Pulpit

Vater sein – eine Berufung für die Ewigkeit

L. Tom Perry

Generalkonferenz April 2004·Versammlung am Sonntagvormittag·2004-04-01

Wer sich heutzutage genau in der Welt umsieht, wird immer mehr feststellen, dass der Satan Überstunden macht, um die Menschenseelen zu versklaven. Sein Hauptziel dabei ist die Grundeinheit der Gesellschaft – die Familie.

Während der letzten paar Jahrzehnte hat der Satan in einem aggressiven Feldzug diese fundamentale und allerwichtigste Einrichtung herabgewürdigt und verunglimpft. Sein Erfolg wird immer deutlicher – die grausigen Fakten sieht, hört und meldet man täglich, und zu diesen zählt auch der Zerfall zahlreicher Familien. Der Zerfall der Familie hat schreckliche Folgen für die Gesellschaft: zunehmende Kriminalität, Verhaltensstörungen, Armut, Drogenmissbrauch und so weiter.

Mir scheint, dass der Satan besonders den Ehemann und Vater im Visier hat. Die heutigen Medien beispielsweise greifen ihn schonungslos an; sie verspotten und verunglimpfen den Ehemann und Vater in seiner von Gott gegebenen Rolle.

Es mag nützlich sein, die Darstellung des Ehemanns und Vaters in den Medien den heiligen Schriften gegenüberzustellen. Da finden wir großartige Vorbilder.

Der Himmlische Vater und der Erretter. Das Neue Testament gewährt uns einen kleinen Einblick in das Verhältnis des Erretters zu seinem Vater. Einen sehr lebhaften Eindruck bekommen wir in Getsemani, kurz vor dem Verrat.

"[Jesus] kniete nieder und betete:

Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.

Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft."1

Mose und Jitro. Es gibt in Exodus ein Beispiel, wo Jitro, Moses Schwiegervater, beobachtet, wie Mose die Kinder Israels regiert:

"Als der Schwiegervater des Mose sah, was er alles für das Volk zu tun hatte, sagte er: Was soll das, was du da für das Volk tust? Warum sitzt du hier allein und die vielen Leute müssen vom Morgen bis zum Abend vor dir anstehen?

Mose antwortete seinem Schwiegervater: Die Leute kommen zu mir, um Gott zu befragen. …

Da sagte der Schwiegervater zu Mose: Es ist nicht richtig, wie du das machst.

So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist. Das ist zu schwer für dich; allein kannst du es nicht bewältigen."2

Dann erklärte Jitro, wie Mose seine Aufgaben delegieren und tüchtige, gottesfürchtige Männer berufen solle, die als Richter in Israel fungieren sollten:

"Sie sollen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung stehen. Alle wichtigen Fälle sollen sie vor dich bringen, die leichteren sollen sie selber entscheiden. Entlaste dich und lass auch andere Verantwortung tragen!"3

Alma. Im Buch Mormon steht, dass Alma, der Sohn Almas, sich gegen Gott auflehnte und allerlei Schlechtes tat. Alma, der Vater, betete mit viel Glauben dafür, dass sein Sohn die Wahrheit erkennen möge. Sein Beten wurde auf ganz besondere Weise erhört:

"Und nun begab es sich: Während er umherging, die Kirche Gottes zu vernichten, … da erschien ihnen der Engel des Herrn; und er kam wie in einer Wolke herab; und er sprach wie mit einer Donnerstimme, …

und so groß war ihre Bestürzung, dass sie zur Erde fielen und die Worte, die er zu ihnen sprach, nicht verstanden.

Doch er rief abermals, nämlich: Alma, erhebe dich und tritt vor, denn warum verfolgst du die Kirche Gottes? Denn der Herr

hat gesprochen: Dies ist meine Kirche, und ich werde sie aufrichten; und nichts wird sie zu Fall bringen als allein die Übertretung meines Volkes.

Und weiter sprach der Engel: Siehe, der Herr hat die Gebete seines Volkes vernommen, ebenso auch die Gebete seines Knechtes Alma, der dein Vater ist; denn er hat mit viel Glauben für dich gebetet, damit du zur Erkenntnis der Wahrheit gebracht würdest; darum bin ich nun zu diesem Zweck gekommen, dich von der Macht und Vollmacht Gottes zu überzeugen, damit die Gebete seiner Knechte gemäß ihrem Glauben erhört würden."4

Als Alma der Jüngere sich von diesem Erlebnis erholt hatte, war er ein völlig anderer Mensch.

Mit einem ausgeklügelten Plan zur Vernichtung der Familie versucht der Satan, die Rolle des Vaters herabzusetzen. Steigende Gewalt und Kriminalität unter Jugendlichen, größere Armut und wirtschaftliche Unsicherheit sowie der Umstand, dass immer mehr Kinder in der Schule versagen, zeigen sehr deutlich, dass es vielerorts am guten Einfluss des Vaters zu Hause mangelt.5 Die Familie braucht einen Vater, der ihr Halt gibt.

Wir haben inzwischen aus jahrhundertelanger Erfahrung gelernt, dass die Familie das stabilste und sicherste Fundament für die Gesellschaft bietet und dass sie grundlegend für die Vorbereitung der heranwachsenden Generation auf ihre künftigen Aufgaben ist. Wir sollten inzwischen gelernt haben, dass alternative Familienformen nicht funktionieren und auch nie funktionieren werden. Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel haben dies deutlich erklärt, und zwar in "Die Familie – eine Proklamation an die Welt":

"Wir, die Erste Präsidentschaft und der Rat der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, verkünden feierlich, dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und dass im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht.

Alle Menschen – Mann und Frau – sind als Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung. Das Geschlecht ist ein wesentliches Merkmal der individuellen vorirdischen, irdischen und ewigen Identität und Lebensbestimmung. …

Das erste Gebot, das Gott Adam und Eva gab, bezog sich darauf, dass sie als Ehemann und Ehefrau Eltern werden konnten. Wir verkünden, dass Gottes Gebot für seine Kinder, sich zu vermehren und die Erde zu bevölkern, noch immer in Kraft ist. Weiterhin verkünden wir, dass Gott geboten hat, dass die heilige Fortpflanzungskraft nur zwischen einem Mann und einer Frau angewandt werden darf, die rechtmäßig miteinander verheiratet sind. …

Gott hat es so vorgesehen, dass der Vater in Liebe und Rechtschaffenheit über die Familie präsidiert und dass er die Pflicht hat, dafür zu sorgen, dass die Familie alles hat, was sie zum Leben und für ihren Schutz braucht. Die Mutter ist in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig. Vater und Mutter müssen einander in diesen heiligen Aufgaben als gleichwertige Partner zur Seite stehen. …

Wir weisen warnend darauf hin, dass jemand, der die Bündnisse der Keuschheit verletzt, der seinen Ehepartner oder seine Kinder misshandelt oder seinen familiären Verpflichtungen nicht nachkommt, eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen muss. Weiter warnen wir davor, dass der Zerfall der Familie Unheil über die einzelnen Menschen, die Gemeinwesen und die Nationen bringen wird, wie es in alter und neuer Zeit von den Propheten vorhergesagt worden ist."6

Da wir solche Warnungen für die Zukunft der Kinder des Himmlischen Vaters bekommen haben, müssen Vater und Mutter in sich gehen und sich vergewissern, dass sie die Anweisungen des Herrn befolgen und eine ewige Familie aufbauen. Was erwartet der Herr nun von den Vätern?

Sobald die Familie gegründet ist, hat der Vater unter anderem die folgenden Aufgaben:

Diese Ansprache zitierenL. Tom Perry, „Vater sein – eine Berufung für die Ewigkeit“, Generalkonferenz April 2004, Versammlung am Sonntagvormittag (2004-04-01). Pulpit Vault, 2004-04-perry-fatherhood-an-eternal-calling. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).