Unschätzbare Bedeutung eines Zeugnisses; guter Ruf in der Kirche schafft Vertrauen
David O. McKay
Unschätzbare Bedeutung eines Zeugnisses von der Wahrheit. — Der Ruf, in der Kirche in gutem Ansehen zu stehen, schafft Vertrauen. — Die Wahrhaftigkeit des persönlichen Zeugnisses wird durch das Leben bewiesen. — Die Welt wird von einem ehrwürdigen Herrn angeklagt. — Wahre Heilige werden zeigen, dass sie von der Wahrheit geleitet werden. „Preis sei dem Mann, der mit Jehova Umgang hatte!" Und Preis dem Volk, das weiß, dass er diesen Umgang hatte. ¶
Die Zeugnisse, die während dieser ganzen Konferenz abgelegt worden sind, waren höchst eindrucksvoll. Wenn man bedenkt und erkennt, dass die Tausende von Heiligen der Letzten Tage, die diesen Zeugnissen zuhörten, wahrheitsgemäß dieselbe Art von Zeugnis ablegen können, erkennt man, welch gesegnetes Volk wir sind. Keine größere Gabe oder kein größerer Segen kann dem Menschen in diesem Leben zuteilwerden als das Wissen, dass Gott lebt, dass Jesus der Erretter der Welt ist, und dass diese beiden Personen dem Propheten Joseph tatsächlich erschienen sind und durch ihn das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt haben. Ich sage, dass keine größere Gabe oder kein größerer Segen dem Menschen in diesem Leben zuteilwerden kann. Wer diese Dinge weiß, besitzt die Schlüssel zur wahren Philosophie des Lebens. Wer Gott und Jesus Christus kennt, den Er gesandt hat, hat ewiges Leben, die größte Gabe, die dem Menschen zuteilwerden kann. ¶
Es ist nicht meine Absicht, bei der Herrlichkeit des Zeugnisses von der Wahrheit dieses Evangeliums zu verweilen. Ich möchte mein eigenes Zeugnis jenen Zeugnissen hinzufügen, die in anderen Sitzungen dieser Konferenz abgelegt worden sind. Ich weiß, dass dies das Evangelium Jesu Christi ist, und ich danke Gott an diesem Tag für dieses Zeugnis. Ich weiß, dass die Männer, die berufen worden sind, diese, Christi Kirche, zu leiten, Diener Gottes gewesen sind und sind; und ihr wisst es, meine Brüder und Schwestern; und ich freue mich über eure Gemeinschaft und eure Bruderschaft. Gott helfe uns, diesem Zeugnis treu zu sein. ¶
Ich werde daran erinnert, dass Christus, als Er auf Erden war, zu einigen Männern, die ebenfalls um Seine Göttlichkeit wussten, sagte, dass eine Verpflichtung auf allen solchen laste, die die Erkenntnis der Existenz Gottes und der Wahrheiten des Evangeliums Christi besitzen. „Ein solcher Knecht aber, der den Willen seines Herrn gekannt und doch nichts ausgeführt und nichts nach seinem Willen getan hat, wird viele Schläge erhalten; wer dagegen seinen Willen nicht gekannt und Dinge getan hat, die Züchtigung verdienen, wird nur wenige Schläge erhalten. Wem aber viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert werden, und wem viel anvertraut ist, von dem wird man auch um so mehr verlangen." So kommt mit dieser Erkenntnis, die die Heiligen der Letzten Tage besitzen, eine gewaltige Verpflichtung. Gottes Volk wird in der Schrift, alter wie neuzeitlicher, als ein auserwähltes Volk bezeichnet, als eine königliche Priesterschaft, ein eigenartiges Volk, als ein Licht, das auf einen Berg gesetzt ist. „Ihr seid das Licht der Welt! Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter: Dann leuchtet es allen, die im Haus sind. Ebenso soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der im Himmel ist, preisen." ¶
Es gibt zwei Tugenden, ich will sie Grundsätze nennen, die ich heute Nachmittag betonen möchte, als würdig, dass wir über sie nachdenken und uns vermehrt bemühen, sie unter den Menschen zu verankern. Der erste ist die Wahrheit. Als ich kürzlich einen Pfahl Zions besuchte, der in einem an Utah angrenzenden Staat errichtet worden ist, hörte ich einen Teil eines Gesprächs mit an, das über das Telefon geführt wurde. Der Präsident des Pfahles wurde vom Esstisch ans Telefon gerufen, und es folgte dieses Gespräch. Man erzählte mir das, was ich nicht hörte, sodass ich es euch vollständig wiedergeben kann. „Wissen Sie", sagte der Fremde, ein Nichtmitglied der Kirche, zum Präsidenten des Pfahles, „wissen Sie, wer Herr Soundso ist?" „Ja." „Ist er Mitglied Ihrer Kirche?" „Das ist er." „Nun, steht er in gutem Ansehen in Ihrer Kirche?" „Ja." „Gut so; danke. Er ist hier in unserem Büro und möchte Geld leihen, um eine Investition zu tätigen. Er hat uns an Sie verwiesen und gesagt, er sei Mitglied Ihrer Kirche. Wenn er in gutem Ansehen steht, werden wir ihm das Geld leihen." O, welch ein Vertrauen! Mein Herz freute sich, und es freut sich noch heute, dass die Kirche Christi, was Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit betrifft, ein Licht ist. Du und ich, wir betrüben uns aufs Tiefste, wenn wir hören, dass sich ein Mitglied vergisst und durch seine Unehrlichkeit jenes Vertrauen zerstört. Christus stand als Gefangener vor Pilatus, und man fragte Ihn: „Bist du der König der Juden?" „Fragst du dies von dir selbst aus, oder haben andere es dir von mir gesagt?" Pilatus wich der Antwort aus, indem er sagte: „Bin ich denn ein Jude?" Jesus antwortete: „Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen." In diesem Sinn gilt die Wahrheit für das Evangelium, die Kraft Gottes zur Errettung für alle, die es annehmen, und Christus legte Zeugnis von jener Wahrheit ab. Du und ich, wir legen heute dasselbe Zeugnis ab, bezeugen mit unserem Mund, dass Gott zu Seinen Söhnen und Töchtern gesprochen und ihnen das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt hat. Es gibt noch eine andere Weise, in der Christus von jener Wahrheit Zeugnis ablegte, und das war in Seinem Leben. Menschen haben Ihn einen Schwärmer genannt; sie haben Ihn beschuldigt, ein Träumer, ein Asket, ein Einsiedler zu sein, und andere solche Schmähungen haben sie Ihm entgegengeschleudert, aber sie scheuen sich stets zu sagen, Christus, der Erlöser, sei unehrlich oder unwahrhaftig gewesen. Sein Leben ist ein Leben der Ehrlichkeit, der Ehrenhaftigkeit, der Rechtschaffenheit. Er wurde zu Menschen hingezogen, die selbst ehrlich waren, deren Herzen rein und arglos waren. Man beachte, wie schnell Er Reinheit und Arglosigkeit in Nathanael erkannte. „Siehe da", sagte Er, „wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Falsch ist!" Wie ein negativer Pol vom positiven angezogen wird, so schien hier die gegenseitige Anziehung zu bestehen. Ihre Seelen zogen einander an, wie der Tautropfen, der morgens die Blüte hinabrinnt, in seinen Bruder-Tautropfen auf der Blüte fällt und in eins mit ihm verschmilzt. So schien die Reinheit Christi die Reinheit Nathanaels aufzunehmen, anzuziehen, zu sich hinzuziehen. Nathanael war ehrlich, aufrecht, rein, wie es einem Nachfolger Christi geziemt. Kein argloser Mann kann unehrlich sein. Kein argloser Mann kann sich zu Ränken und Betrug herablassen, um einen Bruder zu täuschen. Ich sage, das Leben Christi und Seine Lehren legten stets Zeugnis von der Wahrheit ab. In unserer Zeit hat Gott durch den Propheten Joseph Smith gesagt: „Denn Gott wandelt nicht auf krummen Pfaden, auch wendet er sich weder zur rechten Hand noch zur linken, auch weicht er nicht von dem ab, was er gesprochen hat; darum sind seine Pfade gerade, und seine Bahn ist eine ewige Runde." Den Heiligen der Letzten Tage hat Er als Gottes Volk erklärt, dass einer der Grundsätze ihres Glaubens Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ist. Ich freue mich, unseren dreizehnten Glaubensartikel zu wiederholen. ¶
„Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu, keusch, gütig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun; ja, wir können sagen, dass wir der Ermahnung des Paulus folgen – wir glauben alles, wir hoffen alles, wir haben viel ertragen und hoffen, alles ertragen zu können. Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach." ¶
Lasst euer Licht so unter den Menschen leuchten, dass sie, wenn sie eure guten Werke sehen, dazu geführt werden, unseren Vater im Himmel zu preisen. Auf wohl keine wirksamere Weise kann die Wahrheit vor den Menschen bezeugt werden, als dass jeder Heilige der Letzten Tage das Vertrauen unserer außenstehenden Freunde in ein treues Mitglied der Kirche Christi bewahrt und fördert. Nun, um das zu tun, müssen wir in allen Dingen ehrlich sein. Wenn wir Bauunternehmer sind und uns verpflichten, ein bestimmtes Material in ein Gebäude einzubauen, so lasst uns jenes Material auch tatsächlich einbauen. Wenn wir den Bedingungen eines Vertrags zustimmen, hundertfünfzig Fuß Heizkörperleitung in das Gebäude einzubauen, so lasst uns hundertfünfzig Fuß einbauen. Das sind Einzelheiten, nicht wahr, aber es sind die Einzelheiten, an denen die Menschen, mit denen ihr zu tun habt, euer Handeln beurteilen werden. Wenn wir Kartoffeln einer bestimmten Güteklasse zum Markt bringen und diese Güteklasse so angeben, so lasst uns wissen, dass eine Untersuchung unsere Angaben als wahr erweisen wird. Es betrübte mich, als ich einen Großhändler sagen hörte, er habe Säcke mit Erzeugnissen, die vom Bauernhof gebracht wurden, geöffnet und darin fremdes Material gefunden, wie Steine und Erde, die hineingelegt worden waren, um das Gewicht zu erhöhen. Ich habe ihn nicht nach der Religion jener Männer gefragt; ich habe nach keinem Namen gefragt; aber solche Dinge sind unehrenhaft, kein wahres Mitglied der Kirche Christi kann sich zu solcher Gaunerei herablassen. Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten. In dieser Welt bedarf es heute eines Zeichens, eines Volkes, das sich in klarem Umriss als Beispiel für die Welt in Ehrlichkeit und redlichem Handeln abhebt. Ich will die Welt nicht verurteilen, aber um zu veranschaulichen, was ich meine, will ich einen ehrwürdigen Herrn seine Meinung über die Welt im Allgemeinen heute abgeben lassen. Ich zitiere Herrn Jefferson, den Verfasser von „Der Charakter Jesu". Über die Unaufrichtigkeit der Welt sprechend, sagt er: ¶
„Und doch, wie verbreitet ist Unaufrichtigkeit. Was für ein erbärmlicher alter Schwindel von einer Welt ist es doch, in der wir leben — voll von Betrügerei und Unehrlichkeit und Täuschung jeder Art. Die Gesellschaft ist verflucht mit Verstellung. Das Geschäftsleben ist von Unehrlichkeit durchsetzt. Die politische Welt wimmelt von Doppelzüngigkeit und Ränken. Es gibt überall Schein, Vorwand und Schwindel. Manche gebrauchen große Worte, die wir nicht verstehen, und manche geben vor, ein Wissen zu besitzen, das sie nicht haben; und manche prahlen mit Kleidern, die sie nicht bezahlen können. Das Leben so manches Mannes und so mancher Frau ist eine einzige gewaltige Lüge. Wir sagen Dinge, die wir nicht meinen; drücken Gefühle aus, die wir nicht empfinden. Wir loben, wenn wir insgeheim verurteilen. Wir lächeln, wenn im Herzen eine Miene des Missmuts ist. Wir machen Komplimente, wenn wir in Wahrheit Verwünschungen denken, und bemühen uns hundertmal in der Woche, die Menschen glauben zu machen, wir seien anders, als wir sind. Es ist ein Verbrechen, das Zuchthaus einträgt, Geld unter falschem Vorwand zu erlangen; und davor hüten wir uns sorgfältig; aber wie viele andere Dinge, glaubt ihr, werden durch Schein und Vortäuschung erlangt, wofür es keine Strafe gibt außer der Verurteilung durch den allmächtigen Gott. Ja, es ist eine traurige, trügerische, entartete Welt, in deren Mitte wir uns befinden; aber, Gott sei Dank, gibt es hier und da Herzen, auf die wir uns immer verlassen können. Wir haben sie geprüft, und wir wissen, dass sie wahrhaftig sind." ¶
Solche Herzen, wie er sie zuletzt erwähnt, müssen sich überall in der Kirche Christi finden, wenn wir glauben — nicht bloß meinen. „Glauben" mag nicht so ausdrucksstark sein wie Überzeugung oder Glaubensgewissheit, aber es ist stärker als „meinen". Wenn wir sagen: „Ich glaube, ich werde dies tun", so tun wir es; ich tue es. Wir sagen nicht: „Ich meine, die Bibel sei das Wort Gottes." Wir glauben, dass die Bibel das Wort Gottes ist, und nehmen sie als solches an; und so nehmen wir es, wenn jener Glaubensartikel wiederholt wird: „Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu —" als Teil unseres Lebens, damit unsere Taten so unter den Menschen leuchten mögen; aber es gibt einen noch tieferen Grund als diesen, nämlich, dass es recht ist, die einzige Weise zu leben. Brüder und Schwestern, seid ehrlich in all euren Geschäften. Seid euch selbst treu. Seid niemals falsch gegenüber euren ehrlichen Überzeugungen. Seid treu gegenüber euren Brüdern; seid treu gegenüber der Kirche Christi; seid treu gegenüber dem Zeugnis, das ihr besitzt; und dann müssen die Menschen an euren guten Werken erkennen, dass ihr eine Erkenntnis besitzt, die sie nicht haben. ¶
Gott helfe uns hierin und in allen würdigen Dingen, in aller Welt Zeugnis von der Wahrheit abzulegen — das bete ich, im Namen Jesu Christi. Amen. ¶