Elterliche Verantwortung Und Religiöse Erziehung Der Jugend
George F. Richards
Von den mehreren Themen, über die unser Präsident bei der Eröffnungssitzung dieser Konferenz sprach und andeutete, dass dieselben während der folgenden Sitzungen von anderen Sprechern erweitert werden könnten, gibt es keines von größerer Bedeutung als das der Verantwortung, die auf den Heiligen der Letzten Tage hinsichtlich der rechten Erziehung ihrer Kinder und der rechten Fürsorge für sie ruht. Nach unserer eigenen Errettung ist uns die Errettung unserer Kinder das Wichtigste. Psychologen haben gesagt, es gebe drei wichtige Mittel oder wirksame Kräfte bei der Erziehung des Kindes: das Heim, die Schule und die Kirche; das Heim an erster Stelle der Wichtigkeit. Die Natur hat den Eltern die Verantwortung auferlegt, für ihre Nachkommenschaft zu sorgen, bis diese imstande ist, für sich selbst zu sorgen; auch das Gesetz verlangt dies von den Bürgern; und nicht am wenigsten wichtig bei der geforderten Fürsorge ist die der rechten religiösen und sittlichen Erziehung, ebenso wie der weltlichen Erziehung, die dem Kind gegeben werden sollte. Gott, unser Vater, hat auch von uns verlangt, dass wir unsere Kinder recht lehren. Er hat in Seinen Offenbarungen an den Propheten Joseph Smith gesagt, wie im 68. Abschnitt von Lehre und Bündnisse aufgezeichnet: ¶
„Und weiter: Wenn Eltern in Zion oder einem seiner organisierten Pfähle Kinder haben und sie nicht lehren, die Lehre von der Umkehr, vom Glauben an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, und von der Taufe und der Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen zu verstehen, wenn sie acht Jahre alt sind, so sei die Sünde auf dem Haupt der Eltern." ¶
Dies ist ein Gesetz für Zion auf immer; und uns ist geboten, unsere Kinder zu lehren zu beten und aufrecht vor Gott zu wandeln. Diese große Verantwortung ruht auf uns, und die Liebe, die Eltern für ihre Kinder haben sollten, sollte an sich Anreiz und Beweggrund genug sein, damit sie ihre besten Bemühungen einsetzen und ihren Einfluss bei ihren Kindern nutzen und sie recht in dem Weg lehren, den sie gehen sollten. Vielleicht ist das wirksamste Mittel, das uns als Eltern in Israel zur Verfügung steht, um unsere Kinder recht zu beeinflussen und zu erziehen, das des Beispiels im Heim. Kinder lernen durch Nachahmung; was sie sehen, versuchen sie natürlicherweise nachzuahmen. Eltern, die wissen, dass das Evangelium wahr ist, müssen, haben wir es als eine Wirklichkeit angenommen, wissen, dass es dazu bestimmt ist, uns zu dem zu machen, was der Herr uns sein lassen möchte — Christusähnlich in jeder Hinsicht. Sind wir folgerichtige Heilige der Letzten Tage, so versuchen wir, nach den Vorschriften des Evangeliums zu leben; und tun wir dies in unseren Heimen, werden unsere Kinder in dem Weg heranwachsen, den sie gehen sollten, ohne viel vorschriftsmäßige Belehrung. Jedenfalls sollte unser Beispiel vor unseren Kindern mit unseren Vorschriften übereinstimmen. Eine Gefahr, die den Kindern der Heiligen der Letzten Tage gegenübersteht, ist meines Eindrucks das Lesen von Groschenromanen und Literatur dieser Art. Ich las vor wenigen Tagen in einer Salt-Lake-Tageszeitung einen Bericht über eine Bande von Jungen im Alter von fünfzehn bis siebzehn Jahren, die auf diese Weise irregeführt worden waren. Als sie entdeckt wurden und der Ort ihres Treffpunkts aufgedeckt wurde, fand man, dass das Innere des Ortes mit Waffen ausgekleidet und mit einer Bibliothek von Groschenromanen ausgestattet war. Man erfuhr durch das Geständnis dieser jungen Burschen, dass sie bei zahlreichen Gelegenheiten in Läden und Wohnhäuser eingebrochen waren, dass sie von ihren Nachbarn gestohlen hatten. Ein junger Bursche gab zu, sie hätten erwogen, seine Mutter zu berauben, und auf die Frage: „Was hättet ihr getan, hätte sie Widerstand geleistet?" kam die bereite Antwort: „Wir hätten sie getötet." Dies, so nehme ich an, ist größtenteils das Ergebnis der Lektüre solcher Literatur, wie sie in dem Unterschlupf gefunden wurde, den sie häufig aufsuchten. Uns wird in Sprüchen gesagt, wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er. James Allen sagt, dieses Thema behandelnd, uns, dass „Charakter die gesamte Summe unserer Gedanken ist." Ich möchte ein oder zwei seiner Gedanken in dieser Hinsicht vorlesen; er sagt: ¶
„Wie die Pflanze aus dem Samen entspringt und ohne ihn nicht sein könnte, so entspringt jede Tat eines Menschen aus den verborgenen Samen des Gedankens und hätte ohne sie nicht erscheinen können. Dies gilt gleichermaßen für jene Taten, die spontan und unüberlegt genannt werden, wie für jene, die bewusst ausgeführt werden. Die Tat ist die Blüte des Gedankens, und Freude und Leiden sind ihre Früchte. So sammelt ein Mensch die süße und bittere Frucht seiner eigenen Bestellung ein. Ein edler und gottähnlicher Charakter ist keine Sache der Gunst oder des Zufalls, sondern das natürliche Ergebnis fortgesetzter Anstrengung im rechten Denken, die Frucht lange gehegter Verbindung mit gottähnlichen Gedanken." ¶
Brüder und Schwestern, ich denke, es ist von höchster Wichtigkeit, dass wir für unsere Kinder die Bücher wählen, die sie lesen; und dass wir für sie, soweit es in unserer Macht steht, die Verbindungen wählen, die sie pflegen. Den öffentlichen Schulen, unterhalten wie sie sind durch öffentliche Besteuerung, ist es gesetzlich verboten, in jenen Schulen Religion zu lehren. Das Ergebnis ist eine ausschließlich weltliche Erziehung, eine Erziehung, gottlos in ihrem Charakter; und eine solche Erziehung ist höchst unvollkommen. Was also werden die Schulen für uns bei der rechten Erziehung unserer Kinder tun? Wer hat nicht auf seinen kleinen Jungen oder sein kleines Mädchen im Alter von fünf oder sechs Jahren geblickt, das Kind, das den Jahren naht, in denen von ihm erwartet wird, in die Bezirksschule einzutreten, ohne eine große Sorge und Angst zu empfinden, fürchtend, die Sittlichkeit jenes Kindes könnte durch den Besuch der Bezirksschulen geschwächt, statt angeregt und ermutigt werden. Der einschränkende Einfluss im Klassenzimmer reicht kaum aus, die unheilige und ungesunde Umgebung zu überwinden, der man auf dem Spielplatz oft begegnet. Die Kirche hat dann etwas zu tun, ebenso wie das Heim, denn sie sollen die gesamten sittlichen Bedürfnisse des Kindes decken. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat es unternommen, dieses gewaltige Werk für jene zu tun, die über die Grundschulklassen hinausgekommen sind und das Alter der höheren Schule erreicht haben. Wir haben im ganzen Land Kirchenschulen gegründet, etwa dreißig an der Zahl, die etwa acht- bis zehntausend Jungen und Mädchen aufnehmen, hauptsächlich Söhne und Töchter der Heiligen der Letzten Tage; es gibt einige Ausnahmen, und jene Schulen gewinnen manche dieser Ausnahmen zu Bekehrten. Erst vor wenigen Tagen erfuhr ich von einem jungen Mann hier in Salt Lake, der als Ergebnis seines Besuchs der Kirchenschule in die Kirche getauft wurde, obwohl er von auswärts kam und nicht-mormonischer Abstammung war. Solches ist zum Teil der Einfluss, den diese Schulen auf jene ausüben, die sie besuchen. ¶
Bei einem kürzlichen Kongress von Pädagogen, im Osten abgehalten, machte Professor Horace H. Cummings, der Superintendent unserer Kirchenschulen, jener Körperschaft gegenüber die Erklärung, dass von den vierhundert Lehrern, die an den Kirchenschulen der Heiligen der Letzten Tage angestellt sind, nicht ein einziger Tabak gebrauche. Jene Pädagogen waren von dieser Aussage verblüfft, aber vielleicht nicht so sehr wie von der Aussage, die darauf folgte, dass von den zehntausend Studenten, die diese Akademien und Colleges des Kirchenschulsystems besuchen, nicht mehr als ein Prozent von ihnen Tabak gebrauchte. Diese Aussage fand ihren Weg in die Associated Press und ist an die Welt hinausgegangen, und die ganze pädagogische Welt staunt über die Zustände in Zion. Was Bruder Cummings hinsichtlich des Tabaks sagte, könnte, wie ich nicht bezweifle, mit gleicher Wahrheit hinsichtlich des Gebrauchs alkoholischer Getränke jeder Art gesagt werden. ¶
Sie sind praktisch aus dem Gebrauch durch Lehrer und Schüler beseitigt; und so viele andere Tugenden werden in diesen Schulen gelehrt und geübt, dass wir fühlen, dass jene, die die Gelegenheit haben, sie zu besuchen, und die sie besuchen, gut betreut werden und eine Erziehung erhalten, auf die ihre Eltern mit Recht stolz sein können. Aber es gibt noch eine Menge, die diese Gelegenheit nicht haben, und da wir nicht genug Mittel haben, die Zahl der Schulen zu erhöhen und sie dort einzurichten, wo alle unsere Kinder im Alter der höheren Schule Zugang zu ihnen haben können, dehnen wir die Arbeit der Religionsklassen auf manche jener Bezirke aus und lehren die höheren Klassenstufen; und wir erwarten, mehr in dieser Richtung zu tun. ¶
Aber was ist mit all jenen, die in den Klassenstufen der Bezirksschulen unterrichtet werden, die vielleicht nach Hunderttausenden zählen? Was wird die Kirche für sie tun? Ich antworte, dass dieselbe Eingebung, die die Kirchenschule hervorgebracht hat, die ein so gewaltiges Werk unter den Heiligen der Letzten Tage vollbringt, deren Früchte allerorts sichtbar sind, zu Hause und im Missionsfeld im Ausland, dieselbe Eingebung eine Organisation für kleine Kinder gegründet hat, von der ich fühle, dass sie schließlich ebenso weitreichend sein wird wie die gegenwärtigen Kirchenschulen; ich beziehe mich auf die Religionsklassen. Es ist bei der Organisation dieser Klassen so gedacht, dass am Ende jedes Tages der Bezirksschularbeit eine Religionsklasse gelehrt werden soll. Gegenwärtig befürworten wir die Abhaltung von nur einer Sitzung pro Woche. Wir werden froh sein, wenn wir dies in allen Gemeinden Zions erreicht haben; es ist noch nicht vollständig erreicht. Wir wünschen, dass die Bischöfe und ihre Ratgeber und die Pfahlpräsidenten sich uns in dieser sehr wichtigen Arbeit anschließen. Wir fühlen, dass keine Pfahlpräsidentschaft zufrieden sein sollte, bis jede Gemeinde im Pfahl eine Religionsklasse hat, damit die Kinder gleiche Vorrechte mit anderen im ganzen Land haben mögen. Ist dies erreicht, werden wir die ganze Zeit auf der Linie der Tüchtigkeit arbeiten, den besten Methoden der Durchführung unserer Arbeit; wir werden in unseren Kirchenschulen Pädagogen ausbilden, die als Lehrer in den Religionsklassen arbeiten werden. Wir werden stetigen Fortschritt machen, und die Zeit wird kommen, da wir praktisch in jeder der organisierten Gemeinden der Kirche eine Religionsklasse haben werden, geführt an fünf Tagen jeder Woche während der Bezirksschulperioden. Das ist unser Ziel, unser Zweck und Vorsatz; gewiss ist es ein lobenswertes und preiswürdiges. Ich sehe nicht, wie irgendein Vater oder irgendeine Mutter in Israel anders kann, als die Notwendigkeit für diese Organisation zu erkennen, und dafür, sie zu unterstützen, ihre Kinder dorthin zu bringen, wo sie ihre Vorteile genießen können. ¶
Wir haben andere Hilfsorganisationen in der Kirche — die Primarvereinigung, die gegenwärtig weiter verbreitet ist als die Religionsklassen und größere Zahlen aufweist; und wir haben die Sonntagsschule, die noch viel mehr zählt. Ich möchte euch sagen, dass Fortschritt in der Arbeit der Religionsklassen gemacht wird, und ich denke, ich irrte mich nicht in der Behauptung, dass unser Zuwachs im Anmeldungsprozentsatz während des vergangenen Jahres den jeder anderen Hilfsvereinigung der Kirche übertreffen wird. Wir kommen voran. Diese anderen Organisationen lehren die Theorie, die Theologie, wenn man so will, während die Religionsklasse Religion lehrt. Glaube kommt vom Hören, aber Erkenntnis kommt vom Tun, und in den Religionsklassen lehren wir die Kinder, wie man handelt. Ich hörte einen der Missionspräsidenten kürzlich in einer Versammlung mit den Mitgliedern des Rates der Zwölf erklären, dass unsere Jungen, die ins Missionsfeld hinausgehen, mit den heiligen Handlungen, die sie zu vollziehen haben, nicht hinreichend vertraut sind. Sie brauchen mehr Ausbildung in den Religionsklassen und anderen Organisationen der Kirche. Das ist gerade die Arbeit, die wir zu tun unternehmen. Wir lehren die Kinder, wie man einen Segen über das Essen erbittet, wie man in der Familie betet, wie man eine Versammlung eröffnet oder schließt, die genauen Worte zu wiederholen, die beim Erbitten des Segens über das Brot und das Wasser bei der Verwaltung des Abendmahls gebraucht werden sollen, und wie man die heilige Handlung der Taufe vollzieht. Diese Dinge werden ihnen praktisch gelehrt, und wir lehren sie, das Evangelium zu leben. Ich werde nur zwei oder drei Grundsätze aus unseren Lehrplänen vorlesen, die die Beschaffenheit der Arbeit zeigen, die wir zu tun beabsichtigen: ¶
„Das Ziel und der Zweck dieser Arbeit ist nicht so sehr, den Schülern Wissen zu vermitteln, als sie dazu zu führen, zu handeln und rechte Lebensgewohnheiten zu bilden; und dem Lehrer sollte beständig dieser Gedanke im Sinn sein: Jede dieser Lektionen hat zum Zweck, eine religiöse Gewohnheit zu bilden. Um die rechte Anwendung dieser Lektionen zu fördern, überprüft zu Beginn jeder Sitzung die außerschulische Aufgabe, die bei der letzten Versammlung gegeben wurde. Alle außerschulische Arbeit sollte nicht in der Vorbereitung von Lektionen bestehen, sondern in der praktischen Anwendung der gelernten Wahrheiten. Lehrer erinnern sich daran, dass dieser Lehrgang eine Schulung in praktischer Arbeit und Gewohnheit ist, und nicht bloß das Lehren von Evangeliumslektionen. Schulung in praktischen religiösen Gewohnheiten ist die Arbeit der Religionsklasse. Gewohnheiten hängen von vielen aufeinanderfolgenden Wiederholungen derselben Handlung ab." ¶
Es gibt andere Grundsätze, die schön und der Beachtung der Heiligen der Letzten Tage würdig sind, aber die Zeit erlaubt mir nicht, sie bei dieser Gelegenheit vorzulesen. Ich lade die Heiligen der Letzten Tage ein, diese sehr wichtige Bewegung — die Religionsklassen — zu unterstützen, und bitte um euer Interesse an der rechten Art der Erziehung, die euren Kindern darin gegeben wird. Möge Gott euch segnen, meine Brüder und Schwestern, und jene segnen, die mit der wichtigen Arbeit in dieser und allen anderen Organisationen der Kirche beschäftigt sind, ich bete es, im Namen Jesu Christi. Amen. ¶