Bericht über den Zustand der Heiligen in Mexiko
Anthony W. Ivins
Meine Brüder und Schwestern, während der wenigen Augenblicke, die ich in Anspruch nehmen werde, um euch etwas über den Zustand der Heiligen der Letzten Tage zu berichten, die sich in der Republik Mexiko befinden, wünsche ich aufrichtig, dass mir durch euren Glauben geholfen werde. Es ist ganz unerwartet, dass ich berufen werde, diese Stellung einzunehmen, und daher muss ich mich auf eure Hilfe und den Beistand unseres Vaters im Himmel verlassen. ¶
Die Heiligen der Letzten Tage in Mexiko tun dieselben Dinge, welche die Heiligen der Letzten Tage in Kanada, in Montana, in Oregon, in Idaho, in Wyoming, in Utah und an allen anderen Orten tun, wo sie sich niedergelassen haben. Das Evangelium ist überall dasselbe, wo wir auch sind. Unser Bemühen ist, sowohl durch Beispiel als auch durch Unterweisung, dem mexikanischen Volk die Wege des Herrn zu lehren und es zu der Wahrheit zu bekehren, dass das Reich Gottes in der Evangeliumszeit, in der wir leben, errichtet worden ist. In Mexiko gibt es etwa 12.000.000 Menschen, von denen 9.000.000 Indianer sind, deren Blut sich nicht mit dem Blut anderer Völker vermischt hat. Fast 400 Jahre lang sind diese Indianer ein unterworfenes Volk gewesen. Seit der Eroberung Mexikos, als mit dem Schwert in der einen und der Bibel in der anderen Hand die Lehren der katholischen Kirche unter dem Volk der Azteken eingeführt wurden, ist jene große Kirche dort vorherrschend gewesen, und wahrscheinlich sind 95 Prozent der Einwohner Mexikos Anhänger ihrer Lehren. Wir haben nicht beharrlich versucht, die Grundsätze des Evangeliums unter dem mexikanischen Volk einzuführen; aber allmählich, durch das Beispiel, das wir geben, durch unsere Werke des Fleißes und durch den Segen des Herrn auf unsere Bemühungen, finden wir es nötig, Missionare auszusenden und Zweige der Kirche unter ihnen zu organisieren. ¶
Im vorletzten Juni wurde unter der Leitung von Apostel John Henry Smith eine Mission in Mexiko-Stadt wieder eingerichtet, seither sind etwa 200 Menschen der Kirche hinzugefügt worden — das heißt, wahrscheinlich sind 150 Bekehrungen erfolgt, und etwa 50 waren bereits getauft — sodass wir dort einen sehr blühenden und vielversprechenden Zweig der Kirche haben, mit Hauptsitz in Mexiko-Stadt. ¶
Unsere Beziehung zur Bundesregierung ist von der angenehmsten und freundlichsten Art. Präsident Díaz, dessen starker Charakter ihm die bemerkenswerte Neuordnung der mexikanischen Regierung ermöglicht hat, die das Ergebnis seiner Verwaltung gewesen ist, verdankt, wie allgemein anerkannt wird, einen großen Teil seines Charakters dem starken Blut seiner Mutter, die eine Indianerin war. ¶
Wir betrachten mit großer Genugtuung die Hingabe, welche diese einfachen Menschen den Grundsätzen des Evangeliums entgegenbringen, nachdem sie diese angenommen haben. Sie sind sehr arm, sehr demütig; sie sind so lange in tiefster Knechtschaft gegenüber der kleinen, aristokratischen Minderheit gewesen, welche die Politik und die Finanzen Mexikos beherrscht hat und noch beherrscht, dass der Geist der Unabhängigkeit in ihnen weitgehend erstickt worden ist, aber sie sind religiös. Dass diejenigen, die sich bekehrt haben, ein Zeugnis vom Evangelium und dem Geist des Herrn empfangen haben, zeigt sich an ihren Werken, an ihrer Umkehr, an ihrer Hingabe zu den Ältesten, die unter ihnen arbeiten, und an der Bereitschaft, die sie zeigen, in unerforschte Gebiete vorzudringen und das Evangelium unter ihren Mitmenschen einzuführen. ¶
Der Herr sagte uns in der frühen Geschichte der Kirche, dass, bevor der große Tag des Herrn komme, Jakob in der Wildnis blühen und die Lamaniten wie die Rose erblühen würden. Wenn ihr die Offenbarungen des Herrn an die Kirche sorgfältig studiert, werdet ihr feststellen, dass unser Schicksal und das Schicksal der amerikanischen Indianer, die Nachkommen Lehis und Erben der Verheißungen sind, die Gott dem Haus Israel gegeben hat, sehr eng miteinander verbunden sind. Ihr werdet feststellen, dass, bevor die Erlösung Zions eintritt, das Werk des Herrn unter den Lamaniten eingeführt werden muss. Christus sagte zu Seinen Jüngern, als Er auf diesem Kontinent unter ihnen diente, dass Er ihnen ein Zeichen geben werde, an dem sie erkennen könnten, dass das Werk des Vaters zur Erlösung ganz Israels und zur Erfüllung jedes Wortes, das durch den Mund der heiligen Propheten gesprochen worden war, beginnen sollte, und dies war das Zeichen, das Er gab: ¶
„Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn das, was ich euch verkünde und was ich euch später noch verkünden werde, aus mir selbst und durch die Macht des Heiligen Geistes, der euch vom Vater gegeben werden wird, den Anderen kundgetan wird, damit sie von diesem Volk wissen mögen, das ein Überrest des Hauses Jakob ist, und von diesem meinem Volk, das von ihnen zerstreut werden wird ... und wenn dies sich begibt, dass deine Nachkommen anfangen, dies zu erkennen — so wird es ihnen ein Zeichen sein, damit sie wissen können, dass das Werk des Vaters bereits begonnen hat, um den Bund zu erfüllen, den er für diejenigen gemacht hat, die vom Haus Israel sind." ¶
Wenn wir also, meine Brüder und Schwestern, das Ergebnis unserer Arbeit in Mexiko sehen und die sehr vielversprechenden Aussichten, die dort für die Einführung des Evangeliums bestehen, sehen wir diese Worte des Herrn erfüllt, und es ermutigt uns in der Hoffnung, dass wir näher sind — wie wir wissen, dass wir es sind — an der Vollendung der Absichten Gottes in der Evangeliumszeit, in der wir leben. ¶
Unser Leben in Mexiko hat uns Geduld gelehrt. Sie sind ein langsames Volk, und es hat uns gelehrt, vielleicht in größerem Maße als unter jedem anderen Volk, den Geist der Nächstenliebe und der langmütigen Güte zu entwickeln, da wir wissen, dass ihr Zustand das Ergebnis der Übertretung ihrer Vorfahren ist. Wir haben gelernt, dass unsere freundschaftlichen Beziehungen zu ihnen und zu jener Regierung großteils der Tatsache zu verdanken sind, dass wir überall, wohin wir gegangen sind, Segen zu bringen versucht haben, dass wir dem Volk Güte und Rücksicht, Nächstenliebe und Liebe gelehrt haben, und uns bemüht haben, dies in unserem Leben zu bezeugen. Es ist nicht nötig, Groll und Vergeltung zu lehren; davon gibt es genug in der Natur des Menschen. Der Geist des Evangeliums Christi lehrt die Menschen, diese Neigungen zu überwinden und sich in demütiger Unterwerfung dem Willen Gottes zu beugen. Dies ist Sein Werk, und Er wird sich darum kümmern. Was wir tun müssen, ist, demütig, treu und rücksichtsvoll gegenüber den Umständen unserer Mitmenschen zu sein, mit denen wir in Berührung kommen, sie Umkehr von der Sünde zu lehren, ihnen Liebe, Nächstenliebe und völlige Abhängigkeit von Gott zu lehren, um dieses große Problem zu lösen. Er wird es tun, meine Brüder und Schwestern. In diesem Zeitalter der Vernunft, der Logik und der Argumentation muss die Wahrheit letztlich siegen, und die Grundsätze des Evangeliums, die auf ewiger Wahrheit gegründet sind, werden triumphieren. Wir brauchen keine Furcht zu haben, dass der Herr für Sein Volk sorgen wird. ¶
Ich überbringe euch Grüße von den Menschen in Mexiko und versichere euch, dass unsere Herzen, wie eure, im Werk des Herrn aufgehen; dass unser einziger Wunsch der Aufbau Seines Reiches, das Wohl der Heiligen der Letzten Tage und die Bekehrung der Welt ist. Dies ist unsere Mission, und bei uns ganz besonders die Bekehrung der Überreste des Hauses Israel, die uns umgeben. Wir schulden den Lamaniten sehr viel. Hat sich schon jemand die Zeit genommen, darüber nachzudenken, dass der Mann, der von Gott gesandt wurde, um den Propheten Joseph die Grundsätze des Evangeliums zu lehren, und der ihm zeigte, wo die Platten verborgen waren, die den Bericht enthielten, der übersetzt der Welt als das Buch Mormon gegeben wurde, einer der Vorfahren der Ureinwohner dieses Kontinents war? Das Buch Mormon kam von ihnen, und es enthält die Fülle des Evangeliums Christi wie kein anderes Buch. Daher fühlen wir, dass eine gewisse Verpflichtung auf uns liegt, dieses niedergetretene, unterdrückte Volk in Erinnerung zu behalten und mit der Hilfe Gottes ihre Erlösung herbeizuführen, durch Gehorsam gegenüber den Gesetzen und heiligen Handlungen des Evangeliums. Gebt uns euren Glauben und eure Gebete für dieses Werk; wir brauchen sie. Wir sind völlig von unseren Brüdern und Schwestern isoliert; wir sind von einem fremden Volk umgeben, mit einer fremden Sprache, mit Gebräuchen und Sitten, die von den unseren völlig fremd und verschieden sind; aber, Dank sei dem Herrn, wir sind bewahrt und gesegnet worden, und das Volk ist zufrieden und glücklich, mit seinem Los zufrieden und dem Werk, das ihm zugewiesen worden ist, ganz hingegeben. ¶
Möge Gott euch segnen, meine Brüder und Schwestern, und uns allen helfen, unsere Pflichten zu erfüllen, damit wir schließlich den Triumph der Wahrheit sehen mögen. Ich bitte darum im Namen Jesu. Amen. ¶