Pulpit

Brüder, wir haben ein Werk zu verrichten!

D. Todd Christofferson

Generalkonferenz Oktober 2012·Priestertumsversammlung·2012-10-01

Junge Männer, ihr müsst in der Schule gute Leistungen bringen und eure Ausbildung nach dem Schulabschluss fortsetzen. Einige von euch werden an der Universität studieren wollen und eine Karriere im Wirtschaftsleben, in der Landwirtschaft, in der Politik oder sonst einem Beruf anstreben. Einige werden sich in der Kunst, in der Musik oder als Lehrer hervortun. Wieder andere werden eine Laufbahn beim Militär einschlagen oder ein Handwerk erlernen. Im Laufe der Jahre hatte ich etliche Handwerker bei mir zu Hause, die allerhand anfertigten oder reparierten. Ich habe den Fleiß und das Geschick dieser Männer immer bewundert. Welchen Beruf ihr auch wählt – es kommt darauf an, dass ihr darin tüchtig seid, damit ihr eine Familie versorgen und der Gesellschaft oder eurem Land mit guten Leistungen dienen könnt.

Vor kurzem sah ich ein Video, in dem ein Tag im Leben des 14-jährigen Amar in Indien gezeigt wurde. Er steht früh auf und geht vor und nach der Schule zwei Jobs nach, und das sechseinhalb Tage die Woche. Mit seinem Einkommen leistet er einen wesentlichen Beitrag zum Unterhalt seiner Familie. Nach Einbruch der Dunkelheit radelt er auf seinem zerbeulten Fahrrad von seinem zweiten Job rasch nach Hause und bringt in den verbleibenden Stunden irgendwie seine Hausaufgaben unter, bevor er gegen 23 Uhr zwischen seinen schlafenden Geschwistern auf seine Schlafstatt auf dem Boden sinkt. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich bewundere seinen Fleiß und seinen Mut. Er macht das Allerbeste aus seinen beschränkten Mitteln und Möglichkeiten, und er unterstützt seine Familie.

Sie, die Sie erwachsen sind ‒ Väter, Alleinstehende, Führungsbeamte, Heimlehrer ‒ seien Sie ein Vorbild an Würdigkeit, und helfen Sie der heranwachsenden Generation von Jungen, ein Mann zu werden. Bringen Sie ihnen soziale und andere Kompetenzen bei: wie man sich an einem Gespräch beteiligt, wie man Menschen kennenlernt und den rechten Umgang pflegt, wie man sich Frauen und Mädchen gegenüber verhält, wie man dient, wie man seine Freizeit aktiv verbringt, einem Hobby nachgeht, ohne davon abhängig zu werden, wie man Fehler wiedergutmacht und bessere Entscheidungen trifft.

Und deswegen sage ich – wie Jehova zu Josua – allen, wo immer sie auch gerade sind, wenn sie diese Botschaft hören: "Sei[d] mutig und stark!" (Josua 1:6.) Fasst euch ein Herz und bereitet euch ungeachtet eurer Lebensumstände bestmöglich vor. Bereitet euch darauf vor, ein guter Ehemann und Vater zu werden und ein anständiger, leistungsfähiger Bürger. Bereitet euch darauf vor, dem Herrn zu dienen, dessen Priestertum ihr tragt. Wo ihr auch sein mögt: Der Vater im Himmel achtet auf euch. Ihr seid nicht allein, und ihr habt das Priestertum und die Gabe des Heiligen Geistes.

Ihr werdet vielerorts gebraucht, und hauptsächlich auch in eurem Priestertumskollegium. Wir brauchen Kollegien, die die Mitglieder am Sonntag geistig aufbauen und die außerdem dienen. Wir brauchen Kollegiumsführer, die sich darauf konzentrieren, das Werk des Herrn zu tun und die Kollegiumsmitglieder und deren Familien zu unterstützen.

Denkt auch an die Missionsarbeit. Junge Männer, ihr habt keine Zeit zu vergeuden. Ihr könnt nicht erst mit 17 oder 18 Jahren damit beginnen, euch ernsthaft vorzubereiten. Die Kollegien des Aaronischen Priestertums können ihren Mitgliedern helfen, den Eid und Bund des Priestertums zu verstehen und sich auf die Ordinierung zum Ältesten vorzubereiten, sie können ihnen helfen, die heiligen Handlungen des Tempels zu verstehen und sich darauf vorzubereiten, und sie können ihnen helfen, sich für eine erfolgreiche Mission bereit zu machen. Die Kollegien des Melchisedekischen Priestertums und die Frauenhilfsvereinigung können den Eltern dabei helfen, Missionare auszusenden, die das Buch Mormon kennen und die mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Und in jeder Gemeinde und jedem Zweig können die Kollegien zielgerichtet mit den dort dienenden Vollzeitmissionaren zusammenarbeiten.

Eine ähnliche Arbeit ruht ebenfalls hauptsächlich auf den Schultern der Priestertumsträger, nämlich der Aufruf des Heilands, den Präsident Thomas S. Monson so oft wiederholt hat: diejenigen zu retten, die sich vom Evangelium entfernt haben oder aus irgendeinem Grund abgeneigt sind. Bei diesen Bemühungen sind wir sehr erfolgreich, unter anderem durch die hervorragende Arbeit junger Männer. Ein AP-Kollegium der spanischen Gemeinde Rio Grande in Albuquerque, New Mexico, beriet darüber, wen es zurückbringen könne. Dann besuchte die Gruppe gemeinsam jeden Einzelnen. Ein Junge sagte: "Als sie vor meiner Tür standen, spürte ich, dass ich wichtig war", und ein anderer meinte: "Ich habe mich sehr gefreut, dass jemandem so viel daran liegt, dass ich in die Kirche gehe. Jetzt habe auch ich den Wunsch, in die Kirche zu gehen." Als die Kollegiumsmitglieder einen dieser Jungen zur Kirche einluden, fragten sie ihn, ob er nicht mit ihnen einen weiteren Jungen besuchen wolle, und er begleitete sie. Sie luden ihn nicht nur ein, in die Kirche zu kommen; sie bezogen ihn an Ort und Stelle ins Kollegium ein.

Eine weitere fordernde, doch auch belebende Priestertumsaufgabe ist Genealogie und Tempelarbeit. Beachten Sie das Schreiben der Ersten Präsidentschaft, das in Kürze eintreffen wird. Es enthält einen erneuten Aufruf und vermittelt eine höhere Vision von diesem unerlässlichen Teil des Werkes, das wir zu verrichten haben.

Unsere Kollegien sind einander brüderlich verbunden und unterstützen einander. Präsident Gordon B. Hinckley hat einmal gesagt: "Wie herrlich wird der Tag sein, liebe Brüder, da sich die Absichten des Herrn erfüllen, wenn nämlich unsere Priestertumskollegien für alle Männer, die ihnen angehören, ein starker Anker sind und jeder Mann sagen kann: 'Ich gehöre einem Priestertumskollegium der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. Ich bin jederzeit bereit, meinen Brüdern zu helfen, wenn sie mich brauchen, und ich weiß mit Sicherheit, dass sie bereit sind, auch mir zu helfen. … Wenn wir zusammenarbeiten, können wir unerschrocken und selbstsicher jedem Sturm standhalten, der uns entgegenbraust, sei er wirtschaftlicher, gesellschaftspolitischer oder geistiger Natur.'"6

Trotz unserer besten Bemühungen läuft nicht immer alles wie geplant, und einer der Stürme, die einem Mann entgegenbrausen können, ist die Arbeitslosigkeit. In einer früheren Broschüre der Kirche zum Thema Wohlfahrt steht: "Wenn ein Mann keine Arbeit hat, ist das für die Kirche von besonderem Belang. Er ist seines Erbteils beraubt und wird geprüft wie einst Ijob – seine Redlichkeit steht in Frage. Wenn aus Wochen voller Widrigkeiten zunächst Monate und schließlich Jahre werden, gräbt sich die Schmach immer tiefer ein. … Die Kirche kann nicht hoffen, sie könne einen Mann am Sonntag erretten, wenn sie unter der Woche gleichgültig Zeuge wird, wie seine Seele gekreuzigt wird."7

Im April 2009 hat Richard C. Edgley, ehemals Ratgeber in der Präsidierenden Bischofschaft, von einem vorbildlichen Kollegium erzählt, das sich zusammengetan hat, um einem Kollegiumsmitglied zu helfen, das arbeitslos geworden war:

"Die Werkstatt 'Phil's Auto' in Centerville/Utah ist ein Beweis dafür, was Priestertumsführer und ein Kollegium erreichen können. Phil war Mitglied eines Ältestenkollegiums und arbeitete als Mechaniker in einer Autowerkstatt am Ort. Unglücklicherweise geriet die Werkstatt in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Phil entlassen. Diese Wendung der Dinge war für ihn niederschmetternd.

Als sein Bischof, Leon Olsen, und sein Ältestenkollegiumspräsident erfuhren, dass Phil seine Arbeit verloren hatte, überlegten sie im Gebet, wie sie Phil wieder auf die Beine helfen könnten. Schließlich war er ihr Bruder im Kollegium und benötigte Hilfe. Sie fanden, Phil habe das Zeug, eine eigene Werkstatt zu führen. Ein Bruder im Kollegium meinte, er habe noch eine alte Scheune, die man vielleicht als Werkstatt einrichten könnte. Andere Kollegiumsmitglieder konnten das notwendige Werkzeug und Ersatzteile für die Grundausstattung der Werkstatt beschaffen. Und fast jeder im Kollegium konnte wenigstens helfen, die Scheune herzurichten.

Sie trugen Phil ihre Ideen vor, dann berichteten sie den Kollegiumsmitgliedern von ihrem Plan. Die Scheune wurde gesäubert und instand gesetzt, die Werkzeuge zusammengetragen und alles Notwendige veranlasst. 'Phil's Auto' war ein Erfolg, und schließlich zog Phil in bessere, weniger provisorische Räume – all das, weil seine Brüder im Kollegium in der Krise ihre Hilfe angeboten hatten."8

Natürlich ist es so, wie die Propheten in all den Jahren immer wieder gesagt haben: "Die wichtigste Arbeit, die Sie jemals für den Herrn tun können, ist das, was Sie in Ihren vier Wänden tun."9 Wir haben viel zu tun, um die Ehe zu stärken in einem gesellschaftlichen Umfeld, das ihre Bedeutung und ihren Zweck zunehmend bagatellisiert. Wir haben viel zu tun, um unsere Kinder zu lehren, "zu beten und untadelig vor dem Herrn zu wandeln" (LuB 68:28). Unsere Aufgabe ist keine geringere, als unseren Kindern zu helfen, dass sie die mächtige Wandlung im Herzen – die Bekehrung zum Herrn – erleben, die so beredt im Buch Mormon beschrieben wird (siehe Mosia 5:1–12;Alma 26). Gemeinsam mit der Frauenhilfsvereinigung können die Priestertumskollegien Eltern und Ehen aufbauen, und die Kollegien können Alleinerziehenden und deren Kindern die Segnungen des Priestertums zukommen lassen.

Ja, Brüder, wir haben ein Werk zu verrichten. Danke für die Opfer, die Sie bringen, und all das Gute, was Sie tun. Gehen Sie weiter voran, und der Herr wird Ihnen zur Seite stehen. Vielleicht wissen Sie manchmal nicht genau, was Sie tun oder sagen sollen, aber gehen Sie es einfach an. Schreiten Sie zur Tat, und der Herr sichert Ihnen zu, dass sich Ihnen "eine wirksame Tür … öffnen" wird (LuB 118:3). Öffnen Sie den Mund, und der Herr verheißt: "Ihr [werdet] vor den Menschen nicht zuschanden werden; denn es wird euch zur selben Stunde, ja, im selben Augenblick eingegeben werden, was ihr sagen sollt." (LuB 100:5,6.) Es ist wahr, dass wir in vielerlei Hinsicht ganz normale, unvollkommene Menschen sind, aber wir haben einen vollkommenen Meister, der ein vollkommenes Sühnopfer vollbracht hat, und wir können seine Gnade und sein Priestertum in Anspruch nehmen. Wenn wir umkehren und unsere Seele reinigen, ist uns verheißen, dass wir aus der Höhe belehrt und mit Macht ausgerüstet werden (siehe LuB 43:16).

Die Kirche, die Welt und die Frauen sehnen sich nach Männern – Männer, die ihre Fähigkeiten und Talente ausbauen, die bereit sind, zu arbeiten und Opfer zu bringen, und die anderen helfen, glücklich zu werden und die Errettung zu erlangen. Sie rufen: "Erhebt euch, o Männer Gottes!"10 Möge Gott uns hierin beistehen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Diese Ansprache zitierenD. Todd Christofferson, „Brüder, wir haben ein Werk zu verrichten!“, Generalkonferenz Oktober 2012, Priestertumsversammlung (2012-10-01). Pulpit Vault, 2012-10-christofferson-brethren-we-have-work-to-do. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).