Beste Tage und schlimmste Tage
Emily Belle Freeman
Vor einigen Wochen begannen wir, die Hochzeit unserer Tochter zu planen. Mit großer Freude malten wir uns alles aus und zogen bei unseren Überlegungen alle möglichen Optionen in Betracht. Doch dann erhielt mein Mann Greg einen Anruf, den er nicht einfach übergehen konnte. Sein Onkologe bestätigte etwas, was entgegen all unserer Hoffnungen eingetreten war: Gregs Krebs war wieder da. ¶
Ist es nicht erstaunlich, wie man innerhalb weniger Minuten vom besten zum schlimmsten Tag gelangen kann? ¶
So ist das Erdenleben. Ein Ort der Bewährung. Ein Ort, der für Wachstum bestimmt ist. Ich habe gelernt: Gott lässt zu, dass das Erdenleben an uns ein Werk vollbringt – und dazu gehören sowohl die besten als auch die schlimmsten Tage. ¶
Wie stehen wir solche Tage durch? Die Geschichte des Petrus zeigt uns: Wir schöpfen Kraft, wenn wir mit Christus wandeln und an seinen ewigen Wahrheiten festhalten. ¶
"Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger[:] Für wen haltet ihr mich?" ¶
Sie hatten erlebt, wie leere Netze sich füllten, wie Stürme auf dem See sich legten, wie sich Brote vermehrten und wie Tote auferweckt wurden. Als Petrus antwortete: "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes", erwiderte Jesus: "Selig bist du, Simon …; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel." ¶
Dieser Tag muss einem wie einer der besten Tage vorgekommen sein. Der Geist bestätigte eine ewige Wahrheit, und Petrus legte mutig Zeugnis dafür ab. ¶
Doch nur drei Verse später kam es zu einer Wende. Als Jesus darauf zu sprechen kam, dass ihm der Tod bevorstand, wies ihn Petrus mit den Worten zurecht: "Das darf nicht mit dir geschehen!" ¶
"Tritt hinter mich, du Satan!", war die unmittelbare Reaktion des Erretters. ¶
Petrus hatte gute Absichten – er wollte nicht, dass der Erretter sterben musste –, doch er verstand Gottes Plan für seinen Sohn nicht. Innerhalb von nur drei Versen erlebte Petrus einen der besten Tage und dann einen der schlimmsten. ¶
Aus der Geschichte des Petrus lernen wir: Unser Verständnis ewiger Wahrheit entsteht nicht in einem einzigen Augenblick – ein Zeugnis wächst mit der Zeit, Tag für Tag, an den besten wie an den schlimmsten Tagen. ¶
Ewige Wahrheiten wie diese eröffnen sich oft durch eine sanfte Aufforderung. ¶
In Matthäus 14 gerieten Petrus und die anderen Jünger in einen Sturm. Da kam Jesus auf ihr Boot zu. Petrus rief: "Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!" Jesus reagierte darauf mit der sanften Aufforderung: "Komm!" Also stieg Petrus aus dem Boot. Er "kam über das Wasser zu Jesus". ¶
Bester Tag. ¶
Doch schon im nächsten Vers lesen wir: Petrus bemerkte den Wind, bekam Angst und war im Begriff unterzugehen. ¶
Der schlimmste Tag – in wenigen Augenblicken. ¶
Haben Sie schon einmal eine Aufforderung des Herrn angenommen und sich der Aufgabe dann nicht gewachsen gefühlt? Wir alle wissen, was Zweifeln bedeutet und wie es ist, wenn man glaubt, dass man untergeht. Doch achten Sie darauf, wo Jesus war, als Petrus der Aufforderung nachkam, die ihm zu viel abzuverlangen schien. Er rief keine Anweisungen vom Ufer herüber und gab auch keine Ratschläge aus dem sicheren Boot heraus. Er war auf dem Wasser – bei Petrus. In greifbarer Nähe. ¶
Wenn Sie den Aufforderungen des Herrn nachkommen – an Ihren besten wie an Ihren schlimmsten Tagen –, gilt das auch für Sie. ¶
Betrachten wir nun noch eine letzte Begebenheit. Beginnen wir diesmal mit dem schlimmsten Tag. ¶
In der Nacht, als Christus verhaftet wurde, leugnete Petrus dreimal, ihn zu kennen; dann krähte der Hahn. Lukas schreibt: "Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an." ¶
Über diesen Blick denke ich oft nach. ¶
Jesus wusste, dass das Schlimmste noch nicht vorbei war. Er wusste, dass noch sehr Schweres auf ihn zukommen würde. Lukas zufolge erinnerte sich Petrus, als er diesen Blick sah, an die Warnung Jesu, der Hahn werde krähen. Ich frage mich unweigerlich, ob Jesus dabei wohl an die ermutigenden Worte dachte, die er an jenem Tag zu Petrus gesagt hatte: "Ich … habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!" ¶
Vielleicht war dieser Blick kein tadelnder, sondern ein kraftspendender, der Petrus durch die schlimmsten Augenblicke tragen sollte, die ja noch vor ihm lagen: Der Prozess. Das Kreuz. Das Grab. ¶
Nach diesen schweren Tagen und einer langen Nacht, in der gefischt wurde, standen Petrus und Jesus am Ufer des Sees Gennesaret. An jenem Tag sprach der Erretter erneut eine sanfte Aufforderung aus: "Weide meine Schafe!" Petrus' Glaube war nicht erloschen, und wegen seiner tiefen Liebe zu Jesus Christus lag immer noch ein großes Werk für ihn bereit. Petrus sollte mehr sein als nur ein Fischer; er sollte jetzt ein Hirte werden. ¶
Manchmal fragen wir uns vielleicht, ob sich die Verheißungen des Herrn wirklich an uns erfüllen werden – vor allem dann, wenn alles verloren scheint. Vor allem an unseren schlimmsten Tagen. ¶
Die Geschichte des Petrus führt uns vor Augen: Sie werden sich erfüllen. ¶
Wenn man den historischen Bericht betrachtet, könnte man Petrus nachsagen, er sei ein Mann gewesen, der sich dem Plan des Vaters in den Weg stellen wollte, der wegen seines mangelnden Glaubens fast ertrank und der dreimal leugnete, den Erretter zu kennen – und all das stimmt ja auch. Gleichermaßen stimmt aber auch: Petrus ging auf dem Wasser, er war der erste Apostel, der bezeugte, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und ihm wurden Priestertumsschlüssel gegeben, um über die Kirche des Herrn zu präsidieren. Vielleicht brauchte Petrus sowohl die schlimmsten als auch die besten Tage, um derjenige zu werden, den der Herr haben wollte. ¶
Ich weiß nicht, wie es aktuell in Ihrem Leben aussieht – ob heute für Sie ein guter oder ein schlimmer Tag ist. Aber ich möchte Ihnen etwas raten. An jenem schlimmen Tag vor einigen Wochen, als Greg die Diagnose erhielt, nahm ich den Wegweiser Für eine starke Jugend zur Hand und fragte mich, ob die ewigen Wahrheiten, Aufforderungen und verheißenen Segnungen daraus Greg und mir wirklich helfen konnten, in Christus Stärke zu finden. ¶
Folgendes las ich dort – vielleicht helfen Ihnen diese Worte: ¶
"Gottes Plan ist … für dich! … Er hat alle Macht und weiß alles. Du kannst ihm vertrauen, auch wenn das Leben mal schwer ist." ¶
"Gott möchte mit dir in Verbindung stehen." Er kennt dich. Er kennt deinen Namen. "Schütte ihm dein Herz aus. … Halte inne und achte auf Antworten von ihm." ¶
"Jesus Christus hilft dir. … Wenn du Sorgen oder Angst hast oder Schwierigkeiten irgendwelcher Art durchmachst, tröstet er dich." ¶
"Wandle im Licht Gottes. … Du triffst bessere Entscheidungen, wenn du klar und deutlich sehen kannst." ¶
"Die heiligen Handlungen und Bündnisse des Tempels eröffnen dir vermehrt Zugang zu Gottes Segnungen." Sie helfen dir, im Alltag göttliche Führung zu erhalten, öfter vom Heiligen Geist und von Engeln begleitet zu werden und befähigen dich, so zu leben, wie es dein verbürgtes Recht ist, und dich auf Gottes Macht zu stützen. ¶
Und schließlich: "Jesus Christus schenkt dir Freude. … Vielleicht hast du einen schlechten Tag, eine schlechte Woche oder ein schlechtes Jahr. [Doch denk daran:] Freude ist nicht die Abwesenheit von Kummer in deinem Leben; sie rührt daher, dass [Jesus] Christus in deinem Leben gegenwärtig ist." ¶
Wenn Sie sich mit diesem Wegweiser befassen, werden Sie erkennen, dass er nicht nur Maßstäbe aufzählt; vielmehr gibt er uns Kraft. ¶
Denn Jesus Christus kennt die besten und die schlimmsten Tage: Er litt so sehr, dass ein Engel gesandt wurde, um ihn zu stärken. Ein guter Freund verriet ihn, dann kam das Kreuz auf Golgota. ¶
Doch zu seiner Geschichte gehören auch ein Garten, ein weggerollter Stein und ein leeres Grab. ¶
Ganz gleich, wie schlimm es im Moment ist: Dank ihm liegen Ihre besten Tage noch vor Ihnen. ¶
Jesus Christus macht uns stark. Das weiß ich. Dafür gebe ich Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen. ¶