Pulpit

Der Zehnte – Gott an die erste Stelle setzen

Jorge T. Becerra

Generalkonferenz April 2026·Versammlung am Samstagvormittag·2026-04-01

Der Prophet Alma stellte mehrere eindringliche Fragen, um den Mitgliedern der Kirche in Zarahemla zu helfen, als Jünger Jesu Christi eine "mächtige Wandlung" im Herzen zu erleben (Alma 5:12). Kurz darauf unterwies er die Menschen in Gideon. Als ich las, was er da sagte, fiel mir etwas auf: "Ich bin gekommen mit großen Hoffnungen, … dass ihr euch vor Gott gedemütigt habt und dass … ihr nicht in dem furchtbaren Zwiespalt seid, wie es unsere Brüder in Zarahemla waren." (Alma 7:3; Hervorhebung hinzugefügt.)

Später wiederholte er in derselben Predigt: "Ich … wünschte [sehr], ihr wäret nicht in einem Zustand des Zwiespalts wie eure Brüder." (Alma 7:18; Hervorhebung hinzugefügt.) Was war dieser furchtbare Zwiespalt? Eine mögliche Antwort ist im Neuen Testament zu finden. Der Apostel Jakobus erklärt uns, was es mit diesem Zwiespalt auf sich haben könnte: "Ein Mann mit zwei Seelen [ist] unbeständig auf all seinen Wegen." (Jakobus 1:8.)

Ein Mensch mit zwei Seelen ist jemand, der wankelmütig, unentschlossen oder hin- und hergerissen ist; jemand, dem es an Entschlossenheit mangelt, an einem bestimmten Ziel oder einer bestimmten Überzeugung festzuhalten. Eine Möglichkeit, diese zwei Seelen in sich zu überwinden, besteht darin, dass man lernt, Gott an die erste Stelle zu setzen. Jesus Christus hat gesagt: "Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit." (Matthäus 6:33; Hervorhebung hinzugefügt.)

Seit Anbeginn der Zeit hat Gott seine Kinder dazu angehalten, ihn an die erste Stelle zu setzen. Adam und Eva gab er zum Beispiel "Gebote, dass sie den Herrn, ihren Gott, anbeten sollten und die Erstlinge ihrer Herden dem Herrn als Opfer darbringen sollten. Und Adam beachtete die Gebote des Herrn.

Und nach vielen Tagen erschien Adam ein Engel des Herrn und sprach: Warum bringst du dem Herrn Opfer dar? Und Adam sprach zu ihm: Ich weiß nicht, außer dass der Herr es mir geboten hat.

Und dann sprach der Engel, nämlich: Dies ist ein Sinnbild für das Opfer des Einziggezeugten des Vaters, der voller Gnade und Wahrheit ist." (Mose 5:5-7; Hervorhebung hinzugefügt.)

Beachten Sie bitte, dass Adam und Eva vom Herrn geboten wurde, die Erstlinge ihrer Herden als Opfer darzubringen. Mit anderen Worten: Er gebot ihnen, Gott an die erste Stelle zu setzen, um nicht in einen geistigen Zwiespalt zu geraten und Menschen mit zwei Seelen zu werden.

Ich erinnere mich an ein eindrucksvolles Erlebnis vor vielen Jahren, das mich gelehrt hat, wie ich Gott an die erste Stelle setzen kann. Als junger, verheirateter Vater wurde ich in eine Zweigpräsidentschaft berufen. Elder Clinton L. Cutler von den Siebzigern hielt in unserem Zweig eine Ansprache. Nach der Versammlung hatte ich die Gelegenheit, mich mit ihm zu unterhalten.

Er spürte, dass ich etwas auf dem Herzen hatte, und fragte: "Macht Ihnen etwas Sorgen?"

"Ja", erwiderte ich, "mein Unternehmen ist finanziell angeschlagen. Ich bin mit dem Zahlen des Zehnten und der Opfergaben in Verzug geraten."

Daraufhin fragte er: "Besitzen Sie etwas Wertvolles?"

Ich weiß nicht mehr, was er sonst noch gesagt hat. Ich dachte viele Tage lang über seine Frage nach. Das einzig Wertvolle, was ich besaß, war ein Auto, das ich brauchte, um mein Unternehmen voranzubringen. Ich kam jedoch zu dem Schluss, dass ich wenigstens einen Versuch unternehmen sollte, mein Auto zu verkaufen, und so putzte und polierte ich es und schaltete eine Verkaufsanzeige.

Ich möchte hier klarstellen: Elder Cutler hatte nicht von mir verlangt, dass ich mein Auto verkaufe. Dieser Gedanke kam mir erst, als ich nachgedacht und den Wunsch verspürt hatte, Gott an die erste Stelle zu setzen.

Ein paar Tage später kam ein Mann vorbei, um sich das Auto anzusehen. Er schien interessiert zu sein; er machte eine Probefahrt und kam zurück, um die Einzelheiten zu besprechen. Er gab mir seine Visitenkarte, und ich stellte fest, dass er ein Autohaus vertrat. Ich war nervös, weil ich sicher war, was als Nächstes kommen würde: das Gefeilsche um den Preis.

Er fragte mich: "Wie viel möchten Sie für das Auto?"

Ich sagte ihm, dass ich einen bestimmten Betrag brauchte. Ich hatte ausgerechnet, was ich brauchte, um den Kredit für das Auto zu tilgen und den Zehnten zu zahlen.

Dann sagte er ganz ruhig: "In Ordnung, ich komme in ein paar Tagen mit einem Scheck wieder."

Er bedankte sich bei mir und ging. Ich konnte es gar nicht fassen. Kein Feilschen, kein Hin und Her, kein Verhandeln.

Ein paar Tage später kam er mit einem Scheck über den von mir geforderten Betrag wieder. Ich war überrascht und erstaunt, als er mit dem Auto davonfuhr. Ich reichte den Scheck ein und zahlte meinen Zehnten.

Als ich über diese Geschehnisse nachdachte, wurde mir klar, dass ich nun kein Auto mehr hatte, um mein Unternehmen weiterbetreiben zu können. Während ich noch überlegte, was ich nun machen sollte, rief mich ein Freund an und sagte: "Jorge, dir gefällt doch mein Auto, oder?" Zu diesem Zeitpunkt hätte mir jedes Auto gefallen! Er erinnerte mich daran, dass seine Frau Zwillinge erwartete und er ein größeres Auto kaufen musste, und fragte mich, ob ich bereit wäre, die Raten für sein Auto zu übernehmen. Es war ein Wunder!

Wenn ich so auf dieses Erlebnis zurückblicke, wundere ich mich, woher ich die Zuversicht nahm, mein Auto verkaufen und den Zehnten zahlen zu können. Ich erinnere mich noch an einen Familienabend, an dem meine Mutter machtvoll Zeugnis für das Gesetz des Zehnten gab. Meine Eltern waren in die Vereinigten Staaten eingewandert, nachdem sie ein Stellenangebot erhalten hatten, das mit einer Aufenthaltsgenehmigung für uns verbunden war. Wir erlebten jedoch finanzielle Rückschläge – wie so viele Einwanderer, die sich an ein neues Land und Wirtschaftssystem erst noch gewöhnen müssen.

Mit einem Blick, der ihr sicheres Zeugnis widerspiegelte, sagte sie: "Wir müssten schon die leibhaftige Hand Jehovas sehen, um noch mehr Gewissheit zu haben, dass er uns segnet, wenn wir den Zehnten zahlen."

Präsident Gordon B. Hinckley hat gesagt: "Ich weiß, dass die Lage der Menschen schwierig ist. Ich weiß, dass viele von ihnen arbeitslos sind. Ich weiß, dass viele von ihnen für einen sehr geringen Lohn arbeiten. Ich weiß, dass sie in einfachen und unzulänglichen kleinen Häusern leben – dem Einzigen, was sie sich leisten können. Ich glaube, dass sie nicht aus der Armut herauskommen werden, wenn sie nicht den Zehnten zahlen. … Jetzt ist die Zeit, Kraft im Evangelium zu entfalten, und dazu gehört auch das Zahlen des Zehnten. … Was wirklich zählt, ist der Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn." (Schulungsversammlung für Generalautoritäten, 2. Oktober 2001.)

Ich weiß, dass diese Aussage auf unser zeitliches Leben zutrifft, aber auch auf unser geistiges Leben. Ich bin mir sicher, dass das Zahlen des Zehnten und der Opfergaben unsere geistigen Fähigkeiten stärkt, denn dann setzen wir ja Gott an die erste Stelle und bringen unsere "Erstlinge der Herde" dar (siehe Mose 5:5).

Ich bezeuge, dass geistige Kraft und Führung ungekannten Ausmaßes in unser Leben einziehen, wenn wir das Gesetz des Gehorsams und des Opferns halten. Ein Beweis für diese Wahrheit findet sich in der schlichten Aussage des Herrn, nachdem Adam Opfer dargebracht hatte: "Und an jenem Tag fiel der Heilige Geist auf Adam." (Mose 5:9.)

Elder David A. Bednar hat gesagt: "Das Bild der 'Schleusen' des Himmels [bei Luther heißt es 'Fenster'], dessen Maleachi sich bedient, ist äußerst lehrreich [siehe Maleachi 3:10]. Durch ein Fenster kann natürliches Licht ins Innere eines Gebäudes dringen. Ebenso strömen geistige Erleuchtung und eine geistige Sichtweise durch die Fenster des Himmels in unser Leben, wenn wir das Gesetz des Zehnten befolgen." ("Die Schleusen des Himmels", Liahona, November 2013, S. 18.)

Ich bezeuge, dass Jesus Christus das vollkommene Beispiel dafür ist, wie man Gott an die erste Stelle setzt. Ich bezeuge, dass er sein Leben als Symbol der völligen Unterwerfung unter den Willen seines Vaters hingegeben hat. Er ist der Messias, unser aller Erretter und Erlöser. Dallin H. Oaks ist sein Prophet. Ich gebe feierlich Zeugnis dafür, dass er lebt. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Diese Ansprache zitierenJorge T. Becerra, „Der Zehnte – Gott an die erste Stelle setzen“, Generalkonferenz April 2026, Versammlung am Samstagvormittag (2026-04-01). Pulpit Vault, 2026-04-becerra-tithingputting-god-first. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).