Pulpit

Stellvertretende Arbeit für die Toten

Rudger Clawson

Generalkonferenz Oktober 1900·Erster Tag, Vormittagsversammlung·1900-10-05

Brüder und Schwestern: Ich habe mich sehr über die Worte gefreut, die uns heute morgen zuteil wurden, sowie über den Geist der Einheit, auf den Präsident Snow hingewiesen hat – Ich kann bezeugen, daß, soweit ich es beobachten konnte, die vollkommenste Einheit unter der Ersten Präsidentschaft und den Zwölfen besteht; und soweit

meine Beobachtung reicht, kann ich auch bezeugen, daß ein Geist der Einheit und Eintracht unter den Ersten Sieben Präsidenten der Siebziger besteht, und mit der Präsidierenden Bischofschaft, und mit dem Patriarchen, und mit sehr vielen, wenn nicht allen, der Pfahlpräsidentschaften, den Bischöfen und Ratgebern der Gemeinden, und den Präsidentschaften der Kollegien – Und ich glaube, daß dieser Geist der Einigkeit und Einheit unter den Heiligen der Letzten Tage wächst – Darin liegt die Stärke dieser Kirche

Es gibt ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, und ich möchte heute morgen ein paar Worte darüber sagen, wenn der Geist des Herrn mir Freiheit der Rede gewähren wird; andernfalls wünschte ich, es möge mir völlig aus dem Sinn genommen werden, denn ich begehre, den Heiligen nur das zu sagen, was der Herr wünscht, daß ich sage, und was für die Gelegenheit am geeignetsten ist – Ich werde zuerst aus einer Ansprache an die Heiligen von dem mächtigen Propheten dieser letzten Tage, dem Propheten Joseph Smith, vorlesen – Dies waren seine Worte:

„Und weiter, wahrlich, so spricht der Herr: Lasst die Arbeit an meinem Tempel und an jedem Werk, das ich euch bestimmt habe, weitergehen und nicht aufhören; und euer Eifer und eure Ausdauer und Geduld und eure Anstrengungen sollen sich verdoppeln, und ihr werdet keineswegs eures Lohnes verlustig gehen, spricht der Herr der Heerscharen. Und wenn sie euch verfolgen, so haben sie auch die Propheten und rechtschaffenen Männer verfolgt, die vor euch gewesen sind. Für das alles gibt es einen Lohn im Himmel.“

„Und weiter gebe ich euch ein Wort in bezug auf die Taufe für eure Toten.

Wahrlich, so spricht der Herr zu euch bezüglich eurer Toten: Wenn irgendeiner von euch für seine Toten getauft wird, so soll ein Schreiber dabei sein, und er soll Augenzeuge eurer Taufen sein; er soll mit seinen Ohren hören, damit er wahrheitsgemäß bezeugen könne, spricht der Herr:

Damit in all euren Aufzeichnungen im Himmel aufgezeichnet werde, was auch immer ihr auf Erden bindet, im Himmel gebunden sein möge; was auch immer ihr auf Erden löst, im Himmel gelöst sein möge;

Denn ich bin im Begriff, viele Dinge auf die Erde wiederherzustellen, die das Priestertum betreffen, spricht der Herr der Heerscharen.“

An anderer Stelle:

„Nun besteht das Wesen dieser Verordnung in der Macht des Priestertums, durch die Offenbarung von Jesus Christus, wodurch euch zugestanden ist, daß, was auch immer ihr auf Erden bindet, im Himmel gebunden sein wird, und was auch immer ihr auf Erden löst, im Himmel gelöst sein wird. Oder mit anderen Worten, wenn man die Übersetzung von einer anderen Seite betrachtet:

Was auch immer ihr auf Erden aufzeichnet, wird im Himmel aufgezeichnet sein, und was auch immer ihr auf Erden nicht aufzeichnet, wird im Himmel nicht aufgezeichnet sein; denn aus den Büchern werden eure Toten gerichtet werden, gemäß ihren eigenen Werken, sei es, daß sie die Verordnungen selbst, in propria persona, vollzogen haben oder mit Hilfe ihrer eigenen Beauftragten – gemäß der Verordnung, die Gott schon von vor der Grundlegung der Welt an zu ihrer Errettung bereitet hat, gemäß den Aufzeichnungen, die sie in bezug auf ihre Toten geführt haben.

Einigen mag es als eine sehr kühne Lehre erscheinen, die wir sprechen – eine Macht, die auf Erden aufzeichnet oder bindet und im Himmel bindet – Dennoch ist diese Macht in allen Zeitaltern der Welt gegeben worden, wann immer der Herr einem Mann durch tatsächliche Offenbarung oder einer Gruppe von Männern eine Ausschüttung des Priestertums gegeben hat – Daher, was auch immer jene Männer mit Vollmacht, im Namen des Herrn, taten, und es voll Wahrhaftigkeit und Treue taten und darüber einen ordnungsgemäßen und getreuen Bericht führten, das wurde zu einem Gesetz auf Erden und im Himmel und konnte nach dem Ratschluß des großen Jehova nicht für ungültig erklärt werden – Dies ist ein wahrhaftiges Wort! Wer kann es hören?“

„Und weiter, zum Vorbild, Matthäus 16, 18, 19: ‚Und nun sage auch ich dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche errichten, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was du auf der Erde bindest, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde löst, das soll auch im Himmel gelöst sein!‘“

Sind das nicht höchst herrliche Worte, meine Brüder und Schwestern? Schon in jenen frühen Tagen der Kirche war der Prophet Joseph Smith sehr stark mit den Tempeln des Herrn beschäftigt, so sehr, daß das Wort des Herrn zu ihm kam und durch ihn zum Volk, sie dürften die Arbeit an Seinem Tempel und all die Werke, die Er bestimmt hatte, nicht aufhören – Besonderer Nachdruck wurde auf dieses Thema des Tempels gelegt – Der Geist der Tempelarbeit hat seit jenem Tag bis heute auf den Heiligen der Letzten Tage geruht, und ich zweifle nicht, daß er mit großer

Macht von jetzt an bis zum Morgen der Auferstehung und vom Morgen der Auferstehung an bis zum Ablauf der tausend Jahre des Millenniums auf ihnen ruhen wird – Dieser Geist wird bei diesem Volk stärker und heller werden – War er nicht auf Präsident Young und den Pionieren? Beinahe die ersten Worte, die er über dieses Land sprach, wurden

auf diesem Block gesprochen, als er, mit seinem Stock auf den Boden schlagend, sagte: „Hier werden wir einen Tempel Gottes bauen“ – Wie herrlich hat sich jene Vorhersage erfüllt! Jener Tempel ist errichtet worden, obwohl er nicht lebte, seine Vollendung zu sehen – ein Denkmal für den Glauben, die Entschlossenheit und die guten Werke der Heiligen der Letzten Tage – Nicht nur steht ein Tempel auf diesem Block, sondern es gibt auch einen in St. George, einen in Manti und einen in Logan – Und sollen wir aufhören, Tempel zu bauen? Nein; weitere Tempel werden gebaut werden – Es gibt dafür einen Grund

Fremde kommen in unsere Mitte und betrachten den Tempel – In vielen Fällen sagen sie, es sei ein großartiges Gebäude, eine große Leistung, in den frühen Tagen der Besiedlung dieses Landes begonnen und mit so gewaltigem Aufwand fortgeführt worden zu sein, bis er schließlich vollendet war – Es war gewiß eine große Leistung – Aber, meine Brüder und Schwestern, der Wert jenes Gebäudes liegt nicht in seinem äußeren Aussehen, nicht in den Kosten, die hineingesteckt wurden, nicht in der Schönheit seiner Architektur, noch in der Kostbarkeit seiner Ausstattung – Der Wert jenes Tempels liegt in den heiligen Handlungen, die darin für die Lebenden und die Toten vollzogen werden

Die Schlüssel dieser großen Macht des Bindens und Siegelns, auf die der Prophet Joseph Smith hingewiesen hat, sind bei uns – Jene Macht bricht die Schranken des Grabes nieder – Durch sie werden sowohl die Lebenden als auch die Toten dazu gebracht, vor dem Herrn zu stehen, als gäbe es so etwas wie sterbliche Zeit nicht – Überdies werden die Toten den Lebenden gleichgestellt – Herrlicher Gedanke! Sehen wir nicht, daß Gott kein Ansehen der Person kennt? Der Mensch, der auf Erden zu einer Zeit lebte, da das Licht des Evangeliums erloschen war, und der daher in Unkenntnis des Evangeliums lebte, wird nicht endlosem Elend überantwortet werden, weil er eine Gelegenheit nicht ergriff, die ihm nie zuteil wurde, sondern die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes werden sich jenem Menschen zuwenden, und er wird im anderen Leben die Gelegenheit haben – Darin liegt die Tugend und Kraft der Macht des Bindens und Siegelns – Sie reicht in die Geisterwelt hinein, zu jeder Seele, wie gering oder unbekannt jene Seele auch auf Erden gewesen sein mag – Das Licht des Evangeliums wird über

ihn hereinbrechen, und es wird im anderen Leben eine Zeit zur Umkehr und Besserung geben – Dann werden die Völker der Erde in die Tempel Gottes gehen und eine stellvertretende Arbeit für jene hinter dem Schleier tun, wie der Erretter der Welt eine stellvertretende Arbeit für uns alle getan hat – Wir werden von den Früchten Seines großen Werkes in unserer Errettung kosten; so werden auch die Toten die guten Früchte unserer Arbeit an ihrer Statt in den Tempeln Gottes empfangen

Ist es nicht Zeit, Brüder und Schwestern, daß unsere Gedanken zurückgehen und sich für das Schicksal und den Zustand unserer Vorfahren interessieren? Sollen wir uns nicht für jede Seele interessieren, die dahingeschieden ist? Muß nicht die Kette vollständig gemacht werden, und die Toten mit den Lebenden verbunden werden, und die Lebenden mit den Toten? Andernfalls werden wir als Kirche verworfen werden; denn der Apostel hat uns gesagt, daß wir ohne sie nicht vollkommen gemacht werden können, noch sie ohne uns

Einige Gedanken sind mir zu diesem großen und herrlichen Thema gekommen, und diese Gedanken beziehen sich auf die missionarische Arbeit dieser Kirche – Wir rufen viele fähige junge Männer auf, hinauszugehen und den Völkern der Erde das Evangelium der Errettung zu verkünden – Diese herrliche Pflicht und Vorrecht ruht heute auf den jungen Männern Israels – Aber es gibt viele, die nicht in der Lage sind, einen solchen Ruf anzunehmen – Viele sind so sehr in die Angelegenheiten des Lebens vertieft, daß sie vielleicht nicht entbehrt werden können, um diese große Verantwortung auf sich zu nehmen – Dann gibt es solche, die so weit in den Jahren fortgeschritten sind, daß es nicht weise für sie wäre, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden – Muß von ihnen gesagt werden, daß ihnen wegen der Gebrechen des Alters und der beanspruchenden Sorgen des Lebens das Vorrecht verweigert wird, Erretter auf dem Berg Zion zu werden? Nein, das soll nicht gesagt werden – Es gibt eine Gelegenheit für sie – Wenn sie nicht in die Welt hinausgehen können, um Seelen für Christus zu gewinnen, so laßt sie in die Tempel Gottes gehen und einen Teil ihrer Zeit für die Errettung der Toten arbeiten – Ich glaube, daß die Seele eines Verstorbenen in den Augen Gottes ebenso kostbar ist wie die Seele eines Lebenden – Braucht der Vater seiner Familie zu sagen: „Es gibt jetzt viel Gelegenheit für mich, Gutes zu tun; meine Tage der Nützlichkeit sind vorüber“? Nein; eure Tage der Nützlichkeit sind noch mit euch; eure Gelegenheiten sind noch vorhanden; geht hinaus und verrichtet diese große Arbeit

Aber viele in der Kirche werden sagen, ihre Beschäftigung oder ihre geschäftlichen Verbindungen seien so beschaffen, daß sie keine Zeit für die Tempelarbeit erübrigen könnten – Was soll in solchen Fällen getan werden? Männer verbringen ihre ganze Zeit nicht allein damit, sich und ihren Familien die Annehmlichkeiten des Lebens zu verschaffen, sondern auch damit, Mittel anzuhäufen und ein Vermögen aufzubauen – Dies geschieht durch Hunderte von Heiligen der Letzten Tage; denn Gott segnet und vermehrt Seine Güte über dem Volk, und die Fenster des Himmels sind uns geöffnet worden, so daß viele reich an den Gütern dieser Welt werden – Ist es nicht so? Wenn ihr es nicht glaubt, so geht zu einigen der Pfahlkonferenzen und seht die kostspieligen Fuhrwerke, die überall um das Versammlungshaus angebunden sind – Gehen die Leute noch zu Fuß zur Versammlung? Nicht, es sei denn, sie wohnen etwa einen halben Häuserblock entfernt – Wenn sie eine Meile oder anderthalb Meilen entfernt wohnen, denken sie nie daran, zu Fuß zu gehen – Und sie brauchen auch nicht zu Fuß zu gehen, denn Gott hat sie mit Pferden und Wagen gesegnet, mittels derer sie bequem zur Versammlung fahren können – Sie werden in all ihren Angelegenheiten gesegnet und außerordentlich vermehrt, bis es dahin gekommen ist, daß manche unserer Brüder in der Kirche kaum wissen, was sie mit ihren Mitteln anfangen sollen

Die Frage für sie ist: Wo sollen wir unsere Reichtümer anlegen? Geld in die Zuckerfabrik stecken? Ja, unbedingt, denn es ist eine gute Anlage; sie zahlt eine gute Dividende – Sie zahlte keine gute Dividende, als die Präsidentschaft dieser Kirche das Volk drängte, sich an dieser Industrie zu beteiligen und ihre Mittel zu ihrer Errichtung beizutragen – Damals konnten sie es nicht sehen; aber jetzt können sie es sehen, und Zuckeraktien sind gegenwärtig kaum zu erwerben, so begehrt sind sie – Wie auch immer, wie ich sagte, die Leute wissen kaum, wo sie ihre Ersparnisse anlegen sollen

Nun möchte ich den bemittelten Männern unter den Heiligen der Letzten Tage von einer guten Anlage erzählen; wo sie einen Teil ihrer Mittel anlegen können, um ihnen

hundert Prozent einzubringen – Zeigt mir eine Anlage in diesem Land heute, die zwölf Prozent, oder vielleicht fünfzehn Prozent, einbringt, und ich werde euch ein höchst prächtiges Unternehmen aufzeigen – Aber diese Anlage, auf die ich anspiele, wird hundert Prozent einbringen und nie versagen – Was ist es? Sammelt euch Schätze im Himmel – Legt bei dem Herrn an – Steckt etwas von euren Mitteln in Seinen Tempel

Wenn ihr so vielbeschäftigt seid mit der Wahrung eurer materiellen Interessen, die so gewaltig und vielfältig sind, daß sie eure ganze Zeit beanspruchen, so sendet euren Sohn zum Tempel und unterhaltet ihn, während er dort für euch arbeitet – Wenn ihr keinen Sohn habt, so habt ihr vielleicht einen guten Nachbarn, einen Mann Gottes, der keine eigenen Mittel und keine Beschäftigung hat; sendet ihn zum Tempel und sorgt gut für ihn, während er dort ist; kümmert euch um seine leiblichen Bedürfnisse, und laßt ihn für eure Toten arbeiten und eure Vorfahren erretten

Vielleicht werdet ihr mir sagen, ihr habt kein Verzeichnis eurer Vorfahren; ihr habt nicht einmal einen einzigen Namen – Ich nehme an, das ist keine Entschuldigung – Wenn ihr keine Arbeit für eure eigenen Toten tun könnt, so tut eine Arbeit für die Toten eures Nächsten – Helft jenem armen Mann von gegenüber, der vielleicht Hunderte und Tausende von Namen hat, aber keine Mittel und keine Möglichkeit, sie vollziehen zu lassen, und wahrlich, ihr werdet keineswegs eures Lohnes verlustig gehen – Wenn ein Ältester in die Welt gesandt wird, das Evangelium zu predigen, so geht er, wenn die Umstände günstig sind, zuerst zu seinen Verwandten und Bekannten, und dann predigt er der Welt das Evangelium – So müssen auch wir daheim arbeiten – Wenn wir keine Auskunft über unsere eigenen Toten erhalten können, so laßt uns einen Teil unserer Mittel, wenn wir welche haben, für die Errettung der Toten anderer aufwenden – Darin werden wir den Geist wahrer Nächstenliebe offenbaren

Wie es gegenwärtig steht, finden wir, daß in manchen Fällen Brüder Vermögen für ihre Kinder aufbauen, damit sie sich darüber streiten und es verschwenden, wenn sie fort sind – Wir wissen aus Erfahrung, daß wir diese Dinge nicht mit uns aus diesem Leben nehmen können, und das Ergebnis ist – alles, was wir an den Gütern dieser Welt anhäufen, bleibt zurück, und gewöhnlich entsteht unter den Kindern Streit über solche Dinge

Ich werde an ein Ereignis erinnert, das sich tatsächlich zugetragen haben soll – Einer unserer reichen Brüder starb, und nach einer Weile kehrte sein Geist zur Erde zurück – Er besuchte einen Freund, und dies sind die Worte, die er zu jenem Freund sprach: „Was für ein Narr bin ich gewesen – Ich verbrachte Tage und Wochen, Monate und Jahre auf der Erde damit, Mittel anzuhäufen, und ich war überaus erfolgreich – Ich baute ein großes Vermögen auf, und dann wurde ich abberufen – Ich ging in die Geisterwelt ein und überließ alles meinen Kindern, sich darüber zu streiten – Was für ein Narr bin ich gewesen“

Liegt in seinen Worten nicht ein Lehrsatz? Es hätte jenem Mann, während er mit seinem Freund sprach, einfallen können, daß er eine Bildungsanstalt hätte gründen oder ein Krankenhaus hätte stiften können, oder, besser noch, er hätte einen Tempelfonds errichten können; das heißt, er hätte für jedes seiner Kinder reichlich sorgen können, und mit dem Rest, oder einem beträchtlichen Teil davon, einen Tempelfonds errichten können, der für die Errettung der Toten verwendet werden sollte; und wäre der Fonds groß genug gewesen, hätte allein die Zinsen, und nicht das Kapital, dazu verwendet werden können, seine Toten und die Toten anderer zu erretten – Vielleicht kam ihm der Gedanke, daß, hätte er dies getan, während sein Leib im Grab ruhte und sein Geist im Geisterland weilte, die Mittel, die Gott ihm auf Erden gegeben hatte, ein großes und herrliches Werk verrichten und sein Andenken auf Erden fortdauern lassen würden – Dies ist eine Weise, wie wir unser Andenken fortdauern lassen können

Es scheint mir, dies sei ein höchst herrliches Thema zum Nachdenken – Und nicht nur die Brüder sollen Erretter auf dem Berg Zion sein, sondern auch die Schwestern sollen an diesem herrlichen Werk teilhaben; denn sie können zum Tempel gehen und mithelfen, für die Toten zu amtieren – Den Schwestern ebenso wie den Brüdern soll für ihren Anteil an diesem großen Werk Anerkennung in den Büchern zuteil werden – Brüder und Schwestern, hier stehen die Tempel vor uns – Nun laßt mich die Frage stellen: Wer soll würdig sein, hineinzugehen und das Werk zu tun, auf das ich hingewiesen habe? Ihr wißt etwas von der Macht und Heiligkeit des Werkes; ihr wißt etwas von dieser bindenden und siegelnden Macht; ihr wißt

von der großen Verantwortung, jene Macht auszuüben – Ich frage euch: Wer soll würdig sein, in diese Tempel zu gehen? Uns ist von unserem Propheten und Präsidenten gesagt worden, daß der Mann, der seinen Zehnten in dieser Kirche nicht bezahlt, keinen Zutritt zu ihnen haben soll – Nicht, daß er durch diesen Ausspruch des Präsidenten gezwungen oder eingeschüchtert werden soll; sondern einfach, weil er unwürdig ist, in den Tempel zu gehen – Wenn er dieses große Gebot Gottes verletzt – das Gesetz des Zehnten –, dann ist er nicht würdig, die Segnungen des Hauses des Herrn zu empfangen und daran teilzuhaben – Es ist ein einfacher Grundsatz – Der Bischof soll ihn nicht empfehlen; der Pfahlpräsident soll ihn nicht empfehlen – Sie können es nicht tun – Es wäre nicht wohlgefällig in den Augen Gottes – Und diejenigen, die die anderen Gebote verletzen – und es gibt viele, die die Vollmacht des Priestertums mißachten, die die Ratschläge der Diener Gottes geringschätzen und die deren Lehren nicht Gehör schenken wollen – sind nicht würdig, in das Haus des Herrn zu gehen und für die Lebenden und die Toten zu amtieren – Und das zeigt eine sehr enge Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten, zwischen dieser Welt und der anderen Welt; denn man kann kaum die Arbeit für die Toten erwähnen, ohne etwas über die Lebenden zu sagen; und man kann kaum von den Lebenden sprechen, ohne etwas über die Toten zu sagen

Ich glaube, daß Gott zu uns spricht, als befänden wir uns in der Ewigkeit, und daß, wann immer Er dieser Kirche ein Gebot oder ein Gesetz gibt, dies geschieht, als gäbe es so etwas wie den Tod oder einen Schleier, der uns von Seiner Gegenwart trennt, nicht – Seine Gesetze sind ihrem Wesen nach beständig und ewig; sie sind bindend für diese Welt und für die kommende Welt; sie sind bindend für die Lebenden und bindend für die Toten

Wie ich gesagt habe, ist dies ein herrliches Thema zum Nachdenken, das in einer Predigt von einem Monat Länge nicht erschöpft werden könnte – Gott segne euch – Amen

Diese Ansprache zitierenRudger Clawson, „Stellvertretende Arbeit für die Toten“, Generalkonferenz Oktober 1900, Erster Tag, Vormittagsversammlung (1900-10-05). Pulpit Vault, 1900-10-clawson-vicarious-work-for-dead. Übersetzung dieser Edition, nach Glossarmethode, archive.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).