Pulpit

Der Weg zum Frieden

Thomas S. Monson

Generalkonferenz April 1994·Priestertumsversammlung am Samstagabend·1994-04-01

A diesem schönen Ostermorgen erfüllen Gebete des Dankes für das Leben und die Mission unseres Herrn und Erretters Jesus Christus die Luft, während Klänge inspirierender Musik unserem Herzen Trost spenden und unserer Seele den zeitlosen Gruß zuflüstern: "Friede sei mit euch."

In einer Welt, in der jedermann den Frieden sucht, fragen wir uns, warum die Gewalt die Straßen erobert hat. Berichte von Morden und sinnlosem Töten füllen die Zeitungsspalten, und Streitigkeiten und Konflikte schänden die Heiligkeit der Familie und ersticken die Ruhe so vieler Menschen.

Vielleicht kommen wir vom Weg ab, der zum Frieden führt, und müssen innehalten, nachdenken und uns die Lehren des Friedensfürsten durch den Kopf gehen lassen und uns vornehmen, daß wir sie zu einem Teil unseres Denkens und Handelns machen und ein höheres Gesetz leben, eine höher gelegene Straße nehmen und bessere Jünger Christi werden.

Der verheerende Hunger in Somalia, der brutale Haß in Bosnien und die ethnischen Kämpfe auf der ganzen Welt erinnern uns daran, daß der Frieden, nach dem wir trachten, nicht ohne Mühe und Entschlossenheit zustande kommt. Zorn, Haß und Streit lassen sich nur schwer besiegen. Im zerstörerischen Kielwasser dieser Feinde bleiben Sorgentränen, Schmerz und die zertrümmerten Hoffnungen dessen zurück, was hätte sein können. Ihr Einfluß beschränkt sich nicht auf die Schlachtfelder des Krieges, sondern läßt sich allzuoft auch zu Hause beobachten - am Herd und im Herzen. So schnell vergißt manch einer den Rat des Herrn, und so spät erinnert er sich seiner: "Es soll unter euch keine Auseinandersetzungen geben; … Denn wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer den Geist des Streites hat, ist nicht von mir, sondern vom Teufel, der der Vater des Streites ist, und er stachelt den Menschen das Herz auf, im Zorn miteinander zu streiten.

Siehe, es ist nicht meine Lehre, daß den Menschen das Herz zum Zorn gegeneinander aufgestachelt werde; sondern es ist meine Lehre, daß es Derartiges nicht mehr geben soll."1

Wenn wir die Uhr zurückdrehen, dann erinnern wir uns, daß vor fünfundfünfzig Jahren eine verzweifelt arrangierte Friedenskonferenz in München zusammentrat. Die Führer der europäischen Mächte trafen sich, während die Welt am Rand des Krieges dahin taumelte. Ihre offen erklärte Absicht bestand darin, eine Richtung einzuschlagen, die - in ihren Augen - den Krieg abwenden und den Frieden aufrechterhalten würde. Mißtrauen, Intrige und Machthunger verurteilten diese Konferenz zum Scheitern. Die Folge war nicht "Friede in unserer Zeit", sondern vielmehr Krieg und Zerstörung in einem noch nie gekannten Ausmaß. Übersehen oder ignoriert wurde der unvergeßlich bewegende Appell eines Mannes, der in einem früheren Krieg gefallen war. Er schien im Namen seiner Millionen Kameraden zu schreiben - seien sie nun Freunde oder Feinde:

Auf Flanderns Feldern steht der Mohn zwischen den Kreuzen Reih' an Reih'. Da liegen wir, und über uns die Lerche fliegt tapfer vorbei in der Salven Donnerton.

Tot sind wir! Noch vor Tagesfrist war schön für uns und bunt die Welt; wir hatten, was jetzt nicht mehr ist. Tod herrscht auf Flanderns Feld. Kämpft weiter für uns wie ein Held.

Der schlaffen Hand entfällt das Licht. 'Nun haltet ihr es bitte hoch. Und seid uns Toten untreu nicht sonst flieht der Schlaf uns noch, im Mohn auf Flanderns Feld.2

Sind wir dazu verurteilt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen? Nach einer so kurzen Friedenszeit nach dem 1. Weltkrieg kam die Katastrophe des 2. Weltkrieges. Ja, im kommenden Juni wird der 50. Jahrestag der berühmten Landung der Alliierten an den Stranden der Normandie begangen. Zehntausende von Würdenträgern und Veteranen werden sich am Schauplatz zusammenscharen, wo die Landung wieder nachgespielt wird. Ein Verfasser hat vermerkt: "Die Normandie hatte mehr geweihte Tote, als sie verkraften konnte. Sie liegen in Gräbern zwischen Falaise und Cherbourg: 13796 Amerikaner; 17958 Briten; 8658 Kanadier; 650 Polen und etwa 65000 Deutsche - insgesamt über 106000 Tote, und das sind nur Soldaten, die innerhalb eines Sommers das Leben verloren."3 Ähnliche Berichte ließen sich über die schrecklichen Verluste auf anderen Schauplätzen jenes Krieges schreiben.

Der berühmte Staatsmann William Gladstone nannte das Rezept für Frieden, als er sagte: "Wir freuen uns auf die Zeit, wenn die Macht der Liebe an die Stelle der Liebe nach Macht tritt. Dann wird unsere Welt den Segen des Frieden erleben."

Wenngleich der Weltfriede ein erhabenes Ziel ist, so ist er nur die natürliche Entwicklung des persönlichen Friedens, den jeder zu erlangen trachtet. Ich spreche nicht vom Frieden, für den der Mensch wirbt, sondern vom Frieden, den Gott verheißt. Ich spreche vom Frieden in unserer Familie, vom Frieden im Herzen, ja, vom Frieden im Leben. Der Friede nach der Weise der Menschen vergeht. Der Friede nach der Weise Gottes wird obsiegen.

Uns wird klar: "Zorn ist keine Lösung. Er baut nichts auf, kann aber alles zerstören."4 Die Folgen von Konflikten sind so verheerend, daß wir uns nach Führung sehnen - nach einer Methode, wie wir unseren Erfolg gewährleisten können, während wir den Weg zum Frieden suchen. Wie können wir eine so umfassende Segnung empfangen?

Gibt es Vorbedingungen? Denken wir daran: Um Gottes Segnungen zu erlangen, muß man Gottes Gebote halten. Ich möchte Ihnen dreierlei vorschlagen, was unser Denken leitet und unseren Schritt führt:

Diese Ansprache zitierenThomas S. Monson, „Der Weg zum Frieden“, Generalkonferenz April 1994, Priestertumsversammlung am Samstagabend (1994-04-01). Pulpit Vault, 1994-04-monson-the-path-to-peace. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).