oder werden ihn empfangen, welche der Herr uns zu bauen erlaubt und uns dabei geholfen hat. Jeder von ihnen, alle vier Tempel in diesem Land, sind dem Namen des Herrn, des Gottes Israels, geweiht worden, und Er hat jene Weihung angenommen und erlaubt, dass Sein Name darauf gesetzt werde, jedes einzelne dieser heiligen Gebäude. ¶
Meine Brüder und Schwestern, ich darf nicht mehr von eurer Zeit in Anspruch nehmen. Möge der Herr euch segnen und in euch den Wunsch mehren, jedes Gebot zu halten, das Er euch gegeben hat, damit ihr Freude und Frohlocken habt alle Tage eures Lebens, und geeignet und bereit seid, mit jenen zusammenzukommen, für die wir hier im Fleisch gearbeitet haben, für die Erlösung unserer Verwandten, wie wir sie wiedersehen werden, sind wir treu und wahrhaftig. ¶
Möge dies unser glückliches Teil sein, im Namen Jesu Christi. Amen. ¶