Pulpit

Die Mission der Heiligen

George Q. Cannon

Generalkonferenz Oktober 1897·Dritter Tag, Nachmittagsversammlung·1897-10-06

Die Hoffnungen und Erwartungen der Heiligen der Letzten Tage unterscheiden sich wahrscheinlich von denen jedes anderen Volkes in der Christenheit, wenn nicht in der ganzen Welt – Wir blicken, wie Bruder Penrose gesagt hat, der Zeit entgegen, da die ursprünglichen Zustände wiederhergestellt werden; da wir das Paradies auf Erden haben werden, da Eden der Erde wiedergegeben wird, da Satan gebunden wird, da eine Herrschaft der Gerechtigkeit anbrechen wird, da die Sünde vom Angesicht der Erde verbannt wird, da das, was man die tausendjährige Herrlichkeit genannt hat, anbrechen wird – Wir erwarten, daß dies nicht allein durch das Eingreifen des Herrn zustande gebracht wird, sondern durch den Menschen, der, vom Herrn geleitet, arbeitet, um diese Ergebnisse zu erzielen – Ich kenne kein anderes Volk auf dem Angesicht der Erde, das sich solchen Erwartungen hingibt oder das erwartet, daß diese Ergebnisse auf die Weise zustande gebracht werden, wie wir es tun – Man denkt gemeinhin, dies werde durch die Kundgebung der Macht Gottes geschehen, fast unabhängig von menschlicher Handlungsfreiheit und menschlichem Bemühen; aber uns ist gelehrt worden, daß wir die Kinder Gottes sind und daß Er Seine Ergebnisse dadurch erzielt, daß Er Seinen Kindern hilft, sie lehrt und sie ihre Handlungsfreiheit in der Richtung ausüben läßt, die Er weist – Da dies so ist, sollten wir uns die Unterweisungen, die wir empfangen haben, zu Herzen nehmen und erkennen, daß der Herr uns eine Mission gegeben hat und daß wir aufgerufen sind, unsere äußersten Fähigkeiten aufzubieten, um die vorhergesagten Ziele zu erreichen – Ich denke, wenn wir alle dies täten und fühlten, daß die Erreichung dieser Ziele von uns abhängt, einzeln wie auch gemeinsam, so würde dies die Wirkung haben, uns anzuspornen und zu großem Fleiß aufzurütteln – Ich glaube, daß diejenigen von uns, die nicht arbeiten werden, um diese Ziele zu erreichen, aus der Mitte der Heiligen der Letzten Tage entfernt werden – Ich glaube nicht, daß Menschen in dieser Kirche bleiben können, während das Ende naht, und dabei untätig, träge, gleichgültig und sündig bleiben – Gott hat uns berufen, dieses Werk zu tun; und wenn Er Männer beruft, wie wir gesehen haben, auf Missionen zu gehen, um bestimmte Ergebnisse in der Predigt des Evangeliums zu erzielen, und sie in jener Mission nicht so arbeiten, wie sie es sollten, so nimmt Er Seinen Geist von ihnen – So auch, da uns diese große Mission zugeteilt und zur Pflicht gemacht worden ist und wir Auftrag darüber erhalten haben, wird der Herr, wenn wir nicht trachten, jene Mission zu erfüllen, Seinen Heiligen Geist von uns zurückziehen – Er wird uns nicht gestatten, fortzufahren und Leben der Gleichgültigkeit und Sündhaftigkeit in bezug auf Sein Werk zu führen – Es ist die individuelle Errettung, die zu erreichen ist – Wenn ich errettet bin und wenn Satan, soweit es mich betrifft, gebunden ist, so muß es dadurch sein, daß ich das tue, was Gott von meinen Händen verlangt – Gott wird mir meine Handlungsfreiheit nicht nehmen – Wenn ich entschlossen bin, auf Satan zu hören und mich von seinem Geist beeinflussen zu lassen, wird Er mich, in der Ausübung meiner Handlungsfreiheit, dies tun lassen – Aber ich muß die Folgen eines solchen Tuns tragen – Wir sehen dies veranschaulicht in der Geschichte von Abel und Kain – Kain liebte Satan mehr als Gott und hörte auf ihn; er wurde der Diener Satans, so weit, daß er tat, was jener von ihm verlangte – Nun, er hätte anders handeln können; er hätte tun können, was Abel tat; aber er wählte, anders zu handeln, und mußte die Folgen seines Verhaltens erdulden

Wir sprechen davon, daß Satan gebunden werde – Satan wird durch die Macht Gottes gebunden werden; aber er wird auch durch die Entschlossenheit des Volkes Gottes gebunden werden, nicht auf ihn zu hören, sich nicht von ihm regieren zu lassen – Der Herr wird ihn nicht binden und ihm seine Macht von der Erde nehmen, solange es Männer und Frauen gibt, die bereit sind, sich von ihm regieren zu lassen – Das wäre dem Plan der Errettung zuwider – Den Menschen ihrer Handlungsfreiheit zu berauben, ist den Absichten unseres Gottes zuwider – Es gab eine Zeit auf diesem Kontinent, von der wir einen Bericht haben, da das Volk so gerecht war, daß Satan keine Macht unter ihnen hatte – Fast vier Geschlechter vergingen in Gerechtigkeit – Sie lebten in Reinheit und starben ohne Sünde – Das geschah, weil sie sich weigerten, Satan nachzugeben – Es steht nicht geschrieben, daß Satan in anderen Teilen der Erde während jener Zeit keine Macht hatte – Nach aller Geschichte, die wir besitzen, hatte Satan dieselbe Macht über Menschen, die bereit waren, auf ihn zu hören – Aber in diesem Land hatte er keine Macht, und er war buchstäblich gebunden – Ich glaube, daß dies im Millennium der Fall sein wird; und ich schließe darauf, wie ich es bei jenem glücklichen Zustand tue, der in dem Bericht beschrieben ist, von dem ich spreche – Ich erwarte, daß, ehe Satan völlig gebunden wird, die Bösen vernichtet werden – Ihr kennt die Geschichte, die das Buch Mormon von jener Zeit gibt – Es gab eine große Vernichtung unter dem Volk – Der Herr suchte sie auf die schrecklichste Weise heim – Furchtbare Heimsuchungen fielen über sie, und die Bösen wurden buchstäblich ausgetilgt, ebenso wie die vorsintflutliche Welt durch die Flut ausgetilgt wurde – Jenes böse Geschlecht wurde völlig ausgerottet, und nur diejenigen blieben übrig, die gerecht waren – Ich sehe denselben Arten von Vernichtungen entgegen, die den herrlichen Ereignissen vorangehen werden, die sich in naher Zukunft ereignen werden – Die Erde wird durch Feuer heimgesucht werden – Präsident Smith sagte uns gestern, daß „wer verzehntet ist, bei Seinem Kommen nicht verbrannt werden soll“ – Ich glaube, daß buchstäbliches Feuer über die Erde kommen wird, und Heimsuchungen und Vernichtungen von so allgemeiner Art, daß die Erde sozusagen verbrannt werden wird, so daß nur wenige Menschen übrigbleiben werden – Wenn die Hülle von unserer Stadt weggenommen werden könnte, und von den Städten der Welt – Ich würde unsere Stadt nicht mit vielen vergleichen; aber selbst wenn sie von unserer Stadt weggenommen würde, wir, die wir heute hier sind, würden vor dem Anblick erschrecken – Die Greuel und die heimliche Bosheit, die unter den Nationen geübt werden, dringen unter uns ein – Unaussprechliche Praktiken schleichen sich ein – Sie sind vielfältiger Art – Wenn wir überhaupt davon sprächen, müßten wir ihren abscheulichen Charakter verhüllen – In unserer eigenen Nation und in den Nationen der Erde herrscht ein Zustand der Dinge, der uns, wenn wir ihn kennten, erschrecken würde – Gestattet mir, auf einen Fall anzuspielen

In England wurde vor kurzem ein Mann, der sich in der Gesellschaft als Mann von Bildung und Geschmack aufgespielt und über Ästhetik doziert hatte, eines höchst abscheulichen Verbrechens für schuldig befunden – eines Verbrechens, für das nach dem alten Gesetz die Todesstrafe stand; eines Verbrechens, das von den Völkern des Altertums begangen wurde und Gott veranlaßte, ihre Vernichtung und Ausrottung zu gebieten – Dieses Verbrechen wurde diesem Mann nachgewiesen, und einige seiner Genossen waren sogenannte Adlige – Er wurde ins Gefängnis geschickt – Nachdem seine Haftzeit abgelaufen war, kommt er aus dem Gefängnis und ist nun, wie veröffentlicht wird, damit beschäftigt, ein Buch zu schreiben, und, so nehmen wir an, wird trotz Schuld an diesem unnennbaren Verbrechen wieder in die Gesellschaft aufgenommen – Und ist dies häufig? Wenn wir dem glauben dürfen, was uns berichtet wird, ohne selbst nachzuforschen, so ist dies und verwandte Bosheit weit zu häufig – Dieselbe Sünde, die die völlige Vernichtung von Sodom und Gomorra verursachte! Dieses und andere abscheuliche Verbrechen werden begangen – Wie sollen diese aufhören? Nur durch die Vernichtung derer, die sie begehen – Denn bliebe auch nur ein kleines Nest solcher Schuldiger übrig, so würden sie bald andere verderben, wie manche unter uns bereits verdorben werden – Als wir in diese Berge kamen, hofften wir, einen Ort zu finden, wo wir abgeschieden von den Greueln Babylons leben könnten – Aber selbst hier an diesem abgeschiedenen Ort dringt die Bosheit ein und wird in diesem Land geübt, das wir dem Herrn als ein Land Zions geweiht haben! Wie kann dies aufhören? Nicht solange, wie es Menschen gibt, die Kenntnis dieser schmutzigen Verbrechen besitzen – Der einzige Weg, soweit ich es als das Wort Gottes verstehen kann, ist, daß der Herr sie austilgt, damit niemand übrigbleibt, um die Kenntnis dieser schrecklichen Praktiken unter den Menschenkindern fortzupflanzen – Und Gott wird es tun, so gewiß, wie Er durch den Mund Seiner Propheten gesprochen hat – Er wird die Bösen vernichten, und diejenigen, die übrigbleiben werden, werden sein wie die Nephiten, nachdem die Bösen alle vertilgt waren; sie waren gerechte Männer und Frauen, die über zweihundert Jahre lang nach dem Gesetz des Himmels lebten

Die Pflicht, die uns obliegt, ist, selbst rein zu leben und unsere Kinder ein Leben der Reinheit führen zu lassen – Es herrscht zu viel Lockerheit unter uns – So viel man uns auch über Tugend lehrt, hören wir gelegentlich von Taten, die uns den größten Schmerz bereiten – junge Leute, die sich unzüchtigen Handlungen hingeben; Kinder, die zwei, drei und vier Monate früher geboren werden, als sie sollten – Es ist ein außerordentlicher Zustand, daß die ersten Kinder mancher Ehen manchmal fünf Monate und sogar weniger nach der Heirat geboren werden – Dies ist ein Beweis für etwas sehr Verkehrtes – Und das ist nicht alles – Wir können nicht wissen, was im geheimen geschieht – Dies wird öffentlich bekannt, weil der Beweis der Sünde ans Licht kommt und nicht verborgen werden kann, ohne ein noch abscheulicheres Verbrechen zu begehen – Und dies unter einem Volk, wie wir es sind! Es ist eine Schande für uns – Doch vieles davon ist unserer Nachlässigkeit zuzuschreiben – Väter und Mütter schenken ihren Kindern, ihren Gewohnheiten und ihren Verbindungen nicht die Aufmerksamkeit, die sie sollten – Wenn sie sie mit Sorgfalt beobachteten und sich erkundigten, wohin sie gingen und mit wem sie verkehrten, und Schutzmaßnahmen um sie errichteten, würden solche Dinge nicht geschehen – Es gibt Zustände der Gesellschaft, sogar unter anderen Nationen, wo solche Dinge sehr selten sind, wegen der Gewohnheiten des Volkes – Väter und Mütter bewachen ihre Töchter mit größter Umsicht und Wachsamkeit – Frankreich ist eine dieser Nationen – Obgleich Frankreich als ein verdorbenes Volk gilt, werden die Töchter des Volkes bewacht, und ihr Umgang mit dem anderen Geschlecht wird so behütet, daß dergleichen kaum jemals vorkommt – Aber bei uns herrscht zu viel Vertraulichkeit zwischen den Geschlechtern – Es ist verkehrt; es führt zu schlimmen Ergebnissen – Die Begehung der Sünde macht Leben unglücklich – Keine Frau kann die Verfehlung ihres Mannes vergessen, und kein Mann kann jemals seine eigene Sünde vergessen – Es ist ihnen ihr Leben lang schmerzlich, daran zu denken – Wir sollten uns als Volk davor hüten – Alle Arten von Übeln schleichen sich ein – Wir haben hier Männer, denen eine Frau nicht mehr vertrauen kann als in der Höhle eines Wolfes – und Männer von angesehenem Äußeren, die sich verhalten, als könnten sie Gentlemen sein – Eltern wären ebenso sicher, wenn sie eine Tochter einem wilden Tier anvertrauten wie einem von ihnen – Diese Klasse von Männern macht Jagd auf das andere Geschlecht und hat sich eingeredet, es sei weder sündig noch verkehrt – Sie zerstören die Tugend, wo sie können, und sind stolz darauf – Sie glauben nicht, daß es unter Männern Tugend geben müsse, und alle Frauen, die sie zur Nachgiebigkeit gegenüber ihren Wünschen bewegen können, betrachten sie als ihre rechtmäßige Beute – Und diese Leute kommen unter uns und verkehren mit uns! Auch unsere jungen Männer verkehren mit ihnen, und manche nehmen sich ein Beispiel an ihnen – Wir haben kürzlich von einem Vorfall dieser Art gehört, der unsere Seelen bis ins Innerste aufgewühlt hat

Wann werden diese Dinge enden? Wenn Gott die Bösen mit Seinen Gerichten heimsucht, wie Er es tun wird – Dann werden diese Praktiken und die Bösen und die Kenntnis ihrer Bosheit vernichtet werden – Dann, so hoffe ich, werden die schmutzigen Einzelheiten und die genauen Formen und Methoden dieser Greuel geheim gehalten werden, so wie der Prophet Alma seinem Sohn Helaman hinsichtlich der geheimen Eide und Bündnisse der Jarediten riet, die von den Tagen Meister Mahans herrührten, von dem wir in der neuen Übersetzung lesen und der das Haupt jener geheimen Vereinigung war, die sich zusammenschloß, um Morde und Werke der Finsternis zu begehen – Alma sprach zu Helaman:

„Darum sollst du diese geheimen Pläne ihrer Eide und ihrer Bündnisse vor diesem Volk verbergen, und nur ihre Bosheit und ihre Morde und ihre Greuel sollst du ihnen kundtun; und du sollst sie lehren, solche Bosheit und Greuel und Morde zu verabscheuen; und du sollst sie auch lehren, daß dieses Volk seiner Bosheit, seiner Greuel und seiner Morde wegen vernichtet wurde.“

So, hoffe ich, wird es bei uns sein – Die Kenntnis der Bösen und ihrer Vernichtung wird unter uns bewahrt bleiben; aber der Greuel und die Bosheit selbst werden der menschlichen Kenntnis verborgen bleiben, damit die Bosheit auf Erden abgeschafft werde und die Herrschaft der Gerechtigkeit anbreche

Meine Brüder und Schwestern, indem ich in dieser Weise rede, gebe ich mich keiner Theorie hin – Ich will nicht im geringsten übertreiben hinsichtlich der bestehenden Zustände – Meine Pflichten haben mich veranlaßt, viel mit der Welt zu verkehren; aber ich habe die Kenntnis von Dingen vermieden, die mir offengestanden hätten, wenn ich sie hätte betrachten oder mich danach erkundigen wollen – Trotzdem war es mir unmöglich, beträchtliche Kenntnis über viele böse Praktiken zu vermeiden, und wie wenig Sünde ihnen von den Menschen der Welt beigemessen wird – Dies ist das erschreckende Merkmal der Gesellschaft – Männer mögen verführen; Männer mögen sich der Niedertracht schuldig machen; Männer mögen sich durch ihren Umgang mit dem anderen Geschlecht einen schlechten Ruf zuziehen; und dennoch wird die Gesellschaft sie aufnehmen und ihre Vergehen entschuldigen; ja, es ist mir manchmal so vorgekommen, als seien Männer dieser Art, bei einer gewissen Klasse von Frauen, anziehender als reine, bescheidene, schüchterne Männer – Man denkt anscheinend mehr von ihnen wegen des Ruhmes, den sie in ihren Eroberungen der Tugend errungen haben – Aber ein armes Mädchen, das auf solche Weise fällt, wird in den Staub getreten und wird eine verlorene Seele! Und ihr eigenes Geschlecht, während es den Verführer bewundert und ihn in seine Gesellschaft aufnimmt, wird oft am heftigsten und leidenschaftlichsten in seiner Verurteilung der armen Schwester sein, die durch die Listen und verführerischen Einflüsse des Mannes gefallen ist – Nun, dies alles ist verkehrt – Doch dieses Gefühl herrscht auch bei uns in gewissem Maße – Männer sollten, und ich glaube, der Herr hält sie in solchen Fällen, zu einer weit strengeren Verantwortung gehalten werden als Frauen – Die Frau hat mit ihren eigenen Leidenschaften zu kämpfen; aber wenn dazu noch das Drängen des Mannes kommt, sollte die Frau nicht mit Barmherzigkeit betrachtet und anders angesehen werden als jenes niederträchtige Geschöpf, das, mit Kraft und Macht ausgestattet, sein Drängen zu ihrer Schwäche hinzufügt und sie überwältigt und zum Opfer seiner unheiligen Begierde macht? Ich sage, Ja, ja! Solche Männer werden verdammt werden; und wenn es eine tiefere Verdammnis als eine andere gibt, werden sie ihr überantwortet werden

Wenn wir nun wollen, daß unsere Geschlechter auf der Erde leben und durch die tausend Jahre hindurch fortbestehen; wenn wir Vertreter unter den Menschenkindern während jener glücklichen Zeit haben wollen, müssen wir jetzt den Grund dafür legen – Wie uns während dieser Konferenz gesagt worden ist, der Tag des Herrn kommt: er ist nahe herbeigekommen; und wenn wir und unsere Kinder leben, so wird es sein, weil wir uns bemühen, rein zu sein – Kein Geschlecht kann von nun an für längere Zeit leben, wenn es nicht rein ist; denn Gott hat es gesagt, und Sein Wort kehrt nicht unerfüllt zurück – Schon jetzt könnt ihr sehen, wie diese Kirche im Fortgang gereinigt wird – Betrachtet die Familien, die wir in der Kirche gekannt haben, und seht, wie sie ausgedünnt werden, gerade als gingen wir durch eine Siebmaschine – Und wenn wir sehen, wie wenige von denen, die wir gekannt haben, an der eisernen Stange festgehalten und ihren Glauben bewahrt haben, so werden wir veranlaßt zu fragen, wer denn errettet werden kann? Wie viele Familien gibt es dann, die nach dem Tod von Vater und Mutter nicht mehr unter den Heiligen Gottes gezählt werden! Dies ist ein Reinigungsprozeß, der im Gange ist, und er wird immer mehr fortschreiten, weil wir vorwärtsschreiten – Der Herr wird uns zu strengerer Verantwortung ziehen, als Er es je getan hat, weil wir mehr Licht haben und weil das Ende naht – Das Ende naht in der Tat, und der Herr Jesus wird in den Wolken des Himmels kommen, wie vorhergesagt worden ist, und Er wird auf der Erde herrschen, und über ein reines Volk – Sein Volk wird gereinigt und rein gemacht werden durch die Vernichtung der Bösen und die Bewahrung der Gerechten – Das ist der Grund, warum jeder weise Mann und jede weise Frau das Wort der Weisheit hält – Sie wollen leben und bewahrt werden, wenn diese Heimsuchungen und Gerichte über die Erde hinwegfegen – Wir sollten es unter einem Volk, wie wir es sind, nicht eine Minute lang zu predigen brauchen – Jeder Mann und jede Frau sollte entschlossen sein, jenes Wort zu halten, damit sie den Segen haben, damit sie und ihre Kinder leben und nicht durch Seuche und Krankheit umkommen mögen – Solche Personen werden wünschen, daß jedes ihrer Kinder es vermeide, gegen den Rat Gottes in diesen Dingen zu verstoßen – Sie werden auch, außer daß sie das Wort der Weisheit halten, sagen: „Ich will meinen Zehnten bezahlen – Ich erwarte, daß es eines Tages ein Verbrennen geben wird, und ich möchte bewahrt werden, wenn der Tag des Verbrennens kommt – Ich möchte das Gesetz halten, das die Erfüllung der Verheißungen Gottes bringen wird.“ Sollten nicht wir hier in diesem Jahr 1897 so leben?

Viele haben vermutet, daß der Herr bis jetzt schon in Seiner Herrlichkeit gekommen wäre – Er ist noch nicht auf jene Weise gekommen – Aber Er kommt, und Sein Kommen ist nahe herbeigekommen – Darum sollten wir uns alle bemühen, so zu leben, daß wir auf Sein Kommen vorbereitet sind; wir sollten den Weg bereiten, indem wir Seine Gebote halten und so leben, daß Satan, soweit es uns und unsere Familien betrifft, gebunden wird – Es liegt uns ob, so zu leben; denn der Herr wird, das kann ich euch versichern (ich spreche mit Wissen in diesem Punkt), nicht immer mit uns Geduld haben – Die Ältesten können sich nicht, wie sie es in der Vergangenheit getan haben und noch tun, im Predigen des Wortes Gottes an dieses Volk verzehren, ohne daß der Herr das Volk für seinen Ungehorsam verantwortlich macht, wenn es jenes Wort zurückweist – Der Herr wird ein reines Volk haben – Er wird ein Volk haben, dessen Herzen verändert sind

Manche religiösen Gesellschaften, wißt ihr, glauben ganz und gar an den Glauben als das einzig Wesentliche zur Errettung – Andererseits habe ich manche unserer Ältesten in das andere Extrem verfallen und die Werke fast als das einzig Notwendige betrachten hören, wegen des Ausspruchs des Jakobus – Aber das Wort Gottes, das wir haben, lehrt uns, daß wir von neuem geboren werden müssen und daß unsere Herzen verändert werden müssen und jedes böse Verlangen ausgemerzt werden muß – Unser ganzes Wesen sollte durch das Wirken des Geistes Gottes und die Grundsätze des Evangeliums verändert werden – Ich glaube, es war Bruder Cowley, der von einigen Abtrünnigen sprach, die sie fanden, während sie im Missionsfeld in Missouri arbeiteten – Als diese der Kirche angehörten, hatten sie den Geist Gottes nicht empfangen und genossen – Es gibt wahrscheinlich einige hier heute, deren Herzen niemals verändert worden sind, die niemals neue Wünsche gehabt haben, die niemals von ihren alten Begierden bekehrt worden sind, und der „alte Mensch“ ist noch bei ihnen – Es hat Menschen gegeben, die wir wahrscheinlich alle gekannt haben, die betrügen, lügen, sich betrinken und andere böse Dinge tun würden, gerade so, als wären sie nie in die Kirche Christi gebracht worden – Sind dies die Kinder Gottes? Nein; Gott erkennt solche Menschen nicht als die Seinen – Wenn Männer und Frauen sich der Kirche in Aufrichtigkeit anschließen, bereuen sie ihre Sünden, und sie haben neue Wünsche – Das Verlangen, Böses zu tun, wird ihnen genommen – Der Geist Gottes wird nicht in einem Menschen wohnen, der böse Begierden hat und nicht versucht, sie zu ersticken – Wir als Volk sollten trachten, in dieser Hinsicht bekehrt zu werden, wenn wir es nicht sind – Wenn wir seit unserer Taufe und unserer Verbindung mit der Kirche ebenso böse sind und ebenso böse Neigungen haben wie zuvor, dann müssen wir bekehrt und von neuem geboren werden

Wir hören viel von der Wiedertaufe reden, und die Erste Präsidentschaft und die Zwölf haben es für richtig gehalten, daß so viel Wiedertaufe aufhören sollte – Männer denken, wenn sie sündigen, sie brauchten sich nur vom Bischof wiedertaufen zu lassen, dann sei alles wieder in Ordnung und ihre Sünden seien vergeben – Dies ist ein Irrtum; er wird zum Verderben führen – Es gibt so etwas nicht im Evangelium des Herrn Jesus Christus – Es ist die Umkehr von der Sünde, die euch erretten wird, nicht die Wiedertaufe – Wenn ihr getauft worden seid und dann sündigt, so bereut die Sünde, bekennt sie, und macht das Bekenntnis so umfassend wie die Kenntnis der Sünde; bekennt sie euren Brüdern und Schwestern und bittet um ihre Vergebung; und bildet euch nicht ein, daß ihr, wenn ihr sündigt, einfach in die Wasser der Taufe hinabsteigen könnt und wieder alles in Ordnung sei. Täuscht euch nicht, Brüder und Schwestern. Sünder, laßt euch nicht durch einen solchen Irrtum betrügen. Mehr als dies ist nötig. Wir müssen unsere Sünden bereuen und sie Gott bekennen. Wir müssen mit gebrochenem Herzen und zerknirschtem Geist vor den Herrn treten und mit dem Geist des Bekenntnisses vor die Kirche. Wir sollten uns nicht scheuen, unsere Sünden zu bekennen; denn es ist keiner unter uns, der nicht ein Sünder wäre. Freilich gibt es verschiedene Grade der Sünde, und es besteht ein Unterschied in diesen Graden; aber kein Mann und keine Frau sollte, wenn er dem Bekenntnis eines anderen zuhört, sich brüsten und sagen: „Ich bin kein Sünder. Hier ist dieses arme Geschöpf, ein Sünder; oh, wie bemitleide ich ihn!“ Wenn wir in Demut zu Gott kommen, wird Er uns unsere Sünden und unsere Unvollkommenheiten und unsere Fehler zeigen; und wir werden Barmherzigkeit empfinden gegenüber unseren Brüdern und Schwestern, die, wie wir selbst, schwach und fehlbar sind. Wir werden voll Mitleid für sie sein, und wir werden ihnen vergeben. Dies ist die Gesinnung, die in jeder Brust vorhanden sein sollte, wenn Männer und Frauen, die gesündigt haben, kommen und ihre Sünden bekennen und demütig und zerknirscht sind. Wenn die Heiligen der Letzten Tage solche Dinge hören, regt sich ein Gefühl des Mitleids in ihren Herzen, und ihre Seelen fließen über von Anteilnahme, und sie sagen: „Ja, ja, wir vergeben dir, und wir wollen versuchen, alles zu vergessen. Geh hin, lieber Bruder (oder Schwester), bereue, und tue von nun an besser, und wir werden dir unseren Glauben und unsere Gebete schenken.“ So sollten die Heiligen empfinden, wenn ihre Brüder und Schwestern sündigen und es bereuen.

Auch der Herr wird von Mitgefühl bewegt; die Engel werden von Barmherzigkeit und Mitgefühl bewegt; und der Herr Jesus, der als Mittler zwischen unserem Vater und uns steht, ist voll Mitgefühl für Seine Brüder und Schwestern, wenn sie sündigen und es bereuen. O! Der ganze Himmel wird durch die Umkehr eines Sünders bewegt und aufgerüttelt zu dem Wunsch, dem armen Geschöpf zu helfen, das seine Sünden bekennt und wahrhaftig und aufrichtig bereut.

Brüder und Schwestern, da diese Konferenz sich nun ihrem Ende nähert, laßt uns bestrebt sein, aus den Lehren, die wir gehört haben, Nutzen zu ziehen. Ich bin während dieser Konferenz durch eine Sache erfreut worden. Ich glaube, die Nominierung der beiden Brüder, die berufen wurden, die Vakanzen im Kollegium der Apostel zu füllen, kam als Überraschung für die Gemeinde, wenn nicht für die Heiligen. Ich habe nicht gesehen, was die Zeitungen zu verschiedenen Zeiten gesagt haben; aber ich verstehe, daß sie den Namen jedes Mannes, der in der Kirche überhaupt hervortritt, ausgewählt und erwähnt haben, als könnte er berufen werden. Es ist offensichtlich, daß der Herr ihnen nichts gesagt hat. Seit diese Namen gestern vorgestellt wurden, sind mehrere zu mir gekommen und haben mir erzählt, der Herr habe ihnen offenbart, daß diese Männer erwählt würden. Ein Mann sagte mir, daß ihm im vergangenen April, als die Namen der Autoritäten des Pfahles, dem er angehört, vorgestellt wurden, kundgetan worden sei, daß Matthias F. Cowley einer der Zwölf Apostel sein würde. Er sagte dies seinen Gefährten und bat sie, es niederzuschreiben, da es sich erfüllen werde. Mehrere solche Fälle sind zu meiner Kenntnis gelangt. Ich habe nicht viel mit dem Volk verkehrt, weil wir so beschäftigt waren; aber ich bin über die Maßen erfreut gewesen, aus diesen Fällen zu erfahren, daß der Herr ein Gott der Offenbarung ist, nicht allein für die Erste Präsidentschaft und die Zwölf, sondern daß die Heiligen der Letzten Tage als Volk den Geist der Offenbarung besitzen. Es ist ein gesegnetes Ding, in einem Zeitalter zu leben, da Gott Seinen Sinn und Willen denen offenbart, die danach trachten. Es wird uns nicht immer alles gesagt; aber wenn wir Licht über irgendein Thema erlangen wollen, hat der Herr den Weg dazu bereitet. Er ist ein Gott, der Gebete hört und beantwortet. Er verbirgt sich nicht. Ich bin dankbar, daß wir nicht wie Israel in den Tagen des Elia sind. Die Propheten Baals schrien laut, sprangen auf ihren Altar, ritzten sich mit Messern und gaben sich allerlei Ausschweifungen hin, um das Ohr ihres Gottes zu erreichen, während Elia sie verspottete und sagte, vielleicht schliefe er oder sei auf Reisen gegangen. Das ist in weitem Maße der Zustand der Welt. Ich sage dies, ohne Respektlosigkeit zu beabsichtigen, denn es gibt in der Welt ebenso gute Menschen wie unter uns; aber ich sage es, weil es unter ihnen keine Offenbarung gibt, noch die Vorstellung, daß sie erlangt werden könne, und darum rufen Menschen vergeblich, wenn sie rufen; wenngleich es aufrichtige Seelen gibt, die glauben, daß der Herr ihre Gebete hören werde, und die Er auch hört. Als der Prophet Elia rief, hörte und erhörte unser Gott ihn. So ist es mit dieser Kirche. Sie ist die Kirche Jesu Christi, und wenn ihre Mitglieder Gott anrufen, erhalten sie Offenbarung von Gott, entsprechend ihrem Glauben und Fleiß und der Verantwortung, die auf ihnen ruht. Wie ich gestern abend in der Priestertumsversammlung sagte, hat es seit der Organisation dieser Kirche keine Minute gegeben, in der sie der Erkenntnis Gottes und der Stimme Gottes entbehrt hätte. Der Wille Gottes konnte erlangt werden; er ist erlangt worden. Und die Kirche wird nie ohne ihn gelassen werden. Die Vollmacht ist in der Kirche, sie zu leiten, wie Bruder Reynolds sagte. Die Engel und Häupter der Ausschüttungen, die auf Erden gewesen sind, sind gekommen und haben die Schlüssel, die sie innehatten, wiederhergestellt und sie dem Propheten Joseph Smith verliehen; und er hat sie den Aposteln versiegelt. Dieselbe Vollmacht, dieselben Schlüssel, dieselbe Macht, die ihm verliehen worden waren, übertrug er in ihrer Fülle den Zwölf Aposteln. Auf diese Weise sind die Schlüssel und jene Vollmacht rein und in der Fülle ihrer Macht auf der Erde bewahrt worden und sind hier in der Mitte dieses Volkes. In dieser Hinsicht stehen wir an der Spitze

Es steht geschrieben, daß die zehn Stämme aus dem Land des Nordens hervorkommen werden, und sie werden hierher zu denen kommen, die die Schlüssel in dieser Ausschüttung innehaben, um die Segnungen zu empfangen, die sie selbst nicht haben. Hier ist Ephraim, und Ephraim hält die Schlüssel inne. Die zehn Stämme sind dort, aber die Vollmacht, die Schlüssel zu halten, ist hier. Gott vollbringt ein mächtiges Werk unter den Nationen der Erde, uns größtenteils unbekannt. Mächtige Kräfte wirken unter Seiner Leitung in allen Nationen, um die Erfüllung Seiner Absichten herbeizuführen. Während dies alles vor sich geht, und wir mögen inmitten der Millionen der Erde nur wie eine kleine Handvoll erscheinen, wird hier in der Mitte dieses Volkes die Vollmacht gehalten, die Gott anerkennt, und hier sind die Schlüssel, durch die die Absichten Gottes erfüllt werden. Alles, was durch den Mund der heiligen Propheten gesprochen worden ist, wird zustande gebracht werden. Es wird eine Straße aufgeworfen werden; die zehn Stämme werden zurückkehren, und sie werden zu den Kindern Ephraims kommen, um ihre Segnungen zu empfangen.

Es gibt daher alles, was uns Mut machen kann. Laßt uns so leben, daß wir Erben und Empfänger dieser großen Segnungen sein werden. Laßt uns bestrebt sein, daß unsere Familien so leben, daß wir auf das Kommen des Herrn vorbereitet sind; daß wir nicht auf Satan hören, daß unsere Kinder seinen Überredungen ein taubes Ohr zuwenden und daß wir selbst ihnen mit gutem Beispiel vorangehen; daß wir sie lehren, sich vor allem zu erinnern, niemals eine Sünde zu begehen, die ihnen ihren Stand in der Kirche Christi kosten würde.

Gott segne euch alle, segne jeden, der dieser Konferenz beigewohnt hat, und erfülle uns mit dem Heiligen Geist und helfe uns, recht zu handeln. Gott segne unseren geliebten Präsidenten Wilford Woodruff. Gott sei gepriesen! Er hat die Gebete Seiner Diener und Seines Volkes für ihn erhört, daß sein Leben bewahrt werde, und er ist heute bei uns, erfüllt mit einer Kraft, die – sein Alter und seine Krankheit bedacht – wahrhaft erstaunlich ist. Gott segne ihn und alles, was ihn betrifft, und bewahre ihn. Wir möchten, daß er, wenn wir es könnten, für immer lebte. Gott segne euch alle, im Namen Jesu. Amen.

Diese Ansprache zitierenGeorge Q. Cannon, „Die Mission der Heiligen“, Generalkonferenz Oktober 1897, Dritter Tag, Nachmittagsversammlung (1897-10-06). Pulpit Vault, 1897-10-cannon-mission-of-the-saints. Übersetzung dieser Edition, nach Glossarmethode, archive.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).