Pulpit

Geschenke

Thomas S. Monson

Generalkonferenz April 1993·Allgemeine Versammlung am Sonntagvormittag·1993-04-01

Präsident David O. McKay hat häufig darüber gesprochen, daß wir uns von unserem hektischen Tagesablauf, der angefüllt ist mit Briefen, die zu beantworten sind, Anrufen, die zu tätigen sind, Leuten, die zu besuchen sind, Versammlungen, an denen wir teilnehmen müssen, freimachen und uns die Zeit nehmen müssen, ganz tief über die ewigen Wahrheiten und die Quelle der Freude und des Glücks nachzusinnen, nach denen doch jeder Mensch strebt.

Wenn wir das tun, weichen die weltlichen, die mechanischen, die sich ständig wiederholenden Muster unseres Lebens den geistigen Aspekten, und wir erlangen eine Dimension, die wir dringend brauchen und die unser tägliches Leben mit Geist erfüllt. Wenn ich diesen Rat befolge, dann gehen mir Gedanken an meine Familie, an Erlebnisse mit Freunden und kostbare Erinnerungen an besondere Tage und stille Abende durch den Sinn und bescheren mir eine stille Gelassenheit.

Die Weihnachtszeit mit ihrer besonderen Bedeutung bringt unausweichlich eine Träne mit sich, inspiriert zu erneuter Verpflichtung gegenüber Gott und schenkt den Erschöpften Ruhe und der Seele Frieden, wie es in einem Lied so schön heißt.

Ich muß an die Gegensätze denken, die zum Weihnachtsfest gehören. Die ausgefallenen Geschenke, die teuer und professionell verpackt werden, steigern sich bis hin zu den bekannten Katalogen mit dem Titel "Für den, der schon alles hat". In einem solchen Katalog habe ich einmal ein Haus mit über dreihundert Quadratmetern Wohnfläche gesehen, das mit einer Riesenschleife und der entsprechenden Grußkarte versehen war, auf der "Fröhliche Weihnachten" stand. Außerdem gab es da diamantenbesetzte Golfschläger, eine Kreuzfahrt durch die Karibik für den Reisenden und eine Luxusreise in die Schweizer Alpen für den Abenteurer. Dazu paßt ein Weihnachtscartoon, auf dem die drei Sterndeuter aus dem Morgenland mit Geschenkpaketen auf ihren Kamelen nach Betlehem reisen. Der eine sagt: "Paß auf, Baltasar, mit diesen Geschenken setzen wir etwas in Gang, das irgendwann mal überhandnehmen wird!"

Aber es gibt auch die bekannte Weihnachtsgeschichte von O. Henry von dem jungen Ehepaar, das in großer Armut lebte, einander aber etwas Besonderes schenken wollte. Nur hatten sie nichts zu verschenken. Da hatte der Mann eine Inspiration: "Ich werde meiner lieben Frau einen wunderschönen Kamm schenken, mit dem sie ihre herrlichen langen Haare kämmen kann." Auch die Frau hatte eine Idee: "Ich werde meinem Mann eine schöne Kette für die Uhr kaufen, die er so sehr liebt."

Der Weihnachtstag kam; sie tauschten die kostbaren Geschenke aus. Dann kam das überraschende Ende, wie so oft in O. Henrys Kurzgeschichten: Die Frau hatte sich die langen Haare abgeschnitten und sie verkauft, um die Uhrkette kaufen zu können, und erfuhr jetzt, daß ihr Mann die Uhr verkauft hatte, um ihr den Kamm zu kaufen, mit dem sie die schönen langen Haare schmücken sollte, die sie ja jetzt nicht mehr hatte. (Siehe "Gifts of the Magi".)

Zu Hause habe ich in einer der hinteren Ecken einen kleinen schwarzen Spazierstock mit silberfarbenem Griff liegen. Er hat einmal einem entfernten Verwandten gehört. Warum bewahre ich ihn jetzt schon sechzig Jahre auf? Es gibt dafür einen besonderen Grund. Als ganz kleiner Junge habe ich nämlich einmal bei der Weihnachtsaufführung in unserer Gemeinde mitgemacht. Ich durfte einer der drei Sterndeuter sein. Mit einem bunten Halstuch um den Kopf, Mutters guter Klavierbankdecke um die Schultern und dem schwarzen Spazierstock in der Hand sprach ich meine Zeilen: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." (Matthäus 2:2.) Ich kann mich nicht mehr an den gesamten Text des Krippenspiels erinnern, aber ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Gefühle, die ich im Herzen hatte, als wir drei "Sterndeuter" nach oben blickten und den Stern sahen, als wir die Bühne überquerten, Maria mit dem Jesuskind fanden und niederfielen und es anbeteten und unsere Schätze hervorholten und ihm die Geschenke überreichten: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Vor allem gefiel es mir, daß wir nicht zu dem bösen Herodes zurückkehrten, um den kleinen Jesus zu verraten, sondern Gott gehorchten und auf einem anderen Weg wieder abreisten.

Die Jahre sind dahingeeilt, die Ereignisse in meinem arbeitsreichen Leben nehmen in den heiligen Hallen der Erinnerung den ihnen gemäßen Platz ein, aber der Weihnachtsspazierstock hat in meinem Haus noch immer seinen besonderen Platz; und im Herzen trage ich die Verpflichtung gegenüber Christus.

Legen wir doch ein paar Augenblicke lang die Weihnachtskataloge beiseite, in denen so exotische Geschenke dargestellt sind.

Denken wir auch nicht mehr an die Blumen für Mutter, den schönen Schlips für Vater, die niedliche Puppe, den Zug, der pfeift, das langersehnte Fahrrad - auch die "Star Trek"-Bücher und die Videos - und wenden wir uns in Gedanken den gottgegebenen Geschenken zu, die uns auf Dauer bleiben. Ich habe aus der langen Liste nur vier ausgewählt:

Diese Ansprache zitierenThomas S. Monson, „Geschenke“, Generalkonferenz April 1993, Allgemeine Versammlung am Sonntagvormittag (1993-04-01). Pulpit Vault, 1993-04-monson-gifts. Offizielle Übersetzung der Kirche, churchofjesuschrist.org.Pulpit Vault, Ausgabe vom 23. September 2026 (commit 4bdc6ac627).