Die Führung des Geistes in unserem Leben
Rulon S. Wells
Ich vertraue darauf, dass der Geist des Herrn mich leiten wird, während ich vor euch stehe. Ich habe mich über die Versammlungen dieser Konferenz und den Geist der Unterweisungen gefreut, die uns gegeben worden sind. Während unsere Brüder zu uns gesprochen haben, sind mir viele Gedanken über den großen Plan des Lebens und der Errettung durch den Sinn gegangen. Besonders interessiert hat mich der Hinweis auf die „neue Religion" von Doktor Eliot, dem früheren Präsidenten der Harvard University; und ich dachte, wie eitel doch Menschen sind, die es wagen, eine Religion für das Heil der Kinder unseres Vaters zu formulieren. Es liegt nur bei Gott, einen Plan zu ersinnen, durch den Seine Kinder gerettet werden können. Das große Übel in der Welt ist, dass wir zu viele menschengemachte Religionen haben, die nicht die Macht Gottes zur Errettung besitzen. Nur jener Plan, der vom Himmel offenbart wurde, der gegeben und festgelegt wurde, bevor die Grundfesten dieser Erde gelegt wurden, besitzt diese Macht. Das ewige Leben ist das Ziel, nach dem wir streben, und die Menschen können es nicht erreichen, außer auf dem Weg, den der Heiland der Welt gewiesen hat. Damit die Menschen den wahren Weg finden können, ist es notwendig, dass sie dem Willen Gottes gehorsam sind, dass sie sich von Schlechtigkeit und Sünde abwenden, damit der Geist des Herrn von ihrer Seele Besitz ergreifen und sie zur Erkenntnis der Wahrheit und zur Erkenntnis Gottes bringen kann, denn es ist diese Erkenntnis Gottes, die wir als das ewige Leben verstehen, wie es von Bruder McKay dargelegt wurde: „Darin besteht aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen." Aber kein Mensch kann diese Erkenntnis Gottes durch die Weisheit der Menschen erlangen. Menschen sind nicht imstande, den Plan zu ersinnen, durch den die Menschenkinder zu jener Erkenntnis gelangen können. Wir lesen in den heiligen Schriften, dass, als unsere ersten Eltern in den Garten Eden gesetzt wurden, der Herr an dessen östlichem Ende einen Garten gepflanzt hatte, und inmitten des Gartens stand ein Baum, der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Der Herr sagte unserem Vater Adam, dass er von der Frucht dieses Baumes nicht essen solle, denn an dem Tag, an dem er davon äße, müsse er des Todes sterben. Ich möchte auf diesen besonderen Vorfall aufmerksam machen, der sich am Anfang der Geschichte des Menschen auf dieser Erde ereignete. Nachdem sie von dieser Frucht gegessen hatten, wurden Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben, und Cherubim mit flammenden Schwertern wurden an den Eingang gestellt, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen, der ebenfalls inmitten dieses Gartens stand, damit sie nicht auch von der Frucht jenes Baumes essen und in ihrer Übertretung ewig leben könnten. Es ist daher offensichtlich, dass im großen Plan des Allmächtigen die Menschen nicht dazu bestimmt waren, das ewige Leben zu erlangen, während sie in Übertretung waren; und es musste ein Plan geschaffen werden, der die Menschen reinigen und läutern würde, bevor ihnen erlaubt würde, von jener Frucht zu essen, die ihnen ewiges Leben gab. Wäre es möglich oder erlaubt gewesen, dass unsere ersten Eltern in ihrer Übertretung auch von der Frucht dieses Baumes des Lebens gegessen hätten, so hätten wir nicht jenes ewige Leben erlangt, das der Herr Seinen Kindern zu erlangen wünscht, denn es wäre ein ewiges Leben der Sünde und der Übertretung von den Wegen des Herrn gewesen, und die nächste Welt wäre nicht besser gewesen als diese. Der Herr wünschte, dass alle, die von der Frucht jenes Baumes essen und ewig leben sollten, zuvor von aller Sünde und aller Ungerechtigkeit gereinigt, geläutert und rein gemacht werden sollten; darum offenbarte Er vom Himmel einen Plan, durch den Männer und Frauen ewiges Leben erlangen und zur Erkenntnis Gottes gelangen könnten. Also, Gott zu erkennen ist ewiges Leben, und die Menschen können es nur durch Glauben und Umkehr von der Sünde erlangen. Ebenso müssen sie durch die Taufe im Wasser und im Geist eine Vergebung der Sünden empfangen, bevor sie Ihn erkennen können, denn wir können Gott und die Dinge Gottes nur durch den Geist Gottes erkennen. Menschen mögen sich bemühen, Ihn durch ihre Spitzfindigkeit und Philosophie zu finden, aber sie werden scheitern. Sie mögen versuchen, durch Logik und Vernunft Sein Versteck aufzudecken, aber sie werden nur Erfolg haben, wenn sie den reinigenden Vorgang des Evangeliums Jesu Christi durchlaufen. Cherubim mit flammenden Schwertern bewachen noch immer den Weg zum Baum des Lebens und zur Erkenntnis Gottes, dessen Erkenntnis das ewige Leben ist. Es ist ein wunderbarer Plan. Ich möchte auf diese Tatsache aufmerksam machen, dass die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist, und im Hinblick auf das Erlangen von Weisheit oder Erkenntnis muss dies mit der Furcht Gottes in unseren Herzen beginnen. Der Herr hat Gebote gegeben, und mit diesen Geboten wird dieser Zustand der Furcht den Menschenkindern vor Augen gestellt. Manchmal besteht die Neigung, dieses Gefühl der Furcht Gottes herabzusetzen. Gewiss ist es nicht mit der Liebe Gottes zu vergleichen, die das Größte in der Welt ist; aber der Anfang ist die Furcht Gottes. Der Anfang der Erkenntnis, der Anfang der Weisheit hat seinen Ursprung in der Furcht Gottes, denn die menschliche Natur ist so beschaffen, dass diese Besorgnis der Menschheit fortwährend vor Augen gehalten werden muss. So ist es in der Familienordnung; so ist es in unserer bürgerlichen Regierung. Was wären wir, wenn nicht Gesetze erlassen und Strafen an die Übertretung der Gesetze geknüpft würden? Wären wir so ehrlich, so tugendhaft, so wahrhaftig, wie wir es heute sind, wenn es keine bürgerlichen Gesetze mit vorgeschriebenen Strafen gäbe? Ich glaube nicht, dass wir es wären. Ich glaube, dass es in unserer bürgerlichen Regierung notwendig ist, dass Gesetze erlassen werden, wonach, wer das Blut eines Menschen vergießt, durch Menschen sein Blut vergossen werden soll; und dass, wer stiehlt, die Strafe zahlen muss. Die Empfindung der Furcht muss uns vor Augen gehalten werden. Ich glaube, es ist für jeden von uns notwendig, diese Dinge vor Augen zu haben, damit wir wissen, dass die Folge der Übertretung darin besteht, dass wir bestraft werden. Ich freue mich, dass es ein Gesetzbuch in Kraft gibt, durch das die Gesellschaft geschützt wird, durch das unsere Kinder und wir selbst davor bewahrt werden, den falschen Weg zu gehen. Auch wir sind ein Bundesvolk, und diese wesentliche Bedingung der Furcht ist in das Gesetz Gottes eingeschrieben; sie wird uns stets vor Augen gehalten. Wir stehen unter heiligen Bündnissen, und an die Übertretung des Gesetzes Gottes sind Strafen geknüpft; und, meine Brüder und Schwestern, in dieser Furcht Gottes finde ich den Anfang der Weisheit und der Erkenntnis. Menschen, die zur Erkenntnis Gottes gelangen wollen, mögen damit beginnen, die Furcht in ihrem Herzen zu haben, dass sie Seine Gesetze nicht verletzen oder übertreten werden, denn sie sind heilsam und gut, und wir brauchen sie, um uns auf dem rechten Weg zu halten. Je mehr ich an Jahren zunehme, desto mehr billige ich jeden Einfluss, der die Tendenz hat, mich auf dem rechten Pfad zu halten. Ich freue mich an jenen Einschränkungen, die der Gesellschaft und mir selbst auferlegt werden, die uns davor bewahren, in die Irre zu gehen. Es wird keinem guten Menschen schaden, gute und heilsame Gesetze zu haben; überdies wird es uns zur Liebe Gottes führen, denn wenn wir auf diesem Pfad wandeln, das Böse meiden, uns davon abwenden, so werden wir jedes Mal, wenn wir uns auf diese Weise beherrschen, feststellen, dass wir dem Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes näherkommen, und das große Gesetz der Liebe wird die Gelegenheit haben, uns zu leiten. ¶
Ich möchte ein paar Worte aus dem elften Kapitel des ersten Buches Nephi vorlesen. Diejenigen unter euch, die mit dem Buch Mormon vertraut sind, werden sich an den großen Traum erinnern, den Lehi hatte, und daran, wie der Herr ihm in jenem Traum wunderbare Dinge offenbarte, und unter anderem sah er einen Baum, dessen Frucht sehr begehrenswert war. Danach empfing Nephi eine Vision, und ein Engel des Herrn stellte ihm eine Frage danach, was er begehre, und er sagte, er begehre die Dinge zu sehen, die sein Vater in seinem Traum gesehen hatte: ¶
„Und der Engel sprach zu mir (Nephi): Sieh das Lamm Gottes, ja, selbst den Sohn des ewigen Vaters! Kennst du die Bedeutung des Baumes, den dein Vater gesehen hat? ¶
Und ich antwortete ihm, nämlich: Ja, das ist die Liebe Gottes, die sich überall den Menschenkindern ins Herz ergießt; darum ist sie das Begehrenswerteste von allem. ¶
Und er sprach zu mir, nämlich: Ja, und die größte Freude für die Seele. ¶
Und nachdem er diese Worte gesprochen hatte, sprach er zu mir: Schau! Und ich schaute, und ich sah den Sohn Gottes, wie er unter die Menschenkinder ging; und ich sah viele ihm zu Füßen fallen und ihn anbeten. ¶
Und es begab sich: Ich sah, dass die eiserne Stange, die mein Vater gesehen hatte, das Wort Gottes ist, das zu der Quelle lebendigen Wassers oder zum Baum des Lebens führt; diese Wasser sind eine Darstellung der Liebe Gottes; und ich sah auch, dass der Baum des Lebens eine Darstellung der Liebe Gottes ist." ¶
Das Wort Gottes war die eiserne Stange, die ebenfalls zum Baum des Lebens führte. Das ist der Weg, um zu jenem Baum zu gelangen und von seiner Frucht zu essen; und er stellt die Liebe Gottes dar. Gesegnet sind jene, die zur Liebe Gottes gelangen, aber sie sollen nicht die Notwendigkeit verachten, Gott zu fürchten und Seine Gebote zu halten. ¶
In dieser Ausschüttung in der Zeiten Fülle kam, wie es vorausgesagt worden war, ein Engel mitten durch den Himmel geflogen, der das immerwährende Evangelium jenen zu predigen hatte, die auf dem Angesicht der Erde wohnen, jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk; und dies war sein Ruf: „Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre! Denn gekommen ist die Stunde seines Gerichts; und betet den an, der den Himmel und die Erde, das Meer und die Wasserquellen geschaffen hat." Brüder und Schwestern, lasst die Furcht Gottes von uns Besitz ergreifen, damit wir Seine Gebote halten, damit wir nicht die Strafe zahlen müssen; lasst uns so leben, dass wir der Strafe entgehen, die den Übeltäter trifft. Wenn wir dies tun, an dem Wort Gottes festhalten und uns der Strafen erinnern, die aus der Übertretung und dem Zuwiderhandeln entstehen, werden wir letztlich zu dem Baum gelangen und von jener Liebe Gottes kosten, die unsere Herzen mit einer Freude erfüllen wird, die jenseits jeder Beschreibung liegt. Gott segne uns alle. Amen. ¶