Zeugnis der Wahrheit
Rulon S. Wells
Meine Brüder und Schwestern, ich freue mich über das Evangelium Jesu Christi und über die herrlichen Zeugnisse, die während dieser Konferenz von seiner göttlichen Wahrheit gegeben worden sind. Ich bin sicher, dass die Heiligen der Letzten Tage sich in ihren Zeugnissen sehr gestärkt fühlen müssen, weil sie den Versammlungen dieser Konferenz beigewohnt haben, denn wahrlich, es hat ein Ausgießen des Geistes Gottes über sein Volk gegeben. Wenn ich vor mir auf diese gewaltige Versammlung blicke, die sich an diesem Mittwochnachmittag hier versammelt hat, ist es beinahe wunderbar, so viele Gesichter zu sehen, alle darauf bedacht, das Wort Gottes zu empfangen, so wie es zu ihnen gesprochen werden wird. Ich habe in meinem Herzen ernstlich gebetet, dass dem Volk das Brot des Lebens gereicht werden möge, dass seine Zeugnisse gestärkt werden mögen und dass es zu einer absoluten Erkenntnis der Wahrhaftigkeit dieses Werkes gelangen möge, mit dem wir befasst sind. Ich glaube nicht, dass es uns möglich ist, der Wichtigkeit, ein persönliches Zeugnis vom Evangelium zu haben, zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder Heilige der Letzten Tage hat die dringendste Notwendigkeit, für sich selbst zu wissen, dass dies das Werk des Herrn ist, und zu wissen, dass Gott in dieser Zeit abermals gesprochen und den Menschen seine göttliche Vollmacht übertragen hat. Wir lesen in den Schriften, und es ist uns von Zeit zu Zeit gesagt worden, dass der Herr ein geprüftes Volk haben wird. Das Einzige, was das Volk befähigen wird, die Prüfungen zu bestehen, die über es kommen mögen, wird die Erkenntnis sein, die es besitzt, dass dies das Werk Gottes ist. Wenn jene Erkenntnis in seinen Herzen Wurzel gefasst hat, mögen die Stürme der Widerwärtigkeit und großen Heimsuchungen kommen, aber es wird fest und unerschütterlich stehen, weil sein Glaube auf dem Felsen der Offenbarung gegründet sein wird. Es ist uns gerade gesagt worden, dass kein Vater und keine Mutter ihren Kindern die Wahrhaftigkeit des Evangeliums offenbaren kann. Das ist wahr; aber es gibt einen Vater, den wir alle anbeten, der sie uns offenbaren kann und wird, wenn wir danach trachten und tun, was notwendig ist, um sie zu erlangen. Gott ist Liebe. Er liebt die Seelen der Menschenkinder, und wir sind seine Kinder und haben von ihm seine göttlichen Eigenschaften geerbt. In uns sollte eine Liebe zu unserem Himmlischen Vater geboren werden. Das große Gebot, das alle anderen einschließt, lautet: „So liebe denn den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit all deiner Kraft und mit deiner ganzen Seele!" Und es gibt ein zweites, das ihm gleicht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" Wenn die Liebe Gottes in unseren Herzen Wurzel gefasst hat und wenn wir jene Liebe in unserem Leben bezeugen, wird sie Frucht bringen und uns dazu bringen, zu einer Erkenntnis Gottes zu gelangen, dessen Erkenntnis das ewige Leben ist. Es gibt viele Menschen, die vorgeben, an Christus, den Erlöser der Welt, zu glauben, die dennoch nicht an diesen wesentlichen Grundsatz seines Evangeliums glauben – den Grundsatz, durch den Petrus wusste, dass Jesus der Christus war. Sie haben jenen Grundsatz verworfen und in ihren Herzen und mit ihren Lippen gesagt, dass Gott sich nicht vom Himmel her offenbart. Sie glauben nicht an den Grundsatz der Offenbarung; und dennoch ist es der Grundsatz, der Leben und Kraft gibt, und ohne ihn kann die Kirche Christi nicht auf Erden bestehen. Nicht nur bezieht sich dieser Grundsatz auf die Führer des Volkes, sondern er erstreckt sich auf alle Söhne und Töchter Gottes, die eine Erkenntnis seines göttlichen Willens zu erlangen suchen. Wir alle haben das Recht auf Verbindung mit unserem Vater, und die Schriften sind voller Verheißungen, dass wir empfangen werden, wenn wir bitten, dass die Tür sich uns öffnen wird, wenn wir anklopfen, und dass wir finden werden, wenn wir suchen. Dies kann nur durch das Wirken jenes wesentlichen Grundsatzes der Offenbarung geschehen. „Denn wer von den Menschen kennt das innere Wesen eines Menschen? Doch nur der Geist, der in dem betreffenden Menschen wohnt." Und der Geist Gottes ist der Geist der Offenbarung, der aus der Gegenwart des Vaters und des Sohnes hervorgeht und in das Wesen all derer eingeht, die eifrig nach ihnen suchen. Wenn wir zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen sollen, muss es durch den Grundsatz der Offenbarung geschehen. Wir müssen wissen, dass Gott unseren Gebeten Gehör schenken wird; und wenn wir dann Prüfungen haben, können wir uns ihm nahen und ihn um Weisheit bitten, in der vollen Gewissheit, dass er uns nicht schelten oder tadeln, sondern unseren Gebeten Gehör schenken und sie über unseren Häuptern erhören wird. Ich weiß, dass dieser Grundsatz wahr ist, und es obliegt uns, die Gunst Gottes zu erlangen. Männer und Frauen in der Welt suchen mehr die Gunst ihrer Mitgeschöpfe, und wenn sie diese in dem Maße erlangen können, dass sie in den Augen des Volkes erhöht werden, so scheint dies mehr ihr Ehrgeiz zu sein als die Gunst Gottes zu erlangen. Sie sind ehrgeiziger darin, von ihren Mitmenschen gut gesprochen zu werden, als von Gott, ihrem ewigen Vater, geliebt zu werden. ¶
Daher die Wichtigkeit, zu lernen, jenes große Gebot zu halten, den Herrn mit unserem ganzen Herzen zu lieben. Was verstehen wir darunter, den Herrn mit unserem ganzen Herzen zu lieben? Ist es die Funktion des Herzens zu lieben? Dies mag vielleicht nur ein Sinnbild sein. Das Herz ist ein Organ des Körpers, dessen besondere Aufgabe es ist, das Blut im Körper zu pumpen, es zum Kreisen zu bringen und jedem Teil davon Leben und Lebenskraft zu verleihen. Die Hände und Füße werden von Muskeln gesteuert, und sie gehorchen, zusammen mit anderen Gliedern des Körpers, dem Willen des Menschen bedingungslos. Wir gehen hierhin und dorthin, von einem Ort zum anderen, auf Anweisung des Verstandes, des vernünftigen Teils des Menschen, und es herrscht vollkommene Übereinstimmung in den Vorgängen des Körpers im Gehorsam gegenüber dem Willen des Menschen. Aber nicht so mit dem Herzen. Obgleich es, wie die Hände und Füße, von Muskeln gesteuert wird, ist es dennoch nicht dem Willen des Menschen unterworfen. Wir arbeiten mit unseren Händen, und wir mögen die Muskeln des Körpers in verschiedenen Tätigkeiten einsetzen, und wenn die Nacht hereinbricht und wir unsere Körper zur Ruhe legen, entspannen sich die Muskeln, und der Körper liegt untätig. Nicht so mit dem Herzen. Es schlägt weiter und weiter, die ganze Nacht hindurch wie am Tag; und wenn jenes Herz aufhört zu schlagen, dann ist das Leben dahin. Der Verstand beherrscht das Herz nicht. Er sagt dem Herzen nicht: „Schlage weiter" oder „Höre nun auf zu schlagen." Das Herz wird von einer höheren Intelligenz gesteuert, und wenn die Stimme von ihm kommt: „Höre auf zu schlagen," dann wird jener Sohn oder jene Tochter zu Gott gerufen. Wenn also der Herr sagt: „Mein Sohn, gib mir dein Herz," verlangt er das, was ihm gehört; und wenn er von uns verlangt, ihn mit unserem ganzen Herzen zu lieben, so bedeutet dies einfach dies: dass wir ihn mit unserem ganzen Leben lieben sollten. Die lebensspendende Kraft des Menschen sollte dem Dienst Gottes gewidmet sein. Was auch immer unsere Beschäftigung sein mag, alles muss unserer Treue und Hingabe an Gott, der uns das Leben und das Dasein auf Erden gegeben hat und durch den jenes Leben erhalten wird, nachgeordnet sein. Es scheint mir, meine Brüder und Schwestern, dass, wenn wir jenes große Gebot halten und den Herrn mit unserem ganzen Herzen lieben würden, dann unsere Füße auf die Pfade der Sicherheit gestellt wären, und dann, komme was wolle, sind wir auf dem Felsen gegründet, und wir werden imstande sein, standzuhalten. Ich habe ein Zeugnis, dass dies das Werk des Herrn ist, mit dem wir befasst sind, und dass die Männer, die an der Spitze stehen und die wir heute Nachmittag das Vergnügen und Vorrecht haben werden, durch das Erheben unserer Hände zu unterstützen, Männer Gottes sind, von ihm berufen, dieses Volk zu führen. Die Gebete der Heiligen der Letzten Tage sollten sich vereinigen, um unseren Vater im Himmel zu bitten, sie mit den Offenbarungen seines Willens auszustatten, damit sie den Sinn und Willen Gottes hinsichtlich seines Volkes empfangen mögen, und damit wir jederzeit bereit und willens sein mögen, ihre Ratschläge zu empfangen und uns in unserem Leben vom Willen des Vaters leiten zu lassen. Dies ist mein Gebet im Namen Jesu. Amen. ¶
Schwester Lottie Owen, mit ausgezeichnet ¶