Pulpit

Jesus Christus – der wahre Weinstock

Ulisses Soares

Generalkonferenz April 2026·Versammlung am Samstagnachmittag·2026-04-01

Meine lieben Brüder und Schwestern, in dieser heiligen Osterzeit wendet sich unser Herz in tiefer Dankbarkeit und ehrfürchtiger Hingabe unserem Erretter Jesus Christus zu und wir denken an sein barmherziges irdisches Wirken, seine vollkommene Liebe und sein wunderbares Geschenk des Sühnopfers. Im Laufe seines Wirkens sprach der Erretter mehrmals die heiligen Worte "Ich bin" aus und bezeugte anhand von erhabenen Metaphern, wer er ewiglich ist: Der große Jehova des Alten Testaments, der Sohn Gottes, der verheißene Messias. Zu diesen Bekundungen gehört auch eine der feierlichsten und tiefgründigsten Lehren seines Wirkens, die er in der Nacht vor seinem Leiden und Tod aussprach: "Ich bin der wahre Weinstock …, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen."

Durch diese schöne und bewegende Metapher vermittelt der Erretter, dass er die wahre, verlässliche und maßgebliche Quelle geistiger Nahrung für unsere Seele ist. Durch ihn erhalten wir Kraft, die über unsere eigene hinausgeht, um die Herausforderungen des Lebens nicht nur zu überstehen, sondern auch daran zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Durch ihn gewinnt das Leben an Hoffnung und Freude, und die Früchte des Geistes werden in uns sichtbar. So wie die Zweige von sich aus keine Frucht bringen können, wenn sie nicht mit dem Weinstock verbunden bleiben, können auch wir unser geistiges Potenzial nicht vollständig entfalten, wenn wir nicht in ihm und seinem Evangelium bleiben.

In Christus zu bleiben ist nichts, was wir gelegentlich oder beiläufig tun; es ist eine ständige, bewusste und heilige Entscheidung. Es bedeutet, dass wir zulassen, dass seine heiligen Lehren in uns bleiben, dass wir unsere Gedanken auf eine höhere Ebene anheben und unsere Worte in jeder Situation beherrschen – auch in den digitalen Räumen, in denen wir so oft miteinander kommunizieren – und dass wir unser Handeln reinigen und ihm weihen. Es bedeutet, dass wir uns bei unseren täglichen Entscheidungen von den Bündnissen leiten lassen, die wir mit ihm geschlossen haben, und dass wir zulassen, dass unser Leben von seinem liebevollen und steten Einfluss durch den Heiligen Geist geleitet wird. Es bedeutet, dass wir uns entscheiden, auf seine Stimme und die Stimme seiner Diener zu hören und zu befolgen, was sie sagen, anstatt auf die verlockenden Stimmen der Welt zu hören.

In Christus zu bleiben befreit uns zwar nicht von den Lasten des Lebens, doch durch seine Gnade werden sie leichter, und unser Herz wird durch den Trost und den Frieden gestärkt, den er verheißt. Wenn wir uns seiner liebevollen Obhut anvertrauen und sein Joch auf uns nehmen, erhalten wir die geistige Kraft, die Prüfungen, Schwächen und Sorgen des Erdenlebens zu ertragen und zu überwinden – Lasten, die oft zu schwer sind, um sie ohne seine erlösende Hilfe und seinen heilenden Einfluss zu tragen. In seinem ersten Brief an die Heiligen erklärte der Apostel Johannes: "Wer … in ihm bleibt, muss auch einen Lebenswandel führen, wie er ihn geführt hat." Auch der Apostel Paulus hat bezeugt: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung."

Kehren wir zum Bericht des Johannes zurück. Darin lesen wir, dass der Erretter verkündet hat: "Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt." Vor diesem Hintergrund – dass wir in ihm bleiben und ihm erlauben, in uns zu bleiben – bekommt die Aussage des Erretters, dass er selbst der wahre Weinstock ist, eine noch tiefere Bedeutung. Das Wort wahr deutet darauf hin, dass es in der Welt noch andere Weinstöcke gibt, die sich als rechtmäßig ausgeben und sogar den Anschein erwecken, die liebevolle Stimme und das Wort des Erretters, des wahren Weinstocks, und seines Evangeliums zu repräsentieren, während sie Geist und Herz jedoch auf subtile und hinterhältige Weise woandershin führen.

Wir leben in einer Welt voller Stimmen – Stimmen, die unermüdlich um unsere Aufmerksamkeit buhlen und uns mit überzeugenden Botschaften und Aufforderungen locken. Einige sind redegewandt und einflussreich und haben gute Absichten und den Wunsch, das Gute zu fördern. Andere wirken zwar auf den ersten Blick ansprechend, aber es fehlt ihnen an Substanz. Wieder andere führen in die Irre und erwecken vielleicht sogar den Anschein, mit Christus und seinem Evangelium verbunden zu sein.

Im Laufe der Zeit entwickeln sich viele dieser Stimmen zu verworrenen Ranken, die in populären Philosophien verwurzelt sind und sich über verschiedene Medien verbreiten. Sie versprechen Sicherheit, Glück oder Authentizität, können die Seele jedoch nicht zufriedenstellen. Oft verleiten sie unbemerkt zu Zweifeln und Spaltungen – erst im Sinn und dann im Herzen – und führen so zu geistigem Verlust und Kummer. Wenn wir von solchen Stimmen getäuscht werden, mag es zwar zunächst aufregend erscheinen, doch letztlich zieht es uns zu vergänglichen weltlichen Zielen und schwächt unsere Verbindung zum wahren und lebendigen Weinstock, nämlich Jesus Christus. Der Apostel Paulus hat gewarnt: "Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und leerem Trug einfängt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt berufen, nicht auf Christus!"

Meine lieben Brüder und Schwestern, in unserer technisierten Zeit ist wahre Weisheit dadurch zu finden, dass wir moderne Werkzeuge mit geistiger Unterscheidungskraft nutzen – mit Hilfe des Heiligen Geistes –, ohne zuzulassen, dass sie die rechtmäßige Stimme des wahren Weinstocks verdrängen. Nur unser Erlöser kann uns wahrhaftig erlösen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben der Welt. Sein Weg ist der Pfad, der zum Glücklichsein hier auf der Erde und zu ewigem Leben in der zukünftigen Welt führt. In seiner ersten Botschaft an die Welt als unser Prophet erklärte Präsident Dallin H. Oaks mit Klarheit und Überzeugung: "Jesus Christus ist der Weg. … Es wird 'kein anderer Name noch irgendein anderer Weg oder ein anderes Mittel gegeben …, wodurch den Menschenkindern Errettung zuteilwerden kann, als nur im und durch den Namen Christi, des Herrn, des Allmächtigen' (Mosia 3:17)."

Der wahre Weinstock bietet etwas weitaus Größeres und Ewigeres als Bekanntheit oder Anerkennung: die Verheißung, "mit Gott in einem Zustand nie endenden Glücks [zu] weilen". Mit Geduld und vollkommener Liebe lädt er uns weiterhin ein, zu ihm zu kommen, und zwar durch seine Worte und die Worte derer, die er berufen und ordiniert hat, ihn zu vertreten, in seinem Namen zu sprechen und für ihn Zeugnis zu geben. Wenn wir den Wunsch haben, gute Frucht hervorzubringen, wie der Erretter es uns aufgetragen hat, müssen wir unsere geistige Nahrung direkt vom wahren Weinstock erhalten, denn er ist die Quelle allen Lichts und aller Wahrheit. Nur dann wachsen die kostbaren Früchte des Evangeliums in unserer Seele, und nur dann finden wir das wahre Licht, das Leben und die Hoffnung, die von ihm ausgehen.

Nach seiner Auferstehung begleitete Jesus zwei Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren. Lukas berichtet, dass der Erretter, als sie ihr Ziel erreicht hatten, "tat, als wolle er weitergehen, aber [die beiden Jünger] drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns." Diese Jünger luden den auferstandenen Erretter ein, bei ihnen zu bleiben. Wenn sie nicht zuerst den Wunsch gehabt und dann die Einladung ausgesprochen hätten, hätte sich ihr Herz nicht gewandelt, ihre Augen wären nicht aufgetan worden und sie hätten ihn nicht erkannt und wären nicht nach Jerusalem zurückgekehrt, um Zeugnis für den lebendigen Christus – den wahren Weinstock – abzulegen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, in einer Welt voller Stimmen ist es nicht nur wünschenswert, mit dem wahren Weinstock verbunden zu bleiben – es ist für unser geistiges Überleben unerlässlich. Diejenigen, die in Jesus Christus bleiben, erkennen seine Stimme und vertrauen ihr – vor allem, wenn sie durch diejenigen spricht, die er berufen hat, ihn zu vertreten. Ich werde den Moment nie vergessen, als Elder Jeffrey R. Holland mich anrief, um mich im Kollegium der Zwölf Apostel willkommen zu heißen; es war nur wenige Minuten, nachdem ich diese Einladung erhalten hatte, der Welt als besonderer Zeuge des Erretters zu dienen. In diesem heiligen Augenblick spürte ich, wie der Erretter sich meiner durch die Stimme eines seiner gesalbten Diener in Liebe annahm. Ich spürte den Frieden und die tröstliche Gewissheit, die vom wahren Weinstock ausströmten. Elder Hollands Leben und sein beachtliches Wirken belegen: Wenn wir die Stimme des Erretters durch seine Diener hören und in ihm – dem wahren Weinstock – bleiben, bringen wir reiche Frucht hervor; "denn getrennt von [ihm können wir] nichts vollbringen".

In dieser heiligen Osterzeit bezeuge ich feierlich, dass Jesus Christus der wahre Weinstock ist. Er lebt. Er ist von den Toten auferstanden, und seine erlösende Macht ist real. Ich gebe Zeugnis, dass seine Stimme die Stimme der Wahrheit und des Lebens ist. Mit vollkommener Liebe lädt er alle ein, in ihm und seiner Liebe zu bleiben, damit wir seine Macht in unserem Leben erkennen, damit die Gottesliebe in uns vollendet wird und damit wir wissen, dass wir in ihm sind. Ich gebe für diese ewigen Wahrheiten feierlich Zeugnis im heiligen Namen Jesu Christi, unseres Erretters. Amen.

Diese Ansprache zitierenUlisses Soares, „Jesus Christus – der wahre Weinstock“, Generalkonferenz April 2026, Versammlung am Samstagnachmittag (2026-04-01). Pulpit Vault, 2026-04-soares-jesus-christthe-true-vine. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).