Pulpit

Die Welt überwinden und Ruhe finden

Russell M. Nelson

Generalkonferenz Oktober 2022·Versammlung am Sonntagvormittag·2022-10-01

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich bin dankbar, Sie an diesem herrlichen Sabbatmorgen begrüßen zu dürfen. Ich denke immerzu an Sie. Ich bewundere es, wie Sie eilends zur Tat schreiten, wann immer Sie sehen, dass jemand in Not ist. Ich staune über Ihren Glauben und Ihr Zeugnis, die Sie immer wieder unter Beweis stellen. Ich weine angesichts Ihres Kummers, Ihrer Enttäuschungen und Sorgen. Ich habe Sie lieb. Ich versichere Ihnen, dass unser Vater im Himmel und sein geliebter Sohn Jesus Christus Sie lieben. Sie sind sich Ihrer Lebensumstände, Ihrer Herzensgüte, Ihrer Bedürfnisse und Ihrer Hilfe erbittenden Gebete sehr wohl bewusst. Immer wieder bete ich dafür, dass Sie ihre Liebe zu Ihnen spüren mögen.

Ihre Liebe leibhaftig zu erfahren ist lebensnotwendig, da es scheint, als seien wir täglich einem Ansturm an ernüchternden Nachrichten ausgesetzt. Vielleicht würden Sie sich an manchen Tagen am liebsten den Schlafanzug anziehen, sich zusammenrollen und jemanden bitten, Sie erst wieder zu wecken, wenn der Tumult vorbei ist.

Aber, meine lieben Brüder und Schwestern: Viel Wunderbares liegt noch vor uns. Die Tage werden kommen, da sich die Macht des Erretters in einer Großartigkeit kundtun wird, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Zwischen dem heutigen Tag und der Zeit, da er "mit Macht und großer Herrlichkeit"1 zurückkehren wird, wird der Erretter den Glaubenstreuen unzählige Vorzüge, Segnungen und Wunder erweisen.

Dennoch leben wir jetzt in einer sicherlich äußerst schwierigen Zeit der Weltgeschichte. Angesichts der vielschichtigen Probleme und Schwierigkeiten sind viele Menschen überfordert und erschöpft. Vielleicht kann aber etwas, was sich jüngst zugetragen hat, ein Licht darauf werfen, wie Sie und ich Ruhe finden können.

Während der Tage der offenen Tür des Washington-D.C.-Tempels, die kürzlich stattfanden, wurde ein Mitglied des Komitees für die Tage der offenen Tür Zeuge eines aufschlussreichen Wortwechsels. Dieser Bruder geleitete diverse bekannte Journalisten durch den Tempel, und irgendwie hatte sich seiner Führung für die Medienvertreter eine junge Familie angeschlossen. Ein Reporter erkundigte sich einige Male nach der "Reise", die man als Tempelbesucher von Raum zu Raum durchläuft. Er wollte wissen, ob diese "Tempelreise" denn symbolisch dafür stehe, was für Herausforderungen einem auf dem Lebensweg begegnen.

Ein kleiner Junge der Familie bekam diese Unterhaltung mit. Als die Gruppe einen Endowment-Raum betrat, deutete der Junge auf den Altar, an dem man sich hinkniet, um Bündnisse mit Gott zu schließen, und sagte: "Ach, wie schön! Hier können sich die Leute auf ihrer Tempelreise ausruhen."

Ich bezweifle, dass dem Jungen bewusst war, wie tiefgründig seine Bemerkung war. Vermutlich wusste er nichts über die direkte Verbindung zwischen dem Schließen von Bündnissen mit Gott im Tempel und der beachtlichen Verheißung des Erretters:

"Kommt her zu mir alle, die ihr niedergedrückt und belastet seid: Ich will euch Ruhe schaffen!

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir[:] So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen;

denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht."2

Liebe Brüder und Schwestern, ich bin bekümmert wegen derer, die die Kirche verlassen, weil sie meinen, die Mitgliedschaft verlange ihnen zu viel ab. Sie haben noch nicht entdeckt, dass das Schließen und Halten von Bündnissen das Leben eigentlich viel leichter macht! Jeder, der in einem Taufbecken und in einem Tempel Bündnisse schließt und diese dann hält, kann vermehrt auf die Macht Jesu Christi zugreifen. Bitte denken Sie über diese erstaunliche Wahrheit nach!

Der Lohn dafür, dass wir unsere Bündnisse mit Gott halten, ist Macht vom Himmel – Macht, die uns die Kraft gibt, Prüfungen, Versuchungen und Kummer besser auszuhalten. Diese Macht ebnet uns den Weg. Wer nach den höheren Gesetzen Jesu Christi lebt, hat Zugang zu seiner höheren Macht. Wer eingegangene Bündnisse hält, hat daher ein Anrecht auf eine besondere Art der Ruhe, die ihm aufgrund seiner Bündnisbeziehung zu Gott zuteilwird.

Bevor sich der Erretter den Todesqualen in Getsemani und auf Golgota unterwarf, erklärte er seinen Aposteln: "In der Welt habt ihr Bedrängnis; doch seid getrost: Ich habe die Welt überwunden!"3 Später bat Jesus uns, es ihm gleichzutun, als er sagte: "Ich will, dass ihr die Welt überwindet."4

Liebe Brüder und Schwestern, meine Botschaft an Sie heute lautet: Weil Jesus Christus diese gefallene Welt überwunden hat und weil er für jeden von uns gesühnt hat, können auch Sie diese Welt überwinden, die so mit Sünde gesättigt, egozentrisch und oftmals kräftezehrend ist.

Weil der Erretter jeden von uns durch sein unbegrenztes Sühnopfer von Schwäche, Fehlern und Sünde erlöst hat und weil er jeden Schmerz, jeden Kummer und jede Last, die Sie je bedrückt haben, durchlebt hat,5 können Sie – wenn Sie wahrhaft umkehren und ihn um Hilfe bitten – über diese gegenwärtig so prekäre Welt hinauswachsen.

Sie können die geistig und seelisch kräftezehrenden Plagen der Welt überwinden, darunter Hochmut, Stolz, Zorn, Unsittlichkeit, Hass, Habgier, Eifersucht und Angst. Trotz der Ablenkungen und Verzerrungen, die uns umbrausen, können Sie wahre Ruhe finden, nämlich Hilfe und Frieden – selbst inmitten Ihrer ärgsten Probleme.

Diese wichtige Wahrheit führt uns zu drei grundlegenden Fragen:

Diese Ansprache zitierenRussell M. Nelson, „Die Welt überwinden und Ruhe finden“, Generalkonferenz Oktober 2022, Versammlung am Sonntagvormittag (2022-10-01). Pulpit Vault, 2022-10-nelson-overcome-the-world-and-find-rest. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).