Vorbereitung der Jugend auf zukünftige Verantwortung
Rudger Clawson
Brüder und Schwestern, ich habe mich sehr über den Geist dieser Konferenz und über die große Versammlung der Heiligen der Letzten Tage in diesem Gebäude gefreut. Es gab eine Zeit, da die Heiligen der Letzten Tage zahlenmäßig schwach waren. Das war der 6. April 1830. Heute jedoch ist das Volk des Herrn stark — stark im Glauben, stark an Erfahrung, und verhältnismäßig stark an Zahl. Heute haben wir 55 Pfähle Zions mit 629 Gemeinden und 14 Missionen in der Welt; und es gibt keine Gemeinde in Zion, die nicht mehr Mitglieder hätte, als die ganze Kirche vor 75 Jahren hatte. Ich erinnere mich an die Zeit, obwohl ich noch ein Knabe war, da eine große Leinwand quer durch die Mitte dieses Gebäudes gespannt wurde, weil der Raum damals zu groß war und es schwierig war, auch nur die Hälfte des Gebäudes mit Heiligen der Letzten Tage zu füllen. Heute genügt der Tabernakel nicht mehr. Ich erinnere mich nicht, bei der ersten Sitzung unserer Konferenz je eine so große Versammlung erlebt zu haben, wie wir sie gestern Morgen hatten, und heute haben wir eine gewaltige Versammlung von Heiligen der Letzten Tage, die vielleicht zwischen 8.000 und 10.000 zählt. Das ist eine sehr bemerkenswerte Erscheinung. Es ist ermutigend, das Wachstum und den Fortschritt des Werkes Gottes zu bezeugen. ¶
Seit der Organisation der Kirche haben sich einige sehr wunderbare Veränderungen ereignet. Ich lenke eure Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass es heute nur wenige Menschen in Reichweite meiner Stimme gibt, die den Propheten Joseph Smith kannten oder ihn im Leben sahen. Die meisten seiner Zeitgenossen sind dahingeschieden. Ich lenke eure Aufmerksamkeit auf einige andere Veränderungen, die stattgefunden haben, angeregt durch die Bemerkungen von Präsident Lund, als er darauf hinwies, dass dies die fünfundsiebzigste Jahreskonferenz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sei. Seit unserer Organisation als Kirche sind fünf Präsidenten dahingeschieden; sechs Ratgeber der Präsidenten, elf Apostel — fast ein vollständiges Kollegium der Getreuen — sind in die Geisterwelt eingegangen; elf Mitglieder des Ersten Rates der Siebziger und drei Präsidierende Bischöfe sind ebenfalls gegangen. Aber diese Veränderung ist meiner Meinung nach nicht so bemerkenswert wie das, was sich in unserer eigenen Zeit, innerhalb der kurzen Spanne von 13 Jahren, ereignet hat. Seit dem Jahr 1892 sind zwei Präsidenten der Kirche dahingeschieden — die Präsidenten Wilford Woodruff und Lorenzo Snow; ein Ratgeber in der Präsidentschaft, Präsident George Q. Cannon; die folgenden Apostel: Franklin D. Richards, Abraham H. Cannon, Brigham Young jr. und Abraham O. Woodruff; drei des Ersten Rates der Siebziger: Jacob Gates, John Morgan und Edward Stevenson; und von den übrigen Generalautoritäten Bruder Karl G. Maeser, Generalsuperintendent der Kirchenschulen, und Bruder George Goddard, erster Hilfsgeneralsuperintendent der Sonntagsschulen der Kirche, sowie John Jaques, Hilfskirchenhistoriker. Vor dreizehn Jahren gab es 33 Pfähle Zions; heute gibt es 55 Pfähle, also eine Zunahme von 22 in 13 Jahren. Von den 33 damals lebenden Pfahlpräsidenten sind 11, also ein Drittel der Zahl, dahingeschieden. So haben insgesamt 21 der Generalautoritäten der Kirche von den 26 ihre Arbeit hier beendet und sind in die Geisterwelt eingegangen. Für mich ist das sehr bemerkenswert, und es zeigt, dass sich große Veränderungen ereignen, fast ohne bemerkt zu werden. Was dürfen wir, Brüder und Schwestern, im Verlauf von 20 oder 30 oder 50 kommenden Jahren erwarten? Ob wir es verschleiern oder nicht, die Tatsache bleibt bestehen, dass die Knaben und Mädchen von heute die Männer und Frauen von morgen sein werden. Die Vollmacht, die auf den Männern von heute ruht, wird bald auf ihre Kinder übergehen; und dies unterstreicht die Notwendigkeit und die Wichtigkeit der Kollegien des Heiligen Priestertums und der Hilfsorganisationen der Kirche. Viele Eltern unter uns sind sehr beschäftigte Männer und Frauen; sie gehen den verschiedenen Beschäftigungen des Lebens nach, um für ihre Familien zu sorgen, und scheinen nicht viel Zeit zu haben, um sich der Unterweisung ihrer Kinder zu widmen. Aber es ist in den Kollegien des Priestertums und in diesen Organisationen ein Weg vorgesehen, wodurch die Kinder in den Dingen des Herrn unterwiesen werden können. Wir haben in der Kirche verschiedene Grade des Priestertums, vom Diakon bis zum Hohepriester. Es gibt keinen Grundsatz in dieser Kirche von so großer Wichtigkeit und Bedeutung für uns wie die Vollmacht des Priestertums. Diese Vollmacht sollte gepflegt und genährt werden, und die Kollegien sollten von den Heiligen der Letzten Tage gestärkt und unterstützt werden. Jeder Mann, jeder junge Mann und jeder Knabe, der das Priestertum trägt, sollte seine Pflicht tun. Wir sollten auch die Hilfsorganisationen der Kirche pflegen und fördern. Die Fürsorgevereinigung, die Sonntagsschule, der Verein zur gegenseitigen Verbesserung, die Primarvereinigung und die Religionsklasse sollten alle unsere Unterstützung haben; und die Eltern sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder zu diesen Stätten der Unterweisung geschickt werden, damit sie für die große Verantwortung vorbereitet und gerüstet werden, die in naher Zukunft auf ihnen lasten wird. Und obwohl, Brüder und Schwestern, angesehene Männer und Frauen, Säulen der Kirche, Männer und Frauen von Kraft, Stärke und Glauben, dahinscheiden, geht die Kirche dennoch weiter. Das ist ein Kennzeichen dieses Werkes. Ich lenke eure Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass einige sehr bemerkenswerte Vorhersagen über das Werk gemacht worden sind, in dem wir tätig sind. Es war schon in alter Zeit bekannt. Sogar der Prophet Daniel sah dieses Werk. Ihr erinnert euch zweifellos an die große Vision Nebukadnezars, die er sich nicht ins Gedächtnis zurückrufen konnte. Er hatte des Nachts eine Vision gehabt, in der er wunderbare Dinge sah; aber sie wurde aus seinem Gedächtnis genommen. Er ließ die Sterndeuter und Weisen Babylons rufen und wollte von ihnen wissen, was seine Vision gewesen sei, und auch ihre Deutung; aber die Weisen konnten ihm nicht helfen. Könnte er sich nur an die Vision erinnern, so könnten sie ihm die Deutung geben; aber er konnte es nicht. Dann wurde Daniel, aus dem verachteten hebräischen Volk, gerufen, um dem König die Vision kundzutun; und Daniel gebrauchte diese sehr bemerkenswerten Worte — Worte, die ich angesichts der gegenwärtigen Haltung der Welt zur Frage der Offenbarung für bemerkenswert halte: ¶
„Aber es gibt einen Gott im Himmel, welcher Geheimnisse enthüllt; und dieser hat dem Könige Nebukadnezar kundgetan, was in der Endzeit geschehen wird." ¶
Hier wurde ein Gott verkündet, der Geheimnisse enthüllt und zu den Menschenkindern spricht, ein Gott der Offenbarung. Das war der Gott, den Daniel anbetete, und das war der Gott, der dem König kundtun würde, was er in der nächtlichen Vision gesehen hatte. Daniel deutete daraufhin die Vision. Der König hatte ein großes Bild aus Gold, aus Silber, aus Erz, aus Eisen und aus Eisen mit Ton vermischt gesehen. Das Bild stellte die Königreiche der Welt dar, die von Nebukadnezars Herrschaft bis ans Ende der Zeit reichen sollten, wobei das Haupt Babylon versinnbildlichte, wie es in jenen alten Tagen bestand. Andere Königreiche sollten Babylon folgen, bis man zu den Füßen und Zehen gelangte, welche Königreiche versinnbildlichten, die in den letzten Tagen aufgerichtet werden sollten. Und Daniel sagte: ¶
„Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Reich erstehen lassen, das in Ewigkeit nicht zerstört werden wird und dessen Königtum auf kein anderes Volk übergehen wird. Es wird alle jene Reiche zerschmettern und vernichten, selbst aber ewig bestehen." ¶
Der Prophet Jesaja hatte sein Auge auf dasselbe Ereignis gerichtet, und hätte er gestern hier gesessen und die Dinge niedergeschrieben, die in der King-James-Übersetzung der Bibel veröffentlicht sind und die schon vor Jahrtausenden aufgezeichnet wurden, so hätte er den Zustand dieses Volkes nicht deutlicher darlegen können, als er es getan hat. Wenn ich mich recht erinnere, lauteten die Worte Jesajas etwa so: ¶
„In der Endzeit wird es geschehen, dass der Tempelberg des HErrn festgegründet dasteht an der Spitze der Berge und über die anderen Höhen erhaben; dann werden alle Heidenvölker zu ihm strömen, ¶
und zahlreiche Völkerschaften hinwallen und sagen: ‚Kommt, lasst uns zum Berge des HErrn hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns über seine Wege belehre und wir auf seinen Pfaden wandeln!' Denn von Zion wird Belehrung ausgehen und das Wort des HErrn von Jerusalem." ¶
Und wiederum sagt Jesaja: ¶
„Auf einen hohen Berg steige hinauf, Zion, als Freudenbotin!" ¶
Und wiederum: ¶
„Denn Trost hat der HErr für Zion, Trost für alle seine Trümmerstätten und wird seine Wüstenei zu einem Paradies machen und seine Steppe zu einem Gottesgarten: Jubel und Freude wird sich in ihm einfinden, Danklied und Saitenspiel." ¶
Diese gewaltige Versammlung ist ein lebendiger Zeuge der buchstäblichen Erfüllung dieser Worte des Propheten. War dieses Land im Jahr 1847 nicht eine wahrhaftige Wildnis? Ist es nicht in einen Garten wie Eden verwandelt worden? Dieses Land ist auserlesen geworden vor allen anderen Ländern. Wir wollen kein besseres. Und ich neige zu der Ansicht, dass der Herr uns in kein besseres Land führen kann als das, welches wir gegenwärtig besitzen, es sei denn, dem Land wird ein besonderer Segen zuteil über das hinaus, was wir bereits empfangen haben. Und in dieser Konferenz haben wir die Freude des Volkes gesehen; wir haben ihre Fröhlichkeit bezeugt. Wir haben von diesem Podium aus, von den Lippen der Ältesten Israels, die Stimme der Danksagung gehört. Hier in diesem Chor haben wir die Stimme des Saitenspiels gehört. Jesaja muss sein Auge auf diese Gelegenheiten gerichtet gehabt haben; und in den großen Visionen, die ihm gegeben wurden, muss er die Versammlungen des Volkes des Herrn bezeugt haben. Oh, wie unsere Herzen bei dieser Gelegenheit haben jubeln dürfen! ¶
Brüder und Schwestern, ich bezeuge, dass dies das Werk des Herrn ist. Ich bezeuge euch, dass ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, dass Jesaja ein Prophet Gottes war und dass Daniel ein wahrer Prophet war. Ihre Worte finden Erfüllung. Dies ist das Werk Gottes und nicht das des Menschen; und jeder Mann, ob in der Kirche oder außerhalb, der sich diesem Werk entgegenstellt, misst seine Kräfte mit dem Allmächtigen, und seine Anstrengung wird vergeblich sein, seine Torheit wird vor den Augen des Volkes offenbar werden. Ihr erinnert euch, Brüder und Schwestern, dass der Prophet Joseph vom Herrn eine Verheißung erhielt, als er auszog, dieser Generation das Evangelium der Umkehr zu predigen. Der Herr sprach zu ihm: ¶
„Darum sollen sie ihre triftigen Gründe gegen den Herrn vorbringen [nicht gegen Joseph und seine Brüder, denn diese waren nur die Vertreter des Herrn]. Wahrlich, so spricht der Herr zu euch: Keiner Waffe, die gegen euch geformt ist, wird etwas gelingen; und wenn jemand seine Stimme gegen euch erhebt, so wird er zu der von mir selbst bestimmten Zeit zuschanden werden." ¶
Bedenkt, dies sind nicht die Worte des Propheten Joseph Smith, sondern die Offenbarung Gottes an ihn. Dies ist das Werk Jesu Christi und nicht das Werk Joseph Smiths, noch das eines seiner Nachfolger, noch das irgendeines Menschen auf Erden. Ich freue mich über dieses Zeugnis. Ich freue mich über die Lehren dieser Konferenz und über die gesegneten Worte des Trostes und der Tröstung, die wir empfangen haben. Ich freue mich über die Einheit der Heiligen der Letzten Tage. Sie beginnen, die Früchte von fünfundsiebzig Jahren Erfahrung in diesem Werk hervorzubringen. Die Worte von Präsident Lyman sanken tief in mein Herz, als er auf die Erfahrung und auf den Glauben und die Treue der Heiligen der Letzten Tage hinwies. Das ist mein Zeugnis, und es hat sich bei meinen Besuchen in den Pfählen Zions bestätigt. Ich freue mich über meine Gemeinschaft mit den Heiligen der Letzten Tage und über meine Bekanntschaft und mein Zusammenwirken mit den Autoritäten der Kirche, mit den Pfahlpräsidentschaften und mit allen Brüdern und Schwestern. Möge der Herr uns segnen und möge Er sein Werk unterstützen und uns siegreich und triumphierend hervorgehen lassen, das ist mein Gebet im Namen Jesu. Amen. ¶