Bericht über den Union-Pfahl in Oregon
Charles W. Nibley
Es ist ein erhebender Anblick, meine Brüder und Schwestern, einer solchen Versammlung gegenüberzustehen. Ich freue mich mit euch, heute Morgen zur Anbetung versammelt zu sein. Ich bin dankbar, und ich bin sicher, ihr alle seid es auch, für das ausgezeichnete Wetter, mit dem wir begünstigt werden. Ich denke, das ist eine Sache, in deren Lob sich alle Bevölkerungsschichten in Salt Lake einig sein können. Gewiss können wir alle zustimmen, dass wir schönes Konferenzwetter haben. ¶
Ich freue mich, mit diesem großen Werk, dem Werk des Herrn, verbunden zu sein. Ich wurde von Eltern geboren, die dieser Kirche angehörten; ich kann sagen, ich wurde in die Kirche hineingeboren; ich bin, soweit ich überhaupt gewachsen bin, in jeder Hinsicht in ihr gewachsen. Ich bin, wie ich hoffe, ein Teil von ihr; sie ist mir das Kostbarste im Leben. Ich weiß, dass der Herr dieses Werk begründet hat, dass er den Propheten Joseph Smith erweckt hat, um die Grundlagen dieser großen Sache zu legen, einer Einrichtung, die dazu bestimmt ist, eine Umwälzung in der Welt zu bewirken, eine Umwälzung im Interesse des Friedens und der Segnungen, der guten Ordnung, der guten Regierung, der guten Bürgerschaft und all dessen, was zur Erhebung der Menschheit beiträgt. Das ist die Sendung des „Mormonentums." Ich freue mich, mit einer solchen Kirche verbunden zu sein. Zwar ist sie im Vergleich jetzt noch klein, aber sie wird wachsen und sich weiter ausbreiten, bis sie in ihren Wirkungen weltumspannend wird. Die Wirkungen sind überall dort zu sehen, wo die gläubige Seele das Werk und den Willen des Herrn annimmt und sich ihm widmet. ¶
Die Heiligen der Letzten Tage werden in der Welt, und selbst daheim, sehr missverstanden. Unsere Sendung ist eine Sendung der Liebe. Das Werk, das der Herr eingeleitet hat, ist eines, das dazu neigt, die Armut in der Welt zum Erlöschen zu bringen. Alles, wofür Menschen im Sozialismus kämpfen — das heißt, alles Beste dessen, was sie Sozialismus nennen — findet sich hier, eine vollkommene Gleichheit, dieselben heiligen Handlungen, Segnungen und Gaben des Evangeliums für Reich und Arm gleichermaßen. Männer und Frauen sind darin gleich. Es neigt daher dazu, uns zu einer Bruderschaft zu machen, die jederzeit unseren gemeinsamen Vater anerkennt. Wir sind — wie die Kinder der Welt — Kinder Gottes. Sie sind unsere Brüder und Schwestern; und es gibt jenen Geist im Mormonentum, der uns lehrt, sie zu lieben und ihnen zu helfen. Als der Erlöser am Kreuz war, mitten in seiner Todesangst, sprach er: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Der heilige Paulus äußerte die Gesinnung: „Der Schmied Alexander hat mir viel Böses angetan: der Herr wird ihm nach seinem Tun vergelten." Mir gefällt die Gesinnung des Erlösers besser, Gutes für Böses zu vergelten und unsere Seelen im Geist der Vergebung, Liebe und Barmherzigkeit zu erheben. Ich weiß, dass es in dieser Religion das gibt, was in jeder Hinsicht zur Errettung führt, zeitlich wie geistig. ¶
Es gibt in dieser Gemeinschaft ein Gefühl der Sicherheit, des Friedens, das ich nirgendwo sonst in der Welt finde. Nicht nur wir, die Heiligen der Letzten Tage, empfinden es so, sondern auch andere, die nicht zu uns gehören, schätzen dieses Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit in gewissem Maße. Es gibt in dieser Gemeinschaft eine größere Achtung vor Gesetz und Ordnung, als es, glaube ich, bei der gleichen Anzahl von Menschen irgendwo sonst in der Welt gibt; und eine Achtung vor den Rechten der Menschen, nicht nur derer, die Mitglieder unserer Kirche sind, sondern jedes Mannes und jeder Frau. Ich glaube fest, dass Männer, die hier große Interessen haben, Männer, die Eisenbahnen, Bergwerke, Hüttenwerke und andere ausgedehnte und wertvolle Besitztümer haben, spüren und in erheblichem Maße wissen, dass ihre Interessen in dieser Gemeinschaft der Heiligen der Letzten Tage sicherer und besser geschützt sind, als es heute irgendwo sonst in der Welt der Fall wäre. Es besteht nicht die Gefahr der Unordnung unter diesem Volk, wie es sie anderswo gibt; nicht die Wahrscheinlichkeit eines Mob-Rechts, noch die Übel, die aus Streiks entstehen. Diese Kirche vertritt den Standpunkt, dass jeder Mensch frei ist, im rechten Sinn des Wortes; er ist frei zu arbeiten, und er sollte natürlich arbeiten, denn „der Müßiggänger", sagt der Herr, „soll nicht das Brot des Arbeiters essen." Jeder Mann und jede Frau, jeder Junge und jedes Mädchen sollte stolz darauf sein, zu arbeiten. Diese Kirche und dieses Volk erklären, dass jeder Mensch frei ist; er kann arbeiten oder die Arbeit niederlegen, oder er kann in den Streik treten, wenn er will; er kann sich diesem oder jenem Verband anschließen, und er hat das Recht, andere zu überreden, sich ihm anzuschließen, wenn er sie friedlich überzeugen kann; aber wenn er unternimmt, den Mann zu töten, der arbeiten will, dann gibt es in dieser Gemeinschaft eine Gesinnung, die eingreift und sagt — und das Mormonentum lehrt es —: „Bis hierher sollst du gehen und nicht weiter. Du darfst dich nicht in die Angelegenheiten des Mannes einmischen, der arbeiten will, selbst wenn du selbst nicht arbeiten willst." ¶
Wir hatten hier vor ein oder zwei Jahren eine Erfahrung, und es gereicht uns zur Ehre, dass ich mich daran erinnere. Ich beziehe mich auf den Streik, der sich in den Kohlerevieren im Osten Utahs ereignete. Durch den Einfluss und die Bemühungen starker, guter und rechtschaffener Männer in dieser Gemeinschaft, und in sehr großem Maß allein durch ihre Bemühungen — ich glaube nicht, dass ich Worte beschönigen muss —, größtenteils, will ich sagen, durch die Bemühungen der präsidierenden Amtsträger dieser Kirche, wurde hier der Friede bewahrt, und Anarchie wurde abgewendet, während drüben, im benachbarten Bundesstaat Colorado, ein Arbeitskrieg zwei Jahre lang geführt wurde, der die geschäftlichen Interessen des Volkes jenes Staates beinahe zerstörte. Ich sage noch einmal, dass Männer, die hier große Investitionen getätigt haben (manche von ihnen, wie ich mit Bedauern sagen muss, verwenden ihr Geld heute dazu, gerade das Volk anzugreifen, das diesen Schutz ihrer Interessen bildet), spüren und wissen, dass sie gerade hier unter den Heiligen der Letzten Tage sicherer sind, als ihr Geld irgendwo sonst in der Welt angelegt wäre. Ihr wisst das; jeder nachdenkende Mensch weiß es. Wegen der Lehren des Mormonentums wird dieses Gefühl unter Menschen, die nicht unseres Glaubens sind, wachsen und zunehmen, und eure guten Werke in dieser Hinsicht werden bekannt und geschätzt werden. ¶
Ich wünschte, wir könnten von jenen Kapitalisten eine Gegenseitigkeit einer ähnlichen Gesinnung erlangen. Bei der Beilegung jenes Kohlestreiks wurde durch den damaligen Gouverneur des Staates, Heber M. Wells, und jene, die ihm halfen, mit der Unterstützung moralischer Kraft, rechtschaffen ausgeübt durch die Präsidentschaft der Kirche, Ordnung wiederhergestellt und aufrechterhalten. Der einzige Dank, von dem ich je gehört habe, der für dieses gute, in diesem Zusammenhang von dem Volk geleistete Werk erwiesen wurde, war, dass der Preis der Kohle um 25 Cent pro Tonne erhöht wurde. Ich wünschte, jene, die diese großen Interessen kontrollieren, würden ein wenig zeigen, dass sie das schätzen, was zu ihren Gunsten getan wird. Vielleicht sollte ich mich nicht beklagen, und ich beklage mich nicht, aber ich mache euch auf die Tatsachen aufmerksam. ¶
Ich freue mich am Wohlstand unseres Landes und unserer Kirche. Dieser Teil des Landes scheint fast zu wohlhabend zu sein; es ist schwierig, irgendwo Arbeiter anzustellen; es scheint vier oder fünf Gelegenheiten zur Arbeit auf jeden Mann zu geben, der für die Stelle in Frage kommt. ¶
Diese Kirche, meine Brüder und Schwestern, wächst und wird ein wenig besser verstanden. Jeden Tag, wenn die Sonne untergeht, ist dieses Werk, das man Mormonentum nennt, ein wenig ausgedehnter, ein wenig größer, ein wenig stärker, als es war, als die Sonne am Morgen aufging. Es verbessert sich jeden Tag; es tritt nicht zurück; es entwickelt sich und wächst. Die Ältesten sind draußen in der Welt und leisten gute Arbeit; sie sind treue, hingebungsvolle, selbstlose junge Männer, wie ihr von Präsident Smith zu Beginn unserer Konferenz gehört habt; sie gereichen euch zur Ehre. Überall stelle ich fest, dass es einen Ruf nach mehr Arbeitern im Missionsfeld gibt; man braucht mehr. Wie ihr wisst, hatte ich das Vorrecht — das große Vorrecht, wie ich es schätze — mit Präsident Smith auf seiner Reise nach Europa zu reisen, und überall, wohin wir kamen, war derselbe Ruf: „Wir könnten mehr junge Männer, mehr Älteste gebrauchen." Ich kehrte von jener Reise mit der Überzeugung zurück, die sich meiner Seele stark eingeprägt hat, dass das edelste Werk, das größte und beste Werk, dem ich mich und meine Mittel widmen könnte — und meine Söhne, wenn sie auf mich hören würden —, das Predigen dieses Evangeliums wäre, das Streuen dieses Samens, das Fördern der Interessen der Sache Gottes auf diese Weise, denn steht nicht geschrieben, dass „wer viele zur Gerechtigkeit führt, leuchten wird wie die Sterne in alle Ewigkeit"? Diese Missionsarbeit ist gewiss eine der wichtigsten, mit denen wir befasst sein können. ¶
Ich bin von dem Gefühl beeindruckt zurückgekehrt, dass der Herr, der beschlossen hat, die Aufmerksamkeit der Welt auf sein Werk zu lenken, nicht scheitern wird; und wenn das Volk ihm nicht Gehör schenkt, wie es die Propheten der Vorzeit erklärt haben, wird es der Stimme der Wolken und des Feuers und der Rauchschwaden Gehör schenken müssen. Der alte Prophet sagte, für den Herrn sprechend: Jene, die mir nicht Gehör schenken wollen, werden dem Wirbelsturm Gehör schenken müssen, dem Erdbeben, den Wolken und dem Feuer und den Rauchschwaden. Ich bin nicht schwarzseherisch; im Gegenteil, ich bin von Natur aus zuversichtlich und optimistisch, aber ich behaupte, dass, so gewiss wie wir hier sind, sich der Herr nicht spotten lässt. Beweise seines Missfallens werden über das Volk kommen. Wahrscheinlich habt ihr euch manchmal gewünscht, dass euren eigenen widerspenstigen Söhnen und Töchtern, die zwar nicht völlig schlecht waren, aber nicht auf euren Rat hören wollten, betreffend das, wovon ihr wisst, dass es das Beste für sie ist, etwas widerführe, das sie von ihrer Widerspenstigkeit abwenden und ihre Herzen dem Herrn zuneigen würde, selbst wenn es ihnen für den Augenblick Leid und Kummer brächte. Ebenso wird auch der große Vater in seiner Güte und Barmherzigkeit gegenüber seinen irdischen Kindern jene Fügungen herbeiführen, sei es durch Feuer und Wolke und Rauchschwaden, oder durch Erdbeben, oder indem sich das Meer über seine Grenzen hinaus erhebt, durch Wirbelstürme oder andere Unglücke verschiedenster Art — oder was scheinbar Unglücke sind, sich in Wirklichkeit aber als Segnungen erweisen mögen. Er wird die Aufmerksamkeit auf sein Evangelium lenken und die Herzen des Volkes mehr und mehr diesem großen Werk zuwenden. Ich glaube, es wird von nun an rascher zunehmen, tatsächlich bin ich dessen gewiss. ¶
Ich freue mich am Zeugnis der Wahrheit und an der Erkenntnis, dass Gott lebt. Ich weiß, dass Joseph Smith als Prophet des Herrn erweckt wurde, um die Grundlagen dieses Werkes zu legen, und dass es durch die Macht Gottes fortgeführt wird. Nie in der Geschichte dieser Kirche gab es ein einmütigeres Gefühl unter den Mitgliedern als heute, ein Gefühl, dass sie ihre Führer unterstützen werden, die Erste Präsidentschaft, die Apostel, die Siebziger und alle präsidierenden Autoritäten. Es gibt heute mehr Beständigkeit in den Seelen der Heiligen der Letzten Tage auf der ganzen Welt, als es je zuvor in der Geschichte der Kirche der Fall war. Ich glaube, nach allem, was ich in Erfahrung bringen kann, dass das Volk mit der Verwaltung der Angelegenheiten der Kirche heute ebenso zufrieden ist, wenn nicht sogar besser zufrieden — viele von ihnen, will ich sagen, sind besser zufrieden —, als es je zuvor in unserer Geschichte der Fall war. Wir kennen diese Männer, die der Herr berufen hat, der Kirche zu präsidieren; wir kennen ihre Hingabe, ihre Selbstaufopferung, und dass ihr einziges Ziel, ihre einzige Absicht und ihr einziges Interesse darin bestehen, das Werk Gottes zu fördern. Ich unterstütze sie, ich glaube, ihr unterstützt sie; und ich schlage vor, meine Brüder und Schwestern, dass wir weiterhin zu ihnen stehen. Gott segne euch, jeden und alle, durch Jesus Christus. Amen. ¶