Geistliche Macht
John W. Taylor
Meine lieben Brüder und Schwestern: Ich bete demütig, daß unser Vater, der im Himmel ist, mich heute nachmittag mit einem Teil Seines Heiligen Geistes segnen möge, damit das, was ich sage, mit Seinem Sinn und Willen übereinstimme – Ich fühle mich gedrängt, Zeugnis von der Wahrheit alles dessen zu geben, was ich während dieser Konferenz gehört habe – Ich habe so sehr das Gefühl gehabt, das wir wohl immer bei unseren Konferenzen haben, daß dies eine der besten Konferenzen ist, denen ich je beigewohnt habe ¶
Es gibt eine Frage, über die ich ein wenig zu euch sprechen möchte – Sie scheint sehr im Einklang mit den Worten mehrerer der vorherigen Redner zu stehen – Zu Beginn möchte ich ein Zitat anführen, das Ältester Clawson gestern gebracht hat – Es sind die Worte unseres Herrn und Erretters an Petrus (Matth. 16, 13-19), den präsidierenden Apostel, nachdem Petrus die Offenbarung von Gott empfangen hatte, daß Jesus der Christus sei, sagte Jesus: ¶
„Als Jesus dann in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger: ‚Für wen halten die Leute den Menschensohn?‘ ¶
Sie antworteten: ‚Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, noch andere für Jeremia oder sonst einen von den Propheten.‘ ¶
Da fragte er sie weiter: ‚Ihr aber – für wen haltet ihr mich?‘ ¶
Simon Petrus gab ihm zur Antwort: ‚Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!‘ ¶
Da gab Jesus ihm zur Antwort: ‚Selig bist du zu preisen, Simon, Sohn des Jona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater droben im Himmel. ¶
Und nun sage auch ich dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche errichten, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. ¶
Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was du auf der Erde bindest, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde löst, das soll auch im Himmel gelöst sein!‘“ ¶
Es ist die letzte Bemerkung, auf die ich mich besonders beziehen möchte – Petrus hatte zu jener Zeit dieselbe Stellung inne, die Präsident Lorenzo Snow heute innehat, und dies war eine sehr große Begabung, die er vom Herrn Jesus Christus empfing, auf Erden zu binden, und es sollte im Himmel gebunden sein, oder auf Erden zu lösen, und es sollte im Himmel gelöst sein – Dieselbe Macht ist in diesen Tagen verliehen worden – Es ist unser Brauch, wenn wir eine Frau heiraten, zu dem Mann zu gehen, der diese große Macht innehat, und durch Seine Vollmacht werden wir in den heiligen Banden der Ehe für Zeit und für alle Ewigkeit zusammengesiegelt, gemäß der Verheißung des Herrn Jesus Christus, und wir werden in der Ewigkeit Mann und Frau sein – Es gibt viele andere ewige Segnungen, die den Menschenkindern gegeben worden sind – Ich möchte auf eine große Verheißung hinweisen, die der Herr unserem Vorvater Abraham gab – Der Herr war mit Abraham und seinem Lebenswandel sehr wohl zufrieden – Aber Abraham wäre heute ein sehr unbeliebter Mann – Von all den Millionen Menschen, die damals auf der Erde lebten, hielt es der Herr bei einer Gelegenheit für gut, Seinen Diener Abraham zu besuchen, und während Er dort war, gab Er ihm Gebote – Er sprach zu Abraham: ¶
„Verlaß dein Land und deine Verwandtschaft und deines Vaters Haus und ziehe in das Land, das ich dir zeigen werde; ¶
denn ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen werden. ¶
Ich will die segnen, die dich segnen, und wer dich verflucht, den will ich verfluchen; und in dir sollen alle Generationen der Erde gesegnet werden.“ ¶
Hier ist ein weiteres Beispiel eines Mannes, den der Herr besuchte und dem Er göttliche Vollmacht verlieh, die Menschenkinder zu segnen, damit sie gesegnet würden, oder sie zu verfluchen, damit sie verflucht würden, gemäß dieser Vollmacht – Abraham segnete seinen Sohn Isaak; Isaak segnete seinen Sohn Jakob; Jakob segnete seine zwölf Söhne von seinen vier Frauen, und sie wurden die Gründer des Hauses Israel – Dabei amtierte Jakob als Patriarch, und er segnete nicht nur seine Söhne, sondern er weissagte, was ihnen widerfahren würde, bis in die letzten Tage ¶
Ich verweise auf diese Beispiele, damit wir uns vergegenwärtigen, daß es in verschiedenen Zeitaltern der Welt Brauch gewesen ist, diese göttliche Vollmacht zum Nutzen der Menschenkinder auszuüben – Henoch, der Prophet Gottes, amtierte ebenfalls in diesem patriarchalischen Amt, und Henoch war ein Freund Gottes – Der Herr, unser Gott, sprach zu ihm, wie ein Mann zum anderen spricht, und Henoch wurde mit dem Sinn und Willen des Vaters so vertraut, daß er sein Volk nicht nur aus der Knechtschaft führte, sondern es dazu brachte, Aug in Auge zu sehen – Sie wurden eines Herzens und eines Sinnes, und der Herr war so wohlgefällig mit ihnen, daß Er Henoch und seine Stadt zu sich nahm ¶
Ich möchte eure Aufmerksamkeit besonders auf das patriarchalische Amt lenken, das in diesen letzten Tagen zum Nutzen der Kirche und des Reiches Gottes geoffenbart worden ist – Wir haben einen Mann, der an der Spitze des patriarchalischen Amtes in unserer Kirche steht – Jener Mann ist Bruder John Smith – Er sitzt immer hier bei der Ersten Präsidentschaft der Kirche – Warum ist es, daß er diese erhabene Stellung einnimmt, wenn er vor dem Volk in seinen Generalkonferenzen sitzt? Es ist, weil der Herr einen Patriarchen als einen Mann anerkennt, der mit einem sehr hohen Amt in der Kirche und dem Reich Gottes begabt ist, und der eine besondere Begabung zu einem besonderen Zweck erhalten hat – Wenn es irgendeinen Mann in dieser Kirche gibt, der eine besondere lebenslange Berufung hat, so ist es ein Patriarch – Ich habe jedoch manchmal, aus Bemerkungen, die ich von Männern gehört habe, die das heilige Priestertum tragen, gedacht, daß die Unwissenheit hinsichtlich des patriarchalischen Amtes unter den Heiligen der Letzten Tage überaus dicht ist ¶
Damit ihr meine Worte besser versteht, möchte ich auf ein Gespräch verweisen, das ich neulich mit einem Herrn in einem der Pfähle Zions hatte – Einer der Zwölf Apostel war in jener Gegend umhergereist und hatte einige Veränderungen in der Gemeinde vorgenommen – Was ist die Pflicht der Apostel? Der Apostel Paulus belehrt uns, daß sie in der Kirche für das Werk des Amtes eingesetzt sind, zur Erbauung des Leibes Christi, und um das Volk zur Einheit des Glaubens zu bringen – Alle diese Männer zu meiner Rechten und zu meiner Linken sind das ganze Jahr hindurch mit dieser Art von Berufung befaßt – Wie ich sagte, einer der Zwölf war umhergereist, und er fand einen gewissen Bischof, der einer Gemeinde vorstand – Er fühlte sich bewogen, es wäre gut, in jener Gemeinde eine Veränderung vorzunehmen – Der Bischof war ziemlich betagt, aber er war sein ganzes Leben lang ein treuer Mann gewesen; so treu in der Tat, daß dieser Apostel sich bewogen fühlte, dieser Mann solle, wenn er die Zustimmung der Ersten Präsidentschaft erlangen könnte, zum Patriarchen ordiniert werden – Die Veränderung wurde entsprechend vorgenommen – Was war das Ergebnis? Dieser Bischof begann sofort zu klagen, er sei aufs Abstellgleis geschoben worden, und er sei von seiner Berufung als Bischof entfernt worden, ohne irgendeine besondere Benachrichtigung erhalten zu haben, daß diese Veränderung in seiner Gemeinde stattfinden werde ¶
Ehe ich fortfahre, laßt mich einen Augenblick erklären – Wie ich die Ordnung dieser Kirche verstehe, wird ein Mann, der berufen wird, Bischof zu sein, zu diesem Amt zu dem besonderen Zweck berufen, die geschäftlichen Angelegenheiten jener Gemeinde zu beaufsichtigen, und wenn er durch Alter, Krankheit oder Unfähigkeit untauglich wird, die Pflichten jenes Amtes zu erfüllen, oder wenn er durch seine Treue zu einer größeren Ordinierung in der Kirche berufen wird, ist es recht und Gott wohlgefällig, daß diese Veränderung stattfinde – Wenn die Erste Präsidentschaft dieser Kirche einen Bischof davon in Kenntnis setzt, daß er von der Leitung einer gewissen Gemeinde entlassen ist, so ist ebenso viel Angemessenheit darin, wie es der Fall wäre, wenn jener Mann einer Mission vorstünde und von jener Mission durch die Präsidentschaft der Kirche entlassen würde – Ich bin jetzt berufen, der Colorado-Mission vorzustehen – Ich erwarte nicht, dort den Rest meines Lebens zu bleiben, und wenn ich zu irgendeiner künftigen Zeit eine Entlassung von der Ersten Präsidentschaft dieser Kirche erhalte, versichere ich euch, ich werde nie eine Klage gegen sie oder irgend jemand anderen erheben, weil ich entlassen wurde – Ich möchte ¶
den Bischöfen der Gemeinden sagen, ihr seid nicht auf Lebenszeit dorthin berufen; aber wenn ihr von eurer Bischofschaft entlassen werdet, wird euch euer Priestertum nie genommen, außer durch Übertretung ¶
Nun, zurück zu diesem Bischof, von dem ich sprach – Der Apostel hatte sich von Gott eingegeben gefühlt, der Ersten Präsidentschaft dieser Kirche zu empfehlen, jener Bischof solle zum Patriarchen ordiniert werden – Schätzte jener Mann jenes patriarchalische Amt, das ihm verliehen wurde? Nein, er tat es nicht – Nun, laßt mich ein Zitat für jene anbringen, die in dieser Berufung arbeiten: ¶
„Die Rechte des Priestertums sind untrennbar mit den Mächten des Himmels verbunden, und die Mächte des Himmels können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden.“ ¶
Dieser Mann, wie ich verstehe, sagte, er habe nie den Geist des patriarchalischen Amtes empfangen – Ich möchte euch sagen, es gab nie einen Mann in der Kirche Gottes, der den Geist irgendeiner Berufung, zu der er berufen wurde, empfing, ehe er begann, in jener Berufung zu amtieren – Wenn ich auf eine Auslandsmission berufen bin und erwarte, den Geist jener Mission zu erlangen, muß ich mich ans Werk machen, mich vorbereiten und beginnen, den Herrn zu suchen – Es ist dasselbe mit einem Patriarchen oder jedem anderen Amtsträger in der Kirche Gottes – Nun, was diese ohne Benachrichtigung des Bischofs vorgenommene Veränderung betrifft, die ihm so großen Anstoß zu geben schien – Es gibt keinen Mann in Hörweite meiner Stimme, der mir einen Fall nennen kann, wo der Herr je gesagt hätte: „Ich werde kommen und dir sagen, wann ich dich für eine andere Art von Werk brauchen werde“ – Ich habe diese Art von Reden gehört, bis ich es leid bin – Für mich ist es stets ein Zeichen der Unwissenheit der Menschen hinsichtlich der herrlichen Verheißungen, die mit dem Heiligen Priestertum verbunden sind – Ich habe von einem Fall gehört, wo ein Mann sagte, er sei aufs Abstellgleis geschoben worden – Ich habe von anderen gehört, denen tatsächlich das Vorrecht angeboten wurde, zum Patriarchen ordiniert zu werden, und die es abgelehnt haben, weil sie das Gefühl hatten, sie würden im Priestertum eher erniedrigt als erhöht – Ich sage abermals, der Herr benachrichtigt die Menschen nie im voraus, wenn Er eine Veränderung vornehmen wird – Zu Seiner eigenen Zeit kommt Er und nimmt die Veränderung vor – Laßt uns sehen, was einer der größten Männer, die je gelebt haben, meiner Meinung nach, sagte, als eine solche Veränderung mit ihm vorgenommen wurde – Er war ein Mann, dessen Charakter ich stets bewundert habe – Ich habe sein Andenken geliebt, und ich liebe seine Nachkommen heute – Soweit ich mich erinnere, nahm er die Stellung ein, die dem Propheten, Seher und Offenbarer dieser Kirche am nächsten stand – genau dieselbe hohe und erhabene Stellung, die Präsident George Q. Cannon heute in der Kirche innehat – Ich beziehe mich auf Hyrum Smith – Der Sinn und Wille des Herrn kam ohne jede vorherige Benachrichtigung zu ihm, und er beklagte sich nicht darüber, er fühlte nicht, er sei aufs Abstellgleis geschoben worden – Das Wort des Herrn lautet wie folgt: ¶
„Und weiter, wahrlich, ich sage euch: Mein Diener William soll anstelle meines Dieners Hyrum zum Ratgeber meines Dieners Joseph bestimmt, ordiniert und gesalbt werden, damit mein Diener Hyrum das Amt im Priestertum und als Patriarch übernehmen kann, das ihm von seinem Vater durch Segnung und auch als Recht bestimmt worden ist; ¶
damit er hinfort die Schlüssel für die patriarchalischen Segen auf das Haupt meines ganzen Volkes innehabe; ¶
damit jeder, den er segnet, gesegnet sein wird, und jeder, den er verflucht, verflucht sein wird; damit, was auch immer er auf Erden binden wird, im Himmel gebunden sein wird, und was auch immer er auf Erden lösen wird, im Himmel gelöst sein wird; ¶
Und von dieser Zeit an bestimme ich ihn, für meine Kirche ein Prophet und ein Seher und ein Offenbarer zu sein, gleichwie mein Diener Joseph.“ ¶
Der letzte Absatz enthält eine besondere Bestimmung für Hyrum Smith und bezieht sich nicht auf Patriarchen im allgemeinen, es sei denn, sie empfangen einen ähnlichen Auftrag vom Herrn – Aber die Macht, auf Erden zu siegeln, und es soll im Himmel gesiegelt sein, gehört jedem Patriarchen in der Kirche Christi ¶
Stand Hyrum Smith auf und sagte seinem Bruder Joseph, er nehme die Stellung eines Mitglieds der Ersten Präsidentschaft der Kirche ein und stehe als zweiter Mann im Reich, und er wünsche nicht, von jener Stellung entlassen zu werden, um Patriarch der Kirche zu werden? Nein, das tat er nicht – Warum? Weil er erkannte, es sei der Sinn und Wille Gottes, und statt eines Schrittes rückwärts in der Kirche war es ein Schritt vorwärts; mit anderen Worten, es war ein Schritt in eine andere Abteilung, die ebenso ehrenvoll war – Mehr als das, es war der Sinn und Wille Gottes, und das sollte stets über allem anderen erwogen werden – Hyrum Smith ging hinaus und amtierte in jener Berufung, und hier ist heute sein Nachkomme, der Patriarch der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ¶
Noch etwas – Als ich meinen patriarchalischen Segen empfing, war darin eine Klausel, die mir immer eine Warnung gewesen ist – Mein Segen schloß folgendermaßen: „Ich siegle diese Segnungen auf dein Haupt gemäß deiner Treue im Halten der Gebote Gottes“ – Ich rate euch allen, Patriarchen, wenn ihr die Menschenkinder segnet, eine Klausel dieser Art einzufügen, denn, wie ich gesagt habe, die Segnungen und Mächte des Himmels sind untrennbar mit dem Priestertum verbunden, und sie können nur nach dem Grundsatz der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden – Der junge Mann sprach zu Jesus: ¶
„Was muß ich tun, um errettet zu werden?“ ¶
Jesus sagte ihm, er solle all seine Güter verkaufen, sie den Armen geben und Ihm nachfolgen – Das war die Bedingung – Wenn Jesus dem einzelnen oder dem Volk einen Segen verhieß, fügte Er stets etwas hinzu, das sie tun sollten, um den Segen zu erlangen – Er sagte: ¶
„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben! … Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen wird das Himmelreich zuteil! Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden! … Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erleiden, denn ihnen wird das Himmelreich zuteil!“ ¶
Wenn ihr darauf achtet, hat Jesus stets eine Bedingung eingefügt, unter der der Segen von den Menschenkindern empfangen werden konnte – Ich schlage den Patriarchen vor, daß ihr auch in euren Segnungen eine Bedingung hinzufügt – Wie uns gestern von Präsident Lorenzo Snow bei der Eröffnung der Konferenz gesagt wurde, wird Gott uns nach dem richten, was wir tun, und nicht bloß nach dem, was wir sagen – Ich habe erlebt, daß Menschen patriarchalische Segen empfingen, die nicht erfüllt worden sind, und ihre Söhne und Töchter haben sich mit Vorwurf erhoben und bekanntgemacht, der Segen ihres Vaters oder ihrer Mutter sei nicht erfüllt worden – Aber ich möchte euch sagen, es gäbe sehr wenige unerfüllte patriarchalische Segnungen, wenn jene, die sie empfangen, sich daran erinnerten, daß den Menschenkindern kein Segen gewährt werden kann, ¶
außer durch ihre Treue im Halten der Gebote Gottes – Gott segne euch – Amen ¶