Pulpit

Gemeinsam zu Christus kommen

Taniela B. Wakolo

Generalkonferenz April 2026·Versammlung am Sonntagnachmittag·2026-04-01

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich erfreue mich mit Ihnen am Evangelium Jesu Christi.

Als unsere Tochter Jasmin 14 Jahre alt war, beschrieb sie die Generalkonferenz als eine Versammlung, bei der "Propheten, Seher und Offenbarer Zeugnis für Jesus Christus ablegen und seine Lehre so einfach vermitteln, dass sie nicht missverstanden werden kann".

Selbst einfache Botschaften kann man noch deutlicher machen. Nehmen wir zum Beispiel Verkehrsschilder, die wir beim Autofahren sehen. Sehen wir etwa ein solches Schild, sollten wir wissen, dass wir anhalten müssen.

In den schönen Philippinen gestaltete man den Hinweis noch deutlicher: "Stopp! Stehenbleiben!"

Und in Missouri ging man noch einen Schritt weiter: "Stopp! Stehenbleiben! Ohne Ausnahme!"

Wie dankbar sind wir doch für lebende Propheten und Apostel, die einfach und klar sprechen und die uns mit vereinter Stimme einladen, zu Christus zu kommen.

Im Buch Mose lesen wir von einem heiligen Erlebnis. Mose erblickte die Erde und viele Länder, "ja, selbst alles davon". Er sah deren Bewohner "und ihre Anzahl war groß, ja, so zahllos wie der Sand am Meeresstrand".

Überwältigt von dieser Vision stellte Mose Gott zwei tiefgründige Fragen: Warum? Und wie kam das zustande? Mit anderen Worten: Er wollte den Zweck verstehen.

Der Herr antwortete: "Für meinen eigenen Zweck habe ich dies alles gemacht[, um] die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen." Der Prophet Nephi bezeugte später: "Denn … er weist niemanden ab, der zu ihm kommt …; und alle sind vor Gott gleich." Wie wird dieser Zweck erfüllt? Dank Jesus Christus kann jeder die Gabe des ewigen Lebens empfangen, wozu gehört, dass wir ewig als Familie in der Gegenwart Gottes leben können.

Vor sechs Monaten hat unser Prophet, Präsident Dallin H. Oaks, gesagt:

"Im Mittelpunkt der Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage steht die Familie. Der Tempel ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Lehre von der Familie. Die heiligen Handlungen, die wir dort empfangen, ermöglichen es uns, als ewige Familie in die Gegenwart unseres himmlischen Vaters zurückzukehren. …

Der Evangeliumsplan … wird durch unsere irdischen Familien verwirklicht, und seine vorgesehene Bestimmung ist die, dass die Kinder Gottes in einer ewigen Familie erhöht werden."

Der Herr hat außerdem verkündet: "Die Ehe ist … von Gott verordnet …, damit die Erde den Zweck ihrer Erschaffung erfülle." Und ohne die Siegelungsvollmacht, die erforderlich ist, um die ewigen Bündnisse zu schließen, die Familien für immer vereinen, hätte die Erde ihren Zweck nicht erfüllt.

Der Tempel ist ein Symbol der Hoffnung, er soll keine Belastung sein. Das Evangelium Jesu Christi ist kein Keil, der Familien entzweit, sondern eine Brücke, um sie auf ewig zu vereinen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Jünger des Erretters seine Geduld, seine Sanftmut und seine vollkommene Liebe ausstrahlen. Durch die Siegelung im Tempel werden wir in die göttliche Ordnung des Herrn aufgenommen. Ist es da verwunderlich, dass die Siegelung im Tempel oft als krönende heilige Handlung bezeichnet wird?

Meine lieben Brüder und Schwestern, viele von Ihnen sind Teil einer Familie, die noch nicht im Tempel gesiegelt wurde. Einige, die hier zuhören, sind nicht Mitglied der Kirche. Andere sind Mitglied der Kirche und haben vielleicht einen Ehepartner, der unseren Glauben nicht teilt. Heute sage ich einem jeden von Ihnen: Sie sind ein wichtiger Bestandteil von Gottes Plan.

Ich möchte von ein paar heiligen Begebenheiten erzählen, die von Geduld, Entscheidungsfreiheit und der stillen, beharrlichen Einladung handeln, gemeinsam zu Christus zu kommen.

Denny und Alex aus Neuseeland waren schon seit Kindertagen befreundet, besuchten aber unterschiedliche Kirchen. Anfangs waren sie nur Freunde, dann gingen sie miteinander aus und schließlich heirateten sie. Sie hatten in den Jahren vor der Hochzeit nie über Religion gesprochen. Nach der Hochzeit standen Denny und Alex vor dem Dilemma, in welche Kirche sie gehen sollten.

Eines Tages konnte Denny, der Mitglied der Kirche war, nicht mehr damit weiterleben, dass er diese Kluft wahrnahm. Sein Vater gab ihm einen einfachen Rat: "Geh weiter zur Kirche, dort ist deine Gemeindefamilie." Er hörte auf diesen Rat. Zwei Jahre später beschloss seine Frau, sich taufen zu lassen. Etwas später wurden sie im Haus des Herrn aneinander gesiegelt. Was mit Spannungen begann, endete in Einigkeit. Sie entschieden sich dafür, zu Christus zu kommen – gemeinsam.

In Brisbane in Australien bat ein siebenjähriger Junge seinen Vater inständig, sich der Kirche anzuschließen, damit sein Vater ihn taufen könne. Sein Vater besuchte zwar schon seit einigen Jahren die Kirche und hatte dort gute Erfahrungen gemacht, aber den Schritt zur Taufe nicht unternommen. Als ich mich mit ihnen traf, bat ich den Vater beherzt, der liebevollen Bitte seines Sohnes nachzukommen. Er lehnte höflich ab. Die Liebe aber bleibt dennoch bestehen. Die Einladung bleibt bestehen. Die Entscheidungsfreiheit bleibt bestehen. Manchmal wird der Same gepflanzt, lange bevor er aus dem Boden sprießt.

In Farmington in Utah lebte ein guter Mann namens Bob Hasenyager, der noch nicht der Kirche angehörte. Seiner Frau Marlene lag das Evangelium sehr am Herzen. Sie blieb ihren Bündnissen still und geduldig treu, übte nie Druck aus, war vielmehr stets liebevoll. Bob machte in der örtlichen Gemeinde mit und half. Eines Tages fragte der Pfahlpräsident Bob: "Ist dir bewusst, dass deine Frau sich danach sehnt, in den Tempel zu gehen, dass sie aber noch wartet, weil sie dir nicht wehtun will?"

Bob weinte, als er das hörte. Dann sagte er seine volle Unterstützung zu. Marlene empfing ihr Endowment und begann, regelmäßig in den Tempel zu gehen. Bob bemerkte eine Veränderung − da war kein Druck, kein Streit, sondern Frieden. Eines Tages schlug ein junger Missionar Bob einfach vor, sich an einem bestimmten Tag taufen zu lassen. Bob sagte: "Ich verspürte den Heiligen Geist. Ich empfand Wärme, Freude und Frieden. Endlich hatte ich meine Antwort." Bob ließ sich taufen. Später wurde bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er und Marlene wurden vier Monate vor seinem Tod aneinander gesiegelt.

Brüder und Schwestern, der Herr erkennt geduldigen Glauben an. Und es ist nie zu spät für Wunder.

Ich kenne eine glaubenstreue Frau aus Fidschi, die acht lange Jahre darauf wartete, dass ihr Mann sich der Kirche anschloss. Acht Jahre lang ging sie allein zur Kirche, während ihr Mann weiterhin kein Interesse zeigte und zögerte. Doch sie zog sich nicht von ihm zurück. Sie nahm es ihm nicht übel. Sie blieb bei ihm.

Als die Frau ihren Patriarchalischen Segen empfing, wurde ihr verheißen, dass ihr Mann, wenn sie treu bliebe, eines Tages mit ihr in den Tempel gehen werde, um dort für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt zu werden. Mehr als 8 Jahre und 24 Missionare später ließ sich der Mann taufen und das Paar wurde im Haus des Herrn aneinander gesiegelt.

Um es deutlicher zu sagen: Meine Frau Anita und ich wurden im Haus des Herrn aneinander gesiegelt. Was ich bedauere? Ich wünschte, ich hätte mich früher taufen lassen. Es war tatsächlich mein Vorredner Elder Quentin L. Cook, der mich in seiner Zeit als Gebietspräsident zum Pfahlpräsidenten berief.

Brüder und Schwestern, Gott hält ein, was er verheißt, er tut das aber nach seinem Zeitplan. In diesen Geschichten geht es nicht um Statistiken. Es geht um Seelen.

Ich bezeuge, dass der Vater im Himmel und Jesus Christus jede der Familien aus diesen Geschichten kennen. Beide wissen um die Tränen, die Gebete und die Geduld. Sie wissen um die Gefühle jedes wartenden Ehepartners, jedes betenden Herzens und jedes Kindes. Sie wissen um jede heilige Verheißung. All dies erinnert uns daran, dass Bekehrung etwas Persönliches ist. Der Zeitpunkt ist individuell. Die Entscheidungsfreiheit ist heilig.

Denen, in deren Familie nicht alle der Kirche angehören, sage ich: Verlieren Sie nicht den Mut.

Denen, die warten, sage ich: Geben Sie nicht auf.

Denen, die das Endowment empfangen haben oder gesiegelt wurden und zurückkehren müssen, sage ich: Kommt, kommt zurück zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Denen, die eingeladen wurden, sage ich: Seien Sie gewiss, dass Sie aus christlicher Liebe eingeladen wurden.

Allen Mitgliedern der Kirche sage ich: Kümmern wir uns weiterhin um jeden Einzelnen und sorgen wir dafür, dass niemand allein sitzt.

Der Erretter übt keinen Druck aus. Er lädt ein. Er segnet. Er erfüllt Verheißungen gemäß dem Glauben und der Treue.

In diesem Monat, in dem wir feierlich der Auferstehung unseres Erretters gedenken, lege ich Ihnen ans Herz, sich bewusst und unbeirrt dafür zu entscheiden, zu Christus zu kommen, und zwar gemeinsam. Die Ewigkeit wird Ihr Lohn sein. Im Namen des auferstandenen Herrn Jesus Christus. Amen.

Diese Ansprache zitierenTaniela B. Wakolo, „Gemeinsam zu Christus kommen“, Generalkonferenz April 2026, Versammlung am Sonntagnachmittag (2026-04-01). Pulpit Vault, 2026-04-wakolo-come-unto-christtogether. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).