Das geschriebene Wort genügt nicht
John W. Taylor
Liebe Brüder und Schwestern und Freunde: Ich bete, daß der Geist des Herrn mich leiten möge in dem, was ich heute morgen sagen werde – Ich fühle mich veranlaßt, zunächst Zeugnis von der Wahrheit der Bemerkungen abzulegen, die von denen gemacht worden sind, die mir vorangegangen sind – Ich möchte die Aufmerksamkeit dieser Versammlung auf eine Aussage von Bruder Merrill lenken, worin er sagte, die lebendigen Orakel seien von größerer Bedeutung als das geschriebene Wort – Ich möchte etwas bei diesem Punkt verweilen, um Zeugnis für diese Ansicht abzulegen; denn es ist eine weitreichende Behauptung – Als Bruder Merrill diese Bemerkung machte, kehrte mein Sinn zurück zur Geschichte der Welt und den Handlungsweisen Gottes, des Ewigen Vaters, mit den Menschenkindern seit den Tagen unseres Vaters Adam – Wir finden, daß sich zu Beginn die Menschenkinder von unserem Stammvater Adam vermehrten und auf Erden sehr zahlreich wurden, und sie hatten in ihrer Mitte das geschriebene Wort Gottes – Aber sie wichen davon ab – Was war unter diesen Umständen nötig? Nun, es wurde nötig, daß der Herr einen Propheten erweckte, und Er inspirierte Seinen Diener Noah, das Volk zur Umkehr aufzurufen – Ich erwähne diese Tatsache, um euch zu zeigen, daß sie zwar das geschriebene Wort Gottes in ihrer Mitte hatten, aber dennoch alle davon abgewichen waren – Sie brauchten das lebendige Wort – Wie der Prophet sagt: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ Ein anderer alter Prophet sagt: „Nein, Gott der HErr tut nichts, ohne zuvor seinen Ratschluß seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart zu haben.“ Unter den Umständen, auf die ich angespielt habe, war es nötig, daß der Herr einen mächtigen Propheten erweckte, und Noah begann daher, jenem Volk das Evangelium der Umkehr zu predigen – Er predigte etwa 120 Jahre lang – mit welchem Erfolg, wißt ihr alle, die ihr die Schriften gelesen habt – Acht Seelen, ihn selbst eingeschlossen, wurden in der Arche gerettet ¶
Als dann diese acht Seelen sich zu vermehren und die Erde zu füllen begannen und ein großes und zahlreiches Volk wurden, während alle Handlungsweisen Gottes mit Seinem Volk sorgfältig aufgezeichnet wurden und das Wort Gottes, soweit es geschrieben war, ihnen überliefert wurde, genügte das, um sie zu retten und zu leiten? Nein – Es war nötig, daß der Herr einen anderen Propheten erweckte; und der Reihe nach wurden verschiedene Propheten erweckt – Aber das Volk entfernte sich so weit von der Wahrheit, daß es abgöttisch wurde und Menschenopfer darbrachte – Während der Herr ihnen Gebote hinsichtlich des Grundsatzes der Sühne durch das Blut von Tieren usw. gegeben hatte, begannen sie, Gottes Gesetz auszudehnen, und führten die Praxis ein, Menschenopfer darzubringen – Der Herr war darüber sehr mißfallen – Dennoch hatten sie das geschriebene Wort vor sich, aber sie beachteten es nicht – Es wurde nötig, einen mächtigen Propheten zu erwecken – Darum kam der Herr mitten unter diese Götzendiener herab und erschien Abraham, der der Sohn Terachs von seiner zweiten Frau war – Der Herr hatte Wohlgefallen an Abraham, denn er war ein guter Mann, und Er sprach zu Abraham: ¶
„Verlass dein Land und deine Verwandtschaft und deines Vaters Haus und ziehe in das Land, das ich dir zeigen werde; ¶
denn ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen werden. ¶
Ich will die segnen, die dich segnen, und wer dich verflucht, den will ich verfluchen; und in dir sollen alle Generationen der Erde gesegnet werden.“ ¶
Der Herr gebot Abraham, das Haus seines Vaters zu verlassen, weil sein Vater Terach sich anschickte, ihn seinem Gott zu opfern ¶
Hier ist ein weiteres Beispiel, in dem ihr die Notwendigkeit sehen werdet, daß sich der Herr offenbart und einen Propheten erweckt, weil alle Menschenkinder in Götzendienst verfallen und von dem Plan des Lebens und der Errettung abgewichen waren, den der Herr ihnen zuvor offenbart hatte – Dennoch hatten sie das geschriebene Wort in ihrer Mitte – Rettete sie das geschriebene Wort? Nein – Hätte das geschriebene Wort das Ziel erreicht, jenes große Volk vom Götzendienst abzuwenden? Nein – Was war nötig? Es war nötig, genau das zu tun, was getan wurde – daß unser Vater im Himmel kam und Abraham persönlich besuchte ¶
Danach sagte der Herr, als Er von Abraham sprach: „Ich kenne ihn, daß er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebieten wird, und sie werden den Weg des Herrn halten, um Recht und Gerechtigkeit zu üben.“ Darum sprach Er über ihn den großen Segen aus – daß seine Nachkommenschaft so unzählbar werden sollte wie die Sterne am Himmel und so zahllos wie der Sand am Meeresstrand – Wenn die Kinder Gottes wahren Reichtum verstehen und das, was sie wie Gott machen wird, werden sie ihn darin finden, daß sie ihrerseits über ihre Nachkommenschaft vorstehen, wie unser Vater jetzt über die Seine vorsteht, und in der Tatsache, daß sie Frauen und Kinder haben, ihre Nachkommenschaft sich vermehrt und wächst, und der Grundsatz der Fortsetzung der Leben ihnen für immer und immer anvertraut ist ¶
Ich möchte noch ein wenig weitergehen – Die Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs begannen sich zu vermehren und auf dem Angesicht der Erde zu wachsen und wurden ein großes Volk – Dennoch versäumten sie es, die Gebote zu halten, die der Herr ihnen gegeben hatte – Aber sie hatten das geschriebene Wort in ihrer Mitte – Rettete sie das? Nein, das tat es nicht – Sie gerieten in Knechtschaft der Ägypter – Was war die Sache? Lag es daran, daß nichts über die Handlungsweisen Gottes mit Seinem Volk vor ihrer Zeit geschrieben war, daß sie in diesem schrecklichen Zustand waren? Nein – Es lag daran, daß sie die Gesetze übertreten, die Verordnungen geändert und sich von den Gesetzen des Lebens und der Errettung abgewandt hatten – Was war unter diesen Umständen nötig? Es war nötig, einen Mann zu erwecken, der mit Gott, dem Ewigen Vater, verkehren konnte – Wiederum versagte das geschriebene Wort, das Volk zu retten – Der Herr erschien Mose im brennenden Busch und gebot ihm, hinzugehen und seinen Bruder Aaron zu seiner Hilfe zu rufen, und dem Pharao im Namen des Herrn zu sagen, Sein Volk in die Wüste ziehen zu lassen – Hätte das geschriebene Wort jemals König Pharao dazu bewegt, das Volk Israel freizulassen? Nein – Es war nötig, daß der Herr Seine mächtige Macht zeigte, indem Er über jenes Volk die Plagen der Erde brachte, gemäß der Stimme Seines Dieners Mose, den Er inspiriert hatte – Es war auch nötig, daß der Herr ¶
die Erstgeborenen aller Ägypter niederschlug – Hätte das geschriebene Wort das bewirkt? Mose ging hinaus, nachdem er mit Gott gesprochen hatte, erfüllt mit einem Teil Seines Geistes und Seiner Macht – Er ging nicht mit dem geschriebenen Wort von etwas hinaus, das sich in den Tagen Noahs zugetragen hatte, und sagte: Siehe, Noah wurde von Gott berufen, Gerechtigkeit zu predigen, und das Volk bereute nicht; darum wurde es durch eine Flut vernichtet – Nein; König Pharao war zweifellos mit der Geschichte der Welt vertraut, aber das hatte nicht mehr Wirkung auf ihn als das Wehen des Windes – Aber als der Prophet Mose in seine Gegenwart kam und die Plagen, eine nach der anderen, über das Volk ausgegossen wurden, gemäß dem Willen Gottes, wie ihn Sein Diener Mose vorhergesagt hatte, begann sein Herz weich zu werden – Als schließlich die Erstgeborenen Ägyptens vernichtet wurden, hatten die Israeliten genug Zeit, in die Wüste hinauszukommen; aber kaum waren sie hinausgekommen, wurden sie sogleich von den Heerscharen Pharaos verfolgt ¶
Ich erwähne dies, um euch die Notwendigkeit zu zeigen, daß ein weiterer Prophet erweckt wurde – Ich sage euch, es mögen in vergangenen Zeitaltern Hunderte und Tausende von Propheten gelebt haben, aber das genügt nicht für den Tag und das Zeitalter, in dem wir leben – Ich will rasch weitergehen, denn mir bleiben nur noch vier Minuten zum Sprechen; aber ich möchte, solange ich auf den Füßen bin, ebenso zum Thema wie zum „Zeichen“ sprechen ¶
Es gibt noch einen anderen bemerkenswerten Umstand, auf den ich hinweisen möchte – Der Herr, unser Gott, wünschte, daß nach den Tagen, von denen ich gesprochen habe, Seinem hohen und heiligen Namen ein mächtiger Tempel erbaut werde – War in dem, was der Herr zum Propheten Noah oder zum Propheten Abraham oder zum Propheten Isaak oder zum Propheten Jakob gesagt hatte, irgend etwas, das die Menschenkinder lehren würde, wie man Gott einen Tempel baut? Nein; es gab kein geschriebenes Wort dieser Art – Was war daher nötig? Es war nötig, daß der Herr, unser Gott, Seinen Sinn und Willen Seinem Diener, dem Propheten, offenbarte, damit dieser wissen könnte, wie man einen Tempel baut; und Er erweckte einen Mann, um dem Namen Gottes einen Tempel zu erbauen – Dies war König Salomo – Ein wenig später finden wir einen weiteren eigentümlichen Umstand, der sich zutrug und die Gedanken Bruder Merrills in seinem heutigen Zeugnis bestätigt – Wir finden, daß König Nebukadnezar einen Traum hatte, der einen Teil der zukünftigen Geschichte dieser Welt betraf und darstellte, was der Sinn und Wille Gottes hinsichtlich mancher Dinge war, bis herab sogar auf den Tag und das Zeitalter, in dem wir leben – Aber der Traum entschwand ihm, und er wollte, daß dieser Traum ihm mit seiner Deutung wieder ins Gedächtnis zurückgebracht werde – Konnte er, indem er die Unterweisungen Gottes an Salomo darüber, wie man einen Tempel baut, las, lernen, wie er jenen Traum wieder in sein Gedächtnis zurückbringen könnte? Nein; es war nötig, daß der Herr Seinen Diener Daniel rief, der hinausging und durch die Macht des Heiligen Geistes Nebukadnezar den Traum erzählte und ihm dessen Deutung gab ¶
Ich sage euch, die wechselnden Szenen des Lebens sind so beschaffen, daß wir Männer brauchen, lebendige Männer, die von Gott inspiriert sind – Wie Christus zum Teufel sagte, als dieser Ihn versuchte: „Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ergeht.“ Ich möchte, meine Freunde, euch dieses Zeugnis geben – Laßt mich aus dem 12. Kapitel des ersten Briefes des Paulus an die Korinther zitieren und all die bemerkenswerten Umstände übergehen, in denen Gott, der Ewige Vater, fortwährend Propheten und Seher erwecken mußte, um das Volk zurechtzubringen; denn die Geschichte dieser Welt zeigt, daß das Volk sich, sobald es ein wenig Zeit hat, sich zu vermehren und zu wachsen, vom Wort Gottes abwendet – Als Christus kam, führte Er unter den Menschenkindern ein eigentümliches System ein, und Paulus spricht von einigen Dingen, die Er in Seiner Kirche einsetzte ¶
„Und zwar hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens die einen zu Aposteln, zweitens (andere) zu Propheten (oder: geisterfüllten Predigern), drittens (noch andere) zu Lehrern; sodann Wunderkräfte, sodann Gaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Verwaltungsgeschäfte, mancherlei Arten von Zungenreden.“ ¶
In seinem Brief an die Epheser spricht Paulus ebenfalls über dieses Thema – Er sagt: ¶
„Und eben dieser ist es auch, der die einen zu Aposteln bestellt hat, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, noch andere zu Hirten und Lehrern, ¶
um die Heiligen tüchtig zu machen für die Ausübung des Gemeindedienstes, für die Erbauung des Leibes Christi: ¶
daß wir nicht länger unmündige Kinder seien, die von jedem Wind der Lehre durch das Trugspiel der Menschen, die mit Arglist auf Irreführung ausgehen, hin und hergeworfen und umhergetrieben werden.“ ¶
Auch wird uns im selben Brief gesagt, daß Gott diese in der Kirche eingesetzt hat, „bis wir endlich allesamt zur Einheit des Glaubens gelangen“ – Ich frage euch, meine Freunde, sind wir in der Welt zu einer Einheit des Glaubens gelangt? Wir sind geteilt und unterteilt in Hunderte von Sekten und Parteien – Was ist dann nötig? Nun, wie in den anderen Umständen, auf die ich hingewiesen habe, ist es nötig, daß der Herr, unser Gott, einen mächtigen Propheten erweckt, um die Menschenkinder in diesem großen Irrtum zu berichtigen, den sie auf der ganzen Welt begehen – Und dieser Notwendigkeit gemäß ist der Herr in dieser Zeit, wie in allen Zeitaltern, zu Hilfe gekommen, und Er hat den Propheten Joseph Smith als Propheten, Seher und Offenbarer erweckt – Er kam herab und teilte Seinen Sinn und Willen dem Propheten Joseph persönlich mit, wie Er es unserem Vater Abraham und Jakob und Mose getan hatte; und Er hat geboten, wie Präsident Woodruff hier heute gesagt hat, daß dieses Evangelium des Reiches in aller Welt gepredigt werden soll, zum Zeugnis für alle Nationen, und dann wird das Ende kommen – Betet nicht heute die ganze sektiererische Welt: „Unser Vater, der Du bist im Himmel, Dein Reich komme und Dein Wille geschehe“? Laßt mich euch sagen, meine lieben Freunde, wenn es kommt, wird es mit Aposteln kommen, mit Propheten, mit inspirierten Männern, mit Männern, die erweckt werden, wie Männer in alten Zeiten erweckt wurden – Petrus sagte: „Wenn jemand redet, so rede er wie die Orakel Gottes.“ In jenen Tagen redeten sie nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, sondern wie Männer, die Vollmacht haben – Sie redeten nicht nach dem Willen des Menschen, sondern was ihnen auch immer offenbart wurde, das redeten sie zu den Menschenkindern ¶
Gott segne euch, meine lieben Freunde, und leite euch auf die Wege aller Wahrheit – Möge Er Seinen Heiligen Geist über jede Seele ausgießen, die auf dieser Konferenz ist, damit die Heiligen der Letzten Tage sich freuen können, und damit diejenigen, die nicht von uns sind, in ihren Herzen gestochen werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen mögen, damit wir alle errettet und in Seinem Reich erhöht werden mögen, ist mein Gebet, im Namen Jesu Christi – Amen ¶