Er kennt Sie mit Namen
Clement M. Matswagothata
Als ich vor Jahren bei einer Pfahlkonferenz nervös nach vorne ging, um eine Ansprache zu halten, wollte meine Tochter mich ein wenig beruhigen und sagte deshalb: "Papa, mach dir keine Sorgen, dass du einen Fehler machst. Hier wird sich sowieso niemand unseren langen Nachnamen merken." ¶
Mein Nachname, Matswagothata, kommt aus Botsuana. In meiner Muttersprache bedeutet er "einer schwierigen Situation entkommen" oder "jemand, der Schwieriges vollbringen kann". Und obwohl ich nicht immer das Gefühl hatte, dass ich Schwieriges vollbringen kann, erinnert mich mein Nachname daran, dass der Erretter uns durch jede Lebensphase leiten kann und wird – vor allem durch schwierige Zeiten. ¶
Wir alle brauchen auf unserem Lebensweg solche Hilfen, uns an Wichtiges zu erinnern. Vielleicht gibt uns unser liebevoller Vater im Himmel deshalb jede Woche die Gelegenheit, beim heiligen Abendmahl einen Bund mit ihm zu schließen. Er fordert uns auf, den Namen seines Sohnes auf uns zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Er gibt uns die Kraft, uns über die Herausforderungen des Erdenlebens zu erheben. ¶
So sehr mein Nachname meiner Familie auch Hoffnung und Widerstandskraft geschenkt hat, freue ich mich doch umso mehr über den Namen Jesu Christi, denn in und durch seinen Namen können alle, die zu ihm kommen, errettet werden. So wie Jesus Christus uns auffordert, immer an ihn zu denken und seinen Namen auf uns zu nehmen, denkt er auch an uns und kennt jeden von uns mit Namen. ¶
Im Alten Testament lehrte der Herr Mose diese tröstliche Wahrheit: "Ich kenne dich mit Namen." ¶
Im Garten von Eden rief er Adam. ¶
Auf dem Weg nach Damaskus rief er Saulus. ¶
Und im heiligen Hain rief er Joseph. ¶
Alle beim Namen. ¶
Und er kennt Sie und nennt auch Sie beim Namen – ob in einer überfüllten Stadt oder in einem stillen Dorf, welche Sprache Sie auch sprechen. Er hört, sieht und kennt Sie. ¶
Er kennt Ihre Freude und freut sich mit Ihnen. Er kennt Ihren Kummer und kann Ihnen beistehen und Sie aufrichten. Dank seines Sühnopfers kennt er Ihre Lasten, Ihren Schmerz und Ihre stillen Tränen. Der Prophet Alma erklärte, dass Jesus Christus durch sein Sühnopfer "die Sünden seines Volkes auf sich nehmen" werde. ¶
Alma sagte auch: "Er wird hingehen und Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und [er wird] die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen …, damit er … wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen." ¶
Brüder und Schwestern, viele schleppen stille Lasten mit sich herum: Kummer, Krankheit, Einsamkeit, Ängste oder Gebete, die scheinbar nicht erhört werden. Andere sehen sich mit Konflikten oder Isolation konfrontiert, die nur wenige von uns voll und ganz verstehen können. ¶
Wenn das Leben ungerecht und verwirrend erscheint, in düsteren Momenten, wenn Sie versucht sind, zu fragen: "O Gott, wo bist du?", dann denken Sie bitte an diese machtvolle Wahrheit: Er kennt Sie! Er, der "hinabgefahren ist unter alles", weiß, wie er Ihr gebrochenes Herz heilen und Sie wieder vollständig gesundmachen kann. Vertrauen Sie seiner Verheißung, dass die Sonne für Sie wieder aufgehen wird und es morgen besser sein wird als heute. ¶
Das hat sich mir in einer schwierigen Phase meines Lebens vermehrt erschlossen. Zu Beginn meiner Amtszeit als junger Pfahlpräsident, als meine Frau Busi und ich noch unsere Kinder großzogen, kam es mir so vor, als kämen die Herausforderungen Schlag auf Schlag. Wir hatten gerade meine Mutter beerdigt. Zwei Wochen später standen wir erneut an einem Grab – diesmal mit meinem Ratgeber, der um seinen Sohn im Teenageralter trauerte. Der Druck auf der Arbeit brachte mich an meine Belastungsgrenze, und ich fragte mich, ob ich den Erwartungen genügte – zuhause, beruflich und vor dem Herrn. ¶
Meine damaligen Gebete kommen am besten in einem PV-Lied zum Ausdruck: "Himmlischer Vater, bist du wirklich da? Und wenn ich bete, gibst du Antwort, bist mir nah?" ¶
Ich bekam meine Antwort auf unerwartete Weise. ¶
Eines Sonntags schüttete ich auf der Fahrt zu einer Gemeindekonferenz dem Herrn mein Herz aus. Als ich am Gemeindehaus ankam, hielt mich ein PV-Junge mit strahlenden Augen auf und sagte: "Wir müssen reden!" Mit ernstem Gesichtsausdruck fragte er mit beinahe tadelnder Stimme: "Wann wirst du endlich ein braver Junge?" Ich wusste, dass ich irgendetwas ausgefressen haben musste. Noch bevor ich antworten konnte, fuhr er fort: "Jeden Morgen und jeden Abend wollen meine Eltern, dass wir für dich beten." ¶
Ich werde nie ganz beschreiben können, was ich in diesem Moment empfand. Ich spürte, da sieht mich jemand. Ich spürte, da liebt mich jemand. Ich spürte, da kennt mich jemand. Ich spürte, dass ich nicht allein war. Und als ich diesem Kind in die Augen schaute, spürte ich die wärmende Liebe des Erretters. ¶
Für den Erretter gehen wir nie in der Menge unter. Er weiß, wie er uns erreichen kann – durch ein Kirchenlied, ein Lächeln, ein freundliches Wort und manchmal auch durch Menschen, bei denen wir am wenigsten damit rechnen. So wie diese Familie für mich gebetet hat, betet jetzt jemand für Sie. ¶
Bitte denken Sie daran: Ihr Schmerz ist kein Zeichen dafür, dass Gott Sie nicht liebt. Denn er liebt Sie wahrhaftig. Präsident D. Todd Christofferson hat es so erklärt: "Mittendrin im Feuer des Schmelzers sollten wir … nicht zornig auf Gott werden, sondern – im Gegenteil – näher an Gott heranrücken." ¶
Es ist so: Der Erretter kennt Sie nicht nur, er möchte auch, dass Sie ihn und seinen Vater kennenlernen. In seinem Abschiedsgebet verkündete Jesus: "Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus." ¶
Er ist der gute Hirt, der uns zu grünen Auen und zum Ruheplatz am Wasser führt. Er ist das Licht der Welt. Er erleuchtet uns den Weg, damit wir nicht in der Finsternis umhergehen müssen. ¶
Die Frage sollte nie lauten: Wird der Erretter mit mir wandeln? Das wird er gewiss! Die eigentliche Frage lautet: Werde ich mit ihm wandeln? ¶
Wenn wir uns dafür entscheiden, mit Jesus Christus zu wandeln, ändert sich alles. Er ist dann kein flüchtiger Bekannter mehr, sondern ein guter Freund im Himmel. Bitte entscheiden Sie sich doch dafür, an ihn zu denken und ihm nachzufolgen – nicht beiläufig oder gelegentlich, sondern bewusst und jederzeit. Mögen wir Jünger werden, die ihre Mitmenschen bemerken, auf sie zugehen und sie aufrichten, so wie der Erretter es getan hat. ¶
Ich bezeuge: Wenn wir auf seine Stimme in den heiligen Schriften hören, die Lehren der lebenden Propheten und Apostel befolgen, täglich umkehren und seine Aufforderung "Komm und folge mir nach!" beherzigen, finden wir in dieser immer stürmischeren Welt Frieden. ¶
Wir spüren seinen Geist und empfinden selbst in unseren schwierigsten Momenten Freude. Wir finden die Kraft, auf ihn und seine Verheißungen einer besseren Zukunft zu vertrauen. ¶
"Einer schwierigen Situation entkommen" ist für mich mehr als ein Familienname. Es ist ein Zeugnis für eine ewige Tatsache, nämlich dass wir durch Glauben an Jesus Christus und dadurch, dass wir durch die Bündnisse, die wir bei der Taufe, beim Abendmahl und in seinem heiligen Haus geschlossen haben, seinen Namen auf uns nehmen, Zugang zu seiner helfenden Macht erhalten – einer Macht, die unser Leben verändern kann und wird. Ich weiß, dass es nach seinem Zeitplan und auf seine Weise immer einen Weg vorwärts gibt. Denn er kennt den Weg nicht nur; er ist der Weg. ¶
Ob Ihr Name nun für die erste Generation in der Kirche steht oder für ein Vermächtnis des Glaubens, das sich über mehrere Generationen erstreckt – von den Namen, die wir empfangen können, ist am prägendsten für die Ewigkeit der heilige Name Jesu Christi. Wir ehren diejenigen, die vor uns gelebt haben, aber vor allem ehren wir ihn; denn in seinem Namen sind wir durch unsere auf Bündnissen beruhende Identität miteinander verbunden. ¶
Ich bezeuge, dass Jesus Christus seine Kirche wiederhergestellt hat: die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie trägt seinen Namen und enthält die Fülle seines Evangeliums mit Verordnungen und Bündnissen, die uns an ihn binden. Ich bezeuge, dass Jesus der Messias ist, der Fürst des Friedens. Er gibt uns neue Kraft und schenkt uns Freude, denn er kommt "mit Heilung in seinen Flügeln". Er streckt die Hände immer wieder nach uns aus, weil er uns nach Hause führen möchte – einen nach dem anderen, mit unserem Namen. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen. ¶