Die Heiligen als Friedensstifter und die Sammlung Israels
Anthon H. Lund
Die Heiligen sind nicht streitsüchtig, sondern Friedensstifter. — Die Ethik des „Mormonentums". — Die Sammlung, ein bedeutendes Merkmal von Gottes Werk. — Von der Heimat Verstoßene, aber in Zion gesegnet. — Josephs Prophezeiung über das Felsengebirge erfüllt. ¶
Ich freue mich, heute Morgen das Vorrecht zu haben, bei euch zugegen zu sein, den Ansprachen zuzuhören, die wir gehört haben, und den guten Unterweisungen, die uns gegeben worden sind. Ich glaube, dass alle sich daran erfreut haben. Ich freue mich über das Zeugnis, das wir gehört haben, und ich freue mich, dasselbe Zeugnis zu besitzen, dass ich weiß, dass der Prophet Joseph Smith von Gott bevollmächtigt und gesandt wurde, um das große und wichtige Werk zu vollbringen, das er vollbrachte. ¶
Präsident Smith sagte, dass ein streitsüchtiger Geist den Geist des Abfalls zeige. Ich dachte an die Worte des Erretters: Gesegnet sind die Friedensstifter, denn sie sollen Kinder Gottes genannt werden. Wir möchten Friedensstifter sein. Wir möchten nicht streiten. Der Herr sagt zu uns: „Streitet gegen keine Kirche, außer es sei die Kirche des Teufels." Unser Wunsch ist es, nicht zu streiten, sondern den Menschen das Evangelium des Friedens zu predigen. Wo Menschen Auskunft darüber wünschen, was wir glauben, sind wir stets bereit, sie ihnen zu geben; wenn sie aber nur mit uns streiten wollen und einen zänkischen Geist haben, so wollen wir keinen Streit mit solchen ermutigen. Wenn sie jedoch nach der Wahrheit suchen, sind wir bereit, ihnen in freundlichem Geist zu begegnen, um sie von der Wahrheit zu überzeugen. Der Herr hat uns die Wahrheit gegeben, und die Wahrheit hat uns frei gemacht. Wir leiden nicht unter der Bedrückung des Zweifels und der Finsternis, sondern durch die vom Himmel offenbarte Wahrheit sind wir frei geworden, und wir freuen uns dieser Freiheit. ¶
Ich freue mich, heute Morgen so viele hier bei der ersten Versammlung unserer Konferenz zu sehen. Ich möchte euch ein paar Worte aus dem neunundfünfzigsten Abschnitt der Lehre und Bündnisse vorlesen: ¶
„Siehe, gesegnet, spricht der Herr, sind diejenigen, die gemäß meinen Geboten in dieses Land heraufgekommen sind, das Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet. Denn diejenigen, die leben, werden die Erde ererben, und diejenigen, die sterben, werden von all ihrer Arbeit ausruhen, und ihre Werke werden ihnen nachfolgen; und sie werden in den Wohnungen meines Vaters, die ich für sie bereitet habe, eine Krone empfangen. Ja, gesegnet sind die, deren Füße auf dem Land Zion stehen und die mein Evangelium beachtet haben, denn sie werden als ihren Lohn die guten Dinge der Erde empfangen, und sie wird mit aller Stärke hervorbringen. Und sie werden auch mit Segnungen von oben gekrönt werden, ja, und mit nicht wenigen Geboten und mit Offenbarungen zu ihrer Zeit – diejenigen, die treu und eifrig vor mir sind. ¶
Darum gebe ich ihnen ein Gebot, nämlich so: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit all deiner Macht, ganzem Sinn und aller Kraft; und im Namen Jesu Christi sollst du ihm dienen. ¶
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Du sollst nicht stehlen, auch nicht Ehebruch begehen, nicht töten noch irgendetwas Derartiges tun. ¶
Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in allem danken." ¶
Diese Verse geben uns die Ethik des „Mormonentums". Hier sind auch herrliche Verheißungen an jene, die zum Land Zion heraufgekommen sind. Durch den Grundsatz der Sammlung ist diese gewaltige Versammlung heute zugegen. Die meisten der älteren Leute sind aus anderen Staaten und anderen Nationen gekommen. Sie sind hierhergekommen, weil sie sich mit dem Volk Gottes versammeln wollten. Sie haben ihre Heimstätten verlassen, um zum Land Zion zu kommen, und alle jene, die mit dem Auge allein auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet hierher kamen, haben Zion gefunden. Jene, die nicht mit dem Auge allein auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet kamen, sondern deren Ziel es war, sich selbst aufzubauen, Vermögen zu erwerben und dergleichen, haben Zion nicht gefunden, sondern waren bereit, an ihm auszusetzen. Ihr, die ihr mit Zion in euren Herzen hierherkamt, habt euch nicht veranlasst gefühlt, an den bestehenden Verhältnissen auszusetzen, obwohl ihr vielleicht Arbeiten übernehmen musstet, an die ihr nie gewöhnt gewesen wart. Ihr mögt gute Heimstätten verlassen haben, um hierherzukommen; ihr mögt Armut gekostet haben und dergleichen, doch da ihr Zion in euren Herzen hattet, fühltet ihr, dass ihr zu dem Land gekommen wart, das Gott als Sammlungsort für Sein Volk bestimmt hatte. ¶
Der Grundsatz der Sammlung wurde früh in der Geschichte unserer Kirche gelehrt. Wenn ich das elfte Kapitel Jesajas lese, das der Engel Moroni dem Knaben Joseph zitierte, als dieser erst achtzehn Jahre alt war, so sehe ich, dass ihm dieser Grundsatz der Sammlung und des Aufbaus eines Zion für Gott gelehrt wurde. Es war kein Grundsatz, der sich erst entwickelte, nachdem die Kirche organisiert worden war und man es für gut befunden hatte, das Volk zu sammeln. Der Engel Moroni lehrte ihn Joseph, bevor irgendjemand in der Kirche getauft war. Im Mai 1829 offenbarte der Herr Joseph Smith, dass Er Sein Volk sammeln werde, und sagte, dass sie, wenn sie kämen, frei von dem Wasser des Lebens trinken sollten. Der Prophet empfing diesen Grundsatz vom Herrn; er hätte ihn von keiner der bestehenden Religionen übernehmen können, denn in keiner von ihnen wurde er gelehrt. Ihm wurde gesagt, dass der Herr beabsichtige, Sein Volk zu sammeln, und während des ersten Jahres nach der Organisation der Kirche finden sich von Monat zu Monat Anspielungen auf diesen Grundsatz; und ehe ein Jahr vergangen war, sprach der Herr auf folgende Weise über Zion: ¶
„Und die Herrlichkeit des Herrn wird dort sein, und der Schrecken des Herrn wird auch dort sein, so sehr, dass die Schlechten nicht hinkommen werden; und man wird es Zion nennen. ¶
Und unter den Schlechten wird es sich begeben: Ein jeder, der nicht gegen seinen Nächsten zum Schwert greifen will, muss um der Sicherheit willen notwendigerweise nach Zion fliehen. ¶
Und dorthin werden gesammelt aus jeder Nation unter dem Himmel; und es wird dies das einzige Volk sein, das sich nicht miteinander im Krieg befindet. ¶
Und unter den Schlechten wird man sprechen: Lasst uns nicht zum Kampf gegen Zion hinaufziehen, denn die Einwohner Zions sind schrecklich, darum können wir nicht bestehen. ¶
Und es wird sich begeben: Die Rechtschaffenen werden aus allen Nationen gesammelt werden und werden nach Zion kommen – singen werden sie Gesänge immerwährender Freude." ¶
Diese Offenbarung wurde am 7. März 1831 gegeben. Die Kirche war damals noch nicht ein Jahr alt, und nur sehr wenige hatten den Glauben angenommen; aber der Herr offenbarte durch Seinen Diener, den Propheten Joseph, die Herrlichkeit, die Zion zuteilwerden sollte, und Er sagte ihm, dass das Volk Zions aus jeder Nation gesammelt werden sollte. Man bedenke diesen jungen Mann, berufen, die Kirche zu führen, damals erst fünfundzwanzig Jahre alt, dem diese Verheißung gegeben wurde, dass ein Zion errichtet werden sollte, zu dem das Volk aus allen Nationen sich sammeln sollte! Welche Wahrscheinlichkeit gab es für ihn, sich dies selbst auszudenken, wenn er auf die kleine Herde um sich blickte, die an seine Worte glaubte? Aber es waren nicht seine Einbildungen; es war die Offenbarung Gottes an ihn, dass ein Zion errichtet werden sollte, zu dem Menschen aus allen Nationen kommen würden. Es war die Erfüllung der Prophezeiungen im zweiten Kapitel Jesajas und im vierten Kapitel Michas, in ähnlich lautender Sprache, als sie durch die Weite der Zeit hindurchblickten und sahen, dass eine Sammlung stattfinden würde, und dass das Volk zum „Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Jakobs" hinaufziehen würde, damit es Seine Wege lernen und in Seinen Pfaden wandeln könnte. Jesaja prophezeite dies, und wir legen Zeugnis ab, dass es sich erfüllt. ¶
In dieser Versammlung vor mir sind Menschen aus allen Teilen der Welt. Sie haben das Evangelium in ihren verschiedenen Heimstätten predigen hören. Sie haben gelernt, was es bedeutet, die Wahrheit anzunehmen. Sie haben gelernt, dass jene, die gottselig in Christus leben wollen, verfolgt werden. Sie hatten nichts getan, um die Strenge, den Spott und die Verfolgungen ihrer Nachbarn zu verdienen; sie hatten einfach an die Worte geglaubt, die sie von den Dienern Gottes gehört hatten, und in den Wassern der Taufe Bündnisse mit dem Herrn geschlossen, Ihm zu dienen. In der Aufrichtigkeit ihrer Herzen hatten sie ihre Sünden bereut und versuchten, ein besseres Leben zu führen, und dafür sahen ihre Nachbarn und Freunde, ja Verwandte, auf sie herab. Sie fühlten sich wie eine gewisse Mutter, die, als sie hörte, dass ihr Sohn das Evangelium angenommen hatte und ein Mormone geworden war, sagte: „Oh, wie konntest du so etwas tun und Schande über uns bringen. Hättest du gestohlen und wärest ins Zuchthaus gekommen, so hätten wir darüber hinwegkommen können, aber der Gedanke, dass du ein Mormone geworden bist, der Gedanke an die Schande, die über uns gebracht wird, lässt uns sagen, dass du kein Sohn von uns bist." Doch er hatte nichts getan, außer dass er an das ihm gepredigte Evangelium glaubte und seine Sünden bereut hatte und getauft worden war. So wurde er von seiner eigenen Mutter verstoßen. Auf diese Weise haben sich Freunde und Verwandte gegen jene erhoben, die sich der Kirche angeschlossen haben. Ihr, meine Brüder und Schwestern, habt gelernt, was es kostet, sich einem unbeliebten Volk anzuschließen, aber fühlt ihr, dass ihr die Segnungen, die ihr durch den Gehorsam gegenüber dem Evangelium empfangen habt, gegen das Wohlwollen jener eintauschen würdet, die euch verachten? Ich glaube nicht. Ihr habt die „köstliche Perle" gefunden. Für euch ist sie von unschätzbarem Wert, und ihr könnt es euch nicht leisten, sie zu verlieren. „Gesegnet sind die, die zu diesem Land gekommen sind", spricht der Herr, „gemäß meinen Geboten, das Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet"; und Er sagt auch: „Gesegnet sind die, deren Füße auf dem Land Zion stehen und die mein Evangelium beachtet haben, denn sie werden als ihren Lohn die guten Dinge der Erde empfangen, und sie wird mit aller Stärke hervorbringen." Dies war die Verheißung. Ich habe mich oft gefragt, ob die Pioniere, als sie dieses Tal zum ersten Mal sahen, mit seinem kargen, sonnenverbrannten Boden, bedeckt mit Beifußsträuchern, außer entlang der Bäche, wo Weiden und einige vereinzelte Baumwollbäume wuchsen, es für möglich hielten, dass sich diese Verheißung erfüllen könnte: dass sie die guten Dinge der Erde empfangen sollten, und dass sie mit ihrer Stärke hervorbringen sollte. Als diese Worte durch den Propheten den Heiligen des Zweiges Colesville im Bezirk Jackson offenbart wurden, und sie auf das schöne Land um sie her blickten — die wogenden Ebenen, den fruchtbaren Boden — war es für sie leicht, daran zu glauben; aber es war für die Heiligen, die hierherkamen, nicht so leicht zu glauben, dass dieser trockene Boden imstande sein würde, mit seiner Kraft die guten Dinge der Erde hervorzubringen. Doch sie hatten ausdauernden Glauben; sie waren ihrem Führer, Präsident Brigham Young, über die Ebenen gefolgt und hierhergekommen, mit vollem Vertrauen in seine Führung, denn sie wussten, dass er der Nachfolger des Propheten Joseph war. ¶
Der Gedanke, zum Felsengebirge zu ziehen, war nicht Präsident Brigham Youngs eigener Einfall. Er führte lediglich den Plan aus, der durch den Propheten Joseph gegeben worden war, als dieser prophezeite, dass sich dieses Volk hier im Felsengebirge sammeln und ein mächtiges Volk werden würde. So sehr war der Prophet von diesem Gedanken durchdrungen, dass von ihm ein Ausschuss ernannt wurde, um zum Felsengebirge zu ziehen, das Land zu untersuchen und einen Sammlungsort für die Heiligen auszuwählen. Durch Umstände, die eintraten, zog der Ausschuss nicht zu seinen Lebzeiten hin, aber es zeigt, dass der Prophet Joseph mit dem Auge der Prophezeiung sah, was geschehen würde. Präsident Young folgte ihm nach. Er rief Männer auf, mit ihm zu ziehen, und da sie ein Zeugnis von der Wahrheit hatten und glaubten, dass er der Prophet Gottes war, folgten sie ihm. Er wusste nicht viel über dieses Land. Vor ihnen lagen die pfadlosen Ebenen, auf denen die Wilden umherzogen; und jenseits jener Ebenen, was? Das unerforschte Felsengebirge. Nur wenige waren hier gewesen, bevor der Präsident, vom Geist Gottes inspiriert, das Volk an diesen Ort führte; und so abweisend dieses Land auch aussah, als sie 1847 hierherkamen, sagte er dennoch: Dies ist das Land, und hier soll der Tempel Gottes errichtet werden. Mit dem Auge der Prophezeiung sah er die Zukunft. Es war keine leichte Aufgabe, die den Pionieren gegeben wurde, dieses Land zu besiedeln, aber der Herr hatte gesagt: „Gesegnet sind die, deren Füße auf dem Land Zion stehen und die mein Evangelium beachtet haben, denn sie werden als ihren Lohn die guten Dinge der Erde empfangen, und sie wird mit ihrer Stärke hervorbringen." Diese Verheißung wurde gegeben, und ihr alle könnt bezeugen, dass sie erfüllt worden ist. Ihr könnt bezeugen, dass der Herr dieses Land gesegnet hat, dass Er die Elemente gefügig gemacht hat, und dass durch Seine Segnungen und die Arbeit Seines Volkes dieses Land dazu gebracht worden ist, wie eine Rose zu blühen, um die bildhafte Sprache des Propheten zu gebrauchen. ¶
Der Herr ist imstande, Sein Volk zu segnen, aber Er verlangt von ihnen, dass sie ihr Auge allein auf Seine Herrlichkeit richten, allein auf dieses eine Ziel, Ihm zu dienen. Niemand kann zwei Herren dienen. Wer zwei Herren dient, sagt Jesus, wird den einen lieben und den anderen verachten. Wir lieben den Meister, wir dienen Ihm gern, denn Er ist imstande, uns zu segnen, nicht nur gegenwärtig, sondern für alle Zeit, die noch kommen wird. Wenn wir danach streben, mit dem Auge allein auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet zu leben und Seinen Willen zu tun, werden wir imstande sein, unvergängliche Reichtümer zu sammeln, die wir nicht hinter uns lassen müssen, denn sie werden mit uns gehen. Wenn wir für uns selbst arbeiten, erwerben wir Dinge, die vergehen werden, aber was wir im Glauben an Gott tun, mit dem Auge allein auf Seine Herrlichkeit gerichtet, mit Liebe und brüderlicher Güte füreinander, das wird uns gutgeschrieben, und niemand kann es uns nehmen. ¶
Brüder und Schwestern, lasst uns alle entschlossen sein, Gott zu dienen. Lasst diesen Gedanken durch das Herz eines jeden von uns gehen: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen, was auch kommen mag. Die Zeit, die uns der Herr hier auf Erden gegeben hat, ist in der Tat sehr kostbar. Es gibt so vieles, das wir tun können. Lasst uns unsere Gelegenheiten nicht vernachlässigen. Lasst uns uns freuen, dieses Evangelium und das Zeugnis empfangen zu haben, dass es das Evangelium Christi ist. Lasst uns uns freuen, dass wir Mitglieder Seiner Kirche sind, und entschlossen sein, so zu leben, dass die ganze Welt wissen möge, dass wir die Wahrheit empfangen haben und das sind, wofür wir uns ausgeben. Gott segne ganz Israel, ist mein Gebet, im Namen Jesu. Amen. ¶