Bericht über die Australien-Mission
James Duckworth
Meine Brüder und Schwestern, ich bin zutiefst dankbar für das Vorrecht, das ich genieße, bei dieser Gelegenheit mit euch zusammenzukommen. Während der kurzen Zeit, in der ich spreche, hoffe ich aufrichtig, dass der gute Geist, der während der Konferenz mit uns gewesen ist, meine Ausführungen leiten möge, damit sie so beschaffen seien, dass alle durch unser Beisammensein bei dieser Gelegenheit unterwiesen und gefördert werden. Dies ist die erste Generalkonferenz der Kirche, die ich in den vergangenen fünf Jahren mitzuerleben das Vorrecht hatte, denn während fast der ganzen Zeit war ich von zu Hause fort und stand unserer Arbeit in Australien vor. Wenn ihr euch bewusst macht, wie lange ich der Vorrechte beraubt war, die wir heute genießen, dann könnt ihr, zumindest bis zu einem gewissen Grade, ermessen, wie sehr ich diese Gelegenheit schätze, mit den Heiligen bei einer Generalkonferenz zusammenzukommen. Ich habe den Geist dieser Konferenz ebenso genossen wie die Ausführungen, die von jenem Geist bewegt wurden. ¶
Zweifellos haben alle Heiligen der Letzten Tage, die während der vergangenen Sitzungen zugegen waren, die Konferenz, die Ausführungen und deren Geist ebenso genossen wie ich, und ohne Zweifel wird großer Segen daraus erwachsen. Es gibt heute kein anderes Volk auf der Welt, das so gesegnet ist wie die Heiligen der Letzten Tage. Sie haben die Wahrheit empfangen, und aufgrund dieser Tatsache sollten sie das beste Volk auf dem Angesicht der Erde sein. Unser Leben sollte den guten Unterweisungen, die uns erteilt worden sind, entsprechen, denn nur insoweit, als diese Unterweisungen in unserem Leben verwirklicht werden, sind sie von bleibendem Nutzen für uns. Entspricht unser Leben den Unterweisungen nicht, so werden sie uns, statt zum Segen zu gereichen, Kummer bringen, denn am großen Tag des Herrn werden wir alle nach dem Licht gerichtet werden, das uns zuteilgeworden ist. Die Frage, die sich jeder Heilige der Letzten Tage am Ende dieser Konferenz stellen sollte, ist diese: Wie viel von den Unterweisungen, die mir erteilt worden sind, werde ich in meinem Leben verwirklichen? Wir sind gesegnet, den Worten der inspirierten Diener Gottes zu lauschen. Es gibt heute kein anderes Volk auf der Welt, das mit der Gegenwart von Propheten, Sehern und Offenbarern gesegnet ist, außer den Heiligen der Letzten Tage, und dieses Vorrecht sollten wir voll zu schätzen wissen. Doch bei der Verwirklichung der Unterweisungen, die uns diese guten Männer gegeben haben, lässt der Herr uns frei, unsere Handlungsfreiheit auszuüben. Es ist niemals irgendein Zwang auf die Heiligen der Letzten Tage in Bezug auf den Gehorsam gegenüber den ihnen gegebenen Ratschlägen ausgeübt worden. Wir werden gebeten, uns an diese Ratschläge zu halten, aber wir werden nicht dazu gezwungen. Kein anderes Volk auf der Welt ist in dieser Hinsicht freier als die Heiligen der Letzten Tage, was immer auch dagegen gesagt werden mag. ¶
Ich erinnere mich, dass, als ich mehr als einmal während meiner Abwesenheit von zu Hause über die Berufungen sprach, die an unsere Missionare ergehen, zu den Nationen der Erde zu gehen, die Frage gestellt wurde: „Werden eure jungen Männer gezwungen, auf diese Missionen zu gehen, zu denen sie berufen werden?" Denen, die mir diese Frage stellten, habe ich geantwortet, dass wir ebenso frei sind, diese Berufung anzunehmen und die damit verbundenen Verpflichtungen zu erfüllen, wie wir frei sind, zu Hause zu bleiben. Es besteht keine Notwendigkeit, Zwang auf den Sinn der Heiligen der Letzten Tage auszuüben, um sie zum Rechttun zu bewegen. Uns werden Gutes und Böses vorgelegt, aber ob wir das Gute annehmen und das Böse zurückweisen, oder ob wir den entgegengesetzten Weg einschlagen, bleibt uns selbst überlassen. Der Herr wird uns helfen, Gutes zu tun; er wird uns helfen, uns von dem zu enthalten, was böse ist, aber er zwingt keinen Menschen, Gutes zu tun oder sich von dem zu enthalten, was böse ist. Dies ist der Weg gewesen, den der Herr in jedem Zeitalter der Welt eingeschlagen hat, sogar bevor die Welt, auf der du und ich leben, erschaffen wurde, und wir genießen jene Handlungsfreiheit heute ebenso wie wir sie genossen, ehe wir auf die Erde kamen. ¶
Ich finde im Buch Mormon einige Worte verzeichnet, die ich verlesen möchte. Sie stehen auf Seite 164, Vers 27, Kapitel 2, im zweiten Buch Nephi: ¶
„Darum sind die Menschen gemäß dem Fleische frei; und alles ist ihnen gegeben, was für den Menschen notwendig ist. Und es steht ihnen frei, Freiheit und ewiges Leben zu wählen durch den großen Mittler für alle Menschen oder Gefangenschaft und Tod zu wählen gemäß der Gefangenschaft und Macht des Teufels; denn er trachtet danach, dass alle Menschen so elend seien wie er selbst." ¶
Ihr werdet bemerken, dass zu der Zeit, als diese Worte niedergeschrieben wurden, der Grundsatz der Handlungsfreiheit bereits bestand, und die Menschen waren ebenso frei, den Weg zu wählen, der zum Tod führt, wie den, der zum ewigen Leben führt. Derselbe Grundsatz wird auf anderen Seiten des Buches Mormon gelehrt. Ich will nun von Seite 319 im Buch Alma lesen: ¶
„Ich sollte mit meinen Wünschen nicht den festen Beschluss eines gerechten Gottes beeinträchtigen wollen, denn ich weiß, dass er den Menschen gemäß ihrem Wunsch gewährt, sei er zum Tod oder zum Leben; ja, ich weiß, er teilt den Menschen zu, ja, beschließt für sie mit unabänderlichen Beschlüssen gemäß ihrem Willen, sei es zur Errettung oder zur Vernichtung. Ja, und ich weiß, Gut und Böse ist vor alle Menschen gekommen; wer Gut von Böse nicht unterscheiden kann, ist schuldlos; wer aber Gut und Böse erkennt, dem wird gemäß seinen Wünschen gegeben, sei es, dass er Gutes wünscht oder Böses, Leben oder Tod, Freude oder Gewissensqual." ¶
Nun, das ist die Lage der Heiligen der Letzten Tage heute. Sie sind frei, jenen Weg zu wählen, der hinab zum Verderben und zum Tode führt, und ebenso elend zu werden wie Satan selbst. Wir, als Heilige der Letzten Tage, können unsere Handlungsfreiheit ausüben, um jenen Weg zu verfolgen, der in den Augen unseres himmlischen Vaters wohlgefällig ist; wenn also diese Konferenz beendet sein wird, lasst uns die großartigen Unterweisungen, die uns gegeben worden sind, mit uns nach Hause, an unsere Herdstätten, tragen, und lasst uns den Geist mittragen, durch den sie erteilt wurden, dann können wir in der Tat erwarten, dass sie in unserem Leben wirksam sind. Wir dürfen dessen gewiss sein: Wenn wir wahre Glückseligkeit in diesem Leben und im kommenden Leben genießen wollen, gibt es nur einen Weg für uns zu gehen, und das ist der Pfad der Rechtschaffenheit, denn der Pfad der Rechtschaffenheit ist in jedem Zeitalter der Welt der Pfad des Glücks gewesen; auf der anderen Seite hat der Pfad der Schlechtigkeit in allen Zeitaltern der Welt zu Elend und Jammer geführt. Kein Mann und keine Frau kann ein Leben der Ungerechtigkeit führen und Glückseligkeit genießen, denn Glückseligkeit und Ungerechtigkeit sind niemals miteinander einhergegangen, und sie werden es niemals tun. ¶
Wir mögen zuweilen denken, dass die von den Dienern des Herrn gegebenen Ratschläge unserem Glück im Leben zuwiderlaufen, aber das ist gänzlich eine falsche Vorstellung und ein irriger Eindruck. Wenn ihr in diesem Leben und im kommenden Leben glücklich sein wollt, so lebt in Übereinstimmung mit den Ratschlägen des Herrn, wie sie uns durch seine Diener gegeben werden, dann werden wir wahrlich das größte Maß an Glück genießen, das in der Sterblichkeit möglich ist. Unser Erlöser sagte bei einer Gelegenheit: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich gelangen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist." In dieser Hinsicht stehen die Heiligen der Letzten Tage genau auf derselben Ebene wie die Menschen der Welt. Es ist nicht das, was wir bekennen, das uns im Reich Gottes retten wird; es ist das, was wir tun, das uns die Errettung sichern wird, die Gott allen seinen Söhnen und Töchtern zu geben wünscht. Wir sollten unseren Glauben durch unsere Werke zeigen. Die Religion, die wir angenommen haben, ist die großartigste aller Religionen, und die Organisation, der wir angehören, ist die größte; daher sollten wir das beste Volk auf dem Angesicht der Erde sein, und wir sind es. Aber selbst bei den Heiligen der Letzten Tage gibt es noch viel Raum für Verbesserung. Ich glaube, dass sich alle Heiligen der Letzten Tage mehr oder weniger in diesem Zustand befinden, daher haben wir es nötig, die großartigen Lehren, die uns während dieser Konferenz erteilt worden sind, in die Tat umzusetzen. ¶
Wir haben unter uns einen Propheten des lebendigen Gottes, ebenso sehr mit Vollmacht ausgestattet wie irgendein Mann, der je auf dem Angesicht der Erde gelebt hat, mit ebenso viel vom Priestertum Gottes wie es Mose, Paulus oder Jesaja hatten. Wir haben auch die Zwölf Apostel sowie die Erste Präsidentschaft, Männer, die mit Macht aus der Höhe ausgestattet sind, mit allen Rechten, die zum Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks gehören, und die Worte dieser Männer sollten von den Heiligen der Letzten Tage hochgeschätzt werden. Ihre inspirierten Aussprüche sollten kostbarer sein als Juwelen, und wir sollten uns bemühen, in unserem täglichen Wandel und Verhalten aus ihren Lehren Nutzen zu ziehen. Das Maß unseres Glücks, wie ich gesagt habe, hängt von unserer Treue zu den Gesetzen und Geboten Gottes ab. Was die Missionare betrifft, die ins Ausland gegangen sind, so werden sie euch fast ausnahmslos—ich kenne keine Ausnahme—sagen, dass die glücklichsten Jahre ihres Lebens jene waren, in denen sie unter den Nationen der Erde die Grundsätze des Lebens und der Errettung verkündeten. Und warum ist das so? Weil sie damals Gott näher lebten, als sie es zu Hause getan haben. ¶
Meine missionarischen Erfahrungen sind die großartigsten gewesen, die ich bisher auf Erden genossen habe. Vor zwölfeinhalb Jahren ging ich auf meine erste Mission, und während dieser zwölfeinhalb Jahre war ich achteinhalb Jahre von zu Hause abwesend und im Dienst der Verkündigung tätig, und jene Zeit ist die glücklichste meines Lebens gewesen. Wenn ich entlassen wurde, geschah es stets mit Gefühlen des Bedauerns, dass ich meine Heimreise antreten musste. Ich glaube, dass dies, fast ohne Ausnahme, die Erfahrung all unserer Missionare ist. Müssen wir aber ins Ausland gehen, um jenes Gefühl der Glückseligkeit zu erfahren? Gott sieht die Person nicht an, und er ist ebenso willens, uns zu Hause zu segnen wie unter den Nationen der Erde; seine Segnungen sind an keinen bestimmten Ort gebunden. Es ist zwar wahr, dass es Segnungen gibt, die nur im Land Zion erlangt werden können, aber jene Glückseligkeit, die aus dem Gutestun erwächst, ist jedem Menschen zugänglich, sei er in Zion oder unter den Nationen der Erde. Es gibt keinen Grund, weshalb wir nicht denselben guten Geist zu Hause, an unseren Herdstätten, in unseren Gemeinden und Pfählen in der ganzen Kirche genießen könnten, den die Missionare unter den Nationen der Erde genießen. Es sollte kein glücklicheres Volk auf dem Angesicht der Erde geben als die Heiligen der Letzten Tage. Wir sollten das zufriedenste Volk der Welt sein, weil wir wissen, dass wir die Wahrheit besitzen. Die Menschen in der Welt befinden sich im Allgemeinen nicht in diesem beneidenswerten Zustand. Sie hoffen, auf dem rechten Weg zur Errettung zu sein, aber ich habe mit vielen von ihnen gesprochen, und sie können nicht sagen, dass sie wissen, dass sie recht haben. Wohingegen es unter den Heiligen der Letzten Tage kaum einen gibt, der des Zeugnisses von der Göttlichkeit des großen Werkes der Letzten Tage entbehrt; sie wissen, dass dies nicht das Werk eines Menschen ist. Wir haben große Männer in der Kirche gehabt, und wir haben heute so großartige Männer wie je einer auf dem Angesicht der Erde gelebt hat, aber dies ist nicht das Werk irgendeines Menschen, es ist das Werk Jesu Christi, und ich weiß es, und alle Heiligen der Letzten Tage können es für sich selbst wissen. Es sollte in dieser Frage keinen Zweifel in den Gedanken und Herzen der Heiligen der Letzten Tage geben. Der Herr ist willens, uns alle mit jenem Zeugnis zu segnen, und ohne es können wir uns niemals völlig sicher fühlen. Prüfungen werden kommen, Kummer wird uns überschatten, und die Zeit wird, früher oder später, kommen, in der jenes Zeugnis von jedem Heiligen der Letzten Tage benötigt werden wird; und wenn Prüfungen kommen, wird es ihnen zum Anker in der Stunde der Dunkelheit und Widerwärtigkeit werden. Solange sie jenem Zeugnis, jener Erkenntnis, treu bleiben, werden sie niemals von der Kirche abfallen, niemals, wenn sie treu sind, denn ihr Zeugnis wird sie befähigen auszuharren, und ohne es sind wir nicht sicher. Wie ich sagte, können wir alle jenes Zeugnis haben, und wir können für uns selbst wissen, dass dies in der Tat die Kirche Jesu Christi ist, jenes Wesens, das in der Fülle der Zeit kam, des Erlösers der Welt, des Erretters; es ist seine Kirche und nicht die Kirche irgendeines Menschen, und wir sollten Glauben an ihn haben und in Übereinstimmung mit seinen Gesetzen und Geboten leben. ¶
Ich bitte Gott, euch zu segnen. Ich weiß, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war, und dass alle seine Nachfolger ebenso Propheten Gottes gewesen sind. Möge der Herr uns segnen, mögen wir ihm dienen und seine Gebote halten während unseres Lebens, damit wir in diesem Leben Glückseligkeit und in der kommenden Welt vermehrte Freude haben mögen, das ist mein Gebet im Namen Jesu. Amen. ¶