Pulpit

Das Gesetz des Zehnten

Joseph F. Smith

Generalkonferenz Oktober 1897·Zweiter Tag, Vormittagsversammlung·1897-10-05

Ich kann nicht sagen, daß ich mich heute morgen in ausgezeichneter Verfassung fühle, die Konferenz anzusprechen, aber es wird gewünscht, daß ich euch ein paar Worte sage, oder ein paar Worte vorlese, wie der Geist es leiten mag – Bevor ich jedoch in meine Bemerkungen eintrete, sollte ich vielleicht eine Entschuldigung vorbringen, denn es ist meinen Gefühlen wirklich nicht angenehm, im geringsten von der Richtung der Bemerkungen abzuweichen, die wir während des heutigen Morgengottesdienstes und den ganzen gestrigen Tag hindurch empfangen haben; denn die Brüder sind zu geistigen Angelegenheiten geleitet worden, und sie haben durch den Geist zu uns gesprochen und uns viele sehr wichtige Wahrheiten, Anregungen und Ermahnungen gegeben, und ich würde mich freuen, für die kurze Zeit, die ich in Anspruch nehmen darf, in dem Tenor jener Bemerkungen fortzufahren, aber wenn ich es nicht tue, so wird es sein, weil ich das Gefühl habe, daß eine Pflicht auf mir ruht, die ich mit dem Segen des Herrn zu erfüllen versuchen werde

Ich möchte die Versammlung daran erinnern, daß wir uns dem Ende der fruchtbaren Jahreszeit nähern, und während viele Menschen vielleicht nicht so reiche Ernten eingebracht haben, wie sie es gewünscht hätten, und wie sie es in vergangenen Jahren getan haben mögen, sind wir doch, wenn wir unser Land und unsere Täler im ganzen betrachten, dazu geführt zu glauben, daß die Ernten reichlich gewesen sind, und daß der Herr in diesem Jahr die Erde gesegnet und dem Landmann für seine Arbeit ausgezeichnete Früchte gegeben hat; und es ist wünschenswert, daß wir eine kurze Weile über diese Sache nachdenken – In Verbindung mit diesem Gedanken werde ich mir die Freiheit nehmen, euch ein paar der geschriebenen Worte des Evangeliums über zeitliche Angelegenheiten vorzulesen, die, wie ich denke, auf uns in unserem gegenwärtigen Zustand und zu dieser Zeit zutreffen

Als Antwort auf die Frage: „O Herr, zeige Deinen Dienern, wieviel Du von den Besitztümern des Volkes als Zehnt verlangst?“, antwortete der Herr:

„Wahrlich, so spricht der Herr: Ich verlange, dass all ihr überschüssiges Eigentum dem Bischof meiner Kirche in Zion in die Hände gelegt werde – für den Bau meines Hauses und um die Grundlage zu legen für Zion und für das Priestertum und für die Schulden der Präsidentschaft meiner Kirche. Und das soll der Anfang des Zehntens meines Volkes sein. Und danach sollen diejenigen, die so gezehntet worden sind, jährlich ein Zehntel all ihres Ertrags bezahlen; und das soll für sie, für mein heiliges Priestertum, ein feststehendes Gesetz sein immerdar, spricht der Herr. Wahrlich, ich sage euch: Es wird sich begeben: Alle, die sich im Land Zion sammeln, sollen sich um ihr überschüssiges Eigentum zehnten lassen und sollen dieses Gesetz befolgen, sonst werden sie nicht für würdig befunden werden, bei euch zu bleiben. Und ich sage euch: Wenn mein Volk dieses Gesetz nicht befolgt, dass es es heilighält, und mir nicht das Land Zion durch dieses Gesetz heiligt, auf dass dort meine Satzungen und meine Richtersprüche gehalten werden, damit es höchst heilig sei, siehe, wahrlich, ich sage euch: Dann wird es für euch kein Land Zion sein. Und dies soll für alle Zionspfähle ein Beispiel sein. So ist es. Amen. (Lehre und Bündnisse, Abschnitt 119.)“

Wiederum heißt es:

„Siehe, jetzt, bis des Menschen Sohn kommt, sagt man ‚heute‘; und wahrlich, es ist ein Tag des Opferns und ein Tag, dass mein Volk gezehntet werde; denn wer gezehntet ist, wird bei seinem Kommen nicht verbrannt werden. Denn nach dem ‚Heute‘ kommt das Brennen – dies ist nach der Weise des Herrn geredet –, denn wahrlich, ich sage: Morgen werden alle Stolzen und jene, die Schlechtes tun, wie Stoppeln sein; und ich werde sie verbrennen, denn ich bin der Herr der Heerscharen; und ich werde keinen schonen, der in Babylon verbleibt. (Lehre und Bündnisse, Abschnitt 64, Verse 23, 24.)“

Ich lese die folgenden Worte nicht, weil ich denke, sie treffen völlig auf die Heiligen der Letzten Tage zu, noch weil ich auch nur einen Augenblick annehme, es gebe nicht einen großen Teil der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die niemals in ihrem Herzen auch nur daran gedacht haben, Gott zu berauben – Aber es gibt solche unter uns, die, obwohl sie vielleicht nicht ernstlich gedacht haben, sie seien schuldig, Gott zu berauben, sich sorglos und durch ihre Nachlässigkeit in eine Lage versetzen, in der sich die Kinder Israel in alter Zeit befanden, als der Prophet diese Worte gegen sie sprach, und ich schlage vor, sie so vorzulesen, wie sie sind, und sie auf wen auch immer sie zutreffen mögen anzuwenden, und wer nicht schuldig ist, wird sich selbstverständlich in seinem Gewissen dem Herrn gegenüber rein fühlen

„Da will ich mich bei euch einstellen zum Gericht und werde unverzüglich als Zeuge auftreten gegen die Zauberer und gegen die Ehebrecher, gegen die Meineidigen und gegen alle, die den Tagelöhnern ihren Lohn vorenthalten, Witwen und Waisen bedrücken und das Recht der Fremdlinge beugen, ohne mich zu fürchten! — so spricht der HErr der Heerscharen. Denn ich, der HErr, habe mich nicht geändert, und ihr habt nicht aufgehört, Jakobssöhne zu sein. Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Geboten abgewichen und habt sie nicht gehalten. Kehret um zu mir, so will ich mich wieder zu euch kehren! — so spricht der HErr der Heerscharen. Da fragt ihr: ‚Inwiefern sollen wir umkehren?‘ Darf wohl ein Mensch die Gottheit betrügen, daß ihr mich betrügt und noch fragt: ‚Inwiefern haben wir dich betrogen?‘ Nun, mit dem Zehnten und mit dem Hebeopfer. Mit dem Fluch seid ihr belastet, und doch betrügt ihr mich! Ein Betrüger ist das ganze Volk. Bringet den Zehnten unverkürzt in das Vorratshaus, damit Zehrung in meinem Hause vorhanden sei, und stellet mich doch auf diese Weise einmal auf die Probe — so spricht der HErr der Heerscharen —, ob ich euch dann nicht die Fenster des Himmels auftue und Segen in überreicher Fülle über euch ausschütte! Da will ich dann euch zugute den Freßheuschrecken Einhalt tun, daß sie euch den Ertrag des Feldes nicht mehr verwüsten, und der Weinstock soll euch auf der Flur nicht mehr fruchtlos bleiben! — so spricht der HErr der Heerscharen. Da werden denn alle Heidenvölker euch glücklich preisen, weil ihr ein Land des Wohlgefallens sein werdet — so spricht der HErr der Heerscharen. Trotzige Reden habt ihr gegen mich geführt, spricht der HErr, und da fragt ihr noch: ‚Was haben wir denn untereinander gegen dich geredet?‘ Nun, ihr sagt: ‚Es bringt keinen Vorteil, Gott zu dienen, und welchen Gewinn haben wir davon gehabt, daß wir seine Gebote gehalten haben und in Trauerkleidern vor dem HErrn der Heerscharen einhergegangen sind? Darum preisen wir jetzt die Übermütigen glücklich: nicht nur ist es ihnen gut ergangen, als sie gesetzlos handelten, sondern sie sind auch straflos davongekommen, als sie Gott versuchten.‘ Als sich dann aber auch die Gottesfürchtigen miteinander besprachen, merkte der HErr auf und hörte ihnen zu; und es wurde ein Gedenkbuch vor ihm geschrieben für die, welche den HErrn fürchten und vor seinem Namen Hochachtung haben. Sie sollen mir — so hat der HErr der Heerscharen gesprochen — an dem Tage, wo ich es vollführe, ein Sondereigentum sein, und ich will schonend mit ihnen verfahren, wie ein Mann schonend mit seinem Sohne verfährt, der ihm dient. Da werdet ihr dann wieder den Unterschied wahrnehmen zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient. (Maleachi 3.)“

Nun möchte ich noch eine kleine Schriftstelle vorlesen – Sie ist zwar alt, hat aber eine Anwendung; und wenn ich sie vorlese, werdet ihr, die ihr sie hört, imstande sein, die Anwendung möglicherweise so zu machen, wie es euch selbst oder euren Nachbarn paßt – Laßt uns vielmehr die Anwendung auf uns selbst machen, jeder von uns, und laßt jeden unserer Nachbarn dasselbe tun

„Sobald nun dieser Befehl bekannt wurde, brachten die Israeliten reichlich die Erstlinge vom Getreide, Most, Öl und Honig, sowie von allen übrigen Erzeugnissen des Feldes dar und lieferten den Zehnten von allem in Menge ab; und die Israeliten und Judäer, die in den Ortschaften Judas wohnten, brachten ebenfalls den Zehnten vom Groß- und Kleinvieh, sowie den Zehnten von den Weihegaben, die dem HErrn, ihrem Gott, geweiht waren, und legten sie Haufen bei Haufen hin. Im dritten Monat begannen sie die Haufen aufzuschichten, und im siebten Monat waren sie damit fertig. Als dann Hiskia und die Fürsten kamen und die Haufen besichtigten, priesen sie den HErrn und sein Volk Israel; und als Hiskia sich nun bei den Priestern und den Leviten in betreff der Haufen erkundigte, antwortete ihm Asarja, der Oberpriester aus dem Hause Zadok: ‚Seitdem man angefangen hat, die Abgaben zum Tempel des HErrn zu bringen, haben wir gegessen und sind satt geworden und haben noch viel übrig behalten; denn der HErr hat sein Volk gesegnet; daher ist dieser große Vorrat da übriggeblieben.‘ Da befahl Hiskia, Zellen im Hause des HErrn herzurichten; und sie richteten sie her. (2. Chronik 31, 5-11.)“

Zweifellos könnte noch viel mehr aus den Schriften über diesen Grundsatz des Zehnten gelesen werden, den Gott uns in dieser Ausschüttung offenbart hat, und den Er von unseren Händen verlangt, damit wir durch Gehorsam gegen Sein Gesetz dieses Land heiligen können, damit es uns wahrhaftig zu einem Land Zions werde; und die Verheißung lautet, daß, wenn wir den Gesetzen Gottes gehorchen, wenn wir unser Vertrauen auf Ihn setzen, wenn wir uns Ihm nahen, Er sich uns nahen und uns mit Seiner Gunst und Seinem Segen belohnen wird – Er wird den Verzehrer schelten, und Er wird bewirken, daß die Erde fruchtbar sei, daß sie dem Landmann, dem Bebauer des Bodens, in ihrer Kraft ertrage, und dem Hirten der Herden wird Er sein Vieh vermehren und ihn zur Rechten und zur Linken gedeihen lassen, und er wird Überfluß haben, weil er sein Vertrauen auf Gott setzt; er naht sich Ihm, und er ist bereit, Ihn zu prüfen, um zu sehen, ob Er nicht die Fenster des Himmels öffnet und Segnungen über ihn ausgießt, so daß er nicht Raum genug haben wird, sie zu fassen – Laßt jeden Mann, der das Evangelium Jesu Christi empfangen hat, diesen Ausspruch annehmen und auf diese Worte hören, für alles, was sie wert sind – Manche Menschen mögen sie gering achten, und jene, die dies tun, werden ohne Zweifel es versäumen, sich zu nahen, sie werden es versäumen, den Herrn zu prüfen, sie werden die Gebote nicht erfüllen, die Er gegeben hat, und sie werden niemals wissen, daß Gott die Wahrheit sagt und daß Er imstande ist, Sein Wort und Seine Verheißung Seinem Volk zu erfüllen, wenn es bereit ist, zu gehorchen und Sein Gesetz zu halten – Während jene, die diese Verheißungen schätzen, die diese Gesetze halten, die in alter Zeit gegeben und in der Ausschüttung der Fülle der Zeiten wieder erneuert wurden, zum Segen des Volkes, zum Aufbau Zions, zur Speisung der Witwe und der Waise, zur Verbreitung des Evangeliums Christi unter den Nationen der Erde und zur Sammlung des Volkes aus den vier Ecken der Erde, jene, die auf diese Worte hören, sie als Wahrheit schätzen und sie in ihrer Praxis durch ihr ganzes Leben anwenden, werden erkennen, daß Gott ein Belohner derer ist, die Ihm eifrig dienen, und daß Er imstande ist, Seine Verheißungen an sie zu erfüllen

Vor kurzer Zeit traf ich einen Bruder – Ich brauche seinen Namen nicht zu nennen, denn er ist nur einer unter Tausenden, die dasselbe Zeugnis geben können, das er gab, und er gibt jenes Zeugnis nicht nur mit dem Munde, sondern durch die Beweise von Fleiß, von Wohlstand, von Fortschritt und von Verbesserung, die ihn inmitten der Wüsten umgeben; in dieser Jahreszeit hat er reiche Ernten eingebracht, seine Felder haben in Fülle hervorgebracht, während die Felder vieler seiner Nachbarn von Unkraut überwuchert sind und ihre Ernten nur halb oder ein Drittel dessen betragen haben, was seine gewesen sind – Wie erklärt ihr euch das? Ich erkläre es mir mit der Tatsache, daß Gott ihn gesegnet hat, und so tut er es auch, denn er ist ein verständiger Mann, ein Mann, der nicht nur weise und umsichtig arbeitet, sondern in der Furcht Gottes und mit dem Verlangen seines Herzens, Seine Gesetze zu halten – Er sagte zu mir und meinem Gefährten, mit dem wir reisten: „Gott hat mich gesegnet, weil ich mich bemüht habe, Seine Gesetze zu halten, und weil ich meiner Familie treu gewesen bin.“ Er ging vor sieben oder acht Jahren dorthin in die Wüste, verarmt durch Verfolgung und Verbannung, aus seinem Heim und seinen Angelegenheiten vertrieben, gezwungen, jahrelang im Exil zu wandern, zum Teil das Evangelium predigend – Vor sieben oder acht Jahren kehrte er zurück und ließ sich in der Wüste nieder – Heute hat er aus der Erde, aus dem brennenden Sand, schöne Heimstätten hervorgebracht, er hat fruchtbare Felder, die den Augen eines jeden, der hingehen und sie betrachten will, ausgebreitet vor Augen liegen – Er bezahlt seinen Zehnten, er denkt an seine Opfergaben, er ist den Gesetzen Gottes gehorsam, und er scheut sich nicht, seinen Freunden und Nachbarn zu bezeugen, daß es durch seinen Gehorsam ist, daß Gott ihn gesegnet und ihm Wohlstand gegeben hat und ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist – Er ist nicht der einzige, es gibt andere, denen es in ähnlicher Weise wohlergeht – Und ich bezeuge, es ist, weil Gott ihn gesegnet hat, und seinen Boden, und seine Arbeit, und ihm den Zuwachs gegeben hat, indem Er ihm die Segnungen sicherte, nach denen er trachtete und für die er arbeitete – Er hat in gutem Glauben mit dem Herrn gehandelt, der Herr hat sein Herz gekannt und ihn dementsprechend gesegnet, und er ist heute wohlhabend in jener Wüste, während bei vielen seiner Nachbarn – geht selbst hin und seht euch ihre weiten Landstriche an – Sie erzählen ihre eigene Geschichte – Seine Ländereien sind frei von schädlichem Unkraut, weil er gearbeitet und sich um seine Ländereien gekümmert hat, und dies durch seinen Fleiß und seine verständige Anwendung von Arbeit, was zeigt, daß Gott ihn inspiriert und seinen Sinn erleuchtet hat – Der Herr hat ihn in seinem Korb und in seinem Speicher gesegnet, in seiner Arbeit und in den Gedanken seines Sinnes, er ist inspiriert und befähigt worden, das Werk zu vollbringen, das er getan hat; ich bezeuge, daß es wegen des Glaubens des Menschen an die Verheißungen des Herrn und seines Verlangens, Seine Gesetze zu halten, ist, daß er von Ihm gesegnet und zum Wohlstand gebracht wird

Ich bin gesegnet worden – Mir ist Wohlstand zuteil geworden – Ich hätte treuer sein können, und mir hätte größerer Segen zuteil werden können – Aber der Herr hat mich so gesegnet, daß es mir an nichts gefehlt hat, was für mein Wohlergehen notwendig war – Ich habe keinen Luxus gehabt, noch „im Reichtum geschwelgt“, aber Gott hat mich und alle die Meinen genährt und gekleidet, und Er hat uns Gesundheit und Körperkraft gegeben – Und doch hätten wir zweifellos unsere Pflicht besser tun können und größere Segnungen verdient – Ich bemühe mich, meinen Zehnten zu bezahlen – Nun, es hat keinen Nutzen, dies zu sagen, wenn es nicht wahr ist, denn die Beweise stehen in den Büchern – Wenn ich sage, ich bezahle meinen Zehnten, wenn ich es nicht tue, würde Bruder Heber J. Grant oder einige der Brüder, die sich um diese Dinge kümmern, Männer der Zahlen, zu den Büchern gehen, und sie würden sagen: „Ihr sagtet, ihr zahlt euren Zehnten, aber ihr tut es nicht – Wir wissen ungefähr, wie hoch euer Einkommen ist, und hier ist, was die Bücher sagen.“ So wäre ich sogleich verurteilt, wenn ich euch sagte, ich hätte meinen Zehnten bezahlt, während ich meinen Zehnten nicht bezahlt hätte, denn nicht nur der Herr würde wissen, daß ich es nicht getan hätte, sondern auch meine Brüder würden wissen, daß ich es nicht getan hätte, denn die Bücher zeigen genau, was ich bezahlt habe – Ungeachtet dessen ist die Tatsache diese: ich glaube, was ich predige, und ich predige nicht, was ich nicht glaube – Ich bin nicht zu diesem Zweck hier – Ich bin nicht zu dieser Sendung oder zu diesem Geschäft berufen worden – Ich predige, was ich glaube und was ich als wahr weiß; und ich weiß, daß, wenn Menschen den Gesetzen Gottes gehorchen, Gott sie ehren und segnen wird – Ich habe es mein ganzes Leben lang bewiesen – Ich sah es kundgetan in Umständen, die sich in meiner Kindheit ereigneten, und ich weiß, daß Gott die Witwe und den Waisen gesegnet hat, wenn sie Seinen Gesetzen gehorsam gewesen sind und Seine Gebote gehalten haben

Ich kann euch die Geschichte einer Witwe erzählen, mit einer großen Familie, die, wenn möglich, noch genauer darauf bedacht war, dem Herrn zu bezahlen, was Ihm gehörte, als ihren Nachbarn zu bezahlen, denen sie verschuldet sein mochte, und sie war ihren Nachbarn niemals etwas schuldig, Gott sei Dank, für alles, was sie nicht bis auf den letzten Cent bezahlte, denn der Herr segnete sie mit Überfluß, und in ihren späteren Jahren brauchte sie sich weder von ihren Nachbarn etwas zu leihen, noch mußte sie die Kirche um Unterstützung bitten, sondern sie bezahlte Tausende von Dollar an Erzeugnissen und Geld in das Vorratshaus des Herrn, obgleich sie eine Witwe mit einer großen zu ernährenden Familie war – Ich weiß dies – Ich kann dies bezeugen, und daß der allmächtige Herr sie segnete, nicht nur in den Erzeugnissen ihrer Felder, sondern in ihren Herden und Viehbeständen – Sie wurden nicht verschlungen – Sie wurden nicht vernichtet – Sie legten sich nicht nieder und starben – Sie vermehrten sich – Sie liefen nicht davon; und Diebe stahlen sie nicht – Ein Grund dafür war, sie hatte einen kleinen Jungen, der sie unter ihrer Anleitung und Anweisung sehr sorgfältig bewachte – Ihr Auge war auf alles gerichtet, sie hatte die Aufsicht über alles, sie leitete jene, die sie beschäftigte, und ihre Kinder; und ich bin Zeuge – und hier sitzt ein weiterer Zeuge [Patriarch John Smith] –, daß Gott, der Ewige Vater, sie segnete und ihr Wohlstand gab, solange sie lebte, und sie war nicht nur imstande, sich selbst und die Kinder, die ihr in Armut geblieben waren, in einer Zeit der Prüfung, und als sie in die Wildnis vertrieben wurde, zu erhalten, sondern sie war imstande, Scharen von Armen zu ernähren und zudem ihren Zehnten zu bezahlen – Wahrlich, der Herr ließ sie gedeihen, und sie war gesegnet – Ich erinnere mich an einen Fall, als dieselbe Witwe im Frühjahr mit einer Ladung Kartoffeln zum Zehntenvorratshaus in dieser Stadt kam – sie waren über den Winter aufbewahrt worden – Und einer der Angestellten des Zehntenbüros sagte zu ihr: „Witwe ____, ich sehe keinen Nutzen darin, daß Ihr Zehnten zahlen müßt; Ihr solltet keinen Zehnten zahlen – Ihr solltet behalten, was Ihr habt.“ Sie sagte zu ihm: „William, du weißt nicht, wovon du redest – Ich zahle meinen Zehnten, damit ich gesegnet werde.“ „Würdest du mich“, sagte sie, „eines Segens berauben?“ „Nein“, sagte er, „ich würde Euch Euren Zehnten behalten und Euch damit selbst segnen lassen.“ Sagte er: „Es gibt hier eine Anzahl arbeitsfähiger Leute, die gut geeignet sind zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt zu erwerben, aber sie leben vom Zehnten, und ich sehe nicht, daß eine Witwe ihren Zehnten zahlen sollte, um jene zu ernähren, die nicht dafür arbeiten.“ Dies sind ungefähr die Worte dieses Mannes, der im Zehntenbüro beschäftigt war – Aber „nein“, sagte die Witwe, „ich beabsichtige, dem Herrn zu geben, was ich schulde; ich beabsichtige, meinen Zehnten zu zahlen, und jeder Mann, der mich davon abhalten würde, würde mich eines Segens berauben.“ Wo ist jener Mann und seine Familie heute? Er fiel von der Kirche ab – Er hielt sich nicht lange in der Kirche – Er wandte sich ab und kehrte irgendwohin in den Osten zurück und nahm seine Familie mit sich – Er ist wahrscheinlich längst zu seiner Ruhe eingegangen – Und keines seiner Familienmitglieder ist in der Kirche – Ich bezeuge diese Dinge, weil ich weiß, wovon ich rede – Ich möchte euch noch ein wenig mehr erzählen: Während diese Witwe ihren Zehnten bezahlte und gesegnet wurde, gab es einen kleinen Jungen, der wirklich dachte, jener Angestellte des Zehntenbüros habe ungefähr recht – Die Söhne dieser Witwe mußten sehr hart arbeiten, und sie wußten, wie jene Kartoffeln angebaut wurden – Sie wußten, wie das Korn und das andere Getreide angebaut wurde, sie wußten, was es hieß, sich um die Schafe und die Pferde und die Kühe zu kümmern, von denen der Zehnte gegeben wurde, und alles darüber – Sie wußten, wie es gemacht wurde, denn sie hatten es zu tun – Und einer der kleinen Jungen dieser Witwe dachte, jener Angestellte habe zu mehr als zwei Dritteln recht – Nach einiger Zeit starb die Witwe, aber sie hinterließ ihren Kindern ein sehr behagliches Vermögen, das sie hier der Wüste abgerungen hatte: die Kinder waren jung, und ich gestehe euch, sie waren nicht so treu im Bezahlen ihrer Zehnten und ihrer Opfergaben, wie ihre Mutter es gewesen war; sie hatten ihre Mutter verloren, und was war das Ergebnis? In wenigen Jahren war alles, was sie ihnen hinterlassen hatte, zugrunde und in Verfall geraten – Das war das Ergebnis – Das Vieh wurde auf die Weide getrieben, und das war das letzte, was sie je davon sahen – Das Vieh der Nachbarn brach in die Felder ein und zerstörte die Ernten, und sie ernteten nicht mehr die Ernten, die sie zuvor eingebracht hatten; und es waren nur wenige Jahre nach dem Tod der Witwe, als die Kinder nicht mehr viel von dem vorzuweisen hatten, was ihnen hinterlassen worden war, und erst als sie alt genug wurden, die Wahrheit zu schätzen und begannen, den Gesetzen Gottes zu gehorchen und Seine Gebote zu halten, begann der Herr, sie wieder zu segnen, sie aufzubauen, ihr Vermögen zu mehren und ihnen zu geben, was für ihr Wohl notwendig war – Und da sie den Geboten Gottes gehorcht haben, hat der Herr sie gesegnet – Er wird es weiterhin tun, solange die Zeit währt, wenn sie treu bleiben; und durch die zahllosen Zeitalter der Ewigkeit werden sie den Lohn der Treue zur Sache der Wahrheit und zu den Gesetzen Gottes ernten; und so wird es dem ganzen Volk Israel ergehen – Ich bezeuge euch dies im Namen Jesu Christi – Amen

Diese Ansprache zitierenJoseph F. Smith, „Das Gesetz des Zehnten“, Generalkonferenz Oktober 1897, Zweiter Tag, Vormittagsversammlung (1897-10-05). Pulpit Vault, 1897-10-smith-law-of-tithing. Übersetzung dieser Edition, nach Glossarmethode, archive.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).