Pulpit

Unterstützt Die Lebenden Propheten

J. Golden Kimball

1910 April General Conference·Second Overflow Meeting·1910-04-03

Es ist mein Wunsch, euch etwas vorzulesen; und es wird mich eine kleine Weile in Anspruch nehmen, denn wie ich zu Anfang sagte, habe ich mir eine Grenze gesteckt. Es wird ungefähr acht Minuten in Anspruch nehmen, und das ist genug Zeit, um etwa die Hälfte von euch einzuschläfern. Ich habe entdeckt, dass manche Leute keine guten Zuhörer sind, besonders wenn sie nicht interessiert sind. Ich weiß nicht, ob ich euch interessieren kann oder nicht, aber ich werde es versuchen, mit der Hilfe des Herrn. Ich habe ein Thema. Das ist etwas, das ich kaum je habe. Ich habe nie in meinem Leben einen Text genommen und mich daran gehalten. Dies mag eine Gelegenheit dieser Art sein; aber ich bin bereit, alles zu sagen, was der Herr von mir will, und es kümmert mich nicht, was es kostet. Ich habe mich nie vor den Menschenkindern gefürchtet, wenn ich den Geist Gottes hatte. Ich habe mich nie vor einem Mob in den Südstaaten gefürchtet, wenn ich den Geist Gottes hatte, aber ich hatte beinahe Todesangst, nachdem der Geist gegangen war. Es erfordert viel Mut, immer zu sagen, was man denkt. Das Problem ist, wir denken manchmal Dinge, die wir nicht sagen sollten.

Ich werde einen Teil des 43. Abschnitts von Lehre und Bündnisse vorlesen, eine Offenbarung, die durch Joseph, den Seher, in Kirtland, Ohio, im Februar 1831 gegeben wurde.

„O horcht, ihr Ältesten meiner Kirche, und leiht ein Ohr den Worten, die ich zu euch sprechen werde; denn siehe, wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr habt ein Gebot als Gesetz für meine Kirche empfangen, durch ihn, den ich für euch bestimmt habe, dass er von meiner Hand Gebote und Offenbarungen empfange. Und dies sollt ihr ganz sicher wissen: Es ist kein anderer für euch bestimmt, Gebote und Offenbarungen zu empfangen, bis er hinweggenommen werden wird, sofern er in mir verbleibt. Aber wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Kein anderer wird für diese Gabe bestimmt werden außer durch ihn; denn wenn sie von ihm genommen wird, soll er keine Macht haben, außer einen anderen an seiner statt zu bestimmen.

Und dies soll euch ein Gesetz sein, dass ihr nicht die Lehren irgendjemandes, der vor euch hintritt, als Offenbarungen oder Gebote annehmt; und dies gebe ich euch, damit ihr euch nicht täuschen lasst, damit ihr wisst, dass sie nicht von mir sind."

Der Rest meines Themas steckt in den Schriftstücken in meiner Tasche; es ist Offenbarung. Ich möchte zu den Leuten über Offenbarung sprechen. Die Siebziger haben Offenbarung studiert, und ich habe die Lektionen zusammengefasst. Es ist nicht meine eigene Erfindung; ich lese nie etwas, das es ist.

„Was ist die Definition von Offenbarung?" „Offenbarung ist der Name jener Handlung, durch die Gott den Menschen Mitteilung macht." Wie wurde Offenbarung in dieser Evangeliumszeit empfangen? Meine Absicht ist, Notizen zu vergleichen und zu sehen, wie wir uns den alten Methoden der Propheten beim Empfang von Offenbarung angleichen. Das heißt, auf welche Weise wurde Offenbarung empfangen? Der Prophet Joseph Smith empfing Offenbarungen auf jede Weise, in der der Herr Seinen Sinn und Willen dem Menschen mitteilt. Wie Mose kannte er den Herrn von Angesicht zu Angesicht, stand in Seiner unmittelbaren Gegenwart und hörte Seine Stimme, wie bei der ersten Mitteilung, die der Herr ihm machte, gewöhnlich die Erste Vision des Propheten genannt, sowie auch bei der Vision im Kirtland-Tempel, wo er und Oliver Cowdery den Herrn auf der Brüstung des Rednerpults stehen sahen und Ihn zu ihnen sprechen hörten. Er empfing Mitteilungen von Engeln, wie im Fall Moronis, der ihm das Buch Mormon offenbarte; Johannes des Täufers, der das Aaronische Priestertum wiederherstellte; und Petrus, Jakobus und Johannes, die das Melchisedekische Priestertum wiederherstellten. Auch die Mitteilungen von Engeln, erwähnt in dem, was gewöhnlich die Kirtland-Tempel-Vision genannt wird. Siehe Lehre und Bündnisse, Abschnitt 110. Er empfing Mitteilungen durch den Urim und Tummim, denn durch dieses Mittel übersetzte er das Buch Mormon und empfing eine Anzahl der in Lehre und Bündnisse enthaltenen Offenbarungen; unter anderen die Abschnitte 3, 6, 10, 11, 12, 14, 16, 17. Er empfing göttliche Erkenntnis durch offene Visionen, wie sie in den Abschnitten 76 und 107 enthalten sind. Er empfing auch Offenbarungen durch die auf seinen Sinn wirkende Eingebung Gottes; und tatsächlich wurde die größere Zahl der Offenbarungen in Lehre und Bündnisse auf diese Weise empfangen. Nun denn, wie empfingen sie sie in den Tagen der Bibel? Die Welt ist der Offenbarung so bitter entgegengesetzt, lasst uns Notizen vergleichen, und wir werden sehen, dass die verschiedenen Weisen, in denen Offenbarungen in alten Zeiten gegeben wurden, und die verschiedenen Weisen, in denen die Propheten in alten Zeiten Offenbarungen empfingen, mit den verschiedenen Weisen übereinstimmen, in denen Gott Joseph Smith Seinen Sinn und Willen mitteilte. Ich zitiere das Folgende aus der „Annotierten Bibel," veröffentlicht 1859: „Die göttlichen Mitteilungen wurden den Propheten auf verschiedene Weisen kundgetan: Gott scheint manchmal zu ihnen in hörbarer Stimme gesprochen zu haben; gelegentlich erschien Er in menschlicher Gestalt. Zu anderen Zeiten bediente Er sich des Dienstes von Engeln, oder machte Seine Absichten durch Träume bekannt. Aber am häufigsten offenbarte Er den Propheten Seine Wahrheit, indem Er jenen übernatürlichen Zustand empfindender, geistiger und sittlicher Fähigkeiten hervorrief, den die Schriften „Vision" nennen. Daher werden prophetische Verkündigungen oft Visionen genannt, das heißt, gesehene Dinge; und die Propheten selbst werden Seher genannt. Obgleich die Visionen, die die Propheten schauten, und die Vorhersagen der Zukunft, die sie verkündeten, gänzlich vom göttlichen Geist verkündet wurden, so hängt doch die Form der Mitteilung, das Bildwerk, in das sie gekleidet ist, die Veranschaulichungen, durch die sie geklärt und eingeprägt wird, die Symbole, die verwendet werden, sie dem Sinn anschaulicher vor Augen zu führen — kurz, alles, was als ihr Gewand und ihre Kleidung betrachtet werden mag — von der Bildung, den Gewohnheiten, dem Umgang, den Gefühlen und dem ganzen geistigen, intellektuellen und seelischen Charakter des Propheten ab. Daher ist der Stil mancher reiner, gehaltvoller, geschmückter oder erhabener als der anderer."

Auch der Hochwürdige Joseph Armitage Robinson, D. D., Dekan von Westminster und Kaplan König Eduards VII. von England, sagte hinsichtlich der Art und Weise, in der die Botschaft des Alten Testaments empfangen und den Menschen mitgeteilt wurde, noch 1905: „Die Botschaft des Alten Testaments wurde weder von göttlicher Hand geschrieben, noch durch äußeren Zwang diktiert. Sie wurde in die Herzen der Menschen gepflanzt und in fruchtbarem Boden zum Wachsen gebracht. Und dann wurden sie verpflichtet, sie in ihrer eigenen Sprache auszudrücken, nach ihren natürlichen Methoden und entsprechend dem Stand der Erkenntnis, den ihre Zeit erreicht hatte. Ihre menschlichen Fähigkeiten wurden vom göttlichen Geist gereinigt und belebt; aber sie sprachen zu ihrer Zeit in der Sprache ihrer Zeit; sie sprachen eine geistige Botschaft, angepasst an die Erfahrung ihres Zeitalters, eine Botschaft des Glaubens an Gott und der Rechtschaffenheit, wie sie ein gerechter Gott verlangt." — Aus dem Jahrbuch des Dritten Jahres der Siebziger, von B. H. Roberts.

Was ist Eingebung? Lasst uns ein Verständnis des Unterschieds zwischen Offenbarung und Eingebung gewinnen, dann können wir ein paar Minuten darüber sprechen. „Eingebung ist der Name jenes göttlichen Einflusses, der auf den Sinn der Menschen wirkt, unter dem der Mensch göttliche Führung empfangen kann." Wir haben den Fall Oliver Cowderys, der ausgezeichnet ist, nämlich: worin der Herr sagte: „Ja, siehe, ich werde es dir in deinem Verstand und in deinem Herzen durch den Heiligen Geist sagen, der über dich kommen wird und der in deinem Herzen wohnen wird. Nun siehe, dies ist der Geist der Offenbarung; siehe, dies ist der Geist, durch den Mose die Kinder Israel auf trockenem Grund durch das Rote Meer führte." Oliver Cowdery hatte den Geist, oder die Gabe der Auslegung, aber er verstand nicht. Zweifellos dachte er, er wisse die ganze Sache. Der Herr gab eine Offenbarung und sagte ihm, er solle nicht „murren und klagen." Der Gedanke kommt mir, dass Oliver Cowdery sich einbildete, er wisse viel mehr als der Prophet. Es gibt andere dieser Art, die in unserer eigenen Zeit leben. Es gab Männer in den Tagen des Propheten, die seinen Platz haben wollten, ich habe sagen hören, es seien nur zwei oder drei von allen Aposteln jener Zeit gewesen, die nicht die Stellung des Propheten wollten. Sie bildeten sich ein, klüger zu sein als er. Die Vermutung ist, dass Oliver Cowdery einer von ihnen war; das mag ein Irrtum sein. Der Herr sagte: „Murre nicht, mein Sohn, denn es ist nach meiner Weisheit, dass ich mit dir auf diese Weise umgegangen bin. Siehe, du hast es nicht verstanden; du hast gemeint, ich würde es dir geben, obschon du dir keine Gedanken gemacht hast, außer mich zu bitten; aber siehe, ich sage dir: Du musst es mit deinem Verstand durcharbeiten; dann musst du mich fragen, ob es recht ist, und wenn es recht ist, werde ich machen, dass dein Herz in dir brennt, darum wirst du fühlen, dass es recht ist."

Der Herr sagt weiter: oder wenigstens drückt Sein Diener Ijob es so aus: „Jedoch der Geist ist es in den Menschen und der Hauch des Allmächtigen, der ihnen Einsicht verleiht." Oder, wie Johannes es formuliert: „Das war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt." Paulus sagt in den Korintherbriefen: „Jedem wird aber die Offenbarung des Geistes zum allgemeinen Besten verliehen." Ich nehme an, das trifft auf die Menschenkinder zu. Der Herr hat sie nicht ohne den Geist gelassen. Jeder Mensch hat „eine Offenbarung des Geistes." Wäre dem nicht so, könnten Gottes Kinder nicht gerettet werden. Der Herr sagt durch Seinen Propheten: „Gewiss, Gott der Herr tut nichts, ohne zuvor Seinen Ratschluss Seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart zu haben."

Wir brauchen Offenbarung für die Berufung von Amtsträgern in der Kirche. Männer sollten nicht bloß durch Eindruck berufen werden. Ich habe mich für manche Arbeit getadelt gefühlt, die ich in der Kirche getan habe. Ich habe Siebziger als Präsidenten von Kollegien eingesetzt, und nachdem ich manche dieser Präsidenten eingesetzt hatte, war ich mir nicht sicher, ob Gott damit viel zu tun hatte, außer dass sie von jemandem gewählt und eingesetzt worden waren, der Vollmacht hatte. Es ist nicht durch die Taten mancher Männer bewiesen worden, dass sie von Gott erwählt waren; sie wurden durch bloßen Eindruck erwählt, und man nahm sich nicht die Zeit zu erwägen, was Gott wollte. Meine Überzeugung ist, dass Männer nicht durch bloßen Eindruck ernannt werden sollten. Das Wort Gottes lehrt mich, dass kein Mann Anspruch auf eine Ernennung in dieser Kirche hat, es sei denn, er ist von Gott berufen, wie Aaron es war. Es kommt nicht darauf an, wessen Sohn er ist; obgleich ich mir manchmal einbilde, ich hätte meine Stellung im Ersten Rat aus Achtung vor meinem Vater erhalten, damit sein Name unter den Autoritäten der Kirche vertreten sei.

Um mit dem Thema der Eingebung fortzufahren: Jesus verhieß vor Seiner Himmelfahrt Seinen Jüngern den Heiligen Geist, den Er den „Tröster" nannte. „Ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Tröster geben, damit er bis in Ewigkeit bei euch sei, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und ihn nicht erkennt; ihr aber erkennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird."

Offenbarung ist wesentlich notwendig, um der Kirche die Zukunft zu enthüllen. Die Diener Gottes müssen der Kirche die Zukunft enthüllen und ihr kommende Gefahr aufzeigen. Nicht alle Propheten genießen einen gleichen Grad oder ein gleiches Maß an Vorherwissen, denn der Herr sagte zu Israel: „Hört jetzt meine Worte! Wenn ein Prophet des Herrn unter euch ist, so offenbare ich mich ihm durch Visionen und rede zu ihm durch Träume. So steht es aber nicht mit meinem Knecht Mose: Er ist mit meinem ganzen Haus betraut; von Mund zu Mund rede ich mit ihm, unzweideutig und nicht in Rätseln, und er darf die Gestalt des Herrn selbst schauen."

„Gott hat manche in die Kirche gesetzt, erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer." Was war der Zweck? Der Zweck dieser Ämter und Gaben ist: erstens, „um die Heiligen tüchtig zu machen;" zweitens, „für die Ausübung des Gemeindedienstes;" und drittens, „für die Erbauung des Leibes Christi." Wie lange sollten sie bestehen bleiben? Sie sollen bestehen bleiben, „bis wir endlich allesamt zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses in der Fülle Christi."

Ich habe etwas, worauf ich eure Aufmerksamkeit lenken möchte. Wäre dies die letzte Predigt, die ich je im Fleisch halten werde, und das letzte Zeugnis, das ich diesem Volk je geben werde, so ist es mein Wunsch, euch zu sagen, was meinem ganzen Wesen eingeprägt ist. Ich glaube, Joseph Smith war und ist ein Prophet Gottes, und ich glaube es ebenso inbrünstig und aufrichtig wie irgendein Mann in ganz Israel. Ich mag nicht die Kenntnis oder die Information haben, die manche besitzen; ich mag nicht die Offenbarung und Eingebung empfangen haben, die andere empfangen haben, aber ich habe das Zeugnis ihrer Wahrheit in jeder Faser meines Wesens. Ich mag nicht als Heiliger der Letzten Tage geboren worden sein, aber meine Arbeit im Dienst und die Zeugnisse, die ich beim Predigen des Evangeliums empfangen habe, und die Eingebung, die Gott mir gegeben hat, sagen mir, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes ist. Gott machte ihn zu einem Propheten, aber das Volk machte ihn, als die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage organisiert wurde, zum Präsidenten der Kirche.

Joseph Smith hatte Offenbarungen, und sie sind aufgeschrieben und von der Kirche angenommen worden. Mein Zeugnis ist, dass sie wahr sind. Ich habe die Erfüllung vieler von ihnen miterlebt. Ich weiß nicht, wie ich ein besseres Zeugnis erlangen könnte. Aber Präsident Joseph Smith ist tot, und Bruder Brigham Young war sein Nachfolger, und ich habe dasselbe Zeugnis hinsichtlich seiner, ich kannte ihn seit meiner frühen Kindheit, und ich bezeuge seine Größe und seine Bedeutsamkeit. Er war ein anderer Mann als der Prophet Joseph Smith, der der große Baumeister dieses Werkes unter dem Allmächtigen war. Bruder Brigham Young war ein großer Erbauer, und er baute gut und fest, und als Prophet des Herrn setzte er fort, wo der Prophet Joseph geendet hatte. Ein Grund, warum Bruder Young so groß war, war, dass er große Männer an seiner Seite hatte, er hatte Männer, die wie Gold siebenmal geprüft waren, die nie wankten oder am Wegrand fielen; sie stützten seine Hände, wie sehr ihre Herzen auch geprüft wurden. Das ist mein Zeugnis, und ich kannte beinahe jeden von ihnen. Präsident Brigham Young ist ebenfalls tot. Dann kam Präsident Taylor, ein höchst prächtiges Beispiel von Mannhaftigkeit, ein Mann Gottes, den ich stets geehrt habe. Nie war ich in seiner Gegenwart, ohne dass seine Bedeutsamkeit und Majestät mich beeindruckte. Seine Persönlichkeit war wunderbar. Das erste Mal, dass ich in seine Gegenwart kam, war als Antwort auf einen Ruf zu den Südstaaten als Botschafter des Evangeliums. Ich könnte ihn oder den Eindruck, den er auf meine Seele machte, nie vergessen. Aber er ist tot. Dann kam Präsident Wilford Woodruff. Ich habe persönlich an der Seite jenes guten Mannes gestanden, er hat sich genug Zeit genommen — Gott sei Dank war seine Zeit nicht so kostbar, dass er nicht ein paar Augenblicke bei mir sitzen konnte —, und als er sich erhob zu gehen, war das Zeugnis des Geistes dasselbe; er ist gewiss ein Prophet Gottes. Er ist auch tot.

Dann kam Präsident Lorenzo Snow — ich hatte denselben Geist und dasselbe Zeugnis hinsichtlich seiner. Kein Mann war je freundlicher zu Golden Kimball als Lorenzo Snow. Er legte mir den Arm um mich, ehe er starb, und sagte: „Ich brauche dich; ich brauche deine Hilfe; Gott segne dich." Das ist das einzige Mal, dass ich mich wie ein voll erwachsener Mann gefühlt habe. Ich fühlte mich, als wäre ich acht Fuß groß, dass Gott mich brauchte. Ich habe mich nur einmal groß gefühlt, und das war die Zeit, da ich dachte, Gott brauche mich in diesem großen Werk.

Wir haben nun einen lebenden Propheten, und sein Name ist Joseph F. Smith. Dies mag meine letzte Ansprache über dieses Thema sein. Ich bin kein Mann, der sich bei Männern einschmeichelt, ich habe keine Absicht zu verfolgen. Ich will keine Stellung, außer was Gott mir zu geben wünscht; alles, was ich erwarte, ist Errettung, und möglicherweise wird es knapp werden, sollte ich sie erlangen. Erlange ich sie, so habe ich den Preis bezahlt, und stehe bei keinem Mann auf Gottes grüner Erde in Schuld, wenn ich dem Herrn den Preis zahle. Mein Vater bezahlte den vollen Wert, und seine Erwählung wurde sicher gemacht. Erlange ich dieselbe Errettung, so erwarte ich, denselben Preis zu bezahlen. Ich habe ihn noch nicht bezahlt. Ich habe Anspruch auf nur wenig, und Gott wird mir alles geben, was mir gehört.

Präsident Joseph F. Smith ist der Prophet dieser Kirche, und er ist der Mann, der ernannt ist. Will der Herr dieser Kirche eine Offenbarung geben, oder ihr Unterweisung geben, wird Er sie durch Joseph F. Smith, den Propheten, geben. Er wird sie nicht durch mich geben, und Er wird sie nicht durch einen Apostel geben. Die Apostel sind Propheten, Seher und Offenbarer, und als solche unterstützen wir sie. Gott gibt Seine Offenbarungen für Seine Kirche nicht durch die Zwölf; Er gibt sie durch Seinen lebenden Propheten, der ernannt ist, wie es der Prophet Joseph Smith war. Ich bin zufrieden, dass ich diese Sache ungefähr richtig durchdacht habe.

Nun, ob der Herr eine Offenbarung geben wird oder nicht, weiß ich nicht. Ich habe Offenbarungen gelesen, die nicht in Lehre und Bündnisse stehen, und sie wurden Männern zu ihrem Trost gegeben, zu ihrer Tröstung, um ihnen zu sagen, dass gewisse Dinge wahr seien. Aber der Prophet empfing sie nie; sie waren nicht für die Kirche gegeben, denn wären sie für die Kirche gegeben worden, wären sie von dem ernannten Mann empfangen worden, und sie wären für die Kirche bindend gewesen. Ich könnte euch etwas offenbaren, das ihr nicht wisst. Mein Vater empfing Offenbarung, deshalb ehre ich ihn so. Ich kenne seine Schwächen; mein Vater war kein vollkommener Mensch, aber er war ein ebenso guter Mensch, wie es je einen gab; doch er hatte seine Schwächen. Aber Gott sprach mit ihm, Gott sprach nie mit Heber C. Kimball, dem Ersten Ratgeber Brigham Youngs, um die Kirche Jesu Christi zu leiten. Ich habe Offenbarungen, geschrieben unter der Unterschrift Heber C. Kimballs, und ich habe ihre Erfüllung miterlebt, und ich weiß, dass Gott ihm Seinen Sinn und Willen offenbarte. Aber es gibt kein Wort in einer jener Offenbarungen, um die Kirche Jesu Christi zu leiten. Vater war ein Prophet. Brigham Young sagt: „Hier ist mein Prophet, und ich höre ihn gern prophezeien." Aber Heber C. Kimball versuchte nie, die Kirche zu führen. Hätte er es versucht, hätte er seinen Platz verloren. Aber er verlor seinen Platz nicht.

Zum Schluss, es gibt eine Menge Dinge, über die wir beunruhigt sind. Ich habe selbst einige schlaflose Nächte verbracht, hinsichtlich der Handlungen und Taten von Männern, die in Vollmacht standen, aber bin zu dem Schluss gekommen, dass ich für nichts verantwortlich bin, das ich als Unregelmäßigkeit betrachten mag. Ich darf nicht meine „Ferse gegen die Gesalbten erheben und sagen, sie hätten gesündigt, wenn sie vor dem Herrn nicht gesündigt haben." Kann der Herr Seine Kirche nicht versorgen, was kann ich dann tun? Ich werde auf den Herrn vertrauen, und ich werde auf Seinen Propheten, Joseph F. Smith, vertrauen. Betrachtet Israel. Ich habe es betrachtet, und ich kenne es von Kanada bis Mexiko. Wir sind Gottes Volk. Bruder Joseph F. Smith ist heute der größte Mann in der Kirche, und es gibt keinen Mann in ganz Israel, der seine Bilanz hat; eine reinere, eine lieblichere, eine bessere Bilanz hat, soweit ich weiß, kein lebender Mann. Er ist der Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, und Gott weiß, dass er sich die Stellung verdient hat, und der Herr hat sein Leben für die Berufung bewahrt. Nun tut ihr besser daran, ihn sie behalten zu lassen; er wird sie ohnehin behalten. Ihr könnt ihn ebenso gut mit beiden Händen unterstützen, und seine Ratgeber unterstützen, und den Rat der Zwölf unterstützen, denn sie sind von den Heiligen der Letzten Tage erwählt, unterstützt und angenommen. Manche von ihnen sind jung, und manche von ihnen sind in gewissem Grad unerfahren. Ich habe gelernt, dass die Berufung einem Mann keine Kenntnis verleiht. Meine Berufung gab mir zu der Zeit, da ich erwählt und zu einem des Ersten Rates der Siebziger ordiniert wurde, keine Kenntnis, aber sie gab mir eine Berufung, Gelegenheiten und viele Vorrechte. Ich habe Kenntnis und Information erlangt, geradeso wie ihr die eure erlangt habt. Ich habe eine Berufung, die ihr nicht habt, und keiner von euch versuche besser, in meine Schuhe zu schlüpfen, tut ihr es, werde ich euch heraustreten. Ebenso wenig werde ich versuchen, in die Schuhe eines Apostels zu schlüpfen. Ich werde die Apostel in Ruhe lassen, außer zu versuchen, sie zu unterstützen. Wie ich einmal sagte, sage ich es abermals zu ganz Israel: Setzt der Herr, durch Seine Diener, die Propheten, ein Kind ins Apostelamt, so werde ich mit Gottes Hilfe versuchen, es zu unterstützen, wenn ich kann. Darum, o Israel, müssen wir die lebenden Propheten unterstützen. Die Toten ehren wir, aber die Lebenden sind erwählt, ordiniert, ernannt und unterstützt, und zu den Lebenden blicken wir für Rat, Zurechtweisung und Unterweisung auf. Der Herr segne euch. Amen.

Diese Ansprache zitierenJ. Golden Kimball, „Unterstützt Die Lebenden Propheten“, 1910 April General Conference, Second Overflow Meeting (1910-04-03). Pulpit Vault, 1910-04-j-golden-kimball-sustain-the-living-prophets. Übersetzung dieser Edition, nach Glossarmethode, archive.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).