Unsere Kinder auf den Tempel vorbereiten
Carol B. Thomas
Brüder und Schwestern, ich denke doch, daß es Freude macht, heute hier zu stehen. ¶
Mit meiner Berufung in der JD-Präsidentschaft gehen viele schöne Erlebnisse einher. Vor einem Monat war ich in Guayaquil in Ecuador, um die Führungskräfte dort zu schulen. Ich kam erst nach Einbruch der Dunkelheit in meinem Hotel an. Am nächsten Morgen zog ich die Vorhänge zurück und erblickte in der Ferne einen wunderschönen Granitbau, der sich majestätisch über den Hügeln von Santa Ana erhob. Er war einfach unglaublich schön. Doch erst, als ich den Engel Moroni auf der Spitze erkannte, wurde mir unter Tränen bewußt, daß es ein Tempel war Symbol für all die herrlichen Segnungen, die den Mitgliedern der Kirche in diesem Teil der Welt zuteil werden können. ¶
"Ein Tempel unterscheidet sich von allen anderen Gebäuden… . Es ist ein Ort der Bündnisse und Verheißungen. Dort knien wir an einem Altar vor Gott, unserem Schöpfer, und erhalten die Verheißung immerwährender Segnungen." (Gordon B. Hinckley, Teachings of Gordon B. Hinckley [1997], 632f.) Auf unseren Reisen sehen wir immer wieder, daß Tempel gebaut werden, Tempel, die die Heiligen Gottes erheben und das Aussehen des Landes verändern in Südamerika oder sonstwo auf der Welt. ¶
Ist wirklich erst ein Jahr vergangen, seit unser geliebter Prophet den Bau von weiteren 32 Tempeln angekündigt hat? Präsident Gordon B. Hinckley hat gesagt: "Heute ist die größte ära des Tempelbauens in der Weltgeschichte." (Teachings, 629.) ¶
Unser jüngster Sohn, Spencer, ist zur Zeit in der Mongolei auf Mission. Er hat geschrieben, sein Missionspräsident habe zu den Missionaren und Mitgliedern in diesem relativ neuen Gebiet der Kirche darüber gesprochen, daß es ihre Aufgabe sei, die Kirche dort aufzubauen. "Als Präsident Cox dann den Mitgliedern die Gelegenheit gab, Fragen zu stellen, lautete die erste Frage, die ihm gestellt wurde: Wann wird es in der Mongolei einen Tempel geben?' Diese Menschen", schreibt Spencer, "hungern danach, daß das Evangelium ihr Leben noch mehr durchdringt. Sie haben noch nicht einmal das Buch Mormon, aber sie wünschen sich einen Tempel." ¶
Warum ist der Tempel so wichtig? Weil der Sinn und Zweck eines Tempels, einfach ausgedrückt, darin besteht, "alle Menschen zu erlösen, die den Gesetzen und Geboten Gottes gehorchen… . Das Evangelium wurde in seiner Fülle Adam offenbart, und … die Heiligen hatten in allen Zeitaltern Tempel in irgendeiner Form." (Elder David B. Haight, "Die persönliche Gottesverehrung im Tempel," Der Stern, Juli 1993, 23.) ¶
Joseph Smith hat gesagt: "Die wichtigste Aufgabe, die Gott uns in dieser Welt auferlegt, besteht darin, daß wir nach unseren Toten forschen." (Historyof the Church, 6:313.) Wenn dem so ist, dann besteht für uns als Eltern und Familienangehörige die größte Aufgabe darin, unsere Kinder auf den Tempel vorzubereiten. In erster Linie ist dies die Aufgabe der Eltern, aber Großeltern, Tanten und Onkel, ja, sogar die Geschwister können alle bei der Unterweisung mitwirken. ¶
Als mein Mann und ich im Tempel heirateten, wußten wir, wie wichtig es ist, das, was im Tempel geschieht, nicht außerhalb des Tempels zu besprechen nicht etwa, weil die Zeremonien geheim, sondern weil sie vielmehr heilig sind. "Es wird nichts darüber verlautbart, damit nicht jemand davon erfährt, der nicht dafür bereit ist." (Boyd K. Packer, Der heilige Tempel, 2.) Aber wir können unseren Lieben daheim doch viele kostbare Wahrheiten vermitteln. Mit Einfühlungsvermögen und Verständnis können wir unsere Kinder auf den Tempel vorbereiten. ¶
Hier nun einiges, was wir unseren Kindern sagen dürfen, (und Ihnen wird dazu bestimmt noch mehr einfallen): ¶
Die Tempelkleidung ist heilig. Im Tempel sind alle weiß gekleidet. Weiß ist ein Symbol für Reinheit. ¶
Der Tempel ist das Klassenzimmer des Herrn. Präsident Hinckley hat gesagt: "[Der Tempel] wird zur Schule der Unterweisung in den erhabenen und heiligen Belangen Gottes." (Der Stern, November 1993, 6.) ¶
Was es bedeutet, würdig zu sein, um in den Tempel zu gehen. Können wir unseren Kindern vermitteln, daß niemand seine Kleidung oder seinen Lebensstil ändern muß, wenn er die Begabung empfängt und das heilige Garment trägt, vorausgesetzt, er hat die Grundsätze der Tempelwürdigkeit schon vorher verstanden und dementsprechend gelebt? Eine junge Frau, die stets knielange Röcke trägt, benötigt keine neue Kleidung, wenn sie die Begabung im Tempel empfängt. Und ein junger Mann, der weiß, daß er einmal in den Tempel gehen wird, hält sich in seinem Umgang bereits vorher an die sittlichen Maßstäbe der Kirche. ¶
Die Sprache des Evangeliums lernen. Was bedeuten Worte wie Begabung, heilige Handlung, Siegelung oder Schlüssel wirklich? Es gibt da diese nette Geschichte von einem Jungen, dessen Eltern darüber sprachen, daß sie im Tempel Siegelungen durchführen wollten. Er wollte wissen: "Macht ihr nächste Woche die Wände?" Er konnte nicht wissen, daß der "Schlüssel der Siegelungsmacht gleichbedeutend [ist] mit [dem] Schlüssel des immerwährenden Priestertums" (Der heilige Tempel, 21). ¶
Wo können wir unsere Kinder unterweisen? Ganz formell während des Familienabends, aber es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wo wir über unsere geistigen Empfindungen für den Tempel sprechen können. Ich mag zum Beispiel die Zeit vor dem Schlafengehen. Manchmal habe ich mich, wenn die Kinder schon im Bett lagen, dazugelegt und mit ihnen über Geistiges gesprochen. In dieser stillen und friedlichen Atmosphäre kann der Geist dem Kind in Herz und Seele bezeugen, daß das, was Sie sagen, wahr ist. ¶
Bestimmt haben auch Josef und Maria ihre Kinder über den Tempel unterwiesen. Als der Erretter zwölf Jahre alt war, nahmen ihn seine Eltern zum Paschafest nach Jerusalem mit. Der Tempel war damals der Mittelpunkt des Gemeinwesens. Als Jesus in Jerusalem zurückblieb, hielt er sich nicht an irgendeiner Vergnügungsstätte auf, wie das für einen Jungen seines Alters zu erwarten gewesen wäre. Nein, seine Eltern fanden ihn im Tempel. Vielleicht hat Maria ihm, wenn sie ihn abends zu Bett brachte, von diesen heiligen und kostbaren Wahrheiten Zeugnis gegeben. ¶
Meine erste Erinnerung an den Tempel stammt aus meiner frühen Kindheit. Mir wurde bewußt, daß der Tempel ein wunderbarer Ort sein mußte, denn meine Eltern gingen treu hin und kamen stets gut gelaunt wieder. Wie heilig die Tempelkleidung ist, wurde mir aus der liebevollen Art klar, in der meine Mutter voll Liebe und Achtung darüber sprach. ¶
Präsident Howard W. Hunter hat gesagt: "Wir wollen unseren Kindern von den geistigen Gefühlen erzählen, die wir im Tempel erleben. Und wir wollen ihnen in aller Ernsthaftigkeit den Zweck des Hauses des Herrn erklären, so … wie wir ihn darstellen dürfen. Hängen Sie bei sich zu Hause ein Bild des Tempels auf, so daß Ihre Kinder es immer sehen." (Präsident Howard W. Hunter, "Ein Volk, das gern in den Tempel geht", Der Stern, Mai 1995, 6.) In Afrika habe ich in jeder Wohnung, die ich besucht habe, ein Bild von einem Tempel schlicht aber schön an der Wand hängen gesehen. ¶
Wir werden gesegnet, wenn wir unsere Kinder auf den Tempel vorbereiten. Ich möchte gern einiges aufzählen, was mir bewußt geworden ist: ¶